Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Assistenzärzte gibts nicht mehr. Wirklich. Und auch keine Krankenschwestern

with 3 comments

Gerade beim Neuen Hippokrates gelesen:
Auf dem Deutschen Ärztetag ist der Begriff „Assistenzarzt“ weitgehend abgeschafft worden. Der Begriff sei diskriminierend, weil er suggeriere, daß ein „Assistenzarzt“ eben noch gar kein richtiger Arzt sei sondern eben nur „der Assistent des Arztes“. Oder so ähnlich.
Damit ist jetzt Schluss. Stattdessen soll jetzt von „Ärzten in Weiterbildung“ gesprochen werden, zumindest in Stellenanzeigen und Arbeitsverträgen.
Das ist die konsequente Fortsetzung der politisch korrekten Verbalakrobatik, welche sich in den letzten Jahren im deutschen Gesundheitswesen ausgebreitet hat: Arzthelferinnen gibt es ja inzwischen auch nicht mehr, und schon gar keine „Sprechstundenhilfen“. Die Damen heißen jetzt „Medizinische Fachangestellte“ und werden von ihrem Chef nach wie vor als „Mädchen“ bezeichnet, auch wenn sie das vierzigste Lebensjahr längst überschritten haben. Ebenso wie die „Gesundheits- und Krankenpflegerin“ nach wie vor die Bettpfannen schwingen darf, auch wenn sie keine Krankenschwester mehr ist.
Wer erinnert sich noch an die geniale Werbekampagne vor ein paar Jahren von wegen Raider-heißt-jetzt-Twix… nee, ändern tut sich auch für Assistenzärzte, Verzeihung, für Ärzte in Weiterbildung nix: Die Dienste bleiben genauso lang, Weiterbildung bleibt nach wie vor Wunschdenken und das Gehalt… nun ja, reden wir von etwas Anderem!
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Written by medizynicus

2. Juni 2009 um 13:08

Veröffentlicht in Uncategorized

3 Antworten

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  1. Wer unseren Artikel zum Begriff des Assistenzarztes gelesen hat weiß, dass mit den Bezeichnungen „Assistenzarzt“, „Weiterbildungsassistent“, „Assistenten“ eine Herabwürdigung betrieben wird, die es einfacher macht, uns schlecht zu behandeln und zu bezahlen. Dasselbe gilt für die Verwechslung von „Ausbildung“ statt „Weiterbildung“ und für den Gegensatz „Hausarzt“/“Facharzt“, obwohl Hausärzte Fachärzte für Allgemeinmedizin sind. Klar, mit einer Begriffsänderung ist noch lange nicht die Situation selbst geändert, aber es ist unserer Meinung nach ein wichtiger Impuls, um das Bewußtsein der Kollegen und Entscheidungsträger zu ändern und Ärzten in Weiterbildung mehr Wertschätzung entgegenzubringen und sie nicht als ihre persönlichen Butler also Assistenten zu sehen. Erst war das Wort, dann wurde es Licht…

    Der neue Hippokrates

    5. Juni 2009 at 21:40

  2. Hallo,
    danke für Deinen Kommentar und inzwischen habe ich auch Den neuen Beitrag auf Deiner Seite gelesen.
    Was Ihr macht ist richtig und wichtig – nur sollte man es eben nicht bei diesen Worten belassen – und das ist, was auf Ärztetagen und allen anderen politischen Organen leider gelegentlich immer wieder ziemlich oft passiert….

    medizynicus

    8. Juni 2009 at 15:01

  3. Ist zwar OT aber ich will auch nicht mehr als schnöder Rettungsassistent bezeichnet werden 😉

    Wobei die Assistenzarztgeschichte natürlich schon noch tiefer geht und wichtig wäre…

    stachel

    10. September 2010 at 18:23


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