Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Fehlermanagment in Bad Dingenskirchen (Teil 2)

with 9 comments

Zwei Wochen später.
Morgendliche Besprechung. Chef schaut Oberarzt scharf an.
„Sagen Sie mal, Biestig, Sie hatten doch da letztens mal so eine Wundinfektion…“
Biestig zuckt zusammen wie von der Tarantel gestochen.
„Ich bin nicht schuld! Schauen Sie in den OP-Bericht, ist alles lege Artis gelaufen!“
„In Ihrem Arztbrief erwähnen Sie das Übergewicht…“
„Eine strunzblöde fette Kuh war das, Herr Chefarzt, und ausserdem ist sie schon am zweiten postoperativen Tag ständig zum Rauchen auf den Balkon gerannt und außerdem hat sie sich das Pflaster abgerissen…“
„Das ist richtig.“
„Moment mal… woher wissen Sie das, Herr Chefarzt?“
„Die Patientin hat sich bei der Krankenhausverwaltung schriftlich beschwert. Und auf diese Beschwerde müssen wir jetzt reagieren.“
„Was schreibt sie denn?“
„Sie erwähnt noch eine Schwesternschülerin, welche ihr angeblich mit schmutzigen Händen ein neues Pflaster auf die Wunde geklebt hat…“
Biestigs Miene hellt sich auf.
„Ach die kenne ich, die Kleine! Das ist wirklich ein vorlautes Biest… ich glaube, die ist noch in der Probezeit. Was halten Sie denn davon, Herr Chefarzt, wenn wir…“

Written by medizynicus

18. August 2009 um 07:51

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

9 Antworten

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  1. Deine literarischen OA-Schnappschüsse bescheren mir ein böses Deja-vu. Betreffendes Corpus deliciti heißt nicht zufälligerweise AvP? :o)

    vokalanästhesie

    18. August 2009 at 10:36

  2. Das ist klassisches Fehlermanagement nach dem Motto „ich mach keine Fehler und für die Fehler der anderen bin ich nicht zuständig“! Ich hoffe euer Oberarsch Oberarzt kapiert irgendwann, dass die Patientin nicht ihm an’s Leder will, sondern Schadensersatz vom Haus (=“Aussenverhältnis“). Und was die Haftpflichtvesicherung von diesem „Fehlermanagement“ hält ….? Schließlich ist der OA ja für seine Schwesternschülerinnen verantwortlich!

    der Landarsch

    18. August 2009 at 11:12

  3. Bittebitte, Medizynikus, hast du nicht noch wenigstens EIN Beispiel für gutes Fehlermanagement?
    Es zieht mich immer furchtbar runter, wenn meine Vorurteile von den Fachleuten auch noch bestätigt werden…

    Benedicta

    18. August 2009 at 12:42

  4. Für die Schwesternschülerin ist die Pflegeleitung verantwortlich. Das spielt sich außerhalb ärztlicher Sphären ab und daher ist die Gute auch das annähernde Optimum zur Abwälzung eigener Fehler.

    Denis

    18. August 2009 at 14:00

  5. Grad entdeckt: Entschuldige bitte das „k“, Medizyni*c*us – peinlich, peinlich, grade mir sollte das nicht passieren *zerknirrscht ist*

    Benedicta

    18. August 2009 at 17:47

  6. Hallo Denis, das stimmt so nicht ganz. Die Pflegeleitung ist zwar für die Pflege und damit auch für die (Ausbildung der) Schwesternschülerin zuständig und verantwortlich.

    Aber im Außenverhältnis (=Zivilrecht), d.h.gegenüber dem Patienten, ist das KH verantwortlich/haftbar.

    Im Innenverhältnis könnte sich das KH an der Schülerin nur dann schadlos halten, wenn diese entweder entgegen ihrem klar definierten Auftrag gehandelt hat oder wenn sie etwas falsch gemacht hat, was sie entsprechend ihrem Ausbildungsstand hätte wissen müssen. Hat sie einen Auftrag bekommen, den sie – entsprechend ihrem Ausbildungsstand – nicht „lege artis“ erfüllen kann und hätte sie dies auch nicht erkennen können, wäre zu 100% der Auftragserteilende (Arzt, Schwester) verantwortlich. Hätte sie erkennen könne, dass sie das nicht kann, müsste sie darauf hinweisen. Wenn der Auftragerteilende den Auftrag dann trotzdem aufrecht erhält („Papperlapapp, dass können Sie schon“), ist er verantwortlich!

    Im Strafrecht gilt natürlich, dass jeder für seine eigenen Handlungen verantwortlich ist. Das gilt aber auch wieder nur (s.o.) bzgl. Ausbildungsstand und Fähigkeiten. Ansonsten ist der Ausbilder verantwortlich („Aufsichtspflicht“). Was die Pflege angeht, ist das sicher die Pflegeleitung. Aber bezüglich medizinischer Maßnahmen (hier: Pflaster, Hygiene) ist das selbstverständlich jeder „Kompetente“, d.h. alle Schwestern und Ärzte, die das sehen. Wenn also der Oberarzt „weiß“, dass diese Schülerin unsauber arbeitet und nichts unternimmt, ist ganz klar er ein Fall für den Kadi!

    Und in der Probezeit Wundversorgungen machen lassen …, also soll das eine Entschuldigung sein oder ein Eingeständnis?

    der Landarsch

    19. August 2009 at 11:18

  7. Ja, man findet immer einen Schuldigen, gell??? Und der Kittel bleibt schön weiß:-)

    gesundheitsexpertin

    19. August 2009 at 12:26

  8. Immer auf die armen kleinen Schwesternschülerinnen, das kenn ich…

    schwestertrauma

    20. August 2009 at 12:44

  9. […] Oberarzt Biestig hat sich weder durch übermäßige Fachkompetenz noch durch übermäßig sympathiegewinnende Verhaltensweisen hervorgetan. „Wobei hat man ihn ertappt? Wer überhaupt? Und was soll er angestellt […]


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