Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

von den kleinen weißen Pillen

with 17 comments

Auch so’n Dauerbrenner, immer wieder gerne gesehen:
Ort der Handlung: Notaufnahme des Kreiskrankenhauses Bad Dingenskirchen.

Anmerkung:
Der folgende Dialog wurde ins Hochdeutsche übersetzt. Im Original muss man sich die Antworten der Patientin wahlweise in tiefsten plattdeutsch, rheinisch, sächsisch, schwäbisch, ober- oder niederbayrisch vorstellen

Akteure: Eine kleine, ältere (ca. 85 Jahre) und leicht verwirrte und bislang unbekannte Dame.
Worum geht’s?
„Ja, ich kann halt nicht mehr so…“
Was denn genau?
Hierbei drückt sich die Dame ein wenig – sagen wir – unpräzise aus. Sie scheint es selbst nicht so genau zu wissen. Okeeeh, dann gehen wir halt systematisch vor.
Ein Anfänger würde jetzt fragen: Bestehen irgendwelche Vorerkrankungen? Aber die Antwort auf diese Frage ist vorauszusehen, sie wird in einem glasigen und veständnislosen Blick bestehen. Der Profi fragt daher anders:
„Haben Sie ihre Tabletten dabei?“
Ungläubiges Staunen.
Strafender Blick meinerseits.
Kleinlautes Murmeln.
„Ja, die habe ich jetzt gerade nicht dabei…“
„Was nehmen Sie denn?“
„Ja, ziemlich viel…“
„Was denn?“
„Ja, die kleinen Weißen… und dann die Runden… dann die fürs Herz, und für den Blutdruck, und die für den Zucker und die Wassertabletten…“
Danke schön, damit hat sie mir schon sehr viel weiter geholfen. Immerhin kann man jetzt schon eine Menge Diagnosen eintragen….

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Written by medizynicus

29. Oktober 2009 um 10:52

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

17 Antworten

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  1. Datenschutz hin oder her, das sind doch immer wieder die Fälle, in denen man sich die auf der Versicherungskarte gespeicherte Krankenkarte wünscht, oder? 😉

    Kathy

    29. Oktober 2009 at 11:56

  2. Noch schöner:
    Patient:“ Ich nehme kleine weiße Tabletten, graue Tabletten, blaue Tabletten und Kapseln.“
    ER (auf Diagnosen hoffend): „Und warum nehmen Sie diese Medikamente?“
    Patient: „Weil sie mir der Arzt verordnet hat.“

    BTW: Seeehr hübscher Blog! 😉

    *ER*

    29. Oktober 2009 at 12:14

  3. Das ist überall gleich!

    „Schwester, kann ich noch ein Rezept haben?“

    „Klar, was brauchen sie denn?“

    „Die kleine rosa Tabletten mit der Rille drin!“

    Erst ungläubiges Schauen, gefolgt von schallendem Gelächter war die Reaktion meines Chefs, als ich ihm dieses Rezept zur Unterschrift vorlegte…

    Michaela

    29. Oktober 2009 at 12:19

  4. Hm du musst aber ein schlechter Arzt sein, wenn du die kleinen weißen nicht kennst. Und die Runden erst, die kenn ja sogar ich 😀

    DeserTStorM

    29. Oktober 2009 at 13:07

  5. Ich nehm zur Zeit die länglichen, etwas größeren Weißen. Und so kleine, flache Braune auch.
    Ach ja, und so Tropfen, aber die sind farblos.

    Kann ich die kombinieren, oder habe ich mit Nebenwirkungen zu rechnen? xD

    Hermione

    29. Oktober 2009 at 16:51

  6. Tja als Facharzt hat man den Luxus, dass JEDER Patient, der vom Hausarzt überwiesen wird, ein aktuelles Medikamentenverordnungsblatt mitbringt, das genauestens jedes Medikament mit aktueller Dosis und Einnahmezeitpunkt enthält. Darüber hinaus legt jeder Patient natürlich unaufgefordert, die vom Hausarzt mitgegebenen relevanten Vorbefunde vor incl. aktuelles Labor vor, so wie es auch im SGB V als Pflicht des koordinierenden Hausarztes steht. Deshalb hat der Hausarzt auch ein Recht nach 2 Tagen anzurufen und zu fragen, wo denn nun endlich mein Bericht bleibt.
    Ihr sehr ich habs gut, gell? Zumindest im Traum …
    … bzw. in ca. 1 von 10 Fällen

    drgeldgier

    29. Oktober 2009 at 17:40

  7. Auch immer wieder gern genommen, der vorwurfsvolle Blick, wenn man die kleinen weissen nicht kennt … 😉

    Doc Brown

    29. Oktober 2009 at 19:02

  8. Kicher.
    Die hab ich im RettDienst auch sehr gern… Die rosaroten kleinen und die rosaroten großen länglichen Tabletten… Immer wieder herrlich!

    Mayla

    29. Oktober 2009 at 21:02

  9. PS: Besonders doof war das auch mal, als sich die Enkelkinder an der Tablettendose der Oma vergriffen hatten und wir wegen der möglichen Intox als RTW dazukamen und dann auch fleißig geraten haben, was denn die gelben, weißen und roten Pillchen gewesen sein könnten, die die Kids gelutscht hatten… Puh.

    Mayla

    29. Oktober 2009 at 21:03

  10. Da gab es doch irgendwann irgendwo mal so ein Übersichtsposter: Was ist Tablette, und was ist Bonbon.

    Abgesehen habe ich in einer Apotheke wirklich einmal ein dickes „Bestimmungsbuch“ gesehen, in welchem die wichtigsten (oder alle?) Tabletten nach Farbe, Form und Größe geordnet abgebildet waren…

    medizynicus

    29. Oktober 2009 at 21:31

  11. Diese Bestimmungshilfe gibts auch online:

    http://www.gelbe-liste.de/pharmindex/identa/suche/

    Hermione

    29. Oktober 2009 at 22:28

  12. Sowas! DAFÜR studiert man 10 Jahre Medizin und dann kann man nicht mal sagen, welches Medi ich genommen habe, selbst wenn ich die Farbe, Grösse und sonstwelches Aussehen beschrieben habe?! Quacksalber aber auch… 😉

    eyeit

    30. Oktober 2009 at 00:02

  13. Tjahaaa, Da hättest Du halt auch noch den Geschmack beschreiben müssen! *g*

    Hermione

    30. Oktober 2009 at 10:16

  14. Bizarrer Artikel 🙂

    Eisenmangel - Team

    30. Oktober 2009 at 10:51

  15. Bekommen Ärzte eigentlich mit der Zeit eine ebene Fläche auf der Stirn vom dauernden Knallen auf die Tischkante als Reaktion auf Patientenbonmots? Wenn ja, dann müsste die Regierung aber über eine Sondervergnügungssteuer für Mediziner nachdenken.
    😉

    buchstaeblich

    30. Oktober 2009 at 15:02

  16. Meine lieben Fachleute,

    bevor ihr in Selbstmitleid versinkt –

    zeigt mir EIN Krankenhaus, das seine Patienten über die Tabletten informiert – nein, nicht die Liste für den Hausarzt – alles, was beim Aufenthalt verabreicht wurde.

    Hubert

    30. Oktober 2009 at 22:11

  17. herr doktor,
    guten tag, habisch mal ganz andere frage: kennst du gute zahnarztblog? Ich versteh nicht was ein implantat ist und wie das geht. Is brücke besser? Brauch ich unabhängige meinung. im tausch könnte ich ein paar unregelmäßige verben anbieten.
    gruß
    ff mit zerlöchertem gebiss

    fraufreitag

    30. Oktober 2009 at 23:44


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