Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Rationierung im Gesundheitswesen: Ich bin dafür!

with 3 comments

Jawoll, Leute, Ihr habt richtig gelesen: Ich bin für mehr Rationierung im Gesundheitswesen.
Und ich weiss, dass das ein absolutes Unwort ist und dass ich damit – sollte ich vorhaben Gesundheitsminister zu werden – garantiert jede Wahl verlieren würde. Zumindest dann, wenn ich diese Meinung offen kundtun sollte.
Warum ich dafür bin?
Weil ich nicht nur Arzt, sondern auch Steuerzahler und Krankenkassenbeitrgszahler bin und mich nicht tot und dämlich bezahlen will.
Und weil ich etwas kriegen will für mein Geld.
Ja, und ausserdem bin ich natürlich bekanntlicherweise Arzt.
Und als Arzt wünsche ich mir ab und zu, das Recht herausnehmen zu dürfen, einmal nein sagen zu dürfen.
Weil ich meinen Patienten damit vielleicht besser helfe.
Ich will nämlich etwas sinnvolles tun: den Menschen helfen, die Hilfe brauchen.
Wie bitte? Wenn rationiert wird, tut man nichts sinnvolles mehr?
O doch, liebe Leute, gerade dann!

In den folgenden Tagen gebe ich Euch ein paar Beispiele.

Written by medizynicus

21. Juli 2009 um 11:00

Veröffentlicht in Nachdenkereien

3 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Na klar! Du mußt aber schon sagen, was rationiert werden soll?
    – die „billigen“ Leistungen damit die super-high-tech-edel-überfluss-Medizin noch finanzierbar ist (wie in Deutschland)
    – oder keine teuren Leistungen mehr (z.B. künstliche Hüften oder Herztransplantationen) (wie in England und teilweise USA)
    – die Naturmedizin, damit die Schulmedizin und ihre Hersteller höhere Gewinne einfahren können
    – Medikamente für Ältere (dann schreien die, dass sie ja so viel geleistet haben – z.B.Tabaksteuer gezahlt – und jetzt sterben sollen, damits billig wird)
    – Medikamente für Jüngere, weil die können es ja noch selbst verdienen (dann warten sie bis sie älter sind und bis sie die o.g. super-high-tech-edel-überfluss-Medizin brauchen, weil die ja finanziert wird
    – u.s.w.

    Rationieren ist gar nicht so einfach. Am besten machen wir’s wie mit der Entbürokratisierung: Die haben Fragebögen und Formulare entwickelt, wie entbürokratisiert werden muss. Wir könnten teure Arbeitskreise einrichten und umfangreiche Forschungsvorhaben in Auftrag geben, die uns (pro 1 Mio Kosten) 10.000 € einsparen.

    Nein, Rationieren wäre ganz einfach, wenn man sich daran erinnern würde, dass das Wort „Ratio“ mit „Verstand“ und nicht mit „Vorschrift“ übersetzt wird!

    der Landarsch

    21. Juli 2009 at 11:57

  2. Dazu gibt es gerade einen interessanten Artikel auf The Healthcare Blog (auf Englisch):

    http://www.thehealthcareblog.com/the_health_care_blog/2009/07/a-brief-history-of-the-r-word.html

    Matthias

    21. Juli 2009 at 12:59

  3. Da könntest Du ja Dein nächstes Buch drüber schreiben, lieber Medizynicus. Ich ahne schon,worauf Du hinauswillst, bin jedoch trotzdem sehr gespannt auf die Beispiele:-)

    gesundheitsexpertin

    21. Juli 2009 at 20:09


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s