Schmiergelder angenommen? Alles halb so wild, liebe Kollegen!
Diejenigen Kollegen, welche in den letzten Jahren Schmiergelder von Rationpharm angenommen haben, gehen straffrei aus, berichtet der Spiegel heute. Das entsprechende Verfahren ist eingestellt worden.
Dann ist ja alles klar.
Das Geschäftsessen heute Abend mit dem netten Vertreter eines großen Arzneimittelherstellers, welcher natürlich nicht genannt werden möchte brauche ich also nicht abzusagen. Und wenn er mir nach dem Dessert nicht wieder einen kleinen Umschlag überreicht, dann werde ich morgen früh mal bei Don Corleone anrufen.
A propos… morgen Mittag werde ich mit dem Vertreter einer anderen Pharmafirma einen kleinen Espresso trinken übermorgen habe nach Feierabend ein kurzes Date mit der sehr attraktiven Vertreterin eines dritten Unternehmens.
Moment mal… was steht da?
Nur Niedergelassene Ärzte dürfen Bestechungen annehmen, da sie ja, im Gegensatz zu Angestellten eines Kreiskrankenhauses nicht im öffentlichen Dienst sind?
O Mann, ich muss wohl doch mal ganz schnell mit meinem Anwalt reden!
Nein, ich habe nichts gesagt! Vergesst alles, was ich weiter oben geschrieben habe… vergesst es einfach!




Es gibt nicht “das” Verfahren, es gibt mehr als 2.000 Verfahren, die von der ursprünglich die Ermittlungen führenden Staatsanwaltschaft beim Firmensitz von Ratiopharm nach dem Abschluss der Ermittlungen gegen die Ratiopharm-Führungsebene an die für den jeweiligen Wohnsitz der jeweiligen Pharmareferenten und Ärzte zuständigen Staatsanwaltschaften abgegeben wurden. Einige von denen stellen die Ermittlungsverfahren offenbar jetzt ein (wobei mich die Begründung auf Anhieb nicht überzeugt, weil der Tatvorwurf m.W. gar nicht auf “Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr” lautet, sondern auf Betrug oder Untreue). Für die übrigen Staatsanwaltschaften bundesweit besagt das wenig – und die Staatsanwaltschaft Ulm hat meines Wissens gegen die Ratiopharm-Verantwortlichen bereits vor einiger Zeit schon Anklage erhoben.
-thh
13. September 2009 um 14:12