Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Patientenverfügungen werden jetzt verbindlich – aber im Klinikalltag bleibt die Unsicherheit

with 6 comments

Im Bundestag ist es diskutiert und Beschlossen worden, das Deutsche Ärzteblatt hat drüber berichtet und der Spiegel auch.
Eine Patientenverfügung ist verbindlich. Punkt. Wenn der Patient einen schriftlichen Willen dokumentiert hat, müssen wir uns als Ärzte daran halten.
Ist jetzt alles klar?
Nicht unbedingt.
Ist jetzt alles klar?
Nicht unbedingt.
Man stelle sich Folgendes vor:
Ein junger Mann kommt in die Notaufnahme. Bewußtlos nach Medikamentenintoxikation. Irgendein Tablettencocktail, von dem wir noch nicht wissen, was es genau ist.
Und dann haben die Sanis da bei ihm so einen Zettel gefunden:
„Hiermit verfüge ich, dass keine lebensverlängernden Maßnahmen mehr durchgeführt werden!“
Mit Datum und Unterschrift.
Ist das jetzt eine gültige Patientenverfügung?
Und was wäre, wenn es sich um ein ordentliches, notariell bestätigtes Schreiben gehandelt hätte? Oder um einen dahingeschmierten Zettel in ungelenker Handschrift mit den Worten:
„Ich will sterben, lasst mich in Ruhe?“
Was sollen wir tun?
Den guten Mann in irgendeine Ecke schieben, Kaffee trinken und ab und zu mal nachschaun ob wir schon den Bestatter holen können?

Written by medizynicus

20. Juni 2009 um 08:00

6 Antworten

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  1. Das Problem gerade bei dem Beispiel das du beschreibst ist ja, das niemand klar sagen kann ob die „Verfügung“ in vollem Bewusstsein über die Kondequenzen getroffen wurde – Stichwort Intox- und bei einem einfachen handgeschriebenen Zettel kann man auch schwerlich sagen ob er wirklich vom Besitzer des Zettels geschrieben wurde… Da kommt mir doch bald ne Idee für nen Krimi …

    krankeschwester

    20. Juni 2009 at 17:52

  2. Kann man nicht beim einfachen handgeschrieben Zettel viel eher sagen, ob er wirklich vom Patienten ist?
    Ich meine gedruckt wäre mir schon auch lieber. Kommt seriöser rüber. Aber Handschrift ist dennoch wesentlich persönlicher, individueller. Damit lässt sich denke ich besser feststellen ob es sich um ein Original handelt.

    Nico

    20. Juni 2009 at 18:59

  3. Ach ja die schöne Welt der Pat Verfügungen…. Da wurde uns doch neulich in einem Haus versucht klarzumachen, dass die Oma nicht reanimiert werden soll. *wedel* mit nem Blatt Papier. Wie soll ich sagen: Ist ja toll…. Wir haben dann in aller Ruhe reanimiert und nebenbe versucht herauszufinden wieso man uns gerufen hat wenn sowieso nix passieren soll….

    Naja letzendlich nach einem Durchbrochenem Kammerflimmern im nächste Kh der Maximalversorgung gelandet, sie hat das Kh 1 Woche später verlassen und hat den Kollegen nochmal gedankt dass wir sie gerettet haben….

    Ich war persönlich nochmal da um mit ihr zu sprechen was das für ein Zettel war. Naja letzendlich wollte sie keine Lebensverlängernden Maßnahmen im Kh wenn es keine Hoffnung mehr gibt….

    Tada und so. Was sollen wir den auf der Straße noch alles machen? Im Kh mag das noch ein bisschen anders aussehen, weil im Zweifel darf dann einer der vielen Ärzte die Entscheidung treffen, aber der Notarzt vor Ort wird den Teufel tun.

    gr3if

    20. Juni 2009 at 21:03

  4. Ich denke mal, trotz eindeutiger gesetzlicher Regelung wird es eine Grauzone bleiben – eben weil Patienten die Sache nicht überblicken können.
    Momentan ist man halt – nicht nur ethisch-moralisch, sondern auch juristisch – fast immer auf der sicheren Seite, wenn man eben doch reanimiert, oder eben doch weiterbehandelt (eindeutige Palliativ-Situationen sind eine Ausnahme).
    Wie es sein wird wenn die ersten Patienten nach erfolgter Reanimation ihre Ärzte und Rettungsteams verklagen und womöglich Recht bekommen, wird sich zeigen….

    medizynicus

    20. Juni 2009 at 21:32

  5. Da möchte ich gar nicht dran denken.
    Wie mans macht wirds vermutlich nicht richtig sein. Denn sind es nicht die Patienten die klagen, dann vermutlich die Angehörigen…

    Nico

    20. Juni 2009 at 23:01

  6. […] Natürlich gibt es Ausnahmen. Zum Beispiel, wenn der Patient eine Patientenverfügung hat. Obwohl, so klar ist es dann noch immer nicht. Oder aber, wenn er trotz Maximaltherapie stirbt. Auch das gibt es. Oder wenn man sich darauf […]


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