Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

…und verbleiben mit kollegialen Grüßen

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Das „Briefe Diktieren“ gehört zu den Tätigkeiten, die uns Krankenhausärzten den Spaß am Beruf manchmal ganz kräftig verleiden können. Weil man nämlich Stunden damit verbringt und weil es so sinnlos ist.
Aber mal von vorn:
Wenn jemand aus der stationären Behandlung  entlassen wird, will und soll der Hausarzt wissen, was wir hier im Krankenhaus die ganze Zeit über mit seinem Patienten angestellt haben.
Schließlich ist oft eine Nachbehandlung notwendig, oder die Medikation wurde verändert.
Und da das meiste, was wir hier tun Routine ist, ließen sich die wirklich relevanten Informationen meist in zwei bis drei Sätzen zusammenfassen. Zum Beispiel: „Patient hatte keinen Herzinfarkt. Wir haben die üblichen Tests gemacht und alles war in Ordnung“. Oder: „Der Blinddarm ist operiert  worden. Keine Komplikationen nach der OP.  Bitte nach 8 Tagen Fäden ziehen!“
Jeder Patient bekommt deswegen bei seiner  Entlassung einen kurzen, handschriftlichen  Zettel mit, auf dem genau diese zwei bis drei  Sätze stehen.
Aber das reicht nicht aus. 
Zusätzlich muss ein ausführlicher Arztbrief  verfasst werden: Angefangen mit einer  langen und oft verwirrenden Liste von  Diagnosen und der Vorgeschichte bis hin zu  einer akribischen Beschreibung aller  Untersuchungsergebnisse und einer  genauen Auflistung von fast jedem Handgriff, der hier im Krankenhaus getan worden ist.
Was eine ziemliche Fleissarbeit sein kann, wenn der Patient drei Wochenlang hier gelegen hat und inder Zeit von mindestens fünf Kollegen behandelt worden ist.
Vor allem aber: Was letztendlich in dem Brief drinsteht, interessiert eigentlich keine Sau. Am allerwenigsten den Hausarzt. Der liest nur die drei Sätze, die wirklich interessant sind.

Written by medizynicus

22. Mai 2009 um 12:45

Veröffentlicht in Uncategorized

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