Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Eine Bloggerin ist nicht mehr unter uns

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Es passiert nicht häufig, aber wenn es geschieht, dann trifft es mich und macht mich sprachlos.

Tina – bekannt als Skryptoria ist nicht mehr unter uns.
Sie ist bereits am 2. Februar dieses Jahrs verstorben.
Ich habe es mehr oder weniger durch Zufall erfahren, in
Marianne’s Blog. Es gibt auch eine Traueranzeige in der lokalen Tageszeitung.

Tina alias Skritptum/Skryptoria hat insgesamt zwölf Kommentare zu Artikeln meines Blogs geschrieben, zuletzt am 1. März 2013.
Inhaltlich spannend sind aber ihre Kommentare zu Beiträgen über palliativmedizinische Themen, etwa am 14.9.2012 und am 16./17.9.2012 und am 18.9.2012.
Diese Kommentare haben zweimal längere Diskussionen ausgelöst.
Im letzten Beitrag von Tinas Blog ist zu lesen, dass Ihr Sterben wohl vor zwei Jahren begann – das lässt auf eine schwere, langwierige Krankheit schließen, möglicherweise auf eine Tumorerkrankung.
Unter diesem Aspekt haben ihre Kommentare eine ganz andere Bedeutung.

Written by medizynicus

12. Februar 2014 at 00:09

Doktor Dienstag trifft `ne Hausfrau (von der Frau von Herrn L.)

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Danke, liebe Frau von Herrn L. für die neue Dr. Dienstag-Geschichte!

Erwartungsvoll schaute Doktor Dienstag, der Doktor ohne Doktor, auf. Wer würde als Nächstes durch diese Tür kommen? Ein Mann mit einer ebenso ominösen, wie interessanten Krankheit? Eine junge Dame, die ihm „da was zeigen“ musste, vorzugsweise im Dekolleteebereich? Ein netter Pharmavertreter, der Doktor Dienstags nächstes Golfwochenende klarmachen würde? Oder eine ältere, schusselige Dame vielleicht, mit der er sich einen kleinen Spaß machen konnte?
Der Doktor stieß enttäuscht die Luft aus zwei Enden seines Körpers aus: Eine Frau betrat das Zimmer: Strähnige Haare, ungeschminktes Gesicht, birnenförmiger Körper.
Doktor Dienstag, der Doktor ohne Doktor, seufzte hörbar. „Nicht schon wieder eine von denen!“, dachte er. „Die könnte sich auch gleich „Hausfrau und Mutter“ auf die Stirn tätowieren lassen!“
Doktor Dienstag, grummelte missmutig vor sich hin. Er hatte sowieso schon schlechte Laune: Azu-Biene hatte heute ihren freien Tag, was leider bedeutete, dass ihre Brüste auch nicht da waren.
„GutenTagsetztenSiesichwaskannichfürSietun?“, leierte er genervt herunter.
Die Frau, die vor ihm Platz genommen hatte, schaute nervös zu Boden. „Wissen Sie, Herr Doktor, ich habe da ein Problem“, stammelte die Frau.
Der Arzt taxierte die Frau: Sie hielt sich kein Körperteil oder -glied, kratzte sich nicht, und in ihrem Gesicht war nichts Bäh! – OK, außer dem Gesicht an sich. Und da er wusste, was gestern wieder mal auf diesem Frauensender gelaufen war…
„Ja, das hast du in der Tat“, dachte Doktor Dienstag, der Doktor ohne Doktor. „Du bist dumm, siehst aus wie eine graue Maus, und mit der Intelligenz ist es bei dir auch nicht weit her!“
Laut dagegen sagte er: „Lassen Sie mich raten: Sie sind seit“, blitzschnell trug der Arzt im Geiste Make-up, Lippenstift und eine ordentliche Menge Kajal auf das unscheinbare Gesicht auf. Dann zog er der Frau noch ein knappes – wenn bei einer solchen Figur auch sehr unvorteilhaftes – Kleid an. Er konnte gut das Alter von Frauen schätzen – MUSSTE es können, denn SAGEN konnten die einem ja immer viel und seitdem dieses neue Gesetz raus war…! – aber sie mussten schon entsprechend hergerichtet sein. Er einigte sich mit sich selbst auf Zielgruppen weeeeeeeit überschreitende 35+, rechnete kurz und fuhr fort. „… seit etwas über 10 Jahren verheiratet, die Kinder sind den ganzen Tag außer Haus, Ihr Mann ist auf Arbeit, Sie verbringen Ihre Zeit allein mit dem Haushalt, der Sie schlichtweg überfordert, und damit, Ihre Kinder durch die Gegend zu kutschieren. Sie sind gleichzeitig genervt, gelangweilt, gestresst und sind mit Ihrem Leben so ganz prinzipiell unzufrieden. Hab ich Recht?“
Die Frau schaute ihn aus großen Kulleraugen ungläubig an und nickte dann eifrig. „Ja, … genau so ist es! … Woher wissen sie das?“
Der Arzt unterdrückte einen Seufzer. Er war sicher, er würde ihn später noch brauchen.
„Ja und dann“, fuhr Doktor Dienstag, der Doktor ohne Doktor, fort, „dachten Sie, Sie gönnen sich mal einen… sagen wir „entspannten Abend“, vielleicht mit einer Serie, oder Sie haben sich eine DVD angeschaut, Schlückchen Prosecco dabei, und dann am nächsten Morgen, da…?“
Erwartungsvoll hob der Arzt eine Augenbraue. Zumindest erweckte diese Geste den Anschein, als sei er erwartungsvoll,. Das hatte er geübt.
„Da habe ich etwas Dummes gemacht“, flüsterte die Frau mit rotem Gesicht. „Na na, das wird schon wieder!“, beruhigte Doktor Dienstag, der in Gedanken bei seinem aktuellen Handicap war. „Meinen Sie?“ „Äh, wie bitte?“ Was zum Teufel hatte er gerade noch gesagt?
„Meinen Sie wirklich, dass alles wieder gut wird?“ Mittlerweile standen Tränen in den Augen der Frau, die ihn weiterhin hoffnungsvoll anstarrte. „Jaja“, beeilte sich der Arzt zu sagen. Wie er diese Patientengespräche hasste! Konnten die nicht einfach sagen, was Sache war?
„Was, äh, haben Sie denn nun eigentlich genau gemacht?“ Also ob das nicht klar wäre. Doktor Dienstag, der Doktor ohne Doktor, sah auf die Uhr. Nach dieser Patientin konnte er ruhigen Gewissens ein kleines Päuschen machen; die restlichen Patienten würden sich noch etwas gedulden müssen, er hatte schließlich noch Wichtigeres zu tun!
Die Frau druckste herum und wurde immer röter.
Der Arzt verdrehte die Augen. Gelangweilt bürstete er mit seiner linken Hand die Haare auf dem Rücken seiner rechten Hand gegen den Strich. Das kitzelte.
Jetzt aber zurück zur Arbeit!
„Mach hinne, Alte!“, dachte er und erlaubte sich einen Moment des Selbststolzes, den Gedanken dieses Mal nicht laut ausgesprochen zu haben. In einer halben Stunde würde Frau Zimmermann Feierabend machen und wie immer vorher den Kopf zur Tür herein stecken, um ihm einen schönen Feierabend zu wünschen. Wollte er sich vorher noch etwas physische Entspannung mit Hilfe des world wide webs verschaffen, musste er sich sputen.
Doch die Frau wollte und wollte nicht heraus mit der Sprache. „Dann kürze ich das Ganze eben einfach ein bisschen ab!“, dachte der Doktor ohne Doktor und holte tief Luft.
„Frau…., äh, äh, Frau…? … Also, meine Liebe, haben Sie vielleicht eventuell die ADHS-Tabletten Ihres Kindes genommen?“ Frau Irgendwas nickte schamerfüllt. JETZT erlaubte sich Doktor Dienstag, der Doktor ohne Doktor, seinen Seufzer. Immer das Gleiche mit diesen Hausmuddis: Schauten sich eine gewisse Folge einer US-amerikanische Serie an und kamen alle auf den gleichen, grandiosen Gedanken, man könnte das mit den Pillen der Kinder ja mal ausprobieren, nur so zum Spaß. Ja, und dann kamen sie in ihren Börkenstoff-Pantoffeln in seine Praxis geschlappt und wollten wissen, ob sie jetzt drogensüchtig wären, aber ehrlich, ich tu`s nie wieder und ich weiß ja, dass das dumm von mir war, blablabla…
„Sie können ganz beruhigt sein, von einem Mal“, die Patientin sah schamhaft zur Seite, „oder zweimal“, die Patientin wurde röter, „oder dreimal?“, ein erleichterter Ruck ging durch den Körper der Hausfrau, „Bingo!“, dachte Doktor Dienstag, „geht die Weil nicht unter! Sie sind NICHT drogensüchtig, Sie haben NICHTS zu befürchten, das Ganze hat KEINE Spätfolgen, aber bitte tun Sie das nie nie wieder, haben wir uns da verstanden?“
Das Gesicht von Doktor Dienstag, der Doktor ohne Doktor, nahm wie von allein einen besorgten Ausdruck an, wie er zufrieden feststellte. Es ging doch nichts über ein wenig Training vorm häuslichen Spiegel!
Frau Dingsbums nickte eifrig. Ihr Mund öffnete sich und Doktor Dienstag, der Doktor ohne Doktor, sprach in Gedanken mit: „Ehrlich, ich tu`s nie wieder! Und ich weiß ja, dass das dumm von mir war! Und…“ Die langweilige Frau sagte noch irgendwas, während Doktor Dienstag es sie energisch Richtung Tür schob. Dann war sie endlich weg.
Doktor Dienstag atmete erleichtert auf. „Die nächsten fünf, äh, sagen wir, zehn Minuten keine Patienten!“, teilte er per Telefonanlage seiner Vorzimmerdame mit. „Ich habe, äh, Papierkram zu erledigen!“
Dann lehnte er sich entspannt zurück. Und stellte fest, dass er mit einem Mal einen riiiiiesigen Appetit hatte – kein Wunder nach all dem Stress! Dabei war sein Arbeitstag noch längst nicht um! Zwei lange Stunden würde er mindesten noch aushalten müssen… Doktor Dienstag starrte auf seinen Monitor und überlegte, worauf er denn wohl Lust hatte. Er könnte ja schon mal was für den heutigen Abend bestellen – übers Internet heutzutage kein Problem mehr. Hm, sollte er sich was kommen lassen? Er war großer Fan davon, sich etwas nach Hause liefern zu lassen: Man konnte sich ein paar Gläschen trinken und schon mal in bequeme Sachen schlüpfen… Oder sollte er doch mal wieder auswärts…? Sich unters Volk mischen sozusagen?
Und wonach war ihm überhaupt? Asiatisch? Griechisch? Mexikanisch? Oder heute lieber etwas weniger Exotisches, „Gutbürgerliche Küche“ sozusagen? Oder doch lieber italienisch?
Halt, dieses graue Ding da hatte ihn doch glatt auf eine Idee gebracht! Doktor Dienstag, der Doktor ohne Doktor, strahlte. Ja, das war genau das, worauf er jetzt Lust hatte!
Mit wenigen Klicks war er auf der entsprechenden Seite.
„Geile Hausfrauen besuchen Dich!“ – wenn das mal nicht vielversprechend klang!

Written by medizynicus

6. Februar 2014 at 10:02

Veröffentlicht in Gastbeitrag

Dr. Dienstag und das Perlendöschen der Gräfin von und zu Walderstätten (von der Frau von Herrn L.)

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Dank des glorreichen Einsatzes der guten Frau von Herrn L. gibt’s hier heute eine neue Dr. Dienstag-Episode. Weitere Geschichten sind übrigens schon unterwegs! Man darf gespannt sein. In diesem Sinne: bleibt dran, liebe Leser!

Herr Von und zu Walderstätten betrat mit seiner Frau, Frau Von und zu Walderstätten, den Raum. Pflichtbewusst erhob sich Doktor Dienstag, der Doktor ohne Doktor, von seinem Stuhl. Normaler Weise machte er sich nicht die Mühe, sich für jeden Patienten zu erheben, aber man wusste schließlich, was man an Privatpatienten hatte! Außerdem – so redete er sich ein – kam das Aufstehen und wieder Hinsetzten einer Kniebeuge gleich, er tat also auch was für sein Fitness.
„Kommen Sie herein, lieber Herr Von und zu Walderstätten! Setzten Sie sich, liebe Frau Von und zu Walderstätten! Sie natürlich auch, sehr geehrter Herr Von und zu Walderstätten“, plapperte der Arzt.
Er war nervös, war ihm doch gerade in den Sinn gekommen, dass sich das Jahr dem Ende neigte. Um diese Jahreszeit gaben gut betuchte Leute nämlich gerne noch ein paar Zehntausende für Spenden aus, um noch etwas zum von der Steuer Absetzten zu haben. Ob seine Praxis wohl als gemeinnützig galt? Doktor Dienstag, der Doktor ohne Doktor überlegte. Nein, das würde wohl leider nicht gehen. Aber die Von und zu Walderstätten könnten ihm noch in anderer Hinsicht von Nutzen sein: Bereits sei zweieinhalb Monaten bemühte er sich nämlich verzweifelt um die Aufnahme in den hiesigen Club für die gehobenere Gesellschaft. Ein Patient hatte ihm nämlich anvertraut, dass dortige Mitglieder Zugang zu einem ganz besonderen Escort-Service hatten…
Nun aber zurück zur Arbeit!
„Mein lieber Herr Von und zu Walderstätten, liebe Frau Von und zu Walderstätten, was kann ich für Sie tun?“
Frau Von und zu Walderstätten schnüffelte hörbar und verzog das Gesicht. Hier roch es ja, wie in den Quartieren ihrer Hausangestellten!
Herr Von und zu Walderstätten indes räusperte sich vornehmlich. „Nach, Herr Doktor, es heißt jetzt auch nach!“ „Nach? Nach was? Nachdem?“ Doktor Dienstag, der Doktor ohne Doktor, war verwirrt.
In diesem Augenblick kam Azu-Biene herein, mit Hilfe ihrer stattlichen Brüste ein Tablett mit einem Kännchen Kaffee, drei Tassen und diversem Zubehör balancierend. Verfolgt von den lüsternen Blicken des Herrn Von und zu Walderstätten stellte sie das Tablett auf den Schreibtisch, strahlte alle an und verteilte dann Tassen. Während sie den Kaffee eingoss, beugte sie sich weit vor und löste sie wie immer bei allen Anwesenden Zuckungen der Hände aus: Sogar Frauen verspürten bei Azu-Biene das Bedürfnis, eventuell herausfallende Brüste aufzufangen.
Nachdem Azu-Biene wieder gegangen war und sich sowohl Dr. Dienstag, als auch Herr Von und zu Walderstätten wieder beruhigt hatten, räusperte sich Herr Von und zu Walderstätten erneut. „Was ich vorhin meinte, lieber Herr Doktor, ist: Wir heißen jetzt auch nach!“
„Ja, haben Sie denn die Anzeige nicht gesehen?“, warf Frau Von und zu Walderstätten vorwurfsvoll ein.
„Anzeige?“ Doktor Dienstag, der Doktor ohne Doktor, dachte nach. Anzeigen las er, keine Frage allerdings eher Anzeigen besonderer Art, in denen Schlagworte wie „in natürlichem Zustand“, „Natursekt“ oder „Spielzugtruhe vorhanden“ vorkamen.
„Äh, wie meinen Sie?“
„Wir haben“, Herr Von und zu Walderstättens Brust blähte sich geradezu auf vor Stolz, „erst kürzlich über einen Geo, Genieo-, also, über so einen Erbforschermenschen erfahren, dass wir Anrecht auf ein weiteres, äh, Wort in unserem Namen haben! Von wem war das noch gleich, Dorothee?“
„Vom Großonkel der Cousine der Großmutter mütterlicherseits meiner Tante, Paulchen!“
„Ja ja, genau, natürlich! Es stellte sich nämlich heraus, dass… Wie war doch gleich der Name, Dorothee?“
„Francois Lemmerson, Paulchen, Francois Lemmerson!“
„Ach ja, genau. Also dieser Francois Lemmerson also – er war das schwarze Schaf der Familie, wanderte in irgendein obskures Land aus und starb dort schließlich auf seinem Anwesen an irgendwas – der hatte es auf Umwegen zu einem „nach“ im Nachname gebracht. Wie hieß er doch dann noch gleich, Dorothee?“
„Nach Lemmerson, Paulchen, Nach Lemmerson!“
„Genau genau. Nun, natürlich hat es ein Weilchen gedauert, Erbstreitigkeiten und so, Sie wissen ja, was mussten wir uns herumstreiten mit diesen Raffsüchtigen…“
„Müllers, Paulchen, mit den Müllers!“
„Ja genau. Sowas Lächerliches! Was will ein Müller mit einem nach, frage ich Sie?“
Der Arzt schüttelte bekümmert den Kopf und hoffte, dass die die richtige Geste war.
„Auf jeden Fall“, fuhr Herr Von und zu Walderstätten fort, „Dürfen wir uns von nun an und mit allem recht, dass uns unser Anwalt verschafft hat, „Von und zu und NACH Walderstätten nennen! Haben Sie denn die Anzeige nicht gelesen?“
Herr Von und zu und nach Walderstätten schüttelte empört den Kopf. „Es stand ja wohl wirklich groß genug in der Zeitung drin, nicht wahr, Dorothee?“ „Ganz genau, Paulchen!“
„Gut“. Doktor Dienstag, der Doktor ohne Doktor, holte tief Luft: „MeinlieberHerrVonundzuundNACHWalderstätten“, Herr Von und zu und nach Walderstätten erlaubte sich den Ansatz eines zufrieden-gnädiges Kopfnickens, „LiebeFrauVonundzuundNACHWalderstätten“, Frau Von und zu und nach Walderstätten strahlte, „Was kann ich heute für Sie tun?“
Nun, da die wichtigsten Dinge geklärt worden waren, lehnten sich das Ehepaar Von und zu und nach Walderstätten entspannt zurück. „Ja, also wissen Sie“, begann Herr Von und zu und nach Walderstätten, „Meine Frau hat da so ein kleines… Problemchen!“. „Lass mich das machen, Paulchen“, Frau Von uns zu und nach Walderstätten tätschelte den Arm ihres Gatten und wandte sich dann dem Arzt zu. „ja, wissen Sie, ich habe da so einen Ausschlag, in unteren Regionen, Sie verstehen?“ „Dorothee, jetzt zeig dem Doktor doch einfach mal Dein Perlendöschen!“ „Ach Paulchen, lass mich mal machen, das will der Herr Doktor doch sicher gar nicht sehen, nicht wahr, Herr Doktor?“ Doktor Dienstag, der Doktor ohne Doktor, schwieg. „Also wissen Sie“, fuhr Frau Von und zu und nach Walderstätten fort. „Das ist so ein Ausschlag, also, so runde, offene, wunde Stellen mit hartem Rand, die nässen so und jucken tut es auch und jetzt stellen Sie sich das mal vor, lieber Herr Doktor, das ist voll wund und sifft und suppt…“
„Bäh!“, machte Doktor Dienstag.
„Ja, genau DAS habe ich auch gesagt, nicht wahr, Paulchen?“
„Ja, das hast Du, Dorothee“. Herr Von und zu und nach Walderstätten nickte eifrig. „Stand da vor mir, die Dorothee, zeigte mir ihr Perlendöschen und sagte: Guck mal, Paulchen: Bäh!“
„Ja,“, Doktor Dienstag, der Doktor ohne Doktor, räusperte sich.
„Und ewig kratzt sie da dran rum“, ereiferte sich Herr Von und zu und nach Walderstätten. „Was sollen denn die Dienstboten denken?“
„Ja genau“, bestätigte Frau Von und zu und nach Walderstätten, „Man weiß zwar, was sich gehört, aber wenn es juckt, dann juckt es!“, stand auf und schickte sich an, den Rock ihres Tweed-Zweiteilers zu lupfen. „Möchten Sie mal gucken, Herr Doktor?“
Der Arzt würgte. „Nein nein“, beeilte er sich zu sagen. „gute Frau Von und zu Walder….“
Das Ehepaar hob echauffiert die Augenbrauen.m „Äh, ich meine natürlich Frau Von und zu und NACH Walderstätten!“, korrigierte sich Doktor Dienstag hastig. „Nein, ähm, es ist nicht nötig einen Blick auf ihr, äh, Perlendöschen zu werfen!“ Eigentlich hätte er sich den Ausschlag natürlich ansehen müssen, aber er hatte gut gefrühstückt und auch die feste Absicht, eben dieses drin zu behalten. Zwar meldete sich sein schlechtes Gewissen, aber er nahm es nicht dran.
„Sie haben sich anscheinend eine, nun ja, Syphilis eingefangen, liebe Frau Von und zu und nach Walderstätten!“
„Eine Syphilis?“ Herr Von und zu und nach Walderstätten wurde nachdenklich. „So wie das, was Dein Tennistrainer neulich hatte, Dorothee? Und auch dieser Stallbursche, wie hieß der noch?“ „Peter, Paulchen, der Stallbursche heißt Peter!“ „Danke, Liebes. Ja, Herr Doktor, wenn Sie wüssten, mit was für Ausreden sich das Dienstvolk heute alles krankmeldet!“ Herr Von und zu und nach Walderstätten seufzte gequält. „Aber was will man machen?“
Doktor Dienstag nickte verständnisvoll und hoffte, dass dies eine angemessene Geste war.
„Syphilis also. Hm.“ Herr und Frau von und zu und nach Walderstätten wechselten einen Blick. „Das geht nicht!“
„Wie bitte?“
„Sehen Sie, lieber Herr Doktor“, erklärte Herr Von und zu und nach Walderstätten, „Meine Dorothee, die hat doch sicher nicht so eine… Vulgäre, gewöhnliche Krankheit!“
„Aber…. alle Symptome sprechen dafür?“, versicherte der Arzt.
„Trotzdem!“. Herr Von und zu und nach Walderstätten schaute den Arzt streng an. „Eine Tennislehrer- und Stallburschenkrankheit! Meine Dorothee! Das geht doch nicht! Was sollen denn die Leute denken?“
„Genau!“, pflichtete ihm seine Gattin bei. „Paulchen, da hast Du völlig Recht!“ Sie wandte sich an Doktor Dienstag, den Doktor ohne Doktor. „Also da müssen Sie uns schon etwas Besseres anbieten!“ Herr Von und zu und nach Walderstätten nickte. „So geht`s ja nun nicht hier!“
Dr. Dienstag war verdattert. „Anbieten?“
„Ja!“, Frau Von und zu und nach Walderstättens Augen leuchteten. „Hätten Sie da nicht etwas Anderes für mich? Etwas… Glamouröses? Etwas mit… Stil?“
„Mit Stil?“, echote Doktor Dienstag. „Aber sehen Sie, liebe Frau Von und zu und nach Walderstätten, Sie haben nun mal Syphilis, da kann ich doch nicht einfach…“
„und ob Sie das können!“, polterte Herr Von und zu und nach Walderstätten. „Immerhin sind wir privatversichert und wollen auch mal was sehen für unser gutes Geld!“
Doktor Dienstag, der Doktor ohne Doktor, dachte nach.“Ähm, an was hatten Sie denn so gedacht?“, fragte er vorsichtig.
Frau Von und zu und nach Walderstätten strahlte ihn an. „Wie wäre es denn mit dem Burn-out-Syndrom? Das kann man doch sicher auch am Perlendöschen kriegen?“

Written by medizynicus

3. Februar 2014 at 05:57

Veröffentlicht in Gastbeitrag

Neues von Dr. Dienstag – dem Doktor ohne Doktor (Gastbeitrag von Frau von Herrn L.)

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Dr. Dienstag, der Doktor ohne Doktor, schaute ernst über den Rand seiner Brille zu der Familie hin, die gerade sein Arbeitszimmer füllte: Sowohl körperlich, als auch mit einer olfaktorischen Mischung aus Schweiß, Käsefüßen, Bieratem von gestern und Frittenfett,
“Mein lieber Herr Kocholski”, hob er an. “Ich habe leider nicht so gute Neuigkeiten!”
“Was`n los, Alda?”, fragte Herr Kocholski erschrocken und warf seiner Frau, Frau Kocholski, einen nervösen Blick zu. Daraufhin richtete sich diese auf. Was einige Zeit dauerte: Zwar war auch Herr Kocholski speckig und mit zahlreichen körperumfassenden Speckringen versehen, seine Frau dagegen WAR ein mit einem Gesicht versehener Speckring.
Nachdem sich der weibliche Kloß mühsam und schnaufen im Stuhl so weit hochgehieft hatte, dass sich die Fettmassen halbwegs vertikal verteilten, beziehungsweise nun GERADE bergab flossen, schaute sie den Arzt vorwurfsvoll an. “Watt denn für`n Problem, Dokta?”
Nachdem nun bereits zum zweiten Mal das komplizierte Fremdwort “Problem” gefallen war, wurde auch Tochter Kocholski, Die-Mandy (Doppelname!!) hellhörig. “Mama, was hatt`n der Alde für`n Problem?”, knatschte sie zwischen 3 Lippenpiercings hervor. Kaum ein anderer hätte diesen Slang – eine Mischung aus “Umgangssprache” und “Jugenddeutsch”, vermischt bzw. tontechnisch behindert nicht nur von einigen Piercings, sondern auch der ein oder anderen Entzündung rund um das Schmollschnütchen. Doch Dr. Dienstag, der Doktor ohne Doktor, hielt sich durch Weiterbildungen regelmäßig auf dem Laufenden und hatte einen entsprechenden Kurs absolviert. Er war schon sehr gespannt auf den nächsten Termin, der zum Thema “So werden auch Sie erfolgreicher Handlanger: Wenn Patienten ganz genau wissen, was Sie tun sollen!” hatte.
Mal ganz davon abgesehen, dass er – ganz im Sinne seines Lehrauftrages – die Azu-Biene mitnehmen würde: tagsüber lernen, nachts vom Honig des Bienchens naschen, das war doch mal ein Plan!
Jetzt aber zurück zur Arbeit!
“Herr Kocholski, Frau Kocholski, Die-Mandy Kocholski, Brian-Obama Kocholski!” Junior hörte ihn nicht. zu vertieft war er in das, was auch immer da in seinem Kopfhörer sein mochte. Das ließ ihm Muddi Kocholski aber nicht durchgehen! Mit einem energischen Ruck, der erst erst die wabbelige Schulter in Bewegung versetzte und sich dann mittels Speckrollen über den Arm fortsetzte, einer großen, energiegeladenen Welle gleich, errichte die freigesetzte Energie schließlich ihre Hand. Der Junge bekam einen Watschen. “Jetzt hömma zu, was der Dokta sacht, Alder, sonst kriegste gleich noch eene verpasst!”
Doktor Dienstag, der Doktor ohne Doktor, nickte zufrieden. Er war immer schon großer Fan eines klaren Erziehungskonzeptes gewesen.
Junior zog sich die ehemals weißen Kopfhörer aus den tiefen seiner Ohren, was zwei ziemlich laute Schmatzgeräusch verursachte. “Wasn?”, brachte er all seine Fragen und Ängste auf den Punkt.
“Sie haben die “Faulkrankheit, Sie alle Vier!”, sagte der Arzt so sanft wie möglich, was nicht besonders sanft war.
In dem Moment klopfte es an der Tür. “Herein”, rief Doktor Dienstag in der Hoffnung, der Ankömmling möge einen Schwall frischer Luft mit sich bringen.
Azu-Bienes Brüste betraten den Raum; ein paar Augenblicke später folgte der Rest von ihr. “Die von und zu Walderstätten sind da, Herr Doktor”, flötete sie.
“oh, ja!”, freute sich der Doktor. Denn die Von und zu Walderstätten waren PRIVATPATIENTEN!
“ich muss Sie jetzt leider bitten, zu gehen!”, erklärte er Familienclan Kocholski. “Azu-Biene, bereiten Sie schon mal alles vor!” “Ist schon in Arbeit, Herr Doktor”, trällerte Azu-Biene, während Sie bereits das Fenster aufriss und Raumduft versprühte. Dann stupste sie – sehr zu Juniors vergnügen – die Kocholskis Richtung Tür.
“Und was is mit unserer Krankheit, da wo is?”, grummelte Herr Kocholski, nachdem er sich mühsam aus dem Stuhl gepellt hatte. “machen Sie sich da mal keine Sorgen”, sagte Doktor Dienstag. “Lassen Sie sich einen Termin für in, sagen wir, 2 Wochen (dann dürfte es warm genug sein, die ganze Zeit über das Fenster aufzulassen) geben. Seien Sie versichert: Die Krankheit haben Sie dann immer noch!”
“Und dafür zahlt man jahrelang in Hartz 4 ein!”, grummelte Herr Kocholski beim Rausgehen.
“Frau Kocholski?”, rief der Arzt der Dame hinterher. “Wasn?” “Den Stuhl lassen Sie aber hier bitte!”
Die mit einem Gesicht versehene Speckrolle zog mit einem Schnauben den Stuhl von sich ab, der so dermaßen mit ihrem Hintern gefüllt gewesen war, dass er beim Aufstehen daran haften geblieben war.
…. to be continued

Dies ist der Erste von hoffentlich noch vielen Gastbeiträgen über Dr. Dienstag, den Frau von Herrn L. für diesen Blog geschrieben hat. Stay Tuend!

Written by medizynicus

29. Januar 2014 at 19:06

Veröffentlicht in Gastbeitrag

Ein Leserbeitrag: “Unwissenheit schütz vor Herzmuskelentzündung nicht”

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Den folgenden Beitrag bekam ich heute von einer treuen Leserin zugemailt und stelle ihn mit ihrem Einverständnis hier ein:

Neulich hat der Narkosearzt in seinem Blog eine Geschichte veröffentlicht, bei dem es um eine Herzmuskelentzündung aufgrund einer verschleppten Erkältung ging. Die betroffene Dame hat bislang überlebt, benötigt aber dringend ein Spenderherz, weil ihr eigenes nur noch eine “Leistung” von 9% erbringt.
Solche Geschichten höre ich immer wieder: Da verschleppt einer eine einfache Erkältung, bekommt eine Herzmuskelentzündung und muss von nun an starke Medikamente nehmen – oder fällt tot um.
Nun zu meiner Frage:
Ich bin derzeit “nur” als Hausfrau tätig und habe 2 kleine Kinder, mein Mann geht Vollzeit außer Haus arbeiten. Ist mein Mann krank, wird er bei Bedarf vom Arzt krankgeschrieben – so weit, so gut.
Wenn ich jetzt aber mal ernsthaft krank bin – Grippe, Bronchitis, whatever – und gehe zu meinem Hausarzt, wird es interessant. Das läuft dann oft so:
“Muss ich Sie krankschreiben?”
“Äh, ich bin Hausfrau und Mutter!”
“Ach so, dann arbeiten Sie also nicht!”
…. Ahrg.
Und dann:
“Ja, dann lassen Sie es die nächste Woche ruhig angehen, ja?”
“Öhm, ich habe 2 kleine Kinder? Mein Mann geht arbeiten? Haha?”
“Ja, äh, schon klar, das ist nicht so einfach….”
Nun zu meiner Frage: Warum kommt eigentlich keiner (und ich habe da schon einige Ärzte “durch”) auf die Idee, mich über meinen Mann krankzuschreiben? Das geht nämlich: Ist ein Partner ernsthaft krank, kann der “arbeitende” Partner sich über den Anderen krankschreiben lassen, so dass er zu Hause bleiben und sich um die Kinder kümmern kann und dabei ganz normal für die Zeit Krankengeld erhält, als wäre er selber krankgeschrieben worden. Dass es so etwas gibt, weiß ich (mit über 30) übrigens erst seit ein paar Jahren, und das auch nur durch Zufall.
Wer ist dafür zuständig, dass ich das weiß?, frage ich mich? Hat mir vorher keiner gesagt… Und überhaupt: Müsste mir das nicht der Hausarzt sagen? Und auch anbieten? Hat ein “arbeitender” Mensch eine schwere Grippe oder so, wird er mal mindestens für 3 tage, wenn nicht sogar für eine ganze Woche krankgeschrieben; wil er vorher wieder arbeiten gehen, muss er sich erst vom Arzt wieder “gesund schreiben lassen”.
Und was ist mit mir? Arbeite ich denn nicht als Hausfrau und Mutter von 2 kleinen Kindern? Ist diese Arbeit weniger Wert, als das, wofür etwa mein Mann bezahlt wird? und habe ich nicht das gleiche Recht auf Genesung und Ruhe während meiner Krankheit wie Jemand, der etwa zum Arbeiten in die Firma fährt? Was ist mit mir und wie soll ich es schaffen, mich genug ausruhen zu können, um keine Erkältung zu verschleppen, die dann zu einer lebensbedrohlichen Herzmuskelentzündung werden kann?
Warum ist das den Hausärzten egal? Oder denken die da nur nicht dran?

Written by medizynicus

27. Januar 2014 at 20:27

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Ein Frohes Neues Jahr

with 2 comments

…Und wieder mal fängt ein Neues Jahr an.
Neue Chancen, neue Herausforderungen, die Karten werden neu gemischt…
Dabei ist hier in Bad Dingenskirchen eigentlich alles beim Alten. Das Chaos ist chaotisch, der Wahnsinn ist wahnsinnig und Schweine können fliegen.

So spannend wie 2010 war es diesmal nicht.
…was einen dann daran erinnert, dass dieses Blog in diesem Jahr sieben Jahre alt wird. Angefangen hat es hier.
(Okay, genau genommen fing es eigentlich hier an. Aber auch das war nicht der Anfang…)

Also, liebe Leserinnen und Leser, in diesem Sinne, ein Frohes Neues, Euch allen!

Written by medizynicus

1. Januar 2014 at 10:21

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

HoHoHo!

with 3 comments

HoHoHo, das ist bekanntlich die traditionelle Grußformel, die zu verwenden ist, wenn man einem Weihnachtsmann begegnet. Und heute Nacht ist es wieder soweit: da fliegen sie auf ihren von acht oder so (sieben plus Rudolph – war doch richtig, oder?) Rentieren gezogenen Schlitten durch die Nächte, rutschen Schornsteine hinab, verteilen Geschenke und….
Nee, stimmt gar nicht!
Die Existenz des Weihnachtsmannes wurde bekanntlich kürzlich wissenschaftlich widerlegt!
Ich darf zitieren:

Wenn der Weihnachtsmann irgendwann einmal so die Geschenke gebracht haben sollte, ist er heute tot.

Wer’s noch nicht kennt: die Story verbreitet sich seit mindestens fünfzehn Jahren wie ein Lauffeuer durchs Netz, zum Beispiel hier, oder hier, oder hier wenn man lieber das englische Original mag.
Wussten wir es doch hinter vorgehaltener Hand schon immer: Alles Lüge!
Dieser übergewichtige rotgewandete Riesengartenzwerg, der da oben Nordpol frühkapitalistische Fabriken unterhält, in denen arme, versklavte Zwergen im rauen arktischen Klima ohne Betriebsrat bis zum umfallen schuften und von Weihnachtsgeld noch nicht einmal zu träumen wagen… gibt’s gar nicht!
Oder sollten wir lieber doch an ihn glauben?
Existiert er vielleicht doch?
Natürlich existiert er!
Es war einmal, vor langer, langer Zeit, dass damals 8 jährige Virginia von ihrem Papa wissen wollte ob… und wie Papas nun mal so sind, gab er ihr keine zufriedenstellende Antwort. Also schrieb sie an die Zeitung weil ja nunmal bekanntlich alles stimmt, was in der Zeitung steht.
Die Antwort wird seit über hundert Jahren immer wieder nachgedruckt:

Kein Weihnachtsmann! Gott sei Dank! lebt er, und er lebt auf ewig. Noch in tausend Jahren, Virginia, nein, noch in zehnmal zehntausend Jahren wird er fortfahren, das Herz der Kindheit zu erfreuen.

…und falls es doch nicht stimmen sollte?
Na, dann haben wir ja immer noch das Christkind!
Womit wir bei der Frage wären: Wie begrüßt man eigentlich so ein Christkind?

Written by medizynicus

24. Dezember 2013 at 22:05

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