Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Von der Schwanzgröße der Chirurgen

with 11 comments

Nachdem die Diskussion um diesen Beitrag von Sternenmond in den letzten Tagen wieder aufgeflammt ist, muss ich doch noch eine kleine Geschichte zum Besten geben.
Ort der Handlung: Notaufnahme des Kreiskrankenhauses Bad Dingenskirchen, wie üblich.
Die Akteure: Frau X. mit Bauchschmerzen und schlechten Venen, Dr. Medizynicus, und last not least unser allgemein bekannter chirurgischer Oberarzt Dr. Biestig.
* Vorhang auf *
Auftritt Patientin und Dr. Medizynicus. Patientin stöhnt vor Schmerzen, hat ihren linken Arm von sich gestreckt. Auf dem rechten Arm und Handrücken prangen bereits zahlreiche Pflaster. Der Fachmann erkennt: Hier hat jemand mehrfach vergeblich versucht, einen venösen Zugang zu legen.
Dr. M. steht angestrengt über Frau X.’s linkem Arm gebeugt, Schweißperlen stehen ihm auf der Stirn.
Endlich! Ein Freudenschrei! Dr. M. fühlt sich wie ein Goldgräber, der irgendwo in Klondike nach jahrelanger vergeblicher Schürferei endlich auf eine Goldader gestoßen ist. Er hat eine Vene gefunden, die Nadel liegt und die Infusion läuft. Dr. M. ist glücklich.
* Auftritt Dr. Biestig *
Mit offenem Kittel über blutbefleckter OP-Kluft stürmt er herein, in der einen Hand die Kaffeetasse, in der anderen Hand… nee, keine Zigarette, das traut selbst der sich nicht, aber sein Atem riecht eindeutig nach gerade beendeter Rauchpause.
Kurzer Blick auf die Patientin, dann auf Dr. M.
„Bist Du schwul, oder was?“
Dr. M. wird rot (nein, ich bin nicht schwul!).
„Wieso?“
„Die Nadel!“
„Was ist mit der?“
„Die Farbe!“
„Ist rosa…“
„Also Junge, ich sage Dir mal etwas: Rosa ist was für Schwuchteln. Grün ist für Internisten, Warmduscher und andere Weicheier. Ein Chirurg nimmt weiß. Okay?“
Sagt’s und ist auch schon wieder draußen.
Und Dr. M. ist wieder mal sprachlos.

p.s.: für Nicht-Insider: Die Farben stehen für die unterschiedlich großen Durchmesser der Nadeln. Eine weiße Kanüle ist also ein ziemlich dicker Brummer –

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Written by medizynicus

28. Oktober 2009 um 13:31

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

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11 Antworten

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  1. Eine „Weiße“ ein dicker Brummer??!! 😉 Das darfst du aber nicht sagen, wenn ein Gasmann in der Nähe ist. 😉

    Aber die Diskussion der Nadeldicken ist wahrscheinlich schon so alt wie der blutige Aderlaß. Von „Rosanülen verboten“ bis „Wo Grün passt, passt auch weiß“ gibt es bestimmt noch mehr Sprüche die mir gerade nicht einfallen.

    Ansich gibt es nur eine Regel, es muss rein was gebraucht wird, für mich ist das Grün oder Orange, je nach Bedarf. 😉

    Und ob die eine Fachrichtung das wirklich besser kann, als die andere, da bin ich mir nicht ganz so sicher. Zwar sind gerade Anästhesisten für „Komplettverrohrungen aller Art“ zuständig, bei uns auch gerne als Konsil, aber für die Einleitung was kleines Legen und danach dann Interna, ZVk o.ä., das ist ja jetzt auch nicht schwerer als diese ausgetrockneten Ömschen in der Inneren.

    Doc Brown

    28. Oktober 2009 at 14:11

  2. ich arbeitete knapp 3 Jahre in einer neurologischen Frühreha mit Apallikern, die dann schon monatelang lagen und so gut wie alle Venen hinüber waren. Bei uns waren oft selbst die Anästhesisten froh, wenn man in den zerstochenen, aufgedunsenen, spastsichen Armen noch eine rosa- und manchmal sogar eine blau-(ich weiß die baby-nadel)flarbige Kanüle versenken konnte.

    drgeldgier

    28. Oktober 2009 at 19:44

  3. Ein verbindendes Merkmal von Arztblogs scheinen reproduktionsorientierte Organvergleiche zu sein. Das Schaffen eines venösen Zugangs als Sublimation von etwas, was man besser gar nicht wissen will, spannend. Ich bin kein Psychiater, bloss ein Spötter und würde mich wirklich gern beteiligen, aber meiner ist einfach zu klein, um hier mithalten zu können 🙂

    piratedoc

    29. Oktober 2009 at 01:01

  4. Dr.House lebt. Unter uns. Unter uns Bloggern, sozusagen.
    🙂

    Wie gut, dass ich den Blog/das Blog, ach was: „ES“ hier entdeckt habe. Ich amüsiere mich gerade königlich.

    Viele Grüße
    Paradingenskirchen.

    paradalis

    29. Oktober 2009 at 07:17

  5. Lol, naja Witzig wars schon irgendwie 🙂

    Wenn auch doof, aber dennoch 😀

    DeserTStorM

    29. Oktober 2009 at 12:10

  6. Ja brutal…war weiss wirklich Weiss oder Creme- bis Elfenbeinfarben?

    Ich verwende hier eher Blaugrau bis Purpur, haengt aber mit meinem Fachgebiet des Perforierens zusammen, mit Rosa reiss ich da garnix, gnihihi.

    Es gruesst das Schaaf

    Voodooschaaf

    29. Oktober 2009 at 23:47

  7. Nun ja, man sollte vielleicht auch Anästhesisten nicht als „Freischaffende“ im hausärztlichen Bereitschaftsdienst einplanen. „Alles kleiner als grau ist keine Nadel“ ist zwar ein Wort (und hat auch immer funktioniert), aber ob das für die Patienten immer das reine Vergnügen war?

    -thh

    30. Oktober 2009 at 18:58

  8. Anästhesisten oder Chirurgen? 😉

    Doc Brown

    30. Oktober 2009 at 19:13

  9. Also, aus eigener Erfahrung (die ich am eigenen Arm erleben durfte), kann ich sagen: Chirurgen sind unter den Aerzten so ungefaehr die schlechtesten Braunuelenleger ueberhaupt (von wenigen Ausnahmen abgesehen). Die greifen auch oefter mal zur blauen Baby-Nadel oder sagen so Saetze wie: Kann ich mir mal die Venen an Ihrem Fuss anschauen? Wers richtig gut kann: Nephrologen und Anaesthesisten.

    premiumpatientin

    31. Oktober 2009 at 02:49

  10. […] 9 Kommentaren Da die „Schwanzgröße“ mit einer gewissen Zuverlässigkeit immer wieder unter meinen Suchbegriffen auftaucht, hier also […]

  11. *loooooooooooooool* – Gut zu wissen, wie das mit den Farben der veneösen Zugänge funktioniert und was dahintersteckt.

    VhG

    Andrea

    rosenyland1984

    12. Oktober 2011 at 16:22


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