Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Ein Leserbeitrag: “Unwissenheit schütz vor Herzmuskelentzündung nicht”

with 20 comments

Den folgenden Beitrag bekam ich heute von einer treuen Leserin zugemailt und stelle ihn mit ihrem Einverständnis hier ein:

Neulich hat der Narkosearzt in seinem Blog eine Geschichte veröffentlicht, bei dem es um eine Herzmuskelentzündung aufgrund einer verschleppten Erkältung ging. Die betroffene Dame hat bislang überlebt, benötigt aber dringend ein Spenderherz, weil ihr eigenes nur noch eine “Leistung” von 9% erbringt.
Solche Geschichten höre ich immer wieder: Da verschleppt einer eine einfache Erkältung, bekommt eine Herzmuskelentzündung und muss von nun an starke Medikamente nehmen – oder fällt tot um.
Nun zu meiner Frage:
Ich bin derzeit “nur” als Hausfrau tätig und habe 2 kleine Kinder, mein Mann geht Vollzeit außer Haus arbeiten. Ist mein Mann krank, wird er bei Bedarf vom Arzt krankgeschrieben – so weit, so gut.
Wenn ich jetzt aber mal ernsthaft krank bin – Grippe, Bronchitis, whatever – und gehe zu meinem Hausarzt, wird es interessant. Das läuft dann oft so:
“Muss ich Sie krankschreiben?”
“Äh, ich bin Hausfrau und Mutter!”
“Ach so, dann arbeiten Sie also nicht!”
…. Ahrg.
Und dann:
“Ja, dann lassen Sie es die nächste Woche ruhig angehen, ja?”
“Öhm, ich habe 2 kleine Kinder? Mein Mann geht arbeiten? Haha?”
“Ja, äh, schon klar, das ist nicht so einfach….”
Nun zu meiner Frage: Warum kommt eigentlich keiner (und ich habe da schon einige Ärzte “durch”) auf die Idee, mich über meinen Mann krankzuschreiben? Das geht nämlich: Ist ein Partner ernsthaft krank, kann der “arbeitende” Partner sich über den Anderen krankschreiben lassen, so dass er zu Hause bleiben und sich um die Kinder kümmern kann und dabei ganz normal für die Zeit Krankengeld erhält, als wäre er selber krankgeschrieben worden. Dass es so etwas gibt, weiß ich (mit über 30) übrigens erst seit ein paar Jahren, und das auch nur durch Zufall.
Wer ist dafür zuständig, dass ich das weiß?, frage ich mich? Hat mir vorher keiner gesagt… Und überhaupt: Müsste mir das nicht der Hausarzt sagen? Und auch anbieten? Hat ein “arbeitender” Mensch eine schwere Grippe oder so, wird er mal mindestens für 3 tage, wenn nicht sogar für eine ganze Woche krankgeschrieben; wil er vorher wieder arbeiten gehen, muss er sich erst vom Arzt wieder “gesund schreiben lassen”.
Und was ist mit mir? Arbeite ich denn nicht als Hausfrau und Mutter von 2 kleinen Kindern? Ist diese Arbeit weniger Wert, als das, wofür etwa mein Mann bezahlt wird? und habe ich nicht das gleiche Recht auf Genesung und Ruhe während meiner Krankheit wie Jemand, der etwa zum Arbeiten in die Firma fährt? Was ist mit mir und wie soll ich es schaffen, mich genug ausruhen zu können, um keine Erkältung zu verschleppen, die dann zu einer lebensbedrohlichen Herzmuskelentzündung werden kann?
Warum ist das den Hausärzten egal? Oder denken die da nur nicht dran?

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Written by medizynicus

27. Januar 2014 at 20:27

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

20 Antworten

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  1. Diese Frage stellte und stelle ich mir regelmäßig. Denn selbst wenn ich krank bin und mich, da ich arbeiten gehe, krank schreiben lasse, hab ich immer noch zwei Kinder um die ich mich kümmern muss.

    evilmichi

    27. Januar 2014 at 21:07

  2. der denkfehler liegt viel weiter vorne. nämlich dort, wo man glaubt, eine erkältung sei in jedem fall ein grund für eine krankschreibung. kann sein, meist aber eher nicht.

    humunkulus

    27. Januar 2014 at 21:15

  3. Naja…. für sowas gab’s in meiner Kindheit “Infrastrukturen” wie Nachbarn, Großeltern und Eltern befreundeter Kinder. Ist ja auch ganz sinnvoll, die Knirpse nicht unbedingt bei den infektiösen Eltern rumspringen zu lassen.

    Der Haushalt bleibt dann eben liegen, der Partner hilft mit oder wenn man es sich leisten kann/will, kommt jemand, den man dafür bezahlt, dass er/sie einem hilft.
    Vollzeitarbeitende Eltern müssen sich ja auch irgendwie bei Krankheit organisieren, ebenso wie kinderlose Arbeitnehmer.

    “Wer ist dafür zuständig, dass ich das weiß?”
    Das ist das übliche Problem, dass in der Schule nahezu gar nichts über das Gesundheitssystem, Medizin im Allgemeinen und sonstige wichtige Dinge des Alltags unterrichtet wird. Prinzipiell sehe ich in diesem Kontext die optimale Verbreitung solchen Wissens.

    Wie ist das eigentlich bei zwei vollzeitarbeitenden Eltern? Werden da auch beide krankgeschrieben, wenn einem was fehlt?

    Liete12

    27. Januar 2014 at 21:40

  4. @humunkulus, mag sein, dass es so ist, sollte es aber nach Ansicht einiger Fachleute nicht. Es gibt Schätzungen, nach denen bei bis zu 5% aller Virusinfekte das Herz in Mitleidenschaft gezogen wird und zwar vornehmlich, weil Infektionen nicht mit Ruhe auskuriert wurden.

    Karl

    27. Januar 2014 at 21:43

  5. @karl: das praktische an schätzungen ist, dass man damit so ziemlich alles hinbiegen kann, wie es gerade in den zeitgeist passt. fakt ist allerdings, dass auch banale infektionen in seltenen fällen komplikationen machen können. “schicksalhaft”, wie es so schön heisst, oder aber durch störgrössen wie z.B. die fortführung des gerade begonnenen trainings für den marathon in 6 monaten. herzschäden kann es in diesem zusammenhang geben, sind aber sehr, sehr selten, dann aber u.u. dramatisch. die meisten dieser helden kommen aber in die praxis, weil die erkältung, oh wunder, nach 4 wochen immer noch nicht richtig weg ist. daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass eine erkältung ein grundsätzlicher grund für eine krankschreibung ist. in einzelfällen mag sie es je nach schwere und art des berufes sein, im regelfall ist sie es nicht. definitiv gibt es in mitteleuropa auch kein grundsätzliches problem dadurch, dass erkältungen nicht in ruhe auskuriert würden.
    etwas ganz anderes ist die erwartung vieler patienten, dass die bei uns in dieser hinsicht sowieso schon grosszügige praxis noch grosszügiger gehandhabt werden sollte. sie entbehrt jeder nachvollziehbaren grundlage, wird aber gern durch eine entsprechend uninformierte, dafür aber um so mehr ideologische geprägte berichterstattung in den einschlägigen blättern geschürt.

    humunkulus

    27. Januar 2014 at 22:40

  6. Sorry, aber ich denke dass das der falsch Ansatz ist.
    Es gibt keine Krankschreibung!
    Es gibt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für den Arbeitgeber. Und die erhält man, wenn man einen Arbeitgeber hat.
    Familie ist und bleibt privatvergnügen. Das es, für den schlimmen Ernstfall, andere Regelungen gibt ist toll, sollte aber auch die Ausnahme bleiben.
    Ich verstehe irgendwie nicht, wieso hier gefordert wird, dass zwei Interessengruppen (Arbeitgeber und die Allgemeinheit der Versicherten) Nachteile hinnehmen soll, weil der Nichtarbeitende Partner den arbeitenden Partner dann Zuhause haben mag.

    oberschwesterhildegard

    27. Januar 2014 at 23:18

  7. Arbeitgeber haben eine gesellschaftliche Verantwortung, die gilt auch für Kinder. Sie haben Sorge dafür zu tragen sie groß zu ziehen. Das betrifft die Unternehmer zwar nicht direkt, aber indirekt. Ich habe lange Diskussionen geführt und lange darüber nachgedacht wie weit die Verantwortung geht, aber meiner Meinung nach fängt sie früh an, nämlich bei der Schwangeren und der Unternehmer hat zusammen mit der Gesellschaft Sorge dafür zu tragen, dass sie versorgt ist während und nach der Schwangerschaft und die Gesellschaft hat während und nach der Schwangerschaft Sorge dafür zu tragen, dass die Kinder groß werden. Hausfrauen “opfern” ihre Zeit für die Familie, das ist Arbeit. Arbeit für die Gesellschaft, für unseren Wohlstand und für unsere Zukunft. Irgendwer muss ja schließlich morgen weitermachen, wenn wir wieder Azubis brauchen die Kaffe kochen und die Firma putzen, bevor sie dann gelernt haben, wie der Job funktioniert und am Ende die Firma übernehmen.

    Von meiner Meinung abgesehen würde ich den vorliegenden Fall in §616 BGB hineininterpretieren[1,2], d.h. auch der Gesetzgeber möchte gerne, dass der Arbeitgeber dafür aufkommt, wenn wir nahe Verwandte pflegen. Ich habe allerdings keinerlei Anhaltspunkte im Netz dafür gefunden, von daher bedeutet das praktisch wohl eher den Gang zum Anwalt, für den man hoffentlich genug Geld hat und ggf. das Durchklagen vor Gericht um Geld vom Arbeitgeber oder der Krankenkasse wieder zu bekommen. Aber ich bin kein Anwalt…

    [1]http://www.iww.de/lgp/archiv/anspruch-gegen-arbeitgeber-und-krankenkasse-entgeltfortzahlung-bei-krankheit-und-pflege-von-kindern-und-nahen-angehoerigen-f917
    [2]http://dejure.org/gesetze/BGB/616.html

    Fabian Blechschmidt

    28. Januar 2014 at 01:21

  8. Das tut dir Gesellschaft auch.
    Wenn Kinder krank sind, gibt es dafür Pflegebedürftigkeitsbescheinigungen, damit man als beruftätiges Elternteil ohne Nachteile daheim bleiben kann. Eine Hausfrau ist daheim, Bescheinigung also unnötig.
    Ist der Ehepartner so schwer erkrankt, dass er ebenfalls der Pflege eines anderen Erwachsenen bedarf, so kann man ebenfalls von diesem Gesetz gebrauch machen.
    Aber, wenn die Hausfrau krank ist und bei dem o.g. Beitrag geht es um eine Grippe, also nichts weswegen man “pflegebedürftig” wird, wieso sollte dann der arbeitende Partner auf Kosten der Allgemeinheit daheim bleiben dürfen.
    In der Regel ist man nie so krank, besonders nicht mit Grippe, dass man sich nicht kümmern kann. Und wenn doch, gibt es tausend andere Möglichkeiten, ein Netzwerk war hier ja auch schon angesprochen.
    Die Kinder sind eh meist in KiTa und Schule, in der Zeit kann das kranke Elternteil ruhen. Und wenn das andere Elternteil keinen 8 to 16 Job hat, so kann man Dienste tauschen/verlegen oder oder.
    Ganz ehrlich, wenn bei mir ein. Mitarbeiter wegen jeder Grippe seiner/m daheim sitzenden Hausfrau/Hausmann ausfallen würde, dann weiß ich nicht, ob der noch lange da wäre.
    Wegen ernsten Erkrankungen – kein Thema!
    Aber so wie in diesem Fall erwartet – für mich ein NoGo an anspruchsdenken.

    oberschwesterhildegard

    28. Januar 2014 at 07:52

  9. Das kommt darauf an wie alt die Kinder sind und was für einen Job der Partner hat. Und was man für einen Anspruch an sich selbst hat. Ich kenne einige Menschen (meistens Frauen), die auch gar nicht ruhen können, muss ja noch dies und jenes erledigt werden. Ich bin auch selbstständig und ich träume hier von einer tollen Welt. Aber deine Mitarbeiter mit Kindern kommen nur jeden Tag pünktlich zur Arbeit und können so gut arbeiten, weil irgendwer zu Hause auf die Kinder aufpasst. Wenn diese Kraft ausfällt, muss jemand anderes ran und das ist erstmal das zweite Elternteil. Aber ja, wie gesagt, ich verstehe was du meinst und Nein, ich will dass das anders ist… wird.

    Ich finde, das Argument ist ein wenig wie beim Mindestlohn: “Wenn wir mehr bezahlen müssen, verlieren wir Kunden und gehen pleite” und das ist richtig – solange es nicht alle so handhaben, dann ist der Markt wieder ausgeglichen.

    Wenn mir dazu eine Lösung einfällt, sage ich Bescheid.

    Fabian Blechschmidt

    28. Januar 2014 at 08:15

  10. Es geht ja nicht darum, ob und wann man sich krank schreiben lassen kann oder sollte; um das zu beurteilen, ist der Arzt ja da. Es geht ja eher darum, warum ein Hausmann/ eine Hausfrau von ärzten anders behandelt wird, als einer, der außer Haus arbeitet. Das Gesetz sieht ja ganz klar vor, dass bei einer schweren Erkrankung des zu Hause “arbeitenden” Partners der andere indirekt krankgeschrieben werden kann. Und jeder, der sich mal mir einem richtig schweren Infekt oder einer Bronchitis um ein Baby oder Kleinkind kümmern musste, weiß auch, warum! Schön, wenn man auf ein “Netzwerk” zugreifen kann, aber ich denke doch, der Arzt müsste das zumindest “anbieten” bzw. auf die Möglichkeit hinweisen, wenn er bei der selben Erkrankung einen Arbeitnehmer eben auch krankschreiben würde!

    Jeb

    28. Januar 2014 at 09:38

  11. @Jeb hier liegt meiner Meinung nach das Problem. So eindeutig ist das nicht. Es sei denn, du hast noch was anderes gefunden als den §616 BGB. Der ist so schwammig das man ihn für fast alles hernehmen kann oder auch nicht…

    Fabian Blechschmidt

    28. Januar 2014 at 09:41

  12. Bleibt nur die Frage, wie es bei zwei Vollzeit arbeitenden Eltern ist. Werden da beide krank geschrieben, wenn einer krank ist? Eher unwahrscheinlich. Da würde dann die Argumentationskette lauten: Wenn beide arbeiten, müssen sie die Kinder versorgen. Wenn einer krank ist und der andere arbeitet macht es zum vorherigen Punkt keinen Unterschied. Wenn beide krank sind ist es genau so wie wenn beide arbeiten. (Ich will hier jetzt nichts gegen die Arbeit von “Hausfrauen” hineininterpretiert wissen, denn dazu habe ich mich auch indirekt nicht geäußert.)

    gedankenknick

    28. Januar 2014 at 09:51

  13. Da frage ich mich, ob die Würdigung der Arbeit von Hausfrauen ausgerechnet von den gesetzlich Versicherten getragen werden muss?

    Denn was wäre die Konsequenz aus den Überlegungenen der Leserin:

    Eltern müssten immer paarweise eine Krankschreibung (AU-Bescheinigung) bekommen.
    Wenn ein Elternteil arbeitet und der Partner im Haus wird krank, wird der arbeitende Partner ‘krankgeschrieben’ um sich um Kinder und Haus zu kümmern.
    Wenn beide Elternteile arbeiten und einer wird krank, kann dieser sich ja nicht mehr um Kinder und Haushalt kümmern und der andere Partner muss ebenfalls krankgeschrieben werden.

    Bei aller notwendigen Verbesserung des gesellschaftlichen Ansehens von Hausfrauen und -männern – den Anspruch einer ‘Krankschreibung’ des arbeitenden Partners bei einer Erkrankung des im Haushalt tätigen Partners als _Regelfall_ einzuführen, halte ich unter den heutigen Bedingungen in der Arbeitswelt für zu weitgehend und auch sozial ungerecht.

    Denn praktisch würde diese Regelung nur Familien mit einem guten Einkommen in gesicherten Arbeitsverhältnissen zu Gute kommen.
    Denn ein gutes Einkommen ist ja überhaupt erstmal Voraussetzung, dass ein Partner auch nach der Elternzeit zuhause bleiben kann.
    Aber vor allem im unteren Lohnbereich, wo für ein ausreichendes Einkommen beide Elternteile arbeiten gehen müssen, wird eine solche Regelung in den seltensten Fällen von den Arbeitgebern mitgetragen werden. In den ganz prekären Arbeitsverhältnissen ist ja oft schon eine Krankschreibung wegen erkrankter Kinder (Pflegebedürftigkeitsbescheinigung) kritisch, eine AU wegen Grippe oder gar eine Kur undenkbar. Leiharbeit, befristeteten Verträgen und Probezeit sei Dank.

    Mag sein, dass ich einiges zu negativ sehe und auch dem einen oder anderen Klischee verfallen bin, aber ich weiss aus eigener Erfahrung, welche verschiedene Arbeitswelten es in Deutschland gibt.

    ein Matthias

    28. Januar 2014 at 10:19

  14. Ich bin Hausarzt und kenne die Problematik sehr gut, weil ich mehrmals wöchentlich damit konfrontiert werde. Davon, dass ich den Partner wegen Krankheit des anderen Partners, der die Kinder betreut, “krankschreiben” könnte, habe ich noch nie gehört.

    Es gibt die Möglichkeit, bei Erkrankung eines unter 12 jährigen Kindes einem Elternteil eine Bescheinigung zur Erlangung von Kinderkrankengeld zu erstellen. Da ist aber das Kind und nicht der Elternteil krank.

    Ganz ehrlich finde ich die Diskussion ein Luxusproblem. Wir haben in Deutschland eines der besten Gesundheitssysteme der Welt und ein sehr dichtes soziales System. Es kann doch nicht sein, dass für alles und jedes andere verantwortlich gemacht werden.

    Mein Schwager in Spanien kommt aus dem Staunen gar nicht mehr raus, wenn er sieht, was hier alles bezahlt wird.

    oldsurehand

    28. Januar 2014 at 10:57

  15. @OberschwesterHildegard: Du solltest den Unterschied zwischen Erkältung und Grippe kennen – und selbst eine “banale” Erkältung kann verschleppt zu Bronchitis/Pneumonie/… werden.
    Mit echter Grippe ist man definitiv nicht in der Lage, gut für sich und Kinder zu sorgen.

    @ andere: Es gibt in unserem ach so fortschrittlichen Land durchaus Gegenden bzw Situationen, in denen KEIN Netzwerk/Tagesbetreuung möglich ist! (Angebot an Betreuungsplätzen, prekäre Arbeitsplätze, durch Ökonomie erzwungene Mobilität führt zu weiter Entfernung von restlicher Familie – suchts Euch aus, Gründe gibts viele…)
    AUSSERDEM: was ist, wenn das betreuende Elternteil ins Krankenhaus muss? Es soll Erkrankungen geben, die dies erfordern…
    just my 2 Cent!

    stuttgarterapothekerin

    28. Januar 2014 at 19:11

  16. Find ich schon lustig!!!
    Warum sollte meine Frau, die zu Hause bei den Kindern ist während ich arbeite, keine Krankmeldung erhalten? Finde, dass die Ärzte schon nachfragen sollten, ob meine Frau eine Krankmeldung braucht oder nicht. Ist es eine leichte Erkältung, kann ich ja verstehen das dazu kein Anlass besteht. Bei einer Bronchitis sieht das allerdings schon wieder ganz anders aus, in dem Fall würde ich zu Hause bleiben und mich um meine kranke Frau und die Kinder kümmern. Bei vielen Ärzten bekommt man als Ehepartner eine Krankmeldung wenn kleine Kinder im Haushalt sind, so das sich der Partner erstmal ein wenig von der Krankheit erholen kann und sich um so wenig wie möglich kümmern muss.
    Alles im allem sollte man es als “SAUEREI” bezeichnen, das jemand der “nur den Haushalt” macht nicht gefragt wird ob man eine Krankmeldung benötigt!
    Finde ich zum kotzen und gebe der “treuen Leserin” vollkommen recht!!!

    MR. ZET

    28. Januar 2014 at 19:45

  17. Unser Staat sieht das nicht vor und der Arzt tut verbotenes, wenn er eine Krankschreibung für den Partner ausstellt. Von daher kann man das vom Arzt nicht verlangen.

    Fabian Blechschmidt

    28. Januar 2014 at 20:02

  18. @oldsurehand: 👍
    @stuttgarterapothekerin: natürlich kenne ich den Unterschied, bin nur bei dem im Ursprungspost genannten Begriffen geblieben. Ändert aber nichts an meiner Meinung, dass ich es als nicht richtig empfinde, den Partner eines Erkrankten Elternteil wegen solchen Dingen krank melden zu lassen. Anders sieht es bei Krhs Aufenthalten oder gravierenden Erkrankungen aus.
    Und nein, ich empfinde auch eine Bronchitis nicht als solche.
    Anders als zB bei Onkologischen Erkrankungen oder Unfällen, sind Gripale Infekte, Grippen, Bronchitis, Ohrenweh oder Magen-Darm-Geschichten (Liste erweiterbar), Erkrankungen die ich immer in jede Lebensplanung einfließen lassen muss. Und da hab ich mir einen Plan B für vorübergehende Erkrankungen zurecht zu legen. Das kann nicht die Allgemeinheit durch indirekte Lohnkostenübernahme ermöglichen.

    oberschwesterhildegard

    28. Januar 2014 at 20:34

  19. Interessante Diskussion hier… das zeigt wieder die “Wertigkeit” von bezahlter und unbezahlter Arbeit.

    Zunächst die seltsame Forderung nach doppelter “Krankschreibung” bei zwei erwerbstätigen Eltern – hier ist in der Regel die Kinderbetreuung außer Haus geregelt, so dass es keine Notwendigkeit gibt, dass der zweite Elternteil zu deren Betreuung zu Hause bleibt.

    Wenn ein Elternteil zur Betreuung der Kinder zu Hause ist – und es geht hier, wenn ich das richtig sehe, um kleine Kinder, die evtl. noch nicht in der Kita sind – dann muss er funktionieren. Wenn der Arzt erwerbstätige Menschen krank schreibt, dann verlangt niemand von diesen, dass sie zu Hause noch den Haushalt wuppen und die Kinder betreuuen. Sondern sich möglichst ins Bett legen und die Krankheit auskurieren.

    Wer schon mal richtig kleine Kinder zu Hause betreut hat, weiß, dass es nicht möglich ist, sich ins Bett zu legen. Und das soziale Netzwerk funktioniert dann auch nicht unbedingt, weil die Nachbarn und Freunde vermutlich selbst arbeiten gehen und die Großeltern hunderte von Kilometern entfernt wohnen und nicht mal eben anreisen können. Dann finde ich es auch nicht verkehrt, wenn die Gesellschaft, von der ja immer mal wieder Solidarität gefordert wird, auch hier einspringt, damit ein Mensch, der auf andere Weise als durch Steuern und Abgaben seinen gesellschaftlichen Beitrag leistet, wieder gesund werden kann.

    Es wird hier von vielen impliziert, dass sich Hausfrauen dann wegen Husten, Schnupfen, Heiserkeit krankschreiben lassen wollen. Wenn das bei Hausfrauen so banal ist, dann frage ich mich allerdings, warum das dann umgekehrt bei erwerbstätigen Menschen so schwerwiegend ist, dass sie nicht arbeiten gehen können.

    irgendwo in hessen

    29. Januar 2014 at 09:50

  20. Ich verweise mal noch auf die Möglichkeit, dass die Krankenkasse der Hausfrau eine Haushaltshilfe bezahlt, die solche Haus- und Familienarbeiten erledigt, die die Hausfrau wegen ihrer Erkrankung nicht leisten kann. Die Rechtsgrundlage dafür ist §38 SGB V, Zwingend ist diese Leistung, wenn eine Mutter stationär ins Krankenhaus muss. Aber auch in anderen Fällen kann die Kasse Leistungen übernehmen. Schaut mal in den Katalog eurer Kasse.

    Marc B.

    29. Januar 2014 at 20:54


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