Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Was macht denn der Herr Doktor eigentlich so den ganzen Tag?

with 4 comments

Auf vielfachen Wunsch (ich verrate nicht, von wem) sei also heute einmal der ganz normale Tagesablauf eines Assistenzarztes in der Internistischen Abteilung des Kreiskrankenhauses Bad Dingenskirchen beschrieben:
07:00 Uhr:
Arbeitsbeginn. Aber wir haben Gleitzeit. Man kann, aber man muss nicht
07:30 Uhr:
Jetzt sollte man.
07:31 Uhr:
Auf die Station geschluft kommen. Morgen! Gibts im Schwesternzimmer frischen Kaffee? Und viel Milch dazu, hauptsächlich um das Zeug auf trinkbare Temperatur hinunterkühlen.
07:35 Uhr:
Man greift sich das Tablett mit den Blutröhrchen und zieht los. Blut abnehmen. Zwischendurch vielleicht auch noch irgendwo ne Braunüle legen. Oder „Herr X. geht heute nach Hause und muss um acht Uhr ganz dringend weg und braucht noch einen Entlassbrief!“ oder… oder… oder..
07:45 Uhr:
Runter in die Notaufnahme. Frühbesprechung mit Chef, Oberarzt und allen Assistenzarzt-Kollegen. Der Diensthabende der letzten Nacht betet die Aufnahmen und anderen Ereignisse seines Dienstes herunter. Anschließend gemeinsame Visite bei den Aufgenommenen.
08:15 Uhr:
Wieder oben auf Station. Die Schwestern frühstücken (tun ja den ganzen Tag nichts anderes, oder? *warteaufböseantworten*). Man quetscht sich dazu auf die Bank im Schwesternzimmer, bettelt um ein Brötchen und einen Kaffee und bittet dann ganz vorsichtig: „Wer mag denn heute mit mir gehen?“
Daraufhin betretenes Schweigen unter der Schwesternschaft. Nachdem jede ihre Ausrede aufgesagt hat erneut betretenes Schweigen. Schließlich wird eine bedauernswerte Schwester von der Stationsleitung ausgeguckt, welche sich dann mit treuem Dackelblick an den Doc wendet: „Muß aber erst noch eine Rauchen!“
Doc nickt, schnappt sich den Kurvenwagen und verzieht sich mit der halbvollen Kaffeetasse ins Arztzimmer.
08:30 Uhr:
Im Arztzimmer sitzend, mit Kurvenwagen. Krankenakten durchschauen. Im Computer nach Ergebnissen suchen. Mir schon mal zu jedem Patienten überlegen, was ich von ihm selbst und von der Schwester wissen möchte und was ich in den nächsten Tagen mit ihm vorhabe. „Kurvenvisite“ nennt sich das, es beschleunigt den Ablauf der eigentlichen Visite
08:35 Uhr:
Schwester steckt den Kopf durch die Tür:
„Dauert noch nen Moment…“
Doc nickt mit dem Kopf.
„ist Okay.“
08:36 Uhr:
Piepser geht. Notaufnahme.
„Zugang!“
Also runter in die Notaufnahme.
Auf dem Flur die Schwester getroffen.
„Alles klar, wir können losgehen!“
„Geht grad nicht. Dauert noch nen Moment. Hab noch nen Zugang…“
08:37 Uhr:
In der Notaufnahme angekommen. Die übliche Routine: Patienten untersuchen, Anamnese, Blut abnehmen, alles schön aufschreiben…
09:15 Uhr:
Wieder auf Station. Nehmen wir mal an, die Schwester hat jetzt Zeit, als können wir gemeinsam mit der Visite anfangen. Eventuell geht das Spiel auch wie um 08:35 und 08:37 noch eine Weile lang hin und her.
09:20 Uhr:
Visitääää!
Ein Arzt, eine Schwester und zwanzig Patienten. Zunächst draußen auf dem Flur in die Akte schaun. Schwester fragen. gibts was besonderes? An die Tür klopfen, Hand des Patienten schütteln, Fragen wie es geht. Patient fragt, wann er nach Hause darf. Dann macht man ein ernstes Gesicht, erklärt dem patienten die Ergebnisse der letzten untersuchungen und erzählt ihm, was man noch alles vorhat. Gegebenenfalls redet man anschließend mit den Angehörigen. Zeitbedarf pro Patient: zwischen einer und dreißig Minuten.
10:30 Uhr:
Visite endlich zu Ende. Zurück ins Arztzimmer. Nochn Kaffee schnorren? Kein frischer da! Die abgestandene Plörre gleich in den Ausguss geschüttet.
10:35 Uhr:
Mache mir eine Liste mit den Dingen, die noch zu erledigen sind: Ultraschall-Untersuchungen machen, Belastungs-EKGs, Langzeit EKGs auswerten, Entlassungsbriefe schreiben, und.. und… und
Zwischendurch (auch während der Visite ist möglicherweise eine Widerholung der Ereignisse zwischen 08:36 und 09:15 denkbar)
10:59 Uhr:
Habe die Entlassungsbriefe fertig, Patienten wollen schliesslich so schnell wie möglich los
11:00 Uhr:
Versuche mal ein paar Ultraschalluntersuchungen zu machen. Ultraschall gilt sozusagen als Hobby eines angehenden Internisten und ist daher bevorzugt in Freizeit und Urlaub abzuleisten. Falls keine weiteren Zugänge auftauchen arbeite ich meine Liste so nach und nach ein wenig ab…
12:00 Uhr:
Pünktlich zur Mittagsbesprechung in dem Chef sein Zimmer.
12:30 Uhr:
Mittagsbesprechung zu Ende.
12:31 Uhr:
Eigene Nahrungsaufnahme. Vorsichtig in die Kantine schleichend. Es gibt das berüchtigte serbische Reisfleisch. Der Hunger treibts rein. Piepser geht, Station will den Entlassbrief von Patient XYZ der natürlich noch nicht fertig ist.
12:45 Uhr:
Wieder auf Station. Den üblichen Kleinkram machen: Entlaassbrief… Braunülen schieben, EKGs auswerten, Ergometrien, Langzeit-EKGs, Und…. mit Angehörigen sprechen. Zwischendurch vielleicht ein ein wenig schallen, oder wieder mal runter in die Notaufnahme.
16:00 Uhr:
Jetzt gehts allmählich auf Feierabend zu… muss noch ein paar Briefe diktieren…. und die Angehörigen, die jetzt UNBEDINGT noch mit einem Dokta sprechen wollen.
17:00 Uhr:
Endlich Feierabend

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Written by medizynicus

13. Mai 2009 um 10:42

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

4 Antworten

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  1. Hab jetzt ein bissi überlegt ob ich was schreibe. Aber…wenn du diesen Beitrag am 13. Mai posten möchtest (heute ist der 11 😉 ) dann stimmt vielleicht etwas in deinen Blog Einstellungen nicht. Hab auch deines als RSS im Abo und bekomme die Beiträge per Mail geschickt. In deinem Blog lese ich das hier nur, wenn ich direkt auf den Mail Link klicke. Falls das unbeabsichtigt (wovon ich definitiv ausgehe) ist, hast du jetzt die Chance das zu ändern 😉

    Klinkenputzer

    12. Mai 2010 at 00:01

  2. Oooops, da läuft was schief!
    Es handelt sich um einen alten Beitrag (13. Mai 2009, also vom letzten Jahr!), den ich verändert und neu gepostet habe – aber mit dem alten Datum. Wusste nicht, dass er im feed als neuer Beitrag angezeigt wird!

    medizynicus

    12. Mai 2010 at 00:36

  3. Hm ja, irgendwas läuft offenbar nicht so wie es sollte. Ich bekomme gerade laufend (naja – immer mal wieder) updates deines Blogs per Mail. Aber Fort- und Weiterbildung 2 ist jetzt definitiv nicht mehr verfügbar auf mail-klick.
    Aber immerhin – so kannst du das ja ändern 😉
    Btw – sehe auch gerade erst das es sich um den 13. 5. letztes Jahr handelte. Man lebt halt irgendwie im Hier und Jetzt 🙂 Da ist mir das Jahr ganz und gar entgangen.

    Klinkenputzer

    12. Mai 2010 at 00:56

  4. Danke dass du mich erinnerst warum ich der Inneren den Rücken gekehrt habe 😉

    Doc Brown

    12. Mai 2010 at 17:18


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