Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Gesundheitssysteme einfach erklärt für jedermann. Heute: Modell Wladiwostok (oder: “Es lebe der Sozialismus!”)

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Andere Bezeichnungen: Staatsmedizin, Pfui!, Würg!, Ekel… Kotz! (sowie zahlreiche weitere Bezeichnungen, die leider nicht jugendfrei sind)
Besonderheit Kommt inzwischen ein wenig aus der Mode, man findet es aber zunehmend da, wo man es gar nicht vermutet hätte, (z.B. in den USA)
Wie es funktioniert Väterchen Staat sorgt für Dich. Väterchen Staat gibt Dir Arbeit, Väterchen Staat gibt Dir Lohn und wenn Du mal krank bist dann stellt Väterchen Staat Dir Ärzte und Krankenhäuser kostenlos zur Verfügung. Ja, wirklich kostenlos. Du zahlst keine Kopeke, keinen Centavo, keinen… (wie hiess denn jetzt bloss noch die Währung von Nordkorea?).
Die Ärzte und Krankenschwestern die dort arbeiten kriegen einen festen Lohn. Sie haben ihre regelmässigen Arbeitszeiten und wenn sie Feierabend haben gehen sie nach Hause wie alle anderen Arbeitnehmer auch.
Im Prinzip ist das doch eine feine Sache für alle, oder? Oder einfach zu schön um wahr zu sein?
Fassen wir zusammen: Dieses System ist gut für: Alle Kranken, die kein oder wenig Geld haben, Ärzte welche weniger Lust auf Achtzigstundenwochen haben sondern auch mal Freizeit haben wollen.
Dieses System ist schlecht für: Hypochonder, Anhänger der Kristallaurahokuspokustherapie und Ärzte, die wo Wert auf Porsche, Jaguar und Yacht am Mittelmeer legen.
Nachbemerkung: Eigentlich braucht man für dieses System ja noch nicht einmal einen Sozialismus. Ein ganz normaler Staat reicht. Es kann und darf auch ein kapitalistischer oder sogar demokratischer sein.

Written by medizynicus

28. Juli 2009 um 07:22

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

10 Antworten

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  1. Das mit dem schlecht sein für Hypochonder musst Du mir nochmal erklären – schliesslich können die ja täglich gratis in den Notfall und sich womöglich – auch noch gratis – dort im Krankenwagen hinkutschieren lassen … das muss doch das Paradies sein für Hypochonder und Medikamentensüchtige.

    Pharmama

    28. Juli 2009 at 08:03

  2. Aber es ist auch möglich, dass der Doktor einfach sagt: „Ist nicht. Punkt. Der nächste bitte!“
    Ein staatliches Gesundheitssystem hat auch die Möglichkeit einer zentralen Steuerung. Also: Nach Abklärung gewisser Symptome heisst es dann beim nächsten und übernächsten Mal einfach „Njet!“

    medizynicus

    28. Juli 2009 at 09:19

  3. Eine Krankenkasse oder eine Hand voll, wäre vielleicht schon eine gute Idee. Dann ist der Wettbewerb zwar kleiner, aber die Verwaltungskosten geringer – und die sind ja astronomisch…
    Und die Polikliniken sind ja aktuell auch schon ein sozialistisches Konzept, das nutzbar gemacht wird.
    Aber ganz kostenlos oder ohne große Kostensteigerungen wird es mit den neuen Untersuchungsmethoden und Medikamenten sicher nie gehen. Und nen Super-MRT oder das neue Antikörpermedikament hätte ja dann schon jeder gern. So archaisch ist das ja alles nicht mehr möglich – oder möglich schon, gewünscht aber nicht. Oder?

    Kristina

    28. Juli 2009 at 10:56

  4. Der Staat hat halt Steuerungsmöglichkeiten: Soundosviel Geld ist im System, das neue Super-MRT oder das neue Antikörpermedikament müssen erstmal genehmigt werden und wenn kein Geld da ist werden sie nicht genehmigt. Punkt.
    Ob es der jeweilige Gesundheitsminister (und die gesamte dahinterstehende Regierung) schafft, dann noch die nächste Wahl zu gewinnen, ist natürlich eine andere Sache, da ja die entsprechenden Lobbys sehr fix bei der Hand sind, entsprechende Einzelfallgeschichten („Klein-Fritzchen musste sterben weil kein Geld für die neue Behandlung da war!“) in die Yellow Press und sonstwohin zu lancieren.
    Ob die nächste Regierung es besser machen kann, ist ein anderes Thema.

    medizynicus

    28. Juli 2009 at 14:35

  5. Hm…hatte da mal einen Bericht gesehen, wo ein (reicher) Zahnarzt (mit Supervilla-sei ihm gegönnt) in seiner Freizeit in einem Altenheim den Leuten dort umsonst die Zähne zog und ihnen ein Gebiss beschaffte. Eine alte Dame hatte nur noch verfaulte Stummel im Mund; die zu ziehen wurde aber nicht bezahlt. Dafür aber die 15(!) Krankheiten, die die Dame hatte wegen der verfaulten Stummel in ihrem Körper. Das war in FLORIDA.

    Beate

    28. Juli 2009 at 18:52

  6. naja, du erwähnst nicht, daß in Rußland z.B. Medikamente und Operationen selbst bezahlt werden müssen und viele Sachen auch im Gesundheitswesen nur durch Korruption ermöglicht werden. Übrigens klingt ja Wladiwostok so weit entfernt, aber das ist in Moskau oder Petersburg genauso. Und was ebenfalls unerwähnt bleibt, ist, daß es durchaus private Kliniken für Selbstzahler gibt.

    Solo

    29. Juli 2009 at 16:00

  7. Die Krankenkasse – wenn sie Monopolstellung haben sollte – wird Preise diktieren, sowohl für die Versicherten, als auch für die „Leistungserbringer“ (Ärzte, Schwester, Pflegedienste,…) und dann darauf achten, dass möglichst viel Geld für die oberen Vorstandsetagen bleibt. Schließlich träumen auch die „Manager“ im Gesundheitssektor davon Millionen und mehr im Jahr zu verdienen und das geht nur durch Ausbeutung der anderen.

    drgeldgier

    30. Juli 2009 at 09:56

  8. Wenn die Monopolkrankenkassen dem Staat gehören bzw. staatlicher Kontrolle unterliegen, dann sind sie immerhin – zumindest in der Theorie – durch demokratisch gewählte Institutionen kontrollierbar. Im Gegensatz zu privaten Versicherungen, egal ob Monopol oder nicht.

    medizynicus

    30. Juli 2009 at 15:45

  9. Korruption ist ein anderes Thema, um das es hier erstmal nicht gehen soll. Stellen wir uns einfach ein staatliches Gesundheitssystem vor mit einer Einheitskrankenkasse und Ärzten (und anderen Mitarbeitern), welche nach einem festen Tariflohn bezahlt werden und feste Arbeitszeiten haben. Nennen wir es vielleicht lieber: Modell Norwegen oder Schweden (auch wenn es da auch wieder nicht genau den Nagel auf den Kopf trifft).

    medizynicus

    30. Juli 2009 at 15:50

  10. Von Korruption ist auch gar nicht die Rede, sondern von einem Sch…gesundheitssystem, das Ärmere außen vor lässt. In den USA ist man, wenn man nicht arbeitet, NICHT krankenversichert. Wenn es dann einen aus der Familie erwischt, kann man sein haus verkaufen. Das lob ich mir unser Gesundheitssystem-von mir aus auch das in Skandinavien. England ist auch schon wieder problematisch. Und der Arzt in oben erwähnten Bericht hatte meine Hochachtung in seiner Freizeit nicht seine Luxusvilla zu geniessen, sondern sich dann um Arme zu kümmern.

    Beate

    1. August 2009 at 15:20


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