Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Rationierung im Gesundheitswesen: Wie hättet Ihr es denn gerne?

with 4 comments

Nur mal so gefragt für den Fall, dass ich vielleicht doch einmal Gesundheitsminister werden sollte. Monsterdoc hatte mir diesen Job ja mal angeboten im Rahmen seines Europa-Wahlkampfes für die Gesundheits-Partei.
Und der wusste auch genau, warum er den Job nicht selber machen wollte, der Schlawiner! Als Gesundheitsminister ist man nämlich immer der Arsch vom Dienst, auf gut Deutsch gesagt.
Woran das liegt?
Ganz einfach:
1.) Je besser die Medizin wird, desto teurer wird sie. Je länger wir leben, und je länger wir gesund leben, desto mehr Gesundheits-Dienstleistungen verbrauchen wir im Laufe dieses Lebens.
2.) Gesundheitsdienstleistungen kosten Geld. Ärzte, Pflegepersonal, der Krankenhauspförtner und die Putzfrau im Pharma-Labor, sie alle wollen am Ende des Monats ihr Gehalt. Gut, Gehälter und Löhne kann man drücken – so lange, bis sie unattraktiv werden und sich die Leute was anderes überlegen. Und wer liefert dann die Gesundheitsdienstleistungen?
3.) Die Gesundheitsdienstleistungen müssen bezahlt werden, von irgendwem, in der Regel von denen, die sie in Anspruch nehmen. Dabei müssen die Belastungen für den Einzelnen „irgendwie“ sozial abgefedert werden, man kann sagen die Reichen sollen mehr zahlen, aber auch das geht nur bis zu einem gewissen Limit.

Es geht kein Weg daran vorbei:

Im Gesundheitswesen ist eine bestimmte Menge Geld drinnen und mehr wirds nicht.
Und dieses Geld soll irgendwie gerecht verteilt werden.
Wir sind uns einig, dass jemand, der mit einem Herzinfarkt in der Notaufnahme eingeliefert wird, bestmöglich behandelt werden soll.

Aber wo können wir dann Geld einsparen?
Bei der Kristallaurahokuspokustherapie vielleicht?
Aber wenn der Bruder vom Schwager vom Nachbarn vom Willi, dem sein Onkel dadurch von seinem langjährigen Tinnitus geheilt worden ist?

Written by medizynicus

24. Juli 2009 um 17:12

4 Antworten

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  1. Wir haben aus meiner Sicht kein Geldproblem. Wir haben ein Verteilungsproblem. Wie du so schön beschreibst hängen da jede Menge Zwischenverdiener dran. Die wären mein erstes Einsparpotential.

    50 Krankenkassen braucht kein Mensch. 5 reichen aus. Regionalkrankenkassen. Fertig.

    Die ganzen Kassenärztlichen Vereinigungen braucht kein Mensch. Eine bundesweite Abrechnungsstelle mit Revision. Fertig. Das geht nicht weil alles zu kompliziert, siehe nächster Punkt.

    Komplizierte Budgetregelungen mit Punktesystemen und und Pauschalen (Patient kommt im Quartal 1 mal oder 3 mal, der Arzt bekommt das gleiche ????) braucht kein Mensch. Eine strukturierte Gebührenordnung mit genau definierten Einzelleistungen und Vergütungen (Untersuchung x=y Euro) sorgt für Transparenz auf Seiten der Ärzte und Patienten.

    Im moment schwurbeln Krankenkasse, Pharmaindustrie und andere Lobbyisten doch nur herum um Besitzstände zu wahren. Ullalala ist dabei noch die größte Nebelkerzenwerferin.

    Markus

    24. Juli 2009 at 19:58

  2. Zur KAH-Therapie ein lustges Video: http://www.youtube.com/watch?v=Uvvp2lYz1J8

    Wer krank ist braucht halt das Gesundheitswesen und da was zu sparen ist ja immer irgendwie heikel.
    Also muss man mehr Leute entweder gesund halten, oder die Krankheit kostengünstiger behandeln.

    Gesund halten wäre ne Sache der Vorsorge. In der DDR waren zB Impfungen verpflichtend. Weiß aber nicht, wie viel das bringen würde. Vielleicht sollte allgemein Leuten mehr auf die Finger gehauen werden, wenn bestimmte Vorsorgeuntersuchungen nicht stattfinden, besonders bei Kindern oder Behandlungen unterbleiben oder wenn jemand zB durch seine Sucht gezielt ins Verderben steuert.

    Die andere Sache wäre, dass man Leuten eben nur gibt, was sie brauchen, medikamentenmäßig meine ich. Da ist dann das Problem, dass sich einige Mediziner sicher auf den Schlips getreten fühlen, wenn man ihnen bei dem Thema reinredet.

    Man könnte auch die Bürokratie, die auf den Ärzten lastet reduzieren. Wenn Ärzte ihre Zeit großteils mit Papierkram füllen, ist das Zeitverschwendung. Zeit, die nachher beim Patienten fehlt und damit die Qualität mindert.

    pskurs

    24. Juli 2009 at 20:55

  3. Hallo,
    einfach wär es nicht als Gesundheitsminister, aber mieser als in den letzten 9 Jahren könntest Du es kaum machen:
    wichtig wäre, dass der Patient eine direkte Abrechnung der erbrachten Leistungen erhält und dass er vorher genau weiß, was Kassenleistung ist und was nicht.
    Damit wäre sofort eine Kontrollemöglichkeit gegeben und der den Ärzten ständig unterstellte Abrechnungsbetrug wäre deutlich besser kontrolliert als heute.

    Heute herrscht die Vollkaskomentalität auf Patientenseite oft gepaart mit der Meinung: ich hab jahrelang soviel einbezahlt, jetzt möchte ich das aber auch mindestens wieder raushaben. Aber das ist das Ende einer jeden Versicherung!
    Jeder Hausbesitzer bezahlt auch Jahr für Jahr nicht gerade wenig für seine Brandschutzversicherung, aber keiner käme auch nur ansatzweise auf die Idee, sein Haus mal wieder anzünden zu müssen, um sich den Versicherungsbeitrag wieder zu holen, oder?

    Das Thema sprengt aber leider den Umfang eines Kommentars. Ich werde es aber in meinem Blog wohl als Fortsetzungsfolge demnächst einbauen.
    Man kann ja nicht immer nur meckern, sondern sollte auch kreativ und konstruktiv sein.
    Servus – und gsund bleibn!

    drgeldgier

    24. Juli 2009 at 22:05

  4. Meine Hausfrauenidee lautet:
    Die Familienversicherung für lau abschaffen. Jede Hausfrau kann einen Mindestbeitrag von 5, 10, 15.. Euro berappen, Kleinvieh macht schliesslich auch Mist.
    Mehr Gelder in die Prävention macht langfristig sicher auch Sinn.
    Bürokratie eindämmen!!

    muckeltiger

    24. Juli 2009 at 22:23


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