Aus dem OP in den Knast
Nein, noch sitzt er nicht im Knast.
Das Gerichtsverfahren soll erst nächste Woche beginnen. Aber wenn das wahr ist, was die “Zeit” in ihrer gestrigen Ausgabe (derzeit leider nur auf Papier, noch nicht online verfügbar) schreibt, dann ist das schon ein starkes Stück… nein, mehr als das… ein unvergleichbarer Medizinkrimi ist das.
Der Chirurg Christoph B., Professor und Chefarzt an der Essener Uni-Klinik, hat sich von Patienten bestechen lassen und einige von ihnen nach Strich und Faden abgezockt.
B. war Leiter der Abteilung für Transplantationschirurgie und galt – und gilt – als international bekannte Koryphäe auf dem Gebiet der Lebertransplantation.
Für viele Menschen – schwerstkranke, todkranke Patienten mit Tumorleiden im Endstadium – war er so etwas wie die letzte Hoffnung: und das hat er ausgenutzt.
Gegen Bargeld, Käsch in die Täsch ohne Quittung – hat er auch dort operiert, wo es klüger gewesen wäre, nichts mehr zu machen. Und dann war er auch noch in Organhandel-Deals verwickelt.
Kurz und gut: Er hat sich seinen Nimbus vergolden lassen.
Und seine Underdogs haben geschwiegen. Niemand hat sich getraut, den Großen Meister anzuschwärzen.
So ist das halt in unserem Gewerbe.
Ärztliche Schweigepflicht einmal anders. Das kennt man ja aus Sizilien: Omerta nennt man es dort.




Gibts eigentlich schon was neues von dem Klinikleiter der meinte Zitronensaft zum desinfizieren reicht aus?
Denis
18. September 2009 um 16:02
Darauf wollte ich auch hinaus, Denis.
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,649410,00.html
Diesen Fall finde ich persönlich noch eine Spur schlimmer, gerade auch weil sich die Stadt, der das Krankenhaus vorher gehörte, sich vollends aus der Verantwortung gezogen hat.
stef
19. September 2009 um 10:51
Ohne einen – anscheinend – rabenschwarzen Schafbock in Schutz nehmen zu wollen: der Spiegel-Artikel strotz aber auch vor medizinischem Nonsens und Ungereimtheiten! Bin mal gespannt, was da rauskommt.
der Landarsch
21. September 2009 um 11:03
Selbstverständlich ist auch der Spiegel nicht fehlerfrei und über jeden Zweifel erhaben. Aber die Stoßrichtung stimmt wohl, zumal mehrere Zeitungen etc. ähnlich berichten.
stef
21. September 2009 um 13:33