Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Noch so’n fauler Hausarzt, der es sich einfach macht…

with 22 comments

Bad Dingenskirchen nachts um halb drei und Medizynicus wird wieder mal aus dem Schlaf geklingelt.
Telefongespräch von draußen, ein Hausarzt ist dran.
„Ich schicke Ihnen gleich einen Patienten rein!“
„Okay, was hat er denn?“
„Er glaubt, er hat Bauchschmerzen.“
„Er glaubt? Wie meinen Sie das?“
„Keine Ahnung. Was weiß ich, was der hat. Untersuchen Sie den guten Mann einfach mal und dann schauen Sie selbst….“
„Haben Sie ihn denn untersucht? Was ist Ihr Eindruck?“
Am anderen Ende der Leitung Gelächter.
„Ob ich ihn untersucht habe? Es ist halb drei Uhr nachts, Herr Kollege!“
„Aber Sie haben Dienst!“
„Dienst ist gut. Ich bin zufällig Hausarzt und dieser Mann ist zufällig mein Patient. Wenn er nachts um drei Bauchschmerzen bekommt und glaubt, er könne nicht bis acht Uhr früh warten, muss ich davon ausgehen, dass es etwas Ernstes sein könnte. Also schicke ich ihn zu Ihnen. Da ist er eh besser aufgehoben. Also, machen Sie’s gut, und einen ruhigen Dienst noch.“
Vielen Dank, Herr Kollege! In Amerika würde ich jetzt sagen: „You mady my Day“! Ob ich morgen mal bei der kassenärztlichen Vereinigung anrufen sollte?

Written by medizynicus

20. September 2009 um 03:30

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

22 Antworten

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  1. Das mit der kassenärztlichen Vereinigung würde ich echt mal machen. Es ist schließlich sein Job, sich um seine Patienten zu kümmern. Und wenn er Dienst hat dann auch nachts. Abgerechnet hat er den Patienten doch vermutlich auch voll, obwohl er nicht vor Ort war.
    Solche Typen gibt es leider immer wieder. Echt zum k…

    Chris

    20. September 2009 at 10:19

  2. Da muss ich meinem Vorredner mal voll Recht geben. Ein Freund von mir ist letztens aus der Notaufnahme geschmissen worden, weil er keine Krankenkassenkarte dabei hatte… und das mit einem offensichtlich verstauchten Fuß / Bänderriss / Bruch – is ja von außen net zu erkennen…

    oO

    grüße
    martin

    Martin

    20. September 2009 at 11:31

  3. Ein bisschen nachdenklich möchte ich mal folgendes zu bedenken geben.

    Hier auf dem Blog ist oft von unverantwortlichen Hausärzten und überheblichen Krankenhausärzten zu lesen.
    Bei Josephine im Tagebuch liest man von den alltäglichen Kathastrophen in der Geburtshilfe,
    bei Schwester Trauma, Avialle und Sternenmond von der häufig ziemlich miesen Ausbildung.
    Der Krangewarefahrer und der Rettungsblog überbieten sich mit Stories über unverantwortliche Hausärzte, schlecht organisierte Notaufnahmen und unangemessene Versorgung,
    und Dienstarzt und Assistenzarzt monieren oft genug das Lemming-gleiche Verhalten der Kollegen, die ohne Einschalten des eigenen Gehirns immer weiter tradierte Verfahren befolgen.

    Und bei alledem soll man als Patient noch an das Gute im Arzt glauben?

    Jeder einzelne Med-Blogger in der Blogroll rechts vertritt (mehr oder weniger stark ausgeprägt) den Ansatz „alle sind unverantwortlich, nur ich nicht“ – und einer haut auf den anderen drauf (schlechter als andere Ärzte kommen nur noch die Patienten weg…).

    Logisch ist das ganz normale, verantwortungsbewusste ärztliche Handeln weniger bloggenswert – aber durch die überproportional häufige Darstellung des Negativen verzerrt sich die öffentliche Meinung. Und wenn Dr. Geldgier und der Landarsch bedauern, dass die Presse immer nur auf den Ärzten rumhackt kann ich leider nur sagen „die Ärzte selber doch auch“. Kein Wunder, wenn bei der Gesundheitsreform nix Vernünftiges rauskommt, so zerstritten wie ihr untereinander seid. Jeder Geier kann euch beliebig gegeneinander ausspielen – denn jeder sieht immer nur den eigenen Part, der der anderen ist scheinbar nicht vorhanden.

    Mag nicht mal jemand den Part übernehmen, das Utopia ärztlicher Zusammenarbeit zu entwerfen? Dem ganzen Frust ein positives Ideal entgegenzustellen? Und der Öffentlichkeit die Möglichkeit zu geben, ihren Ärzten wieder zu vertrauen… ?

    (Ähm, ja. Benedictas philosophisches Wort zum Sonntag. :O})

    Benedicta

    20. September 2009 at 15:25

  4. Auwei, Nachts kann die Motivation auch schnell mal schwinden – aber ob das als Ausrede reicht ist fraglich 😉

    Schönen Wochenstart…

    rettungsscherge

    21. September 2009 at 07:34

  5. Herr Doktor,

    ich war mal so frei und haben aus gegebenen Anlass ihren Cyberchonderpost auf meinem Blog verlinkt.

    Ich denke mal das ist okay undich brauche keine Überweisung dafür.

    Morphium

    21. September 2009 at 10:23

  6. @Benedicta, Du hast ja so recht! Aber wir selbst dürfen uns doch nicht beweihräuchern. Würdest Du freundlicherweise diesen Part übernehmen?

    @ Medizynikus, wenn der Patient was hatte, hatte des HA recht. Wenn er nichts hatte, hätt ich ihn wieder nach Hause geschickt und im aufgertragen, er soll seinen HA umgehend (also noch in der Nacht) davon in Kenntnis setzen, damit der beruhigt weiterschlafen kann!

    der Landarsch

    21. September 2009 at 10:55

  7. So wie ich das verstehe, hatte der Hausarzt eben nicht Dienst, sondern es ist einer von seinen regulären Patienten, der eben nicht den Notdienst, sondern direkt bei seinem Hausarzt angerufen hat.

    Malte Diedrich

    21. September 2009 at 12:12

  8. Woah, das ist ja mal freundlich. Ganz schön dreist und frech, das auch noch am Telefon so zu sagen.

    DeserTStorM

    21. September 2009 at 12:29

  9. Tja – genau das ist ja mein Problem. Ich SUCHE noch nach positiven Beispielen, weil ich ein positiv denkender Mensch bin und mich gerne an guten Vorbildern orientiere.
    Derzeit klammere ich mich an das positive Bild von meinem Zahnarzt, der eine super Praxis führt, mich ernst nimmt, mir meine Fragen verständlich beantwortet (und nicht nur er sondern auch das ganze restliche Praxisteam).
    Dummerweise steht dem gegenüber eine laaaaange Liste von Kurpfuschern, von dem Hausarzt, der die Thrombose meines Vaters als Hysterie meiner Mutter bezeichnete (Resultat: Tod), über den Hausarzt, der den drastischen Eisenmangel meiner einen Oma übersah (Resultat: Krankenhausaufenthalt), den Hausarzt, der den Darmverschluss der anderen Oma als „Verstopfung, normal bei dem Alter“ abtat (Resultat: Krankenhaus, Not-OP, Oberschenkelhalsbruch durch Sturz aus dem Bett auf der Intensivstation direkt nach der ersten OP, drastische Verschlechterung der ohnehin schon vorliegenden Demenz), der Frauenärztin, die meiner Mutter erstmal die Grundlagen der Verhütung erklären wollte als sie hörte „5 Kinder“ (der Jüngste war zu dem Zeitpunkt schon in der Pubertät), bis hin zu dem Hausarzt, der mir rotnasig und nach Zigaretten stinkend gegenübersaß und meinte „tja, Frau Benedicta, sie müssten aber dringend mal was für Ihre Gesundheit tun“. Die lange Reihe von Zahnärzten, die meine Beschwerden wahlweise als mangelnde Mundhygiene meinerseits oder als Pfuscherei des Vorgängers abtaten (bis ich irgendwann durch Zufall selbst draufkam, dass ich knirrsche) ist da nur das I-Tüpfelchen.
    Ich will ja wirklich gerne an das Gute im Arzt glauben – nur bei nem Stand von 1:viele fällt das meinem mathematischen Hirn sehr, seeeeehr schwer.
    (Aber es gibt ja den Zahnarzt… und vielleicht noch mehr, die ich nur suchen muss?)

    Außerdem geht es ja nicht nur darum, jetzt positive Aspekte zu finden, sondern auch ein erstrebenswertes Ideal zu entwerfen – und da fehlt mir einfach das Hintergrundwissen. Ich stelle mich gerne zum Systementwurf zur Verfügung, nur muss vorher halt erstmal eine Bedarfsanalyse gemacht werden – und die kann ich mir ja nicht ausdenken (das würde nix bringen, da kommt nur sowas raus wie in der Gesundheitspolitik, wenn man sich ne Lösung ausdenkt ohne vorher den Experten zuzuhören).

    Benedicta

    21. September 2009 at 14:13

  10. Also bei deeer Vorgeschichte kann ich Deine Blogbeiträge natürlich endlich verstehen. Und genau hier sind wir an „des Pudels Kern“: Jeder hat schon mal, schon mehrfach/ vielfach/ tausendfach aus eigener Erfahrung/ von Freunden/ Verwandten/ Bekannten/ aus der Zeitung/ im Internet oder sonst noch wo her von einem/ mehreren/ vielen Ärzten gehört oder gar erlebt, dass etwas nicht optimal gelaufen ist. Das erleben wir zwar tag-täglich auch in allen anderen Lebensbereichen (wenn ich da so an meinen Computer denke …), aber beim Arzt fällt’s halt auf!

    Und wenn ich jetzt sage „ich tue Gutes“, und wenn meine Patienten mir dies bestätigen, dann müssen das wohl die Anderen sein, die ständig unser Image versaubeuteln! Und das ärgert mich, das stört mich, da halt ich dann nicht meinen Mund …. und schon sitzt das verdatterte nichtmedizinische Volk da, staunt und wundert und ekelt sich!

    Am besten, wir Ärzte halten’s endlich mit den Beamten: wer was tut, macht Fehler; wer nix tut, macht keine Fehler; wer keine Fehler macht, wird befördert! (Übersetz das bitte jetzt mal in’s Medizinische).

    Meinst Du es ist so schön zu arbeiten, dabei – zwangsläufig – Fehler zu machen und deshalb ständig geprügelt zu werden?

    der Landarsch

    21. September 2009 at 15:59

  11. @Benedicta: Es ist doch ganz normal, dass einem nur die Dinge besonders im Kopf bleiben, die nicht so laufen, wie man sich das selber wünscht. Das ist doch nicht nur im Ärztebereich, sondern überall anders auch der Fall.

    Beispiel für mich persönlich: Ich fand mein PJ toll 🙂 . Im großen und ganzen. Es gab unglaublich viele, unglaublich liebe Patienten, meine Kollegen waren bis auf ein, zwei unrühmliche Ausnahmen supernett und ich habe gern da gearbeitet. Aber ganz davon abgesehen, dass das einfach der Normalzustand war und für mich nicht wirklich etwas besonderes bedeutete, dass es zu berichten galt…

    Wer von euch will so etwas lesen? Ein normaler, gut ablaufender Arbeitsalltag hat nun mal einfach wenig spannendes, insbesondere, wenn man nicht nur einen beschreibt, sondern 5 Tage die Woche über mehrere Monate. Da ist es doch viel interessanter, über die Pannen, die kleinen Anekdoten, bescheuerte Patienten und noch bescheuertere Kollegen zu lesen.

    Zumindest geht es mir so 🙂

    sternenmond

    21. September 2009 at 16:56

  12. Da ich ja auch netterweise erwähnt wurde, muss ich auch mal etwas dazu sagen:
    Sicherlich wird, auch bei mir im Blog, des öfteren mal der Eindruck erweckt, es gäbe nur schlechte oder nicht brauchbare Mediziner. Dieses Thema wurde auch bereits in den verschiedensten Beiträgen und Blogs diskutiert. Aber wenn das nicht so oft an der Tagesordnung wäre, würde ich auch nicht so oft davon berichten. Wie Du selbst schon sagst: „Normale“ Einsätze, bei denen alles glatt läuft, sind nicht wirklich interessant, es sei denn, es handelt sich um irgendetwas spektakuläres. Davon kann ich dann zwar berichten, es wird aber vermutlich kaum jemand lesen, weil es eben ziemlich langweilig werden kann. Und eine Diskussion, die ich ja auch durchaus bezwecken will, kommt dann ebenfalls nicht auf.

    Natürlich sind nicht alle Ärzte oder Krankenhäuser schlecht. Aber es wird schon einen Grund haben, warum ich bis heute noch kein Pflegeheim gefunden habe, welches ich später als Altersruhesitz nutzen wollte. Und auch bei den Krankenhäusern in weiter Umgebung bin ich sehr wählerisch, von den Hausärzten ganz zu schweigen. Wir Rettungsdienstler haben eben die Möglichkeit, das ganze mal von der anderen Seite zu sehen und bekommen eben auch (leider viel zu oft) Dinge mit, die der „normale“ Mensch nicht erfährt.
    Und wenn ich solche Dinge dann erlebe und für erwähnens- und diskutierenswert halte, blogge ich sie eben. Leider sind das dann auch oft genug negative Erlebnisse.

    Das soll aber auf keinen Fall heißen, dass ich alle Ärzte, Krankenhäuser etc für absolut schlecht halte. Und ich will mich persönlich da auch sicherlich nicht ausschließen. Jeder macht mal Fehler. Und wer weiß, vielleicht bloggt auch irgendjemand über mich oder andere Rettungsdienst-Kollegen, die irgendwelche Fehler machen. Damit muss man halt leben.

    Aber das „Utopia ärztlicher Zusammenarbeit“ ist wirklich nur eines: utopisch. Dafür ist das Gesundheitswesen leider viel zu verschachtelt und missgebildet, als dass hier in absehbarer Zeit Besserung eintreten könnte.

    Um aber mal einen Anfang zu machen werde ich mir Mühe geben, in nächster Zeit nicht gar so viel über Hausärzte und Co herzuziehen, ok? 😉

    Chris

    21. September 2009 at 17:06

  13. Tja – immerhin versuche ich, meine Vorurteile aufzuarbeiten (das spricht für mich, hoffe ich) 😉

    Der Umgang mit Fehlern ist übrigens auch einer der Punkte, die mich eher negativ beeinflussen – wenn es einen vernünftigen Umgang mit Kritik und einen Verbesserungsprozess innerhalb des Systems gäbe, wärs ja nicht nötig, ständig bloggenderweise Dampf abzulassen.
    Über das Bildungssystem könnte man genauso herziehen – aber da gibt es im System Hebel und Rädchen, an denen man selber drehen kann und man fühlt sich in der Konsequenz vielleicht nicht ganz so hilflos.

    Was mich wirklich fertig macht ist ja auch weniger das Dampf ablassen (das verstehe ich, und die „Bloggenswert-Verschiebung“ der Ereignisse berücksichtige ich natürlich auch), als dass häufig eine totale Hoffnungslosigkeit und Fatalismus mitschwingt – „es ist halt so, wir können eh nichts ändern“. Genauso oft findet sich auch der Ansatz „schuld sind die anderen“ – Introspektive ala „was kann ICH an MIR besser machen“ ist richtig selten, auf Anhieb fällt mir da nur ein Beitrag von Josephine ein.
    Klar wird ein Blogeintrag mit ner Alternativ-Methode nicht so schnell das System reformieren – aber es könnte eine Perspektive bilden, ein Weg aus der Hilflosigkeit. Gelegentlich finden sich ja solche – bei Medizynikus der Beitrag über gutes Fehlermanagement, bei Avialle und in Josephines Tagebuch gibt es Berichte über spannende OPs die gut gelaufen sind, Dienstarzt stellt technische Helferlein vor.

    Und auch wenn niemand 365 Einträge pro Jahr „FriedeFreudeEierkuchen“ lesen will – ab und zu einer wär schon mal nett.

    (Ok, vielleicht liegts an mir, dass ich derzeit so schwarz sehe. Frag mich inner Woche nochmal…)

    Benedicta

    21. September 2009 at 17:30

  14. Schwachsinn – was soll er denn bitte abgerechnet haben. Sorry, aber das ist weltfremd. Er hat von dem Pat. weder die KV-Karte noch die 10€ bekommen. Für die telefonische Beratung, selbst nachts um halb drei bekommt er weniger als 10€. Er wird also den „Fall“ nicht mal aufnehmen – frag für das Geld, nämlich 0,00€ mal Deinen Anwalt.
    Anders als im Rettungsdienst haben die KV-Notdienstärzte zumindest auf dem Land oft 7 Nächte incl. das Wochenende und den Mittwochnachmittag Dienst.
    Wenn ich als Neurologe – und ich „darf“ diese Sch… dienste auch machen – nachts um halb drei angerufen werde, von einem Pat. der so starke Bauchschmerzen hat, dass er meint einen Arzt zu benötigen, dann rufe ich in der Regel auch die Sanitäter und lass ihn ins Krankenhaus fahren. Soll ich vorher hinfahren und mit meinem Röntgen- und Laborblick diagnostizieren welche Art von unklarem Abdomen er nun denn hat? Oder sein Horoskop lesen?
    Ich versteh den ersten Ärger von Medizynicus, aber letztlich bleibt einem medizinisch auch nichts anderes übrig als ins KrH zu schicken. Nur dort hast Du auch nachts Notfall-Labor, Sono, Röntgen, EKG…
    Nix für ungut, aber man muss beide Seiten sehen.
    Man kann auch den Helden spielen wie unlängst ein Kollege: hat bei Bauchschmerzen im Notdienst Omep verordnet zunächst ohne weitere Diagnostik (wie auch vor Ort?). Der Pat. starb kurz darauf am Hinterwandinfarkt. Der Prozess ging nicht gut aus für den Arzt.

    drgeldgier

    21. September 2009 at 18:23

  15. @Benedicta: Da muss ich dir zustimmen; ich hab auch schon unschöne Erfahrungen gemacht. Ich denke, ein Problem ist der Diagnosezwang: statt v.a. wäre eine k.A. (keine Ahnung) für alle besser. Stattdessen wird gemutmaßt und wenn alle Stricke reißen bleibt ja noch die Psychosomatik. Ich bekam diese Diagnose von jedem 2.Arzt statt der richtigen, nämlich atypische Lungenentzündung.
    @Landarsch: Bin selber Beamter in der DV (da hat man nur mit Fehlern zu tun-aber die Fehler enden halt nicht tödlich) und wenn eins selbstverständlich unter meinen Kollegen und mir ist, dann, wenn man etwas nicht kann/weiß, sofort und solange rumfragen, bis man das Problem gelöst hat.

    Beate

    21. September 2009 at 21:33

  16. Benedicta, ich glaub, ich werd mir Mühe geben, dann doch vielleicht mal einen positiven Beitrag zu schreiben….

    Anyway: es gibt so ne und solche. Hätte der Hausarzt es evtl. anders formuliert, hätte unser Medizynicus vielleicht nicht so vergrätzt reagiert.

    Dialogbeispiel:
    HA: Herr Kollege, ich schicke gleich einen meiner Patienten zu Ihnen…

    D(ienst)A(rzt): Was hat er denn?

    HA: Nach den Beschwerden, die er mir telefonisch beschrieben hat, handelt es sich um ein akutes Abdomen. Er hat in den letzten Tagen vermehrt über „Bauchschmerzen“ geklagt, Ursache unklar, sonographisch nichts festzustellen (blablubb, ich bin keine Internistin), ich habe ihm allerdings geraten, sich bei akuter Verschlechterung zu melden. Nach seiner Beschreibung (und meiner persönlichen Einschätzung des Patienten) ist es durchaus im Rahmen des Möglichen, dass er von vornherein bei Ihnen besser aufgehoben ist, als wenn ich jetzt erst 20km über Landstraßen durch die Nacht zum Patienten fahre und ihn dann einweise.

    Schwupp, schon ist ne ganze Menge Bauchpinselei gelaufen, der Kollege ist seinen Patienten doch losgeworden und der DA ist zwar immer noch wach, aber zumindest schon mal darauf eingestellt, dass da jemand kommt, der unklare Beschwerden hat. Wenn sich das dann als harmlos entpuppt, kann man den Patienten immer noch nach Hause schicken und darf den HA am nächsten anrufen und ihm mitteilen, dass der Pat. zur Kontrolle vorbeikommen wird….

    Zumindest mir nimmt man damit ziemlich den Wind aus den Segeln, umgekehrt habe ich es auch erlebt, dass die Kollegen ganz dankbar waren, wenn ich sie FREUNDLICH!!! darauf vorbereitet habe, dass wir einen Patienten, auch mitten in der Nacht, vorstellen werden.

    psychodoctrix

    21. September 2009 at 22:07

  17. Ich kann ja verstehen, daß diese Dienste alles andere als schön sind, vor allem, wenn man nachts rausgebimmelt wird. Aber es kommt, wie Psychodoctrix weiter unten auch sagt, immer auf den Ton an. Und auch nachts um 3 sollte es möglich sein, eine halbwegs brauchbare Diagnose zu stellen und den Patienten wenigstens zufriedenstellend und halbwegs kompetent wirkend im Krankenhaus anzumelden.

    Chris

    21. September 2009 at 23:05

  18. Naja … nehmen wir mal an Medizynikus hat sich gleich am anderen Morgen den Ärger vom Leib geschrieben, oder wollte mit etwas Polemik Kommentare in seinem Blog provozieren. Beides ist verständlich, ersteres auf einer menschlichen Ebene, lerzteres im dialektischen Sinne.

    Sachlich ist die Überschrift natürlich ganz und gar falsch. Viele Hausärzte sind für ihre Patienten telefonisch rund um die Uhr erreichbar. Dass der Hausarzt im Post garnicht (KV)-Dienst hatte, ist also anzunehmen. Darüber hinaus wird er am Tag zuvor 10 bis 12 Stunden gearbeitet haben und ein ebenso langer Tag wartete am anderen Morgen auf ihn.

    Medizynikus aber hatte Dienst, dass er dabei geweckt und auf diese Art „belästigt“ wird ist die Regel und Sinn der Sache. – Passiert mir in jedem meiner 6 bis 10 Nachtdienste pro Monat.

    Faule Hausärzte mag es geben (so wie es eben faule Chirurgen, Internisten und Regentage gibt). Aber die Mehrzahl macht ihre Arbeit sehr gut und klärt ca. 90% der Fälle ohne Spital. D.h. in dieser Nacht haben neun andere Medizynikus nicht geweckt. Dass Hausärzte 24h sieben Tage die Woche Hausbesuche machen, soweit ist es (noch) nicht. Dieser Anspruch klingt im Post und in einigen Kommentaren zwar durch, er ist aber ganz klar masslos und überzogen.

    Noch eine Anmerkung zum Vorwurf in unseren Blogs sei immer alles so negativ, dass das Vertrauen zu Ärzten dadurch zerstört würde:

    Es ist wie mit allen Informationen im Web, man muss sie kritisch hinterfragen und in den richtigen Kontext einbetten. Es gibt Ärzteblogs für Ärzte und es gibt solche für Patienten. Beispielsweise bei meinem steht sogar obe links ausdrücklich, dass er ausschliesslich für junge schweizer Assistenzärzte gedacht ist. Das bedeutet nicht, dass ihn niemand anderes lesen darf, aber in diesem Kontext muss man das dort gesagte sehen.

    Darüber hinaus darf man Interna, die man als Patient früher nie gahnt hätte, nicht überbewerten. Es ist ein bisschen, wie wenn man mal in einer Restaurantküche gearbeitet hat. Man kennt dann Details, die einen Restaurantbesuch etwas „pikanter“ machen, man wird aber trotzdem nicht in jedem Salat Kakerlaken sehen …

    Dienstarzt

    22. September 2009 at 07:15

  19. Der Vergleich mit der Restaurantküche ist ein gutes Argument (und eigentlich genau der Grund, warum ich Ärzteblogs lese). HAT man nämlich Hintergrundinformation auf dem Gebiet der Lebensmittelzubereitung, dann gewinnt man einen ganz anderen Respekt vor der Arbeit die da drinsteckt. Ein Teller (gut gemachte) Spaghetti Bolognese sind dann auf einmal auch 10 (oder mehr) Euro wert – weil man weiß, dass da Arbeitszeit, Miete, Geschirr, … mit drinsteckt und das blöde Argument „10 Euro? Die paar Spaghettis kosten doch bloß ein paar Cent, und Hack und Gemüse gibts beim Aldi auch ganz billig!“ ist plötzlich als Luftnummer entlarvt.

    Ich hab gestern noch ganz schön lang gegrübelt, was mich eigentlich so auf die Palme gebracht hat – denn ganz fair war ich ja auch nicht (ich hab ziemlich auf der negativen Seite übertrieben).
    Momentan ist meine Arbeitshypothese die: ich bin jemand, der sich gerne einbringt und etwas zum Positiven verändert. Ungute Bedingungen auszuhalten fällt mir sehr schwer – und meistens kann ich dann doch was ändern (und sei es nur meine Einstellung). In der Diskussion mit Medizinern (auch persönlich, im Bekanntenkreis) kommt aber eigentlich immer „da kann man nichts tun“. Diese Bankrotterklärung widerstrebt mir im Innersten – die steht allen meinen Überzeugungen komplett entgegen. Und oft läuft es dann auf folgende Patt-Situation hinaus: Mediziner selber sehen sich in der Opferrolle, in der sie nichts ändern können, sobald aber jemand von außen Verbesserungsvorschläge macht geht der große Aufschrei durch die Medizinerwelt „nein! der hat doch keine Ahnung! so geht das nicht!“. Ein bisschen wie auf Manderlay

    Benedicta

    22. September 2009 at 15:20

  20. …tja, damit habe ich ja vielleicht etwas angerichtet! 🙂
    Manchmal hat man wirklich den Eindruck als sei der Hausarzt der natürliche Feind des Krankenhausarztes, der Chirurg der natürliche Feind des Internisten und so weiter…

    @Dienstarzt: Natürlich war es am Anfang erstmal eine patzige Reaktion auf den patzigen Spruch des einweisenden Hausarztes… Dampf ablassen, war schon richtig.

    @Benedicta: Danke für die differenzierte Betrachtungsweise – natürlich gibt es auch gute Hausärzte.

    @an alle Hausärzte, die hier mitlesen: Wie haltet Ihr das denn so mit nächtlichen Anrufen und Einweisungen, ohne den Patienten zu sehen?

    medizynicus

    22. September 2009 at 17:02

  21. So ich geb dann auch mal etwas dazu:
    So wie Chris das schon so schön schrieb über gute Ärzte berichten wie Rettungsdienstler auch selten….

    Wie soll man sagen: Es gibt in jedem Bereich Leute die ihren Job gut oder schlecht machen. Gilt übrigens auch für meinen Rettungsdienst…

    Ich habe auch schon positive Beispiele gesehen wie zb: einen Kardiologen der einen Patienten mit Hinterwandinfarkt in seiner Praxis hatte, dann den Rettungsdienst gerufen hat und nebenbei mit einer guten Standardmedikation begonnen hat. Leider hatte es in diesem Einsatz irgendwo einen Kommunilkationsfehler gehabt und daher standen wir nur als Rtw vor Ort und der nächste Notarzt hätte 20 Minuten gebraucht, woraufhin der Kardiologe seine ganze Praxis stehen lies, Medikamente inepackte und mit uns ins Kh fuhr…. Mir leuchten heute noch die Augen wenn ich das erzähle ;D

    Naja negativ Beispiele hab ich auch zu Hauf, aber wie soll man sagen: Man muss das beste daraus machen und seither gucke ich natürlich für meine Familie und meine Verwandschaft komplett mit was die Krankengeschichten angeht….

    gr3if

    22. September 2009 at 22:34

  22. Wie sichs in der Diskussion herauskristallisiert hat: wenn der Patient schon signalisiert (entweder durch seine Wortwahl oder durch entsprechend beschriebene Symptome), dass er/sie wegen „massiver Beschwerden“ sofort/dringend untersucht/abgeklärt/behandelt werden muss/will, dann ist ein Hausbesuch von vorne herein überflüssig, egal ob bei eigenem Patienten oder im Bereitschaftsdienst.

    Wenn natürlich einer ins Telefon pampert „seit 3 Wochen krank, will sofort einen Arzt sehen“, dann gehe ich selbstverständlich hin – nachdem ich schön langsam wach geworden bin, mich noch umfassend stadtfein gemacht habe und dann alle Verkehrsregeln (Geschwindigkeits-Beschränkungen) peinlichst genau beachtet habe. Und dann erzähle ich ihm mit bedenklichem Blick, dass er unbedingt ins KH müsse – bei deeeen Beschwerden!

    Beim Kollegen macht’s tatsächlich (@ psychodoctrix, vielen Dank) die Wortwahl. Aber Nachts um drei …. da ist jeder bäh, da sollte man wirklich kein Wort auf die Goldwaage legen!

    der Landarsch

    23. September 2009 at 08:36


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