Wie Chirurgen sterben (Teil 4)
Dr. Großbaum sitzt aufrecht in seinem Bett.
“Jawoll, es hat sich gelohnt!” sagt er und für eine Sekunde sieht er richtig zufrieden aus.
“Damals. Wenn man gut war. Dann hat man nach fünf Jahren seinen Facharzt gemacht. So ein, zwei Jahre später hat man dann seine Oberarztstelle bekommen. Und sieben Jahre später ist man Chef geworden. Das war damals so, wenn man gut war. Denn wir haben Ärzte gebraucht. Wir haben die Perser und die Neger ins Land geholt…”
Dr. Großbaum sinkt wieder in sein Kissen zurück.
“…waren gute Zeiten. Damals, in den Sechzigern…”
“Würden Sie es nochmal machen?” frage ich.
Aber er scheint mich nicht zu hören. Er japst nach Luft und wirkt etwas benommen.
“Er braucht jetzt Ruhe!” sagt Schwester Paula und schiebt mich hinaus.
“Warum kriegt er eigentlich so selten Besuch?” frage ich sie draußen auf dem Flur.
Schwester Paula schüttelt den Kopf.
Sie schlägt die Akte auf und runzelt die Stirn.
“Ich glaube, er hat keine Angehörigen mehr…”




jaja, die gute alte Zeit… Wie alt ist Dr. Großenbaum denn? Seine ganze Quarzerei scheint ihm ja zumindest nicht zu einem frühen Tod zu verhelfen. Ich hatte im Kopf, dass Chirurgen im Durchschnitt eine deutlich geringere Lebenserwartung haben, stimmt das eigentlich?
Und wie ist es mit dem Alkohol, damit operiert es sich doch sicher für einige leichter? Hier gab es mal – vor langer Zeit – einen Prof, Herzchirurg, der nur mit Promille den Druck ertragen konnte. Hat ihm dann natürlich irgendwann den Job gekostet. Ich gestehe, dass er mir leid tat damals.
Nina
11. August 2010 um 12:55
Liegt das mit den Angehörigen am Alter oder an seinem alten Job?
ichbinines
11. August 2010 um 14:55