Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Archive for Mai 2009

…und verbleiben mit kollegialen Grüßen

leave a comment »

Das „Briefe Diktieren“ gehört zu den Tätigkeiten, die uns Krankenhausärzten den Spaß am Beruf manchmal ganz kräftig verleiden können. Weil man nämlich Stunden damit verbringt und weil es so sinnlos ist.
Aber mal von vorn:
Wenn jemand aus der stationären Behandlung  entlassen wird, will und soll der Hausarzt wissen, was wir hier im Krankenhaus die ganze Zeit über mit seinem Patienten angestellt haben.
Schließlich ist oft eine Nachbehandlung notwendig, oder die Medikation wurde verändert.
Und da das meiste, was wir hier tun Routine ist, ließen sich die wirklich relevanten Informationen meist in zwei bis drei Sätzen zusammenfassen. Zum Beispiel: „Patient hatte keinen Herzinfarkt. Wir haben die üblichen Tests gemacht und alles war in Ordnung“. Oder: „Der Blinddarm ist operiert  worden. Keine Komplikationen nach der OP.  Bitte nach 8 Tagen Fäden ziehen!“
Jeder Patient bekommt deswegen bei seiner  Entlassung einen kurzen, handschriftlichen  Zettel mit, auf dem genau diese zwei bis drei  Sätze stehen.
Aber das reicht nicht aus. 
Zusätzlich muss ein ausführlicher Arztbrief  verfasst werden: Angefangen mit einer  langen und oft verwirrenden Liste von  Diagnosen und der Vorgeschichte bis hin zu  einer akribischen Beschreibung aller  Untersuchungsergebnisse und einer  genauen Auflistung von fast jedem Handgriff, der hier im Krankenhaus getan worden ist.
Was eine ziemliche Fleissarbeit sein kann, wenn der Patient drei Wochenlang hier gelegen hat und inder Zeit von mindestens fünf Kollegen behandelt worden ist.
Vor allem aber: Was letztendlich in dem Brief drinsteht, interessiert eigentlich keine Sau. Am allerwenigsten den Hausarzt. Der liest nur die drei Sätze, die wirklich interessant sind.

Written by medizynicus

22. Mai 2009 at 12:45

Veröffentlicht in Uncategorized

Sex im Krankenhaus (Teil 3): Da kann ich ja nichts für…

leave a comment »

Es ist nun einmal so. Im Kopfkino der Generation siebzig aufwärts (und abwärts) spielen diverse Krankenschwesterphantsien als Masturbationsvorlage eine nicht unbeträchtliche Rolle. Und da macht es auch nichts auch nichts, wenn das Objekt der Begierde gerade eine dampfende Bettpfanne in der Hand hat.
Wer lange genug in Krankenhäusern aus und ein geht und sich dabei insbesondere in Schwesternzimmern und Stationsküchen aufhält wird mit wiederkehrender Regelmäßigkeit erleben, daß eine junge Schwesternschülerin mit hochrotem Kopf hereinkommt und erzählt, daß irgend so ein alter Knacker beim Waschen des Intimbereichs eine Erektion hatte.
Letztens hat übrigens eine junge Kollegin, frisch von der Uni gekommene Assistenzärztin, bei einer Abdomen-Sonographie  ihr „erstes Mal“ erlebt.
Allerdings sollte man so etwas nicht persönlich nehmen. Oft kann der Patient da wirklich nichts für.

Written by medizynicus

22. Mai 2009 at 12:44

Veröffentlicht in Uncategorized

Sex im Krankenhaus (Teil 2) – oder: Wozu gibt es Krankenschwestern?

leave a comment »

Alle Krankenschwestern sind blond, haben Model-Maße und sind nymphomanisch veranlagt. Und sobald ein Arzt sich ihnen nähert, ihnen mit festem Blick in die Augen schaut, schmelzen sie dahin.
Und wenn man ihnen dann leise ein  „Vertrau mir, Schätzchen, ich bin Arzt!“ ins Ohr flüstert… dann wirds bald nicht mehr jugendfrei.
Soweit das Klischee.
Wer jemals in das Schaufenster eines Fachgeschäftes für Sexualwaren geschaut oder gar einen solchen Laden betreten hat (hat Medizynicus selbstverständlich noch nie getan), der kann sehen, dass es dort Krankenschwester-Outfits in allen Größen und Formen zu kaufen gibt. Allerdings ist es mir leider noch nicht vergönnt gewesen, in meinem Berufsalltag einer Schwester in so einem Outfit auf Station zu begegnen.
Ja, und jetzt wollt Ihr natürlich wissen, ob ich schon mal….?
Also gut, ich erzähle es Euch:
Die junge gutaussehende Schwesternschülerin weinend in einer Ecke des Stationszimmers. Was genau passiert war, weiss ich nicht mehr, aber ich habe mich zu ihr gesetzt und sie getröstet.
Ein paar Monate später – sie war inzwischen frisch examiniert – fand ich mich nachts um halb drei nach einer Party gemeinsam mit ihr in ihrem Wohnheim Zimmer wieder. Wir haben zusammen einen Joint geraucht und…. wenn sie nicht wenige Stunden später zum Frühdienst gemußt hätte und wenn ich nicht auch wenige Stunden später einen Vierundzwanzigstundendienst vor mir gehabt hätte, dann hätte vielleicht…
Ist aber nicht.

Written by medizynicus

22. Mai 2009 at 12:42

Veröffentlicht in Uncategorized

und schon wieder Gewissensbisse…

leave a comment »

Da sitze ich nun wieder mit einer Flasche Bier am Balkon und denke nach.
In der Nachbarwohnung höre ich die Nachbarin werkeln.
Ob sie ihre Pillen bekommen hat?
Ich weiss jetzt, wer ihr Hausarzt ist.
Heute früh habe ich – eher aus Zufall – mit ihm telefoniert. Es ging um einen ganz anderen Patienten.
Hätte ich ihm etwas von der Sache sagen sollen?
Hätte ich das überhaupt gedurft?
Ob ich ihn morgen noch einmal anrufen sollte?

Written by medizynicus

22. Mai 2009 at 12:40

Veröffentlicht in Uncategorized

Die Sache mit der Nachbarin (Teil 2) – oder: Tablettenabhängigkeit ist kein Spaß!

leave a comment »

„Außerdem verschreibt mir mein Hausarzt immer nur die Zwanziger,“ fährt die Nachbarin fort, „das sind dann jeses Mal fünf Euro. Und mit der Packung komme ich gerade einmal gut eine Woche aus. Das geht ganz schön ins Geld. Könnten Sie mir nicht eine Fünfziger-Packung verschreiben?“
Sie wedelt mit ihrer Versicherungskarte vor meiner Nase herum.
Ich erkläre ihr vorsichtig nochmal, dass ichals Krankenhausarzt leider kein Rezept ausstellen darf.
Sie zieht von dannen.
Zehn Minuten später klingelt sie erneut.
„Und wie wäre es mit einem Privatrezept?“
Jeder Arzt darf ein Privatrezept ausstellen. Ich auch. Und sie weiss das. Und die Tatsache, dass sie das weiss, lässt tief blicken.
„Dann kriege ich Ärger mit dem Apotheker!“ sage ich.
Sie schlurft von dannen.
Dann dreht sie sich noch einmal um.
„Sagen Sie mal, wenn ich von so einer Fünfzigerpackung alle auf einmal nehmen würde…“
„Dann wären Sie hin!“
„Und eine Zwanzigerpackung?“
Sie schaut mich mit glasigem Blick an, lacht heiser und schlurft zu ihrer eigenen Wohnungstür.
„Neee, ich tu’s nicht“ sagt sie.
Ich ziehe mich in meine eigene Wohnung zurück. Das Bier will mir nicht mehr schmecken.

Written by medizynicus

22. Mai 2009 at 12:38

Veröffentlicht in Uncategorized

Die Sache mit der Nachbarin – oder: Ein Benzo am Morgen…

with 2 comments

Feierabend. Medizynicus sitzt mit einer Flasche Bier auf dem Balkon, als es an der Wohnungstür klingelt.
Davor steht die Nachbarin: jene alleinstehende Mit-Sechzigerin, welche den Namen ihrer Katze mit aufs Klingelschild geschrieben hat.
„Sagen Sie mal, Herr Doktor,“ lallt sie, „Sie können doch Rezepte ausstellen?“
„Nicht direkt. Ich bin Krankenhausarzt. Was brauchen Sie denn?“
Sie zeigt mir die angebrochene Packung eines Schlafmittels.
„Davon nehme ich eine morgens und eine abends… und ab und zu auch mittags… für die Nerven.“
Bei Medizynicus klingeln die Alarmglocken. Die Dame ist offenbar abhängig! Und zusätzlich noch dem Alkohol zugetan, eine gar nicht gute Kombination.
„Wenn Sie möchten, spreche ich mal mit einem der niedergelassenen Hausarzt-Kollegen hier im Ort…“
Sie macht ein erschrockenes Gesicht.
„Nein, bloss nicht! Bei denen war ich schon überall, die wollen mir keine mehr geben!“

Written by medizynicus

22. Mai 2009 at 12:36

Veröffentlicht in Uncategorized

Ältere Artikel

leave a comment »

Hier ein paar Links zu den „Highlights“ aus dem alten Blog:

(kommt noch)

Written by medizynicus

22. Mai 2009 at 12:34

Veröffentlicht in Uncategorized

Umzug (noch im Geheimen)

leave a comment »

Hallo zusammen!

Das Medizynicus-Blog existiert ja inzwischen seit fast zwei Jahren unter:

http://www.medizynicus.de

Die Domain wird bislang auf folgende Seite weitergeleitet:

http://medizynicus.blogger.de

Hier liegt das eigentliche Blog und das wird auch noch eine Weile lang so bleiben.

Von jetzt an werde ich die Beiträge parallell auf dieser Seite posten und einfach mal schaun, was passiert.

Vielleicht ziehe ich dann irgendwann einmal um, vielleicht auch nicht… schau mer mal!

Neue URL:   https://medizynicus.wordpress.com

Alte und bislang noch gültige URL: http://medizynicus.blogger.de

Written by medizynicus

22. Mai 2009 at 12:24

Veröffentlicht in Uncategorized

Was macht denn der Herr Doktor eigentlich so den ganzen Tag?

with 4 comments

Auf vielfachen Wunsch (ich verrate nicht, von wem) sei also heute einmal der ganz normale Tagesablauf eines Assistenzarztes in der Internistischen Abteilung des Kreiskrankenhauses Bad Dingenskirchen beschrieben:
07:00 Uhr:
Arbeitsbeginn. Aber wir haben Gleitzeit. Man kann, aber man muss nicht
07:30 Uhr:
Jetzt sollte man.
07:31 Uhr:
Auf die Station geschluft kommen. Morgen! Gibts im Schwesternzimmer frischen Kaffee? Und viel Milch dazu, hauptsächlich um das Zeug auf trinkbare Temperatur hinunterkühlen.
07:35 Uhr:
Man greift sich das Tablett mit den Blutröhrchen und zieht los. Blut abnehmen. Zwischendurch vielleicht auch noch irgendwo ne Braunüle legen. Oder „Herr X. geht heute nach Hause und muss um acht Uhr ganz dringend weg und braucht noch einen Entlassbrief!“ oder… oder… oder..
07:45 Uhr:
Runter in die Notaufnahme. Frühbesprechung mit Chef, Oberarzt und allen Assistenzarzt-Kollegen. Der Diensthabende der letzten Nacht betet die Aufnahmen und anderen Ereignisse seines Dienstes herunter. Anschließend gemeinsame Visite bei den Aufgenommenen.
08:15 Uhr:
Wieder oben auf Station. Die Schwestern frühstücken (tun ja den ganzen Tag nichts anderes, oder? *warteaufböseantworten*). Man quetscht sich dazu auf die Bank im Schwesternzimmer, bettelt um ein Brötchen und einen Kaffee und bittet dann ganz vorsichtig: „Wer mag denn heute mit mir gehen?“
Daraufhin betretenes Schweigen unter der Schwesternschaft. Nachdem jede ihre Ausrede aufgesagt hat erneut betretenes Schweigen. Schließlich wird eine bedauernswerte Schwester von der Stationsleitung ausgeguckt, welche sich dann mit treuem Dackelblick an den Doc wendet: „Muß aber erst noch eine Rauchen!“
Doc nickt, schnappt sich den Kurvenwagen und verzieht sich mit der halbvollen Kaffeetasse ins Arztzimmer.
08:30 Uhr:
Im Arztzimmer sitzend, mit Kurvenwagen. Krankenakten durchschauen. Im Computer nach Ergebnissen suchen. Mir schon mal zu jedem Patienten überlegen, was ich von ihm selbst und von der Schwester wissen möchte und was ich in den nächsten Tagen mit ihm vorhabe. „Kurvenvisite“ nennt sich das, es beschleunigt den Ablauf der eigentlichen Visite
08:35 Uhr:
Schwester steckt den Kopf durch die Tür:
„Dauert noch nen Moment…“
Doc nickt mit dem Kopf.
„ist Okay.“
08:36 Uhr:
Piepser geht. Notaufnahme.
„Zugang!“
Also runter in die Notaufnahme.
Auf dem Flur die Schwester getroffen.
„Alles klar, wir können losgehen!“
„Geht grad nicht. Dauert noch nen Moment. Hab noch nen Zugang…“
08:37 Uhr:
In der Notaufnahme angekommen. Die übliche Routine: Patienten untersuchen, Anamnese, Blut abnehmen, alles schön aufschreiben…
09:15 Uhr:
Wieder auf Station. Nehmen wir mal an, die Schwester hat jetzt Zeit, als können wir gemeinsam mit der Visite anfangen. Eventuell geht das Spiel auch wie um 08:35 und 08:37 noch eine Weile lang hin und her.
09:20 Uhr:
Visitääää!
Ein Arzt, eine Schwester und zwanzig Patienten. Zunächst draußen auf dem Flur in die Akte schaun. Schwester fragen. gibts was besonderes? An die Tür klopfen, Hand des Patienten schütteln, Fragen wie es geht. Patient fragt, wann er nach Hause darf. Dann macht man ein ernstes Gesicht, erklärt dem patienten die Ergebnisse der letzten untersuchungen und erzählt ihm, was man noch alles vorhat. Gegebenenfalls redet man anschließend mit den Angehörigen. Zeitbedarf pro Patient: zwischen einer und dreißig Minuten.
10:30 Uhr:
Visite endlich zu Ende. Zurück ins Arztzimmer. Nochn Kaffee schnorren? Kein frischer da! Die abgestandene Plörre gleich in den Ausguss geschüttet.
10:35 Uhr:
Mache mir eine Liste mit den Dingen, die noch zu erledigen sind: Ultraschall-Untersuchungen machen, Belastungs-EKGs, Langzeit EKGs auswerten, Entlassungsbriefe schreiben, und.. und… und
Zwischendurch (auch während der Visite ist möglicherweise eine Widerholung der Ereignisse zwischen 08:36 und 09:15 denkbar)
10:59 Uhr:
Habe die Entlassungsbriefe fertig, Patienten wollen schliesslich so schnell wie möglich los
11:00 Uhr:
Versuche mal ein paar Ultraschalluntersuchungen zu machen. Ultraschall gilt sozusagen als Hobby eines angehenden Internisten und ist daher bevorzugt in Freizeit und Urlaub abzuleisten. Falls keine weiteren Zugänge auftauchen arbeite ich meine Liste so nach und nach ein wenig ab…
12:00 Uhr:
Pünktlich zur Mittagsbesprechung in dem Chef sein Zimmer.
12:30 Uhr:
Mittagsbesprechung zu Ende.
12:31 Uhr:
Eigene Nahrungsaufnahme. Vorsichtig in die Kantine schleichend. Es gibt das berüchtigte serbische Reisfleisch. Der Hunger treibts rein. Piepser geht, Station will den Entlassbrief von Patient XYZ der natürlich noch nicht fertig ist.
12:45 Uhr:
Wieder auf Station. Den üblichen Kleinkram machen: Entlaassbrief… Braunülen schieben, EKGs auswerten, Ergometrien, Langzeit-EKGs, Und…. mit Angehörigen sprechen. Zwischendurch vielleicht ein ein wenig schallen, oder wieder mal runter in die Notaufnahme.
16:00 Uhr:
Jetzt gehts allmählich auf Feierabend zu… muss noch ein paar Briefe diktieren…. und die Angehörigen, die jetzt UNBEDINGT noch mit einem Dokta sprechen wollen.
17:00 Uhr:
Endlich Feierabend

Written by medizynicus

13. Mai 2009 at 10:42

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Leichen im Keller (Teil 2): Wenn Ärzte zu Mördern werden…

with one comment

Vor ein paar Tagen habe ich an dieser Stelle gefragt: Wenn unser Krankenhaus der Schauplatz eines Krimis wäre: Wer wäre dann wohl der Mörder?
Natürlich sind die Ärzte und die Schwestern die Guten. Die Bösen sitzen woanders, zum Beispiel in der Verwaltung.
Nun… das ist nicht immer so.
Auch in unserer Zunft gibt es und hat es immer schon dunkle Gestalten gegeben.
Gut, Dr. Jekyll alias Mr. Hyde war eine Romanfigur.
Aber Harold Shipman hat es wirklich gegeben.
Er war ein gütiger, allseits beliebter Hausarzt in England, der seine Patienten still und heimlich um die Ecke gebracht hat: kaltblütig und mit voller Absicht.
Nicht einmal, nicht zweimal sondern mindestens fünfzehn Mal – dafür ist er verurteilt worden – wahrscheinlich aber mehrere hundert Mal.
Was ihn dazu getrieben hat?
Aufgefallen ist er, als er das Testament einer Patientin zu seinen Gunsten hat fälschen wollen. Aber bis dahin hat er Jahrzehntelang gemordet, ohne dass es irgendwem aufgefallen wäre, auch den Kollegen am Ort nicht obwohl es Gerüchte gegeben hat.

Written by medizynicus

12. Mai 2009 at 14:02

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn