Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Guten Tag, ich bin die Neue!

with 8 comments

Seit Wochen geht das Gerücht um: Zum Monatsanfang kriegen wir eine neue Kollegin. Eine ganz Junge, frisch von der Uni.
„Hat sie schon jemand gesehen?“
Kollege X. war zufällig gerade im Lande, als der Chef sie nach dem Vorstellungsgespräch durchs Haus geführt hat.
„Und, ist sie hübsch?“
„Kann sie am zwanzigsten den Dienst übernehmen?“
„Du Mörder! Wir können sie doch nicht nach knapp drei Wochen allein auf Dienste schicken!“
„…na, wenn sie im PJ fit war…“
„Du kannst froh sein, wenn sie Blut abnehmen kann!“
„Hauptsache, sie kommt überhaupt!“
Der Monatserste kam und… keine neue Kollegin.
„…sie wird doch wohl nicht durchs Examen gefallen sein?“
Chef schwieg sich aus.
Auch am Dienstag war sie nicht da.
„Doch, sie kommt! Ganz bestimmt.“
Aber wann?
Heute war sie dann endlich da.
„Ein richtiger Mäuschen-Typ!“ zischt Kollege Kalle mir in der Frühbesprechung zu bevor er sein breitestes Lächeln aufsetzt und ihr seine Pranke entgegenstreckt.
Dann trifft mich der Blick des Chefs.
„Wären Sie so nett, der neuen Kollegin ein wenig behilflich zu sein?“
Aber gerne. Schaun mer mal.
Waldi winselt momentan nur noch ganz leise und die Kopfschmerzen und das Kratzen im Hals sind auch etwas erträglicher geworden.

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Written by medizynicus

7. August 2009 um 11:27

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

8 Antworten

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  1. Grüß den Waldi von mir 🙂

    Zu den Kopfschmerzen: trinkst du genug (Wasser, am besten ohne das Kaffeepulver drin gebadet hat)?
    Ich weiß, „medizinische“ Ratschläge von Laien etc.pp. – nur hab ich bei mir selber festgestellt, dass Kopfweh in 90 % aller Fälle mit Flüssigkeitsmangel einhergeht, und im Bekanntenkreis beobachtet dass beim Thema Kopfweh nur sehr selten Ursachenforschung betrieben wird (Tablette und gut).
    (Du darfst das gerne ignorieren. Nach dem Fall der Medizinstudentin, die sich trotz Magen-Darm-Infekt mit Brownies vollstopfte und sich danach über Verschlechterung ihres Zustands wunderte hab ich mir angewöhnt, trotz vermutlicher fachlicher Überlegenheit des Gegenübers meine Klappe aufzumachen – schlimmstenfalls werde ich eben eines besseren belehrt :))

    Benedicta

    7. August 2009 at 11:49

  2. Du solltest dem Waldi einen Zwinger bauen, damit der dich nicht stört, während du dich um die Dame kümmerst 😛

    stef

    7. August 2009 at 14:24

  3. @benedicta – danke für den Tipp, auf die Idee mit dem Flüssigkeitsmangel bin ich auch schon gekommen, trinke auch brav koffeinfreies Wasser (ab und zu hat ein Pfefferminzteebeutel drin gebadet weil das Leitungswasser hier… manchmal so eine Sache ist). Aber ich habe die dumme Befürchtung, dass da bei mir so eine dumme Schweinegrippe im Anmarsch ist… bin gespannt aufs Wochenende!

    medizynicus

    7. August 2009 at 15:47

  4. Schweinegrippe oder Schweinehundgrippe?
    (Letztere kenn ich auch… die ist bei mir für die restlichen 10% Kopfschmerzen verantwortlich: Verkrampfung der Kiefermuskeln von wegen Zähne zusammenbeißen.)

    Ich wünsch dir ein schönes und grippefreies Wochenende!

    Benedicta

    7. August 2009 at 16:25

  5. Also wenn ich Waldi heißen würde, würde ich auch ganz schön rebellieren 😉

    Kopf hoch… es geht vorbei… Irgendwann… behaupten die Anderen…

    Mayla

    7. August 2009 at 16:27

  6. Oha.
    Diese Geschichte kenne ich schon, nur aus der anderen Perspektive!
    Ich glaube, dass ich etwas mehr konnte als Blutabnehmen, als ich frohen Mutes „frisch von der Uni“ hochmotiviert meine erste Stelle antrat – aber erlebt habe ich ähnliches:
    Meine Kollegen interessierte auch nur, wann ich den ersten Dienst mache, und so wurde ich in meiner zweiten Woche (!) eingeteilt. Ganz allein für über 500 Patienten aus 6 verschiedenen Fachabteilungen, obwohl ich bis dahin noch nicht mal die ganze Klinik gesehen hatte, geschweige denn die Abläufe kannte.
    „Einarbeitung“, „Anleitung“ und „Supervision“ schienen Fremdwörter zu sein.
    Die Station war froh, als ich kam, denn meine einzige Kollegin war schon eine Woche im Urlaub (und noch weitere drei…), so dass eine Menge Arbeit liegengeblieben war.
    Oberarzt? Gibt’s schon seit geraumer Zeit nicht mehr, die Suche wurde aufgegeben.
    Chef? Geistig bereits im Ruhestand. „Sie haben hier völlige Freiheit!“ übersetzt: „Was Sie machen, geht mir am A. vorbei, Hauptsache, der Laden läuft, und wie Sie das machen, ist Ihre Sache – wozu haben Sie 6 Jahre studiert, hm?“
    Noch in der Probezeit sagte ich der Klinik Goodbye.
    Meine Stelle ist bis heute (über ein Jahr später) noch unbesetzt. Ich finde etwa alle 6 Wochen eine Stellenanzeige im Ärzteblatt, die immer verzweifelter Klingt, à la „wir freuen uns auch über Kollegen aus dem osteuropäischen Ausland und sind Ihnen gerne beim Erlernen der deutschen Sprache behilflich.“
    Na dann…

    jemima

    7. August 2009 at 19:08

  7. Na dann sei der Neuen auch mal schön behilflich, du hast ja auch mal klein angefangen, nicht?! Da bin ich ja beruhigt, dass ich jetzt schon mehr kann als Blutabnehmen, damit Kollegen wie Kalle & co. ganz schnell große Augen machen wenn ich meinen ersten Dienst schieben!^^ LG

    Avialle

    9. August 2009 at 08:27

  8. Ja, man merkt in der Tat sehr schnell, wie fit ein/e Neue/r ist! Und die meisten sind wirklich sehr fit!.
    O jeh, wenn ich da an meine eigene Zeit als blutiger Anfänger zurückdenke…. das waren wirklich keine Ruhmestaten….

    medizynicus

    9. August 2009 at 19:01


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