Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Ärzteliebe: die Geschichte von Dr. MacButterbread… ein melodramatischer Schwank aus Schottland oder so…

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Dr. Colin MacButterbread ist Landarzt, irgendwo in den schottischen Highlands. Er ist Anfang-Mitte vierzig, hat graumeliertes haar und wohnt in einem schönen großen uralten Herrenhaus inmitten eines Rosengarten mit knorrigen alten Bäumen, umgeben von einer bröckeligen Natursteinmauer mit einem schmiedeeisernen Tor und jeden Abend steigt er, nachdem er vor dem Kamin einen kleinen Schlummertrunk-Whisky zu sich genommen und eine Pfeife geraucht hat ganz allein in sein vier Quadratmeter großes Teakholzbett.
Morgens weckt ihn seine Haushälterin – die weißhaarige Miss Pumblechook – mit einer Tasse Tee ans Bett. Anschließend macht sich Dr. MacButterbread in seinem betagten, aber tipptoppgepflegten Rover auf den Weg in die Praxis und wenn er mit der Sprechstunde fertig ist, zieht er mit seiner ledernen Arzttasche (selbstverständlich trägt er ein kariertes Tweed-Sakko mit Lederflicken an den Ellenbogen) los auf seine Hausbesuchstour.
Abends spielt er dann vielleicht noch eine Runde Golf mit seinen Freunden vom Country-Club, aber nur wenn es nicht regnet, was in den Highlands bekanntlichermaßen eher selten ist.
Seitdem ihn seine Frau vor fünf Jahren verlassen hat (als Städterin mochte sie das Landleben nicht) ist Dr. MacButterbread ganz allein.
Dabei ist er seit drei Jahren in die schöne Miss Thistlethorne verliebt, die Lehrerin im Dorf (früher, als Studentin hat sie übrigens auch als Stewardess gejobbt).
Aber Miss Thistlethorne war vor vier Jahren einmal wegen eines gebrochenen Fußes bei ihm in der Praxis.
Also dürfen sie nicht.
Das hat er schließlich vor einiger Zeit so in der Zeitung gelesen.
Schnief.

Written by medizynicus

16. Juni 2009 um 08:58

Veröffentlicht in Nachdenkereien

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5 Antworten

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  1. *Schnief* Hachja unerfüllte Liebe ist herzerweichend. *schluchz*
    Spass bei Seite. Es ist schon irgendwie hart so rigoros zu sein. Aber das ist eben immer das Problem mit Grenzen. Wo beginnt man damit sie zu ziehen….

    krankeschwester

    16. Juni 2009 at 11:46

  2. Also theoretisch: wenn das ein Landarzt ist, in irgendeiner abgelegenen Ortschaft, dann müsste er doch davon ausgehen, dass die gesamte Bevölkerung (der Ortschaft) seine Patienten sind – wenn auch nur potentielle. Dann dürfte er ja *nie* eine Beziehung mit jemandem aus dem Ort haben. Oder?

    Pharmama

    16. Juni 2009 at 13:10

  3. @Pharmama: Das ist ja genau der Punkt an der Sache! (bedingt durch das in Großbritannien übliche „Einschreibesystem“ sind sogar per Definition quasi alle Einwohner des Dorfes Patienten bei Dr. MacButterbread, auch wenn sie gar nicht bei in Behandlung waren). Diese rigorose – und hier ganz klar übertriebene – Regelung ist faktisch in so einer Situation nicht durchsetzbar.
    Tatsache ist: In der Wirklichkeit würde es sich wohl kein Dr. MacButterbread in so einer Situation verbieten lassen, mit seiner Angebeteten etwas anzufangen. Sollte die sich noch einmal den Fuß brechen, würde man natürlich den Doktor aus dem Nachbardorf aufsuchen.
    Aber auch hier gilt: Sollten die beiden sich trennen und sollte die Frau es auf einen Rosenkrieg ankommen lassen, dann muss sich der Herr Doktor warm anziehen und auf einige peinliche Fragen gefasst sein.

    medizynicus

    16. Juni 2009 at 14:29

  4. […] Die Geschichte vom einsamen Hausarzt Dr. MacButterbread – Erster Teil […]

  5. Ich weiss, diese Diskussion ist schon länger her. Aber da ich mir in 2009 den Fuß gebrochen habe und mich in meinen Chirurgen verliebt habe, fühle ich mich von diesen Geschichten hier doch sehr angesprochen 🙂
    und muss einfach noch meine Gedanken dazu loswerden:

    1. Ich finde nicht, dass nur aufgrund der Behandlung einer vorübergehenden körperlichen Erkrankung / Verletzung der Behandler deswegen in der „stärkeren Position“ in einer Beziehung ist. (Das schaut natürlich wieder anders aus, wenn man chronisch schwer krank ist oder wenn es um Psychotherapie geht).

    Er kennt ein paar Blutwerte von mir, die für die OP nötig waren und ein paar sonstige Daten, und er weiss wie mein von Fuß von innen aussieht. (Genausogut könnte ich behaupten: er war MEIN Dienstleister, MEINE Kasse hat ihn bezahlt – also bin ich in der stärkeren Position? Das ist wohl genauso unsinnig.

    2. Ist nicht in vielen Beziehungen oft einer derjenige mit der stärkeren Position? Das kann man doch nie ganz vermeiden. So ist das Leben eben.

    3. Schade, dass man erwachsene Patienten auch hier wieder als unmündig einstuft, ihre Entscheidungen selbst zu treffen.

    4. Allerdings: wenn man sich als Expatientin / -patient mit einem/er Arzt/Ärztin einlässt, finde ich es natürlich auch unmöglich die Beziehung hinterher auf einmal zu „reklamieren“.

    5. Beruhigend finde ich
    Zitat: „Tatsache ist: In der Wirklichkeit würde es sich wohl kein Dr. MacButterbread in so einer Situation verbieten lassen …“
    Ich hoffe, dass stimmt!

    6. Da man sowieso immer irgendwelche Wische unterschreiben muß, dass man über alles mögliche aufgeklärt wurde, bin ich dafür, das Problem so zu regeln:

    Patient/in unterschreibt, dass sie/er darüber aufgeklärt wurde, dass es eigentlich dem Behandler untersagt ist, mit ihr/ihm etwas anzufangen, weil ….ABER dass sie trotzdem einwilligt und sich aller Risiken und Konsequenzen bewusst ist.

    Nurpatientin

    3. Dezember 2009 at 19:50


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