Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Wie man einen Illegalen verarztet (Teil 2)

with 7 comments

Wir verfrachteten Quasim in den altersschwachen Opel und brachten ihn in unsere WG.
Meine Mitbewohnerin versorgte ihn mit Kamillentee während ich hektisch in der Gegend hektisch telefonierte.
Meine Rettung war Thomas.
Thomas war ein paar Semester über mir und schon im PJ. Auf Station sprachen die Patienten ihn manchmal mit „Herr Doktor“ an. Kurz nach Mitternacht war er bei uns.
Er schaute in Quasims Hals, horchte die Brust ab und machte ein ernstes Gesicht.
Anschließend hielten wir in unserer Küche Kriegsrat.
„Könnte eine Lungenentzündung sein!“
„Und was machen wir jetzt?“
„Wir sollten ein Röntgenbild machen und Blut abnehmen…“
Mr. Pferdeschwanz schüttelte den Kopf.
„Geht leider nicht!“
Mit knappen Worten erklärte er die Situation.
Thomas seufzte.
„Dann müssen wir ihn halt so behandeln. Er braucht ein Antibiotikum!“
„Woher bekommen wir das?“
„Aus der Apotheke. Aber wir brauchen ein Rezept.“
„Würden sie Dir das nicht auch notfalls ohne Rezept herausrücken?“
„Wenn ich einen Arztausweis hätte, dann schon. Aber ich bin ja noch Student.“
„Kannst du nicht aus dem Krankenhaus etwas mitbringen?“
Thomas wurde rot.
„Die Medikamente sind in einem verschlossenen Schrank!“
„Und Du könntest nicht…?“
Mr. Pferdeschwanz machte die Bewegung des Klauens.
„Zumindest nicht vor morgen früh!“
„Könnte ich nicht mit meiner Krankenkassenkarte zum Arzt gehen?“ fragte Annette.
Thomas schüttelte den Kopf.
„Du bist doch nicht krank!“
„Wenn ich sage, ich brauche ein Rezept für meine Oma?“
„Dann will der Arzt Deine Oma sehen! Alles Andere wäre Betrug. Dann wäre es besser, den Arzt einzuweihen und mit offenen Karten zu spielen.“
Mr. Pferdeschwanz und Annette schüttelten beide den Kopf.
„Irgendwas müssen wir tun,“ sagte ich, „Ich habe eine Idee…“
Und wenig später saßen wir wieder alle gemeinsam in dem altersschwachen Opel.

  • Anfang der Geschichte
  • Fortsetzung
  • Written by medizynicus

    26. November 2009 um 00:22

    7 Antworten

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    1. „Du bist doch Student.. da hast du doch Zugang zu Schimmelpilzen!“ *MacGyver-Melodie*

      Hätte ein paar Ideen, wie man rankommen könnte. Bin gespannt.

      NK

      26. November 2009 at 00:45

    2. Premiumpatientin weiss aus ihrer langen Erfahrung ganz genau, wie man ganz schnell auch ohne krank zu sein an ein Antibiotikum kommt. Mal schaun, ob Medizynicus in seinen jungen Jahren auch solche latent kriminellen Zuege hatte…im Krankomat wartet man mit Spannung.

      premiumpatientin

      26. November 2009 at 02:09

    3. @Premiumpatientin: Da gehört ja wohl echt nicht viel dazu. Es gibt ersten Ärzte die bekannt dafür sind für jeden kleinen Scheiß ein Antibiotikum zu verschreiben, da kann ich hingehen, bisschen klagen und habe eins.

      Ebenso zum Arzt, Nase seit 2 Wochen angeblich zu, schlecht luft, Kopfschmerzen in der Stirn usw. Er klopft bissi am Kopf und neben der Nase rum – Stinhöhlenentzündung – Antibiotika 🙂

      Vielleicht haben die beiden Hippies aber auch irgendwo noch ne tolle Heilpflanze aus der Medizynicus was braut?

      Wird er die Pferdeschwanzfrau noch rumbekommen? Schafft es der Opel durch den TüV? Diese und andere Antworten in der nächsten Folge 😀

      DeserTStorM

      26. November 2009 at 09:28

    4. @Desertstorm: Jaja, ich weiss. An ein Antibiotikum zu kommen ist wirklich nicht schwer. Wer uebrigens das Kopfklopfen verhindern will, geht am besten in eine ueberfuellte Notaufnahme und sagt noch: Ich hatte das schon mal, da hat mir dieses und jenes Antibiotikum gut geholfen, und schon hat mans in der HAnd und wird nach hause geschickt.
      Ich wuerde es aber uebrigens viel cooler finden, wenn Medizynicus irgendwo einbrechen wuerde. Mit Handschuhen und MAsken und so. Gibts zur Not ja auch im OP-Saal.

      premiumpatientin

      26. November 2009 at 10:21

    5. Nee: Medizinycus stammt aus einer Arztfamilie und fragt mal lieb bei Mama.

      Solotoj

      26. November 2009 at 14:23

    6. Einbrechen wäre echt cool 🙂

      Aber den weißen Kittel vorher ausziehen, das sieht man so sehr!

      DeserTStorM

      26. November 2009 at 16:36

    7. Wartet ab, Leute!

      medizynicus

      26. November 2009 at 17:10


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