Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Sind Sie Assistenzarzt oder richtiger Doktor?

with 10 comments

Herr Dr. Penibel ist kein Arzt. Er ist Studienrat. Verzeihung, Oberstudienrat. Deutsch und Geschichte. Und außerdem ist er Ende fünfzig und kuriert bei uns gerade seinen zweiten Herzinfarkt aus.
Neulich bei der Visite setzte er seine Brille auf und mustert mein Namensschild.
„Sie sind nur Assistenzarzt?“
„Das ist richtig.“
„Sie haben sich mir aber als Stationsarzt vorgestellt.“
„Das ist auch richtig.“
„Ich dachte, Sie wären richtiger Arzt…“
„Sie haben richtig gedacht.“
„Warum sind Sie dann nur Assistent?“
„Weil ich mich in meiner Weiterbildung befinde…“
„Sie sagten vorhin, Sie seien Arzt und nicht irgendeine Arzt von Student im Praktikum…“
„Ich bin Arzt. Ich habe mein Studium abgeschlossen und Inhaber einer ordentlichen Approbation. Und ich habe inzwischen mehrere Jahre Berufserfahrung.“
„Aber warum dann Assistent?“
„Herr Doktor Penibel. Ich brauche Ihnen keinen Vortrag über deutsche Geschichte zu halten. Also: Friedrich der Große. Preußischer Militarismus. Gegen Ende des Achtzehnten Jahrhunderts wurde in Berlin eine Ausbildungsstätte für Militärärzte gegründet, die sogenannte Pepieniere. Im Militär waren die Hierarchien klar: Es gab Chefärzte, Oberärzte und Unterärzte. Und dabei ist es geblieben. Seit über zweihundert Jahren. Bloß dass man den Begriff Unterarzt irgendwann einmal etwas altmodisch fand, seitdem redet man von Assistenzärzten.“
„Könnte man das nicht ändern?“
„Warum sollte man? Aber Sie haben Recht: Es gibt
Kollegen, die sich damit nicht abfinden möchten.
Nur die Frage ist:
Wenn wir keine Assistenzärzte sind, was sind wir dann?
„Ärzte in Weiterbildung“, wie es inzwischen schon vielerorts offiziell heißt? Das klingt auch irgendwie nach Student.
Stationsärzte?
Klingt noch am Neutralsten. Aber was, wenn wir nicht auf Station sondern in der Ambulanz, im OP oder in der Notaufnahme zugange sind?

Written by medizynicus

4. Juli 2009 um 21:06

10 Antworten

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  1. Medizynicus, dir fehlt ein „“
    …dann funktioniert der Link auch 😉

    Benedicta

    4. Juli 2009 at 21:37

  2. *gnihihi* die Forensoftware ist schlauer als ich.
    also nochmal in Text: die öffnende spitze Klammer vor dem Link-End-Tag fehlt, deswegen ist der Link kaputt.

    Benedicta

    4. Juli 2009 at 21:38

  3. Warum den bisherigen Assistenzarzt nicht einfach als „Arzt“ und den fertig weitergebildeten als „Facharzt“ titulieren?

    Denis

    4. Juli 2009 at 22:11

  4. Das hört sich irgendwie nach „typisch Lehrer“ an. Ich habe meinen Doktortitel eher spät erworben und mußte mir dann immer anhören „sie sind ja gar kein richtiger Arzt“. Auch nervig!

    Maia

    5. Juli 2009 at 09:42

  5. Bei der Entlassung solltest du dem herrn oberstudienrat sagen, dass dein name eigentlich f. krull sei und du nicht mal assi arzt, sondern krankenpfleger bist und den herzschrittmacher, den du ihm eingebaut hast, den hättest du zu hause selbst gebastelt, ob der denn auch gut funktioniere…

    fraufreitag

    5. Juli 2009 at 10:00

  6. Deswegen stell ich mich immer als Chefarzt Prof. Dr. Brown vor, verhindert unnötige Diskussionen und langwierigen Vertrauensaufbau 😀 😉

    Doc Brown

    5. Juli 2009 at 12:16

  7. Ist natürlich QUatsch, aber diese nervigen DIskussionen wegen Ssistenzarzt, Dr.-Titel etc sind wirklich völlig unnötig.

    Doc Brown

    5. Juli 2009 at 12:17

  8. Naja, bei uns aufem Land ist eh jeder Medizinier der „Herr Doktor“. ^^

    Denis

    5. Juli 2009 at 13:32

  9. Oder auch, wie damals bei mir in der Kinderarztpraxis (ich: Assi): Mutter guckt schräg, als ich das Zimmer betrete: also tut mir leid, nicht, dass ich Ihnen das nicht zutraue, aber mein Süßes Kleines soll NUR vom Chef behandelt werden!!!!! grmpf….

    gesundheitsexpertin

    5. Juli 2009 at 13:40

  10. ich führe keinen Doktortitel. Als ich mich dann niederließ – rundherum alles altgediente Doctores – war schon etwas Raunen im Busch „ist das überhaupt ein richtiger Arzt?“. Um mir beizuspringen brachte der Dorfschullehrer im Unterricht die Sprache darauf und meinte „Wenn man fleißig lernt und Abitur macht und dann noch viel Jahre studiert und dann noch eine Prüfung macht, dann ist man Arzt. Und wenn man dann noch eine Fleißarbeit macht, dann wird man Doktor.“

    Gleich nach der Schule kam der damals 11-jährige Sohn meines Vermieters zu mir, berichtete aus der Schule und meinte in tiefstem Brustton der Überzeugung: „Also dösch hätt i au it dua“ (Auf hochdeutsch: Also das hätte ich auch nicht gemacht!)

    Inzwischen bin ich natürlich auch der „Herr Doktor“.

    der Landarsch

    6. Juli 2009 at 11:31


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