Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Rationierung im Gesundheitswesen: Beispiel Nr. 1

with 7 comments

Lea-Sophie (3 Jahre) hat Fieber. Achtunddreißig Grad, die Nase läuft und Husten hat sich auch.

Lea-Sophies Mama geht zum Kinderarzt Dr. Angstmacher.
Der untersucht sie und stellt fest, dass abgesehen von einem leichten viralen Atemwegsinfekt – auf gutdeutsch Erkältung – alles in Ordnung ist.
„Aber gut, dass Sie sofort gekommen sind!“ sagt der Kinderarzt, „Es hätte ja auch eine Lungenentzündung sein können oder sogar eine Hirnhautentzündung. Das können Sie nämlich als Laie gar nicht beurteilen. Also, das nächste Mal bitte auch sofort kommen und keine Zeit verlieren!“

Ein halbes Jahr später hat Lea-Sophie wieder Fieber und Husten.
Diesmal geht die Mama mit ihr zu einem anderen Kinderarzt, nämlich zu Dr. Gutmensch.
Der untersucht das Kind und stellt fest, dasss – abgesehen von einem leichten viralen Antemwegsinfekt – auf gutdeutsch Erkältung – alles in Ordnung ist.
Dr. Gutmensch erkärt Lea-Sophies Mama, was sie tun kann: Wadenwickel, fiebersenkende Medikamente, viel trinken… und er erklärt ihr auch, auf welche Symptome sie achten muss: „bei Atemnot, Erbrechen, Bewusstseinseintrübung, unklarem Hautausschlag, Nackensteife oder Photophobie bitte sofort anrufen oder gleich herkommen. Ansonsten können Sie beim nächsten Fieber ruhig auch erst einmal abwarten und die Mittel ausprobieren, die ich Ihnen vorhin genannt habe. In den meisten Fällen wird das Kind auch von alleine wieder gesund. Und wenn es wirklich schlimmer werden sollte, können Sie immer noch herkommen!“

Und jetzt die große Frage: Was hat dieses Beispiel mit Rationierung zu tun?

Written by medizynicus

22. Juli 2009 um 08:37

Veröffentlicht in Nachdenkereien

7 Antworten

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  1. bissel extrem, aber: man schärfe als arzt den gesunden menschenverstand der leute. und vor allem – nach bernhard lown – mache keine angst. der erste sorgt natürlich für mehr umsatz in der praxis. der zweite schädigt seine praxis, da die leute seltener kommen. eine frage der ethik.

    kinderdok

    22. Juli 2009 at 08:52

  2. Naja, ich würde mal sagen: Dr Gutmensch hat sich einen Besuch gespart (mindestens), den er u.U. sowieso nicht mehr abrechnen kann, weil schon Ende des Quartals oder weiß der Geier…Das kann man allerdings auch nur bei Patienten machen, die nicht gleich vollkommen hysterisch werden…..

    gesundheitsexpertin

    22. Juli 2009 at 09:00

  3. Rationierung? Kann ich hier nicht entdecken. Das hört sich eher nach gesundem Menschenverstand an. Du müsstest schon die Gegenbeispiels-Geschichte schreiben, damit man drauf kommt. 🙂

    lupo

    22. Juli 2009 at 09:58

  4. eigentlich wenig, denn das Verhalten der Ärtze führt – wenn insges. zu teuer – erst in der nächsten Stufe zu verordneter Rationierung. Dann betrifft sie aber beide – Dr.Angstmacher und Dr.Gutmensch. Letztendlich wird dann aber Dr.Gutmensch noch weniger verdienen und schließlich zumachen müssenm, während Dr.Angstmacher mit seiner Methode den Umsatz halten kann, vielleicht sogar steigert. Und so „gewinnt“ Dr.Angstmacher, nicht trotz sondern wegen der Rationierung!

    der Landarsch

    22. Juli 2009 at 10:00

  5. Okay, wo liegt hier die Rationierung?
    Dr. Gutmensch – den ich persönlich für den besseren Arzt halte – klärt seine Patientin darüber auf, dass sie sich im Falle von banalen Erkrankungen auch selber helfen kann – und keine Notwendigkeit besteht, die Ressourcen des Gesundheitssystems in Anspruch zu nehmen. Er sagt das natürlich auf eine höfliche und freundliche Art, deswegen merkt man die Rationierung nicht sofort.
    Aber sie ist doch da: Leute, helft Euch erst einmal selbst. Erst wenn sich die Krankheit verschlimmern sollte, und zwar ganz klar folgende Kriterien, dann dürft und sollt Ihr ärztliche Leistungen in Anspruch nehmen.

    medizynicus

    22. Juli 2009 at 10:05

  6. Trifft die Rationierung nicht gerade die Ärzte mit ihren eigenen kleinen Praxen zuerst? Sie sind es doch, die m.E. am ehesten der Wirtschaftlichkeit unterliegen.

    Unabhängig davon beobachte ich immer wieder, wie gerade junge Müttern mit fehlender Erfahrung, aber auch alte Menschen mit prall gefüllter Matratze bei Ärzten wie Dr. Angsmacher landen. Die werden dort oft noch weiter verängstigt, sodass sich nach einigen Terminen schon fast eine Abhängigkeit erkennen lässt.

    Ich bin selbst lediglich Patientin und will hier niemandem zu nahe treten, sondern schildere lediglich von mir gemachte Beobachtungen in Bausch und Bogen.

    Flocke von Kroetengruen

    23. Juli 2009 at 14:20

  7. Patienten die bei Dr. Angstmacher waren tauchen dann auch gern mal am WE in der Notaufnahme auf. Was auch nicht unbedingt billig ist.

    Solo

    23. Juli 2009 at 19:23


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