Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Unzufriedene Hausärzte: Warum tut Ihr denn nichts?

with 5 comments

„Jeder dritte Hausarzt ist unzufrieden!“, meldet die Ärztezeitung (Mittlerweile ist der Artikel allerdings wieder verschwunden.).
An solche Nachrichten sind wir ja gewohnt, fast täglich tönen sie uns aus der ärztlichen Standespresse entgegen und in den Blogs, zum Beispiel beim Landarsch klingt es ja nicht anders.
Die Kollegen sind überlastet, weil die Arbeit immer mehr und das Geld immer weniger wird (von den Kollegen, die sich durch Igel-Quacksalberei eine goldene Nase verdienen, will ich hier nicht reden). Das glaube ich den Kollegen gerne. Und was tun sie?
Sie jammern.
Und beißen die Zähne zusammen und geben weiter fleißig Spritzen und Infusionen, von denen sie wissen, dass sie medizinisch überflüssig sind und noch nicht einmal Geld bringen. Sie machen weiter nächtliche Hausbesuche obwohl auch die nicht mehr bezahlt werden und es dem Patienten nicht schlechter ginge, wenn er für seine Rückenschmerzen nachts erst einmal eine Tablette einwerfen und dann nächsten Morgen in die Praxis kommen würden.
Aber der Herr Doktor ist ja in den letzten zwanzig Jahren immer brav nachts rausgekommen. Und so ist es halt bequemer. Zumindest für den Patienten. Für den Arzt weniger. Aber der beißt die Zähne zusammen und kommt trotzdem. Warum?
Aus Angst vor dem Kadi? Erzählt mir nix, Kollegen! Mit der – gut dokumentierten – Aufforderung: „…und wenn es nicht besser wird, gehen Sie bitte sofort ins Krankenhaus oder rufen den Notarzt!“ seid Ihr immer aus dem Schneider.
Also ist es echte, ernst gemeinte Sorge um den Patienten, Gutmenschentum, Helfersyndrom, oder wie auch immer man es nennen darf?
Das spricht für Euch, Kollegen, Ihr seid super, toll, Spitze! Aber dann jammert gefälligst nicht!
Denn merke: Ihr seid nur dann gut, wenn es Euch selbst auch gut geht.

Written by medizynicus

7. August 2009 um 15:52

5 Antworten

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  1. Wobei die Nachtfahrten für den Kassenärztlichen Notdienst anscheinend ja noch ziemlich gut honoriert werden.

    Und auf dem Land ist der Hausarzt auch oft gleichzeitig der Notarzt. Zumindest übernehmen bei uns, auf dem Nichtmehrganzso-Land, die notärztlich weitergebildeten Allgemeinmedizinier einen Anteil an den Notarzteinsätzen.

    Denis

    7. August 2009 at 17:22

  2. Du hast ja recht, aber wenn man nichts ändern kann muss man wenigstens jammern, das hilft. Aber vielen Dank für den Hinweis mit der Einweisung ins Krankenhaus. Ich fürchte nur, Deine Kollegen sehen das nicht so locker. Im übrigen reichts mir schon, wenn ich tatsächlich krankenhauspflichtige Patienten nicht postwendend – unbehandelt – zurückbekomme (z. B. mit akutem Apoplex, weil gerade kein Bett frei war!!!). Wenn ich da noch mehr hinschicke steht zu befürchten, dass ich die Operationen nicht nur „blutig“ zurückbekommen, sondern sogar noch offen, „zum selber zunähen“!

    der Landarsch

    10. August 2009 at 12:08

  3. Tja, das „blutige“ frühe Entlassen wg. Flatrate ist eine Sache. Die andere Sache ist natürlich „Die Belegung“… gerade wir kleinen Dorfkrankenhäuser sind ja bekanntlich akut vom Rotstift bedroht und da ist es manchmal gar nicht so schlecht, wenn man den entsprechenden Bürokraten nachweisen kann, dass eben doch Bedarf – in Form von Einweisungen – da ist…

    medizynicus

    10. August 2009 at 12:54

  4. Du glaubst auch noch an’s Christkind!

    der Landarsch

    10. August 2009 at 16:24

  5. Ein weiser Mensch (Johann Wolfgang von Goethe) hat mal folgendes gesagt:
    „Wer die Menschen behandelt wie sie sind, macht sie schlechter. Wer sie aber behandelt wie sie sein könnten, macht sie besser.“
    (Bei meinen Studis funktioniert das… in beide Richtungen.)

    Benedicta

    10. August 2009 at 17:12


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