Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Sterbenhelfen, aber richtig!

with 6 comments

Die Sache mit der Sterbehilfe gehört offenbar zu den wenigen Dingen, die man in der Schweiz ein wenig lockerer sieht als anderswo. Ansonsten sind die Schweizer ja nicht unbedingt für ihre Lockerheit bekannt, und so vollzieht sich auch das Sterbenhelfen nach klaren Regeln.
Deshalb schließt der Kanton Zürich jetzt einen Vertrag. Das berichtet das Deutsche Ärzteblatt.
In dem Vertrag steht drin, wie künftig richtig ordnungsgemäß gestorben wird:
Welches Medikament als einzig zugelassenes „Sterbemittel“ verwendet werden darf.
Und daß zwei Personen anwesend sein müssen, darunter ein „Freitodbegleiter“, welcher für seine Dienste fünfhundert Fränkli berechnen darf.

Written by medizynicus

30. Juni 2009 um 12:00

6 Antworten

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  1. Ah, die Sterbehilfe. Kontroverses Thema, zu dem ich vielleicht ein paar Sachen anmerken darf?
    Der Vertrag wurde wahrscheinlich aus verschiedenen Gründen nötig: da wäre einmal das Sterbemittel: es ist wohl besser, wenn sie da etwas aussuchen, mit dem es schnell, sicher und schmerzlos geht – besser als mit Plastiksack über dem Kopf und Helium einleiten und versticken (ja, das haben sie auch schon gemacht, als sie nicht mehr an die Medikamente kamen).
    Problem auch der Apotheker: darf ich dem Arzt das denn geben, wenn ich weiss, *für was* es verwendet wird? Dann sind das oft Medikamente die unter sonst Suchterregende Substanzen fallen, da fällt es auf, wenn ein Arzt das immer „ad usum proprium“ bezieht.
    Problem auch des Ortes (keine Ahnung, ob sie das jetzt geklärt haben): viele Mieter in Mehrfamilienhäusern schätzen es z.B. nicht so, wenn in der Wohnung nebenan eine Menge Leute lebend rein und mit den Füssen voran wieder rauskommen…

    Pharmama

    30. Juni 2009 at 12:52

  2. Findet das wirklich in ganz normalen (Miet-)Wohnungen statt, die zu diesem Zweck angemietet werden?
    Ich fand übrigens die Wortwahl sehr abstrus: „Freitodbegleiter“ und „Sterbemittel“…

    medizynicus

    30. Juni 2009 at 13:10

  3. „zu diesem Zweck anmieten“ ist gut. Ich glaube kein Vermieter würde die Wohnung dafür vermieten – also mieten sie sie normal an … und mussten schon ein paarmal wegen Klagen umziehen. Zeitweise wurde es dann im Industriegebiet gemacht – auch das gab Klagen. siehe hier:
    http://www.20min.ch/news/zuerich/story/13678009
    und hier:
    http://www.nzz.ch/nachrichten/medien/dignitas_pfaeffikon_1.2818235.html
    Besser als im Hotel oder im Auto (auch schon gemacht) ist das sicher, wenn man es irgendwo in einem privateren Rahmen einer Wohnung oder eines Hauses machen kann. Von wegen „Dignitas“ – Würde. Ich frage mich allerdings, warum sie nicht irgendwo auf dem Land ein kleines Häuslein suchen, nicht allzu nahe am nächsten Nachbarn und das dann als festen Platz verwenden. Wahrscheinlich auch eine Geldfrage. Vielleicht wird ja das durch die entlöhnung der „Sterbebegleiter“ besser?

    Pharmama

    30. Juni 2009 at 13:27

  4. Schade, dann ist ja auch kein Sterbecocktail nach Wunsch mehr möglich. Ich hätte (sub)therapeutische Dosen Ketamin + Lorazepam + GHB + Oxycodon + anschließend letale Dosis Pentobarbital bevorzugt. Wenn schon angenehm sterben, dann richtig.
    Im Ernst, wie sieht es aus, wenn der Arzt kurz zuvor noch ein anderes Sedativum zur Anxiolyse verabreichen will, macht der sich strafbar?
    Sterbehilfe finde ich aber generell eine sehr gute Sache. Es ist unmenschlich, dass hierzulande Menschen zum Dahinvegetieren gezwungen sind. Welchen Sinn hat eine tiefe terminale Sedierung, wenn man das Leiden auch ganz beenden könnte?

    Knaller

    30. Juni 2009 at 13:32

  5. Dem entgegen steht die These, dass sich viele Menschen nur aus Angst vor Schmerz oder schmerzhaftem Tod zum „Sterben-geholfen-werden“ entschließen, und dass gute Aufklärung über die tatsächlichen Risiken sowie vernünftige (und vor allem ausreichende) Palliativ-Medizin die Rate sinken ließe.

    Ich hab das allerdings aus zweiter Hand und kann daher keine Studie zitieren, wäre mal interessant dem nachzugehen.

    Übrigens: „Sterbehilfe“ ist doch nochmal was anderes als „keine lebensverlängernden Maßnahmen“ (aka „Stecker ziehen“), oder seh ich das falsch?

    Benedicta

    30. Juni 2009 at 14:38

  6. Ach Knallerchen, ohne Dir würde mir echt was fehlen! 🙂 Aber hast Recht, wenn schon Sterbehilfe, warum sollte man es den armen Leuten dann nicht angenehm machen?
    Und was die Grenze zwischen terminaler Sedierung und…. angeht… Du weisst schon, da bewegen wir uns auf ganz dünnem Eis!

    medizynicus

    30. Juni 2009 at 16:51


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