Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Archive for Juni 2009

Was Patienten wirklich wollen…

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Also, eigentlich ist es ja gar keine schlechte Idee, die Patienten nach ihrer Meinung zu fragen. Was wollen sie denn eigentlich wirklich?

  • Fernseher im Zimmer mit mindestens siebenundzwanzig Programmen, inklusive drei Pornokanälen?
  • Von Spitzenköchen zubereitete Drei-Sterne-Menüs oder lieber jeden Tag Schiessbörgers mit Pommes und vieel Ketschapp dreifach Majo? Oder lieber Eisbein mit Sauerkraut?
  • Vollbusige – bevorzugt blonde – Krankenschwestern, welche auch zu… na ja, also gewissen anderen Dienstleistungen zur Verfügung stehen?
  • Sofortige Aufhebung aller Rauchverbote und Zigarettenautomaten auf jeder Station? (unten im Kiosk in der Eingangshallen konnte man sich immer schon mit Zichten, Fluppen und Glimmstängeln aller Art eindecken. Mit Bier, Eierlikör und Klosterfrau Melissengeist übrigens auch)
  • Und von uns Ärzten: Routinemäßige Verordnung von Massagen (aller Art) sowie Kristall- und Aromatherapie und Psychovoodoohokuspokus?

Oder halt doch etwas ganz anderes?
Ich glaube nämlich, die meisten – nicht alle – Patienten sind in Wirklichkeit gar nicht so blöd, wie wir denken…

Written by medizynicus

25. Juni 2009 at 13:21

Wer kriegt das Häuschen von Frau Obermüller?

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Frau Obermüller ist eine nette Dame in den Achtzigern. Bislang lebte sie allein in einem kleinen Häuschen am Stadtrand, mit Garten und Ofenheizung. Das hat sie bislang selbst versorgt, auch wenn ihr die Nachbarn inzwischen beim Holzhacken ein wenig geholfen haben.
Jetzt ist sie beim Umgraben ihres Gemüsebeetes ausgerutscht und gestürzt: Schenkelhalsfraktur.
Sie ist also operiert worden und inzwischen eigentlich wieder ganz gut beieinander, aber sie liegt immer noch bei uns. Wir hätten sie gerne entlassen – und sie will auch heim, aber es geht nicht.
„Was soll ich denn machen? Ich habe doch niemanden!“ klagte sie letztens bei der Visite.
„Also gut, dann reden Sie am besten mal mit unserer Sozialschwester.“ schlug ich vor.
Unsere Sozialschwester, das ist Schwester Birgit, die macht das, was man „Pflegeüberleitung“ nennt: Sie sorgt dafür, daß Patienten auch nach der Entlassung die notwendige Pflege und Betreuung bekommen.
„Ist aber nicht ganz einfach bei Frau Obermüller!“ meint Schwester Birgit zu mir, „denn Frau Obermüller hat keine Pflegestufe!“
„Warum?“
„Sie ist nun einmal nicht pflegebedürftig.“
„Aber in ihrem Alter völlig allein in dem Haus…“
„Richtig. Das wird nicht mehr gehen. Was sie braucht, ist eine betreute Wohnung. So etwas gibt es und ich habe auch einen Platz gefunden.“
„Und wo ist das Problem?“
„Das kostet Geld. Von ihrer Rente wird sie das nicht bezahlen können.“
„Ich dachte…“
„Der Staat springt erst ein, wenn das private Vermögen aufgebraucht ist. Sie wird ihr Häuschen verkaufen müssen.“
Unser Oberarzt hat einen Schwager, welcher Immobilienmakler ist.
Seit einigen Tagen schlawenzelt der Oberarzt verdächtig oft in Frau Obermüllers Zimmer herum. Und auch den Schwager habe ich hier schon gesichtet.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Written by medizynicus

25. Juni 2009 at 07:45

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Bewertungsplage: Auch unser Krankenhaus wird bewertet…

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Im Netz und anderswo grassiert das Bewertungsfieber, seit Neuestem auch bei uns im Krankenhaus.
Jeder Patient bekommt bei uns vor Entlassung einen Feedback-Bogen.
Keine Ahnung, wer das beschlossen hat, hat wahrscheinlich etwas mit Qualitätsmanagement oder so zu tun.
Tatsache ist, daß die Schwester jetzt jedem zur Entlassung anstehenden Patienten diesen Wisch aushändigen muss.
Das Ding ist eng beschrieben, in kleiner Schrifttype und strotzt vor wunderschön-behördendeutschen Stilblüten.
Auf einer Skala von eins bis zehn soll der sehr geehrte, liebe Patient da bewerten wie ihm der Aufenthalt in unserem Hause gefallen hat.
Letztens bin ich deswegen mal in die Verwaltung zitiert worden.
Mit eisigem Blick wies unser Oberverwalter mich an, Platz zu nehmen.
Dann sagte er erstmal nichts.
Und dann schob er mir wortlos einen dieser Zettel über den Schreibtisch.
„Der war doch bei Ihnen, nicht?“
Ich brauche eine Sekunde.
„Freundlichkeit und Qualität der Aufnahmeuntersuchung: Null von zehn Punkten. Ärztliche Betreuung auf Station: Null von zehn Punkten. Alles andere hat gute Noten bekommen. Sogar das Essen.“
Ich brauche eine Sekunde, um zu begreifen.
Der Patient war eigentlich ein netter Kerl, ich bin gut mit ihm klargekommen. Allerdings war er ein Nörgler, das ist richtig. Ein ziemlicher Nörgler. Über den Chef hat er sich aufgeregt, über die Schwestern, und am allermeisten über das Essen. Kein Tag, an dem er nicht über das Essen gemeckert hat. Und trotzdem zehn Punkte? Und acht Punkte für die Sauberkeit im Zimmer, obwohl er ständig darüber geklagt hat, wie dreckig es hier sei?
Das kann ich nicht glauben.
„Herr Direktor… ich glaube, das muss ein Irrtum sein… vielleicht hat er es genau andersherum angekreuzt?“
Der Direktor schüttelt den Kopf.
Seit der Sache bin ich vorsichtig geworden.
Bei der letzten Visite am Entlassungstag helfe ich den Patienten ein wenig beim Ausfüllen der Bögen.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Written by medizynicus

24. Juni 2009 at 12:00

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Darf man anonym bloggen? Verklagt mich doch, wenn Ihr wollt!

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Seit gestern oder vorgestern tobt beim Kinderdok eine heiße Debatte darüber, ob man denn nun in Deutschland anonym bloggen darf oder nicht. Irgendein Troll hat behauptet, er wolle ihn verklagen.
Hintergrund der Geschichte:
Es wird behauptet, jeder Blogger sei „gesetzlich verpflichtet“, auf seinem Blog ein „gültiges“ Impressum mit vollem Namen und voller Adresse anzugeben.
Wer anonym bloggen möchte, kann und wird das natürlich nicht tun.
Macht man sich nun damit strafbar?
Das behaupten einige, aber niemand weiss es wirklich.
Einen der derzeit 19 Kommentare möchte ich im Volltext zitieren:

Lieber Kinderdoc mit c oder k,
Wir kennen uns – auch ich betreibe ein Blog und bin – aus den selben Gründen wie Du – anonym. Um diesem Kerl keine Steilvorlage zu geben poste ich hier mal nicht unter meinem gewöhnlichen Nick (anhand meiner IP-Nummer beim Freischalten dieses Kommentars kannst Du aber rauskriegen, wer ich bin).

Also, halten wir fest:

1.) Wenn man wirklich alles hundertprozentig richtig machen will, müsste man wahrscheinlich ein Impressum schalten. Denn Blogs gelten möglicherweise als “journalistische Machwerke” oder so ähnlich und auch eine einzige Bannerwerbung reicht möglicherweise aus um ein “geschäftliches Interesse zu unterstellen”. Kann sein, kann auch nicht sein.
2.) Aus meiner Formulierung von Punkt 1 folgt, dass ich mich da auch nicht so richtig auskenne. Ich bin halt kein Jurist und kann nur mutmaßen.
3.) Damit bin ich nicht allein. Die meisten Menschen, die hier lesen, sind keine Juristen und haben von Gesetzesdingen nur begrenzt Ahnung.
4.) Rein moralisch gesehen finde ich es richtig, dass Du und ich anonym bloggen. Sowohl Dein als auch mein Blog werden viel und gerne gelesen sind eine Bereicherung der deutschsprachigen Medienlandschaft. Und sowohl Du als auch ich haben unsere Gründe dafür, anonym zu bleiben.
5.) Aus Punkt 4 folgt: Moralisch sind anonyme Blogger im Recht – sofern sie auf ihren Blogs nicht zu strafbaren Handlungen aufrufen.
6.) Die nicht nur in Deutschland verbreitete Haltung, im Vorauseilenden Gehorsam lieber klein beizugeben weil “man könnte ja irgendwelche Gesetze verletzen,” die man aber gar nicht kennt finde ich zum Erbrechen. Das hat schon Franz Kafka seinerzeit so gesehen – der konnte es schöner ausdrücken. Diktatorische Staaten haben es immer wieder geschafft, gezielt so eine Stimmung zu schüren und damit die Bürger respektive Untertanen dazu zu bringen, das Maul zu halten.
7.) Wir alle verletzen irgendwann mal irgendwo irgendwelche Gesetze. Welcher Autofahrer hat noch nie irgendwann irgendwo ein Knöllchen wegen Falschparkten bekommen? Wer hält sich immer überall an die Geschwindigkeitsbegrenzung? Gut, wenn ich weiß, daß irgendwo ein Blitzer steht halte ich mich in der Regel schon daran. Aber wenn Du zum Beispiel notfallmäßig zu einem Hausbesuch musst und es wirklich um Leben und Tod geht – absolute Ausnahme, ich weiß, auch etwas konstruiert der Fall – dann sollte es einem egal sein, ob man mal kurzzeitig schneller fährt als erlaubt. Dafür hätte möglicherweise sogar ein Polizei-Blitzer Verständnis (zumindest damals in der guten alten Zeit, als es noch einen Dorfpolizisten gab, mit dem man reden konnte).
8.) Aus Punkt 7 folgt: Es gibt verschiedene “Rechtsgüter”, die man gegeneinander abwägen muss. Und hieraus folgt – ohne daß ich Jurist wäre – meine gewagte Schlußfolgerung:
9.) DAS IM GRUNDGESETZ GARANTIERTE RECHT AUF FREIE MEINUGSÄUSSERUNG WIEGT MEHR ALS IRGENDEINE VERDAMMTE KORINTHENKACKEREI !
Howgh. Ich habe gesprochen.

Dem ist eigentlich nicht viel hinzuzufügen.
Was meinen die anderen die anderen Anonymblogger dazu?
Oder ist es Zeit für eine große Kampagne, analog der Internet-Zenzur-Aktion?

Liebe und zwischen Arzt und Patientin: Eine Postkarte aus Timbuktu

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Heute habe ich eine Postkarte bekommen. Von irgendwo weit weg, wo ich immer schon einmal hin wollte.
Schnief.
Als Stewardess hat man es leichter, an alle schönen Orte dieser Welt zu kommen. Ja richtig, genau diese Stewardess hat mir geschrieben, die nette junge Dame, die vor einer Weile mit einem gebrochenen Fuß hier in unseren Haus stationär behandelt worden war und die mir am letzten Abend ihre Handynummer gegeben hat.
Sie ist demnächst mal wieder hier in der Gegend, schreibt sie, vielleicht können wir ja mal nen Kaffee trinken gehen.
Also gut, um mal Klartext zu reden: Mit ihr ins Bett steigen werde ich nicht. Aber Kaffee trinken gehen?
Leute, jetzt erzählt mir nix von wegen wenn ein Mann mit einer schönen Frau Kaffee trinken geht dann ist es nicht weit… weiß ich selbst Leute, ich bin ja auch nicht von vorgestern!
Also: Ich will nur mit ihr Kaffee trinken gehen, und sonst nichts. Basta.
Darf ich das?


Hier noch einmal die ganze Geschichte zum Nachlesen (in chronologischer Reihenfolge):

Written by medizynicus

23. Juni 2009 at 13:17

Juli von born-to-be-continued.de hat mein Buch gelesen!

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Juli hat mein Buch gelesen und schreibt:

Medizynicus lernt und Leser lacht (…)

Trotzdem dürfte sich so mancher Pfleger- und Arztkollege im Buch wiederfinden, aber auch Leser fernab des heilberuflichen Alltags werden viel Spaß beim “…Leben retten und so…” haben. Eigentlich müsste man ja über die bittere Realität heulen… aber wer rettet dann noch? Medizynicus bleibt tapfer und ich kann sein Buch, sowie auch seinen Blog, wärmstens empfehlen.

…und dann verrät sie, so ganz nebenbei, dass sie auch schon an Büchern mitgeschrieben hat. Wer sich für Altenpflege interessiert und dafür, wie Altenpflegeschüler ihre Ausbildung überstehen, sollte dort einmal reinschauen! Am letzten Wochenende stand Juli übrigens zum ersten Mal auf der Bühne. Musikerin ist sie nämlich auch, so ganz nebenbei. Schade, dass ich nicht dabei war!

Written by medizynicus

23. Juni 2009 at 11:28

Veröffentlicht in Das Buch

…ist doch alles nur psychisch (Teil 2)

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Tja, jetzt sitze ich da an meinem Schreibtisch, vor mir eine Tasse kaltgewordener Kaffee, das Diktiergerät und die Krankenakte.
Ich blätter die Akte durch, schüttel den Kopf, schaue seufzend aus dem Fenster, nippe an dem Kaffee, schüttel abermals den Kopf und lege dann endlich los mit dem Diktat:
„…Diagnose: funktionelle Magen-Darm Beschwerden…“
Wieder so ein Unwort. Aber die Diagnose gibts wirklich. Man kann es auch anders ausdrücken: Sie hatte Magen-Darm Beschwerden, aber wir haben keine Ahnung, weshalb. Ein Grund oder eine Ursache konnte nicht gefunden werden. Halt irgendwie psychisch oder so.
„…Nebendiagnosen: akute Anpassungsstörung, psychovegetativer Erschöpfungszustand…“
Man könnte auch sagen: Die Frau war einfach nur fertig. Fertig mit sich und der Welt. Hat ne Menge mitmachen müssen.
„Anamnese: Die Patientin wurde unter dem Bild akuter Abdominalbeschwerden mit Rettungswagen zu uns eingewiesen…“
Sollte ich erwähnen, was da sonst noch alles abgegangen ist? Die Trennung und der damit verbundene Schmerz?
Ein Arztbrief ist zunächst einmal ein bürokratisches Dokument. Der Hausarzt, an den der Brief ja zunächst einmal gerichtet ist, wird seine Patientin ja wohl kennen und Bescheid wissen. Ich sollte also lieber fortfahren mit den Untersuchungsergebnissen und brav alle Ergebnisse abdiktieren.
„…die weitere Diagnostik verlief unauffällig, so daß wir die Patientin bei weitgehender Beschwerdefreiheit in Ihre hausärztliche Betreuung entlassen können.“
Diese wunderschöne Standardfloskel ist einfach herrlich nichtssagend.
Ich zögere einen Moment.
„…Wir empfehlen eine psychosomatische Weiterbehandlung…“
Will sagen: Lieber Hausarzt, jetzt bist Du wieder am Ball.

Written by medizynicus

23. Juni 2009 at 08:20

Veröffentlicht in Gewissensbisse, Nachdenkereien

Bewerte Deinen Arzt!

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Ja, die Bewertomanie greift um sich. Keine Woche, in welcher man nicht in der Bildzeitung (oder ähnlich hochqualifizierten Fachzeitschriften) irgendwelche Hitlisten der „besten“ Ärzte oder Kliniken findet. Monsterdoc hat schon drüber geschrieben und die Assistenzärztin.
Bewertungsportale gibts an jeder Ecke, und jetzt will auch die AOK noch auf den Zug aufspringen.
Schnapsidee? Saure Gurken Zeit?
Die Reaktion in der Ärzteschaft ist wie zu erwarten: die einen jammern, die anderen jammern nicht und versuchen, wie sie das System für sich nutzen können. Natürlich kann das System missbraucht werden. Wenn es anonym funktioniert, kann man sich mehrfach anmelden und den Nachbarkollegen mies machen. Der kann natürlich mit gleicher Münze zurückzahlen.
Oder er versucht es mit Bestechung: Du kriegst Deine Massagen verschrieben, wenn du mir eine Eins gibtst, vorn an der Rezeption gibts zu diesem Zweck einen PC, die Eingabe wird von der Arzthelferin überwacht.
Aber gut: Angenommen, das System würde wirklich funktionieren, was würde passieren?
Die Ärzte würden das verschreiben, was bei den Patienten populär ist und nicht das, was medizinisch sinnvoll ist. Also: Dem Patienten mit Rückenschmerzen nicht sagen, daß er mehr Sport machen soll, sondern Massagen verschreiben. Oder gleich eine Kur. Oder großzügig sein mit gelben Urlaubsscheinen. Oder… oder… oder.
Aber man soll ja nicht immer alles schwarz malen, oder?

Written by medizynicus

22. Juni 2009 at 16:46

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

Stammkunden: wie zum Beispiel Fusel-Franze

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Die Kranke Schwester hat mich darauf gebracht: Jedes Krankenhaus hat so seine Stammkunden, die immer wieder kommen, aus den verschiedensten Gründen.
Einer unser treuesten Stammkunden in der Notaufnahme war Fusel-Franze.
Fusel-Franze war ein Berber. Ein Bankier von der Parkbank, ein Nichtsesshafter.
Im Sommer sehen wir ihn eher selten, im Winter dafür um so häufiger und eine zeitlang stand er echt jeden Abend bei uns auf der Matte.
Wegen irgendwelchen Kleinigkeiten, jeden Abend etwas Anderes, da war er schon recht erfinderisch. Aber er war nicht unfreundlich dabei, wurde niemals ausfallend, hat sich nie beklagt und niemanden belästigt. Okay, er roch halt nicht immer ganz frisch.
Wir brauchten eine Weile, bis wir kapiert haben, daß es ihm hauptsächlich darauf ankam, im Warzezimmer eine Runde pennen zu können, also je voller das Wartezimmer und je länger die Wartezeit um so wohler hat er sich gefühlt. Ein paar mal, wenn wir nett waren und es geregnet hat habe wir ihn auch die halbe (nicht die ganze) nacht einfach pennen lassen. Ab und zu, wenn wir genügend freie Betten hatten und es draußen wirklich bitterkalt war haben wir ihn auch stationär aufgenommen, zur Balneotherapie sozusagen. Will sagen: um ihm einmal ein Bad zu ermöglichen.
Aber meistens blieb es dabei: Hier und dort eine Platzwunde genäht oder einen Salbenverband um einen angeblich verstauchten Fuß gewickelt.
Ja, und einmal habe ich ihn dann wiedergetroffen.
Am Wochenende, draußen in der Stadt. Ich hatte frei und habe mit ein paar Freunden gefeiert, und das nicht zu knapp. Mit gefühlten dreieinhalb Promille bin ich schließlich nachts um halb vier heimwärts getorkelt, als mir in der Fußgängerzone ein Obdachloser einen Pappbecher entgegenstreckte.
Er hat mich nicht erkannt. Und ich hin anfangs auch nicht: Bis ich das Pflaster an seiner linken Schläfe bemerkte, welches ich ihm höchstpersönlich dorthin geklebt hatte, ziemlich genau vierundzwanzig Stunden zuvor.

Written by medizynicus

22. Juni 2009 at 08:02

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…und nochmal ein paar Suchbegriffe

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Tja, der Monat geht zu Ende und irgendwie ist es so eine gute Tradition, dass sich um diese Zeit alle Blogger gegenseitig ihre Suchbegriffe erzählen, zur allgemeinen Belustigung. In diesem Sinne besonderen Dank an Krangewarefahrer und Monsterdoc. Also, was hätte ich zu bieten?

  • http://www.leistenbruch-operation.de – nicht bei mir, Jungs, leider falsche Baustelle
  • überbringen schlechter nachrichten – ja, das Thema hatten wir hier diskutiert. Seufz.
  • facharztprüfung durchgefallen – tja, tut mir leid, Kollege. Kann passieren. Nächstes Mal, neues Spiel, neues Glück!
  • oberarzt verliebt sich in patientin – tja, tut mir leid, Kollege. Kann passieren. Daß Du von ihr tunlichst die Finger wegläßt hast Du ja bei Medizynicus gelesen
  • Sex im Krankenhausbett – ist manchmal weder was zum Aufgeilen noch zum sich drüber lustigmachen. Falls Du das jetzt nicht verstehst, musst Du nochmal bei Medizynicus nachlesen.
  • wann darf der arzt sein schweigepflicht – Ja, Junge, ne Tüte Deutsch täte Dir auch nicht schlecht, aber abgesehen davon: interessantes Thema, wird sich Medizynicus sicher noch öfter mit beschäftigen
  • medizinisches gutachten ethik richtlinie – Na, das wird ja immer interessanter. Mit ethischen Richtlinien hatten wir es hier öfters mal – aber mit Gutachten?

…in diesem Sinne, noch einen schönen Sonntagabend allerseits!

Written by medizynicus

21. Juni 2009 at 19:01

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