Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

schlechte Nachrichten übermitteln… schon wieder schlecht gelaufen

with 8 comments

Wuseliger Nachmittag im Schwesternzimmer. Heute ist echt der Wurm drin. Zahllose Patienten und Angehörige stehen in der Tür und wollen was… außerdem die armen Schwestern ständig von den bösen Doktors belagert.
Und wieder mal klingelt das Telefon. Das tut es eigentlich fast pausenlos.
Schwester Paula hebt ab.
“Ja?”
“…”
“Herr Maier? Moment mal!”
Blick auf die Tafel, auf der alle Patienten mit Zimmernummer verzeichnet sind.
“Nee, tut mir leid, der liegt nicht hier!”
“…”
“Ja, gut möglich, dass er mal hier gelegen hat…”
“…”
“Nein, ich kann Ihnen nicht sagen, wann er entlassen worden ist, ich…”
“…”
“…ich bin heute leider gerade aus dem Urlaub zurück. Mein erster Tag. Sie müssen entschuldigen…”
“:…”
“Wenn Sie möchten, kann ich Sie mit der Pforte verbinden…”
“…”
“Die wissen auch nichts, sagen Sie? Moment mal!”
Schwester Paula legt den Hörer auf den Schreibtisch und dreht sich um.
“Kennt hier jemand einen Herrn Maier?”
Keine Antwort. Gewusel in allen Ecken.
Schwester Paula steht auf. Tapptapptapp ins Nebenzimmer.
“Kennt hier jemand einen Herrn Maier? “
Keine Antwort.
“Hallo???”
Plötzlich eine Stimme aus der offenstehenden Küchentür.
“Ja?”
“Ja? Maier Eduard… Weiß jemand, wo der hin ist?”
“Der liegt doch längst am Friedhof!”
Schwester Paula greift wieder zum Telefonhörer.
Dann wird sie knallrot. Und dann ganz kleinlaut.

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Written by medizynicus

17. Dezember 2010 at 05:56

Veröffentlicht in Uncategorized

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8 Antworten

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  1. autsch!

    Frisch aus dem Urlaub zurück kann man ihr nicht vorwerfen, dass sie das nicht weiß.
    Offensichtlich wars kein nahestehender Angehöriger, sonst hätte er es schon gewusst.

    Blogolade

    17. Dezember 2010 at 07:28

  2. Puh, sowas darf eigentich nicht passieren oder?! Das ist ja schrecklich. :-(

    Svenja-and-the-City

    17. Dezember 2010 at 07:39

  3. … schon wieder schlecht gelaufen klingt danach, als würde sowas in eurem KKH öfter passieren (?)

    Peinlich an dieser Stelle nicht für Schwester Paula, sondern eher für die lieben Kollegen, die ihr eigentlich hätten zur Seite stehen müssen und den Anruf übernehmen müssen – da P. den Patienten NICHT kannte! Meine Meinung.

    Mich wundert’s allerdings nicht wirklich. War dieser Tage selbst auf ‘Stippvisite’ in unserem Kreiskrankenhaus und habe das gleiche, von dir beschriebene Gewusel, erlebt – (gefühlte)ewige Warterei am Schwesternstützpunkt (Schwesternzimmer war ja früher), weil sich augenscheinlich niemand zuständig fühlte.

    Seit Zeiten der Zimmerpflege läuft vieles anders – und in meinen Augen nicht grad besser. Ich kenne durchaus andere Zeiten. Früher war eine Pflegekraft – i.d. Regel diejenige, die die Schicht geleitet hat – für administrative Aufgaben zuständig, während der Rest GEPFLEGT hat. Da kannte jeder jeden Patienten und Auskunft geben war kein Problem. Mittlerweile muss man schon Glück haben, wenn vor Ort überhaupt jemand Auskunft geben kann oder will!

    Ich weiß ja nicht, wie das an eurem KH läuft, aber so habe ich es mehr als einmal erlebt. Zugänglich wurde das Pflegepersonal vor Ort meist nur, wenn ich durchblicken ließ, dass ich vom ‘Fach’ bin und selbst mal in dem Haus gearbeitet habe.

    Patienten werden mit Morphium + Muskelrelaxantienten ruhiggstellt (was an sich schon letale Folgen haben kann) anstatt Ursachenforschung zu betreiben und das bei minimalstem Pflegeaufwand, weil Zeit hat sowieso niemand. DAS ist schrecklich und man mag sich nicht vorstellen, wo das in Zukunft noch hinführen mag.

    Sorry, dass es so viel geworden ist, aber ich könnte mich über deieses Thema stundenlang echauffieren und wenn ich mich jetzt nicht selbst gebremst hätte, wäre es vermutlich ein Roman geworden.

    anima

    17. Dezember 2010 at 09:17

  4. Ein Lehrstück aus der Kategorie: Wie es nicht laufen sollte, aber dank der heutigen Zustände im Gesundheitssystem durchaus begünstigt wird.

    Der Maskierte

    17. Dezember 2010 at 10:18

  5. Naja, Paula war ja im Urlaub und da kann sie es nicht wissen. Die Kollegen waren beschäftigt und sowieso stellt sich ja die Frage, ob solche telefonischen Auskünfte erluabt sind, so vom Datenschutz.

    Wenn es ein naher Angehöriger gewesen wäre, dann hätte er es ja schon gewusst…also alles halb so schlimm. Nicht schön, aber passiert leider immer öfter in unserem Gesundheitssystem….

    rettungsdienstblog

    17. Dezember 2010 at 14:34

  6. Autschn. Das ist dann wohl sehr unglücklich gelaufen.

    Ich hoffe sie konnte die Situation noch einigermassen retten.

    Liebe Grüße,

    Silberaugen

    Silberaugen

    17. Dezember 2010 at 15:30

  7. Ich glaube, euer Krankenhaus ist genau der richtige Ort, an dem Leute wie Fred noch ne Chance bekämen. Oder all die anderen, die in den Adventskrimis bisher schon gestorben sind. bitte, helft ihnen! Unter
    http://www.mariebastide.wordpress.com
    Dort kommen täglich neue Opfer dazu, denn es gib jeden Tag einen neuen SMS-Adventskrimi im Nanoformat. Also, Martinshorn einschalten und rübersurfen.


    Wer ist Fred? Ich schalte Deinen Kommentar frei, auch wenn ich Kommentare, die sich nicht auf den kommentierten Artikel beziehen sondern reine Eigenwerbung für eine andere Webseite sind eigentlich nicht mag nur normalerweise lösche. Aber nichts gegen dein Blog – das gefällt mir. Wenn Du mir stattdessen eine nette Mail geschrieben hättest, hätte ich es vielleicht beim nächsten Blogreview erwähnt oder in die Blogroll aufgenommen. – Anmerkung von Medizynicus

    mariebastide

    18. Dezember 2010 at 09:11

  8. Das Problem liegt aber auch vielleicht daran, dass in manchen Frühschichten auf ner 50 Bettenstation teilweise nur 1-2 examinierte Pflegekräfte rumlaufen. Der Rest wird durch Schüler, Praktikanten oder Springerpool aufgefüllt.

    Und wenn’s dann vielleicht noch um Weihnachten hoch her geht, nur mal mehr als 2 Zimmer klingeln, mehrere Pflegefälle da sind und dann “auch noch” ein Verwandter anruft, entstehen solche Fälle.

    Dann passieren aber auch so Geschichten, wo manche Patienten für jeden Mist halb die Klingel abreissen und die schüchterne, ältere Frau sich nicht traut zu klingeln, weil hier ja alle so viel zu tun haben.
    Und solche Patienten dann dabei untergehen…

    Wiederum kenne ich es aber von vielen Stationen auch, die eine Stationsassistentin haben. Meist examinierte KP, die nur Patientenaufnahme, Entlassung und Bürokratisches machen. Das ist auch sehr von Vorteil.

    Graf Zeppelin

    18. Dezember 2010 at 13:09


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