Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Der Spiegel entdeckt sein Herz für PJler

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PJler arbeiten viel und kriegen dafür in der Regel keine Kohle, stellt der Spiegel heute fest.
Welch bahnbrechende Erkenntnis.
Wir erinnern uns: Ein Medizinstudent im letzten Jahr – dem Praktischen Jahr – hat zwar noch einen gültigen Studentenausweis und kommt so mit Glück etwas billiger ins Kino, aber das wars’s dann auch schon mit dem lustigen Studentenleben. Das ist nämlich weitgehend vorbei. Stattdessen heißt es früh aufstehen, Patienten versorgen, Leben retten und so, wie ein richtiger Arzt, nur dass man es halt noch nicht ist, auf dem Papier eben, und dafür eben keine Kohle kriegt.
Das perverse an der Sache:
Die Uni zahlt dem entsprechenden Krankenhaus eine Menge Geld dafür, dass dieses Haus den PJ-ler – also den Studenten auch ausbildet.
Fakt ist:
Mit etwas Glück darf man einmal in der Woche beim Oberarzt darum betteln, dass der einem zwischen OP und Ambulanz ein paar Anekdoten erzählt. Und natürlich schaut man sich eine Menge Sachen bei den Schwestern und bei den Assistenzarzt-Kollegen ab. Learning by Doing nennt sich das. Ist ja im Prinzip keine schlechte Sache, aber das Krankenhaus profitiert davon, um so mehr, je besser ausgebildet der PJ-ler ist, und deswegen wäre es eigentlich eine faire Sache, dafür bezahlt zu werden… nicht unbedingt zwangsläufig fürstlich, aber zumindest soviel, dass man halbwegs über die Runden kommt, wie es in anderen Ländern schliesslich auch der Fall ist.
Aber nee, wir mussten seinerzeit sogar das Mittagessen in der Kantine selbst bezahlen. Und zwar mussten wir mehr bezahlen als die „richtigen“ Kollegen, weil der Angestellten-Rabatt schliesslich nicht auf uns zutraf da wir ja nicht angestellt waren, sondern nur dumme Studenten.
Ja, Sternenmond hat diese Phase diese Woche überstanden. Herzlichen Glückwunsch! Und ich drück Dir die Daumen fürs Hammerexamen. Und wenn Du dann irgendwann mal einen Job suchst… bei uns in Bad Dingenskirchen, in der allertiefsten und allerschönsten Provinz bist Du allerherzlichstens Willkommen! Vielleicht sieht man sich ja!

Written by medizynicus

17. Juli 2009 um 20:53

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

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5 Antworten

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  1. Danke 🙂 . Wir haben immerhin das Mittagessen bezahlt bekommen, aber auch erst nach harten Kämpfen mit der Verwaltung (und der Unterstützung der Chefärzte). Aber was hätte ich dafür gegeben auch wenigstens 400€ zu bekommen *seufz*. Dann wären vielleicht noch Ersparnisse übrig und wir hätten nach 3 Jahren vielleicht doch nochmal vor dem Staatsexamen in den Urlaub fahren können.
    Ansonsten aber: Sofern Bad Dingenskirchen eine Pädiatrie mit freien Stellen hat… warum nicht? Blöderweise werden wir uns wohl dennoch nicht erkennen, selbst wenn wir uns tagtäglich in den Fluren begegnen *lach*.

    sternenmond

    18. Juli 2009 at 13:01

  2. Nee, Pädiatrie haben wir leider nicht zu bieten. Nur Innere, Chirurgie und Anästhesie, das Übliche eben in der tiefsten Provinz… aber keine schlechte Basis, wenn man z.B. Hausärztin werden will… kannste Dir ja noch überlegen 😀

    medizynicus

    18. Juli 2009 at 15:52

  3. Urlaub im Studium?

    Die Studenten heutzutage… zu meiner Zeit, da hatten wir „Vorlesungszeit“ und „Vorlesungsfreie Zeit“, und letztere lief auch unter dem Terminus „Prüfungszeit“.
    Irgendwie befremdet es mich, wenn Studis Urlaub machen. Der von mir derzeit zu Betreuende macht auch Urlaub… obwohl er mit seinem Zeitplan weit hinterherhinkt… WTF?

    Zum Thema PJ und Bezahlung: In unserem Studiengang dürfen Praktika, die als Studienleistung anerkannt werden sollen, NICHT bezahlt werden. Obwohl es in Informatik für die Studis leicht wäre, ne Bezahlung zu kriegen.

    Benedicta

    19. Juli 2009 at 00:26

  4. Und wie viele Praktika sind das? Im Medizinstudium sind es übrigens 3 Monate Krankenpflegedienst, 4 Monate Famulatur und 1 Jahr PJ

    Solo

    19. Juli 2009 at 00:53

  5. Nun, wir haben seinerzeit unsere bis zu 12 Klausuren pro Semester alle in den letzten zwei Wochen der Vorlesungszeit geschrieben. Das bedeutete extremen Stress und ich hätte es gerne so gehabt, wie du es beschrieben hast (obwohl es an anderen Unis ja durchaus anders sein mag.
    Nur leider müssen wir in den letzten drei Jahren unseres Studiums nebenher noch 16 Wochen Praktikum machen, dafür ist die vorlesungsfreie Zeit dann gedacht. Zusätzlich hat man zu diesem Zeitpunkt schon 12 Wochen Pflegepraktikum hinter sich, so dass man bis zum PJ schon 28 Wochen unbezahlte Praktikumsarbeit hinter sich gebracht hat.
    Dann folgt das PJ, in dem ich zum Teil eine 50-Wochen-Stunde hatte, gearbeitet hab wie ein blöder für eine Lehre, die eine Nicht-Bezahlung in keinstem Fall gerechtfertigt hat (obwohl mein PJ schon gut und ich zufrieden war). Während meines Studiums habe ich also insgesamt 72 Wochen Praktikum gemacht und habe keinen einzigen Cent gesehen. Der Betrieb gerade der großen Unikliniken würde schlichtweg zusammenbrechen ohne die PJler (wie man beispielsweise daran sieht, dass unsere Klinik sowohl in der Inneren als der Chirurgie die jetzigen PJler gefragt hat, ob sie am Wochenende dann jetzt aber bezahlt zum Arbeiten kommen würden, weil die Arbeit sonst nicht zu schaffen wäre – aha, jetzt geht´s also doch mit dem Geld).

    Und was den Urlaub angeht… ich bin genau im Zeitplan und habe mein gesamtes Studileben lang nebenher gearbeitet, auch im PJ. Ich finde, ich hätte mir da grundsätzlich durchaus mal eine Woche Urlaub verdient 🙂 .

    sternenmond

    19. Juli 2009 at 10:55


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