Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Studenten zu verteilen (Teil 2)

with 14 comments

Die Besprechung ist zu Ende.
Kalle nickt dem baumlangen Kerl kurz zu. Der Typ reißt die Augen auf, nickt zurück und kommt langsam in unsere Richtung geschlurft.
Ich stelle mich vor und strecke ihm meine Hand entgegen. Er drückt sie so fest, dass er sie fast zerquetscht. Und dann nickt er und grinst mich wortlos an.
“Äh… wie heißt Du denn?” frage ich.
“Paul,” sagt er, “Ich bin PJler!”
Kalle klopft mir auf die Schulter.
“Und Du zeigst ihm dann mal die Station und alles andere, was sonst noch dazu gehört!” sagt er.
Ich atme tief ein und aus.
“Also gut, Paul…”
Kalle dreht sich um.
“Ich bin dann mal in der Endoskopie. Ruf mich an, wenn’s Probleme gibt!”
Ich nicke kurz, dann ist er auch schon fort. Paul schaut mich fragend an. Ich mache eine Handbewegung in Richtung Treppenhaus.
“Was hast Du denn so langfristig mal vor?” frage ich.
“Chirurgie!” kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen.
Einmal tief einatmen, ausatmen. Nein, wir haben keine Vorurteile, wirklich nicht. Abgesehen davon ist er ja noch gar kein Chirurg und wer weiß, ob er es jemals wird. Noch besteht vielleicht Hoffnung….
“Kannst Du Blut abnehmen? Venöse Zugänge legen?”
“Machen das bei Euch nicht die Schwestern?”
“Naja… vielleicht könntest Du ihnen ja ein wenig helfen… wenn Du magst!”
Jetzt atmet Paul hörbar ein und aus.
Oben auf Station zeige ich ihm dann zunächst mal den Standort der Kaffeemaschine. Im Grunde meines Herzens bin ich ja ein netter und liebenswürdiger Mensch. Ich schenke uns beiden eine Tasse ein.
“Mit EKG’s kennst Du Dich aus?”
Er wird ein wenig rot.
“Geht so.”
Die Tür geht auf und Jenny kommt rein. Paul springt auf und streckt ihr seine Vorderflosse entgegen.
“Hi! Ich bin der neue PJler! Wenn Du mal Hilfe brauchst, sag’ einfach Bescheid!”
Jenny lächelt ihn an.
“Oh, das ist aber lieb!” sagt sie.
Schnell schiebe ich Paul durch die Tür ins Arztzimmer.
“So, und jetzt erkläre ich Dir mal, wie man EKG’s befundet!”

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Written by medizynicus

2. März 2011 at 05:01

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

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14 Antworten

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  1. Oh oh, will da einer in des Medizynischen Revier wildern?

    Der Maskierte

    2. März 2011 at 08:04

  2. “Machen das bei Euch nicht die Schwestern?”
    “Wir Ärzte müssen das auch können!”

    Es gibt nichts schlimmeres als Ärzte die kein Blut abnehmen oder venösen Zugang legen können.

    Zuallererst sollte er mal die Grundlagen lernen bevor er schnibbeln darf.

    Blogolade

    2. März 2011 at 09:09

  3. Wir haben bei uns einen arzt, der absolut keine viggos legen kann. Wenn der eine legt, weinen die patienten. Und bevor irgendwer eine infusion daran anschließt, wird erstmal aspiriert, ob die nicht evtl. doch i.m. liegt.
    Aber inzwischen hat er erkannt, dass das wohl nicht ganz so sein ding ist und lässt auch gerne mal die schwestern oder zivis legen (unter aufsicht), denn die können das besser.
    Aber in der diagnostik, da macht ihm keiner was vor….

    tinotheus

    2. März 2011 at 10:20

  4. “Zeige mir einen PJler, der meine Arbeit nur verdreifacht, und ich werde ihm die Füße küssen.”

    Hat eigentlich jemand Josephine gesehen?

    daFux

    2. März 2011 at 10:31

  5. *schluchz* nein, aber es wird Zeit, daß sie (Josephine) zurückkommt!

    cat

    2. März 2011 at 11:45

  6. Wozu soll der jetzt lernen ein EKG lesen zu können? Er will schließlich Chirurg werden…

    Aber wenn alle eure Krankenschwestern gut aussehen…, dann klappt es vielleicht mit den Zugängen und dem Blut abnehmen

    blogwesen

    2. März 2011 at 12:43

  7. Jaaaaaa! Jetzt gehts wieder mal rund beim Medizynicus!

    Der Arme.
    Keine schnuckelige Studentin, dafür aber heftige Konkurrenz an der Backe.
    Bin seeehr gespannt wie es weiter geht!

    alleinverziehend

    2. März 2011 at 12:44

  8. Ein PJler ist heftige Konkurrenz für Medizynicus?

    blogwesen: das darf Jenny ihm aber nicht zeigen sonst guckt er ihr nur in den Ausschnitt statt darauf was ihre Hände machen :D

    Blogolade

    2. März 2011 at 14:59

  9. Ha! Habe am Montag auch mein PJ in der Inneren angefangen. Auch in einem Kurort, nennen wir ###zensiert### – d.Red.) ;)

    Finde es reichlich lustig, dass ausgerechnet jetzt hier über PJler geschrieben wird, und dann auch noch so vieles, das man wiedererkennen kann. Aber es ist wohl in jeder Klinik gleich….

    Ich, also Paul2, habe mich heute schon um halb3 verdampft, unnütz rumstehen kann ich auch zuhause in der Sonne!

    Paul2

    2. März 2011 at 15:31

  10. @Paul2: vorsichtig mit Lokalisierungshypothesen! Wenn Du eine wirklich Idee oder einen Verdacht hast, schick mir eine Mail an die bekannte Adresse. Bin gespannt.
    *achwiegutdassniemandweissdassichrumpelstielzchenheiss* :-)

    medizynicus

    2. März 2011 at 17:42

  11. Aber, aber … ;)

    Und wäre die Antwort denn dann eine ehrliche?

    ednong

    2. März 2011 at 19:19

  12. naja, wenn du wirklich nicht lokalisierbar bleiben willst, solltest du paul2’s kommentar editieren – ###zensiert### – d.Red.) nunja. man kann dich orten, also vorsicht ;)

    unwichtich

    2. März 2011 at 20:56

  13. Warte darauf, dass Medizynicus der Jenny ein “Die-gehört-mir-Brandzeichen” auf den Poppes haut! Oder mit Paul vor die Tür geht, und “Finger weg!” ausdiskutiert.

    nadineswelt

    5. März 2011 at 16:45

  14. Also, ehrlich, seid Ihr im PJ nicht früher abgehauen oder konntet super Viggos legen, Blut abnehmen und EKGs befunden??? Ich nicht und ich schäme mich nicht. Also, ich seh mich auch nicht als one- man- Show und erwarte schon einiges, aber wenn ab 2 Uhr nur Angehörigengespräche oder Papierkram auf dem Programm steht, schicke ich sie auch nach Hause. Lange arbeiten müssen sie noch früh genug…

    Mausel

    5. März 2011 at 23:25


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