Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Kindermund und Elternmund

with 3 comments

Letztens in der Ambulanz:
Fünfjähriger Junge ist am Spielplatz hingefallen und hat sich eine Platzwunde auf der Stirn zugezogen.
Nicht schlimm, braucht nicht genäht zu werden, kann man kleben.
Kind ist fröhlich, macht Faxen, läuft herum während ich mein Bestes tu um die Mutter zu beruhigen.
Das Kind hat den Medikamentenschrank entdeckt und öffnet vorsichtig eine Tür.
Mutter rennt hinterher und sagt scharf „Nein!“
Kind etwas verstört, aber dann lacht es wieder und rennt wieder herum.
Mutter ist trotzdem irritiert.
„Anton-Leon-Kevin! Wenn Du nicht sofort aufhörst…“
Kurzer Zwischengedanke des Doktors: Womit eigentlich?
„…Wenn Du nicht sofort aufhörst, dann gibt der Doktor Dir eine Spritze!“
Kind bleibt erschrocken stehen, starrt Mama an und fängt auf der Stelle an zu weinen.
Von einer Spritze war bislang doktorlicherseits noch gar nicht die Rede gewesen und es bestand auch keinerlei Veranlassung.
Glücklicherweise fanden sich dann in irgendeiner Schublade noch ein paar therapeutische Gummibärchen. Und selbstvertändlich hat der Doktor dem Anton-Leon-Kevin noch einmal ganz feste auf großes Indianerehrenwort versichert, daß es keine Spritze gibt.

Written by medizynicus

3. Juli 2009 um 08:16

3 Antworten

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  1. Hab ich auch schon mehrfach erlebt, da hilft nur: Mutter zur Schnecke machen, dass sie die Ohren anlegt! Ärzte als Kleinkinderschreck und Drohpotential!! Also sowas! Kein Wunder, dass uns dann hinterher jeder Alles zutraut und uns Politik und Kassen – unwidersprochen – verunglimpfen können!

    der Landarsch

    3. Juli 2009 at 09:26

  2. *seufz* Wie war das noch mit der Mikrobe der Dummheit?
    Unausrottbar, und auch nicht impfbar. Leider.

    (btw – Hört der Text wirklich mit „selbstvertänd“ auf, ist da was verlorengegangen oder hat’s mein Browser verschluckt?)

    @Landarsch: naja… dummerweise GIBT es ja Ärzte, die die Kassen besch*** undundund. Und von der Unmenschlichkeit mancher Ärzte kann man nicht zuletzt hier auf diesem Blog lesen.
    Deswegen darf man natürlich nicht alle über einen Kamm scheren – aber DAS gilt auch für Patienten 😉
    Die paar Idioten (auf beiden Seiten) bleiben eben einfach besser und nachhaltiger im Gedächtnis.
    Das einzige was dagegen hilft, ist sich selbst ein paar positive Beispiele zu suchen und sich die immer wieder aktiv vor Augen zu führen.

    Benedicta

    3. Juli 2009 at 12:35

  3. jaaaaha – du kannst dir denken, wie oft dieser spruch in meiner praxis vorkommt. hab´ch ja auch schon oft bebloggt. zum kotzen. nichts weiter.

    kinderdok

    6. Juli 2009 at 20:30


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