Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Cyberchonder und Andere: die Angst des Arztes vor dem informierten Patienten

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Patienten informieren sich, im Internet und anderswo. Das war schon immer so. Nicht immer ist das, was die Patienten da im Netz finden, sinnvoll. Manchmal ist es Humbug. Im Netz sind Humbug und Perlen echter Weisheit bekanntlich nur einen Klick weit voneinander entfernt.
Patienten, welche mit einem dicken Paket von Wikipedia-Ausdrucken unterm Arm in der Notaufnahme (oder in der Praxis) erscheinen sind der Alptraum eines jeden Arztes.
Über Cyberchonder habe ich an dieser Stelle ja bereits berichtet. Die sind nicht mehr und nicht weniger anstrengend als die ATW-Patienten, und die hat es immer schon gegeben.
Was mir in diesem Zusammenhang aufgefallen ist:
Es ist gar nicht so einfach, im Netz seriöse medizinische Informationen zu finden, vor allem nicht in deutscher Sprache. Auf Englisch geht’s, aber in Deutschland steht da das Heilmittelgesetz: Das verbietet es nämlich, unter bestimmten Umständen, medizinsiche Fachinformationen Laien zugängig zu machen.
Medizinischen Humbug zu verbreiten verbietet es allerdings nicht.
Was soll das?
Medizin ist doch keine Geheimwissenschaft!
Die Zeiten der Alchimisten sind ja vorbei… oder?

Written by medizynicus

14. September 2009 um 15:36

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

5 Antworten

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  1. Ist schon faszinierend: das Wissen um unseren Körper und unsere Gesundheit als „Geheimwissen“ von Anderen? Unsere Expertokratie wird immer irrwitziger!

    Man fragt sich unwillkürlich: Wie wird der Experte denn zum Experten? Als Noch-Nicht-Experte müsste er ja vom Zugang zu diesem Wissen ausgeschlossen sein! Oder geht das nach dem alten Motto „gestern wuste ich noch nich wie man Ingeneer schreibt und heute bin ich einer“!

    der Landarsch

    15. September 2009 at 11:55

  2. Durch Einschreiben an einer Uni. Is doch logisch.
    Und da Medizin-Studiengänge so überlaufen sind, kommt man als „Sonstiger“ gar nicht in die Hörsäle rein (während ich mich in der Informatik über jeden fachfremden Hörer freue, der den Saal weniger leer erscheinen lässt…).
    Man kann natürlich auch Bücher kaufen, aber a) sind die teuer, b) versteht man die auch nicht unbedingt, und c) gucken einen die Halbgötter in Weiß erst recht blöd an, wenn man sagt „im Pschyrembel hab ich gelesen dass…“.

    Außerdem gehts ja auch eher um den *einfachen* Zugang zum Wissen übers Internet. Und da *scheint* es so, als wäre das Angebot in Medizin unseriöser als in anderen Fächern. Ich würde aber mal behaupten, dass das nicht stimmt – in Medizin fällt es dir nur mehr auf, Medizynikus, weil das dein Fachgebiet ist. Ich seh täglich, was in Musikwissenschaft und sogar Informatik (meine Fachgebiete) an Mist im Web steht – und in anderen Fachgebieten wirds auch nicht besser sein.

    Benedicta

    15. September 2009 at 14:39

  3. Das Gesetz ist das HeilmittelWERBEgesetz und verbietet genau das – nämlich Werbung. Ob aufgrund von § 10 HWG, der jede Form der Werbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel verbietet, wirklich der Zugang zu Fachinformationen auf Fachkreise beschränkt werden muß, sei dahingestellt.

    Jedenfalls gilt diese Beschränkung nicht für medizinische Informationen im allgemeinen, sondern – wenn überhaupt – nur für Arzneimittel und Medizinprodukte …

    -thh

    15. September 2009 at 17:19

  4. Ja, Fachbücher oder Studium sind der Weg zum Erfolg.
    zu a) Die sind auch gar nicht so kryptisch, sofern man auch tatsächlich bei den Grundlagen anfängt.
    zu b) stimmt vermutlich. (Als Student kann man die allerdings evtl. kostenlos online lesen.)

    zu c) Das ist wohl der große Haken. Man muss dem Arzt ja sowieso vertrauen, da man nie davon ausgehen kann, mehr zu wissen, als der, der das Fach jahrelang studiert hat.

    Das andere große Problem: Manche Menschen glauben ja, sie wüssten bescheid. Deswegen versuchen diese auch gar nicht, an seriöse Informationen zu kommen.

    NK

    15. September 2009 at 17:41

  5. […] Seiten wird man – zumeist – ordentlicher informiert. Medizynicus fand kürzlich treffende Worte zu diesem Sachverhalt. Mit der Physiotherapeutin kam ich zur Erkenntnis, einen Teil des Joggings […]


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