Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Archive for November 2009

Suchbegriffsammelsurium

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Wenn’s alle tun, dann tu ich das auch. Was hatten wir denn da Schönes?

— stopp — was tun wenn die kollegin sich auszieht — stop — verliebt in kranke patientin — stop — arzt verliebt medizynicus — stop — 2,7 promille komm ich jetzt in knast — stop — rauchen aus dem arsch — stop — lehrkörperdingenskirschen — stop — ch habe den bh für nen jungen ausgezoge — stop — kann mir mein hausarzt sensoren rationie — stop — wie ungesund ist kippen rauchen — stop — gewissens bisse diktat — stop —

sprechen für sich, oder? rauchen aus dem arsch fand ich gut. Es ist nämlich seit jeher meine festen Überzeugung, dass Rauchen was für den Arsch ist.

Written by medizynicus

21. November 2009 at 08:40

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Haben Sie mal eine Herztablette?

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Freitag Nachmittag, sechzehn Uhr.
Medizynicus macht sich auf, um ins Wochenende zu starten. Er hat sich schon umgezogen und ist nur noch einmal kurz in die Stationsküche zurückgekehrt um mit Schwester Anna ein wenig Smalltalk zu machen und ein wenig mit Jenny zu flirten.
„Schwester?“
Eine männliche Stimme vom Dienstzimmer nebenan.
Jenny geht rüber und Medizynicus wirft ihr einen kurzen Blick hinterher. Ein stabil gebauter Typ steht da in der Tür. Fleckiges Holzfällerhemd, Cordhose, wettergegerbte Haut, schlechte Zähne und allmählich schon schütter werdendes Haar.
Jenny kommt zurück.
„Du, kannst Du mal kommen…?“
Der Enddreißiger nimmt seine Mütze ab, senkt seinen Blick und streckt mir die rechte Hand entgegen.
„Guten Tag, Herr Doktor. Hätten Sie vielleicht eine Herztablette?“ sagt er höflich.
„Wie bitte?“
„Eine Herztablette! Sowas muss es hier doch geben!“
„Ähem… ja… worum geht’s denn genau?“
„Um meinen Vater.“
Der Vater ist um die Achtzig und eigentlich nur Besucher, aber er ist fast Tag und Nacht hier um bei seiner Frau sein zu können. Seine Gattin, das ist die Frau Einödsbauer, welche wir doch noch nicht entlassen haben, weil sie hier auf Station plötzlich einen fieberhaften Infekt bekommen hat. In Einödshofen geht seitdem das Gerücht um, es handele sich um die Schweinegrippe. Ist es aber nicht. In Wirklichkeit ist es nur eine ganz normale Pneumonie, wobei fraglich ist, welche von den beiden wohl mit größeren Gefahren einhergeht.
„Aha?“
„Dem Vater, dem geht’s gerade nicht so gut.“
Eigentlich habe ich jetzt Feierabend. Eigentlich bin ich gar nicht mehr hier. Sarah hat Dienst. Wo steckt die bloß?
„Was fehlt ihm denn?“
„Ich glaube, er hat einen Herzanfall!“
Ich werfe Jenny einen vielsagenden Blick zu.
Zehn Minuten später liegt Herr Einödsbauer Senior auf der Intensivstation.
Es war tatsächlich ein akuter Vorderwandinfarkt. Und jetzt warten wir auf den Hubschrauber, der ihn in die Uni-Klinik Weissgottwohausen zur Coronarangiographie bringt.
So weit weg von Einödshofen… das war er in seinem ganzen Leben noch nicht.

Written by medizynicus

20. November 2009 at 20:33

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Ein Herz für Blogs: Krankomat

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Zweifache Arztexfreundin, Studentin der Finnougristik und Koptologie (Wenn’s denn wahr ist) und Diplom-Patientin vom Fach der Klrexytchtxeratorose (was auch immer das sein mag): Das ist die Premiumpatientin.
In ihrem Blog erzählt sie von ihrer wahren Liebesgeschichte (die Story von Medizynicus ist ja erstunkunken und erlogen… schluck) mit Siegfried, dem Chirurgen und ist voll des Lobes für ihren Hausarzt Superdoc (so’n Typ ein bißchen wie Medizynicus, vielleicht nicht ganz so nett).
Als investigative Journalistin berichtet sie über Schmutzige, geheime und verbotene Geschichten aus dem Krankenhaus.
Und demnächst gibt’s nen Adventskalender.
Ich bin schon gespannt.

Written by medizynicus

19. November 2009 at 23:20

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Wann darf man einen Patienten duzen?

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In Einödshofen ist man untereinander per Du. Die zwei handvoll Dorfbewohner sind eh alle miteinander verwandt oder verschwägert. Überall sonst gilt das höfliche Sie als Umgangsform der Wahl zwischen erwachsenen Menschen, welche einander nicht sonderlich gut kennen und nicht zu nahe kommen möchten.
Wer einander siezt, will Distanz bewahren, aber trotzdem höflichen Respekt zeigen.
Genau das will ich von Patienten. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, will ich mit meinen Patienten im Privatleben nach Möglichkeit nichts zu tun haben. Deswegen werden alle Patienten gesiezt. Konsequent.
Es gibt Kollegen, die sind nicht so konsequent. Oberarzt Biestig zum Beispiel duzt die meisten Leute von …sage wir mal eher einfach gestricktem sozialen Background, wie zum Beispiel Fusel-Franze und die anderen Park-Bankiers.
So richtig korrekt ist das nicht. Finde ich wenigstens.
Einige jüngere Krankenschwestern duzen gleichaltrige Patienten. Das ist okay. Zumindest dann, wenn die Betreffenden sich von den Patienten auch duzen lassen.
Ich duze nur Kinder.
Die kleinen und die Großen. Aber bei großen Kindern ist das so eine Sache… und oft bin ich mir nicht sicher: bis wann ist ein Kind ein Kind?
Bis sechzehn?
Fünfzehn?
Vierzehn?
Ich glaube, die meisten Vierzehnjährigen würden einen ziemlichen Aufstand machen, wenn man sie wie ein Kind behandelt, obwohl sie das, streng genommen wirklich noch sind.

(was meint denn eigentlich die Expertin dazu?)

Written by medizynicus

18. November 2009 at 23:53

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Nie beim Arzt gewesen

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Dicke Wollstrümpfe, Kittelschürze und Kopftuch: Die Patientin sieht aus wie einem Heimatfilm der siebziger Jahre entsprungen.
Sie kommt aus Einödshofen.
Einödshofen liegt hinterm Wald, etwa zehn Kilometer von Bad Dingenskirchen entfernt. Drumherum ist ziemlich viel Lanndschaft. Genau eine Straße führt in das Dorf hinein und das beste an dieser Straße ist, daß sie auch wieder hinausführt: hinaus in die große weite Welt, aber dorthin will niemand, der in Einödshofen wohnt.
Wer in Einödshofen wohnt, der bleibt dort.
Und weil es in Einödshofen keinen Arzt gibt, geht man auch nicht hin.
„Wissen Sie, ich war seit vierzig Jahren nicht mehr beim Arzt…,“ sagt die Endsiebzigerin, „und ich wäre auch heute nicht gegangen. Aber meine Enkelin meinte, ich sollte mal doch…“
„Was fehlt Ihnen denn?“
„Ja, der Bauch tut mir halt ab und zu weh…“
Ab und zu?
Seit Jahren schon!
Und immer so schlapp fühlt sie sich, und schwindelig ist ihr. Und abgenommen hat sie, über zehn Kilo im letzten halben Jahr.
Muss ich erwähnen, dass die Patientin eine ganz ungesunde gelbe Gesichtsfarbe hat?
Muss ich erwähnen, dass die Leber so stark vergrößert war, dass man sie nicht nur fühlen sondern fast schon durch die Haut sehen kann?
Muss ich erwähnen, dass die Patientin ein fortgeschrittenes und mehrfach metastasierendes Dickdarm-Karzinom hat?
Morgen oder übermorgen werden wir sie wieder entlassen.
Zurück nach Einödshofen.
Zum Sterben.

Written by medizynicus

17. November 2009 at 10:43

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Schwanzgröße: Fünf Fakten

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Da die „Schwanzgröße“ mit einer gewissen Zuverlässigkeit immer wieder unter meinen Suchbegriffen auftaucht, hier also ein paar nützliche Fakten zum Thema für diejenigen, die danach suchen:

  • Gemäß einer 1996 im „Journal of Urology“ veröffentlichten Studie an 80 Männern war deren Schniepel im schlaffen Zustand durchschnittlich 8,8 cm und bei Erektion 12,9 cm lang. (Quelle). Andere Studien kommen zu vergleichbaren Ergebnissen.
  • 2001 führte der Kondomhersteller Durex eine Umfrage durch, 3000 Männer nahmen Maß an sich selbst und behaupteten, ihr Johannes wäre in erigiertem Zustand durchschnittlich 16,3 cm lang. Ob und in welchem Maße dabei geschummelt wurde, ist nicht bekannt. Es gibt auch eine Umfrage, dernach viele Männer glauben, ihr Organ messe so um die 25 cm. Na ja.
  • Die unbegründete Angst, dass der eigene Penis zu klein sei, ist insbesondere bei Jugendlichen sehr häufig und kann dabei zwanghaft-psychotische Züge annehmen. In diesem Fall spricht man von dem sogenannten „Small Penis Syndrome“ (SPS). Die Behandlung desselben besteht in erster Linie in Aufklärung und psychologischen Methoden (Quelle).
  • Eine andere Studie fand heraus, dass sich etwa die Hälfte aller Männer sich ein größeres Geschlechtsteil wünschten. Demhingegen waren 85 Prozent der zugehörigen Partnerinnen mit der Größe des kleinen Mannes ihres Mannes zufrieden (Quelle)
  • Es gibt zwar chirurgische Methoden der Penisverlängerung, die meisten davon sind jedoch als eher fragwürdig anzusehen. Zudem fällt auf, dass die meisten Männer, welche eine chirurgische Penis-Verlängerung wünschen, über ein durchaus durchschnittlich langes Exemplar verfügen. (Quelle)

p.s.: Wer sich traut, kann auch gerne an meiner eigenen wissenschaftlichen Umfrage teilnehmen!

Written by medizynicus

16. November 2009 at 01:21

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Blogparaden und Aktionen

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In der letzten Zeit häufen sich in den verschiedenen Blogs die Mitmachaktionen: Jemand schreibt einen Artikel, bittet um Meinungen in Form von Kommentaren und läd andere Blogger ein, ebenfalls einen Artikel zum selben Thema zu schreiben.
Das ist eigentlich nichts Besonderes. Genau das macht ja den Reiz des Bloggens aus.
Nun gibt es einige sehr gute Blogs, die aber kaum jemand kennt. Und andererseits gibt es mäßig gute Blogs, die aber in allen Hitparaden immer ganz toll abschneiden. Es gibt sogar echte Blogger-Nieten, die aber in den entsprechenden Listen immer ganz vorn stehen. Warum?
Das Zauberwort heißt SEO, diese schreckliche deutsch-englische Mischmaschabkürzung steht für „Search Engine Optimierung“. Es gibt einige gut besuchte (wen wundert’s?) Blogs, die sich genau dies zum Thema gemacht haben und hierzu mehr oder weniger freigiebig Tipps verteilen (Ein gutes SEO-Blog zeichnet sich übrigens dadurch aus, dass man es ohne weitere Hilfe schnell finden kann. Das liegt in der Natur der Sache, oder?).
Je mehr Links auf das eigene Blog zeigen, desto höher ist der „Rang“ bei Google & Co. Das ist allgemein bekannt.
Also buhlt man um Links: Links sind die heimliche Währung der Bloggerszene. Gibst Du mir einen, kriegst Du einen von mir.
Nun ist nicht jeder Link gleich viel wert. „Blogroll“-Links zählen weniger als Links in „richtigen“ Artikeln und Links in Kommentaren zählen fast gar nicht. Das Ganze ist eine Wissenschaft für sich.
Immer wieder in regelmäßigen Abständen taucht der Tipp auf, „Mitmachaktionen“ zu veranstalten. Klar: die Mitmachenden sollen natürlich zum Ursprungsbeitrag verlinken.
Doc Brown und Cheffe Monsterdoc sind diejenigen, die es am besten kapiert haben. Die Sache mit dem weltbesten Blogartikel (Ja, Medizynicus ist auch nominiert) ist noch so ein Beispiel. Und im weitesten Sinne waren auch meine beiden Einträge zum Freitag dem Dreizehnten und zu Gerüchen am Arbeitsplatz waren ja in gewisser Weise Versuche in diese Richtung…
Manche dieser Aktionen sind witzig und gut – andere eher flach, aber das muss jeder selber wissen, ich erspare mir daher, Beispiele anzuführen.
Für gute und witzige Mitmachaktionen (u.a. sogenannte Blog-Paraden) bin ich allerdings immer zu haben. Vor allem gerne auch dann, wenn sie von kleinen, unbekannten Blogs kommen.

Written by medizynicus

15. November 2009 at 09:59

Freitag, der Dreizehnte: Was sind Eure medizinischer Super-GAU’s?

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Heute ist es also wieder mal soweit.
Freitag der Dreizehnte und ich habe Dienst. Was mag da wohl in den nächsten Stunden alles auf unser schönes Bad Dingenskirchen zurollen?
Zum Beispiel:

  • Betriebsausflug des Altenheims. Auf der Rückfahrt landet der Bus im Straßengraben und wenig später laufen fünfzig multimorbide Senioren bei uns ein
  • Der Lastwagen mit Schweinegrippeimpfstoff verunglückt auf der Autobahn. Durch den Unfall mutiert das Zeug und wabert als krankmachende Wolke auf unser schönes Städtchen zu (Okay, ich hab viellicht zu viele Horrorfilme gesehen)
  • Die Maya hatten doch recht mit ihren Weltuntergangsszenarien, haben sich aber lediglich in der Zeit ein wenig vertan. Anstatt 2012 startet die Sache schon heute.

Was glaubt Ihr? Was kann heute noch alles passieren?

Na ja… vielleicht leiden aber auch die meisten Bad Dingenskirchener an Paraskavedekatriaphobie und bleiben stattdessen brav zu Hause. Hätte ich auch nichts gegen.

Written by medizynicus

13. November 2009 at 11:45

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Wie riecht’s an Eurem Arbeitsplatz?

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Angesichts der angeregten Debatte über die olfaktorischen Eindrücke gewisser Patienten (Den Vogel abgeschossen hat übrigens Josephine mit diesem Kommentar) möchte auch einmal eine Frage in die Runde stellen: Welche Düfte umwabern Euch an Eurem Arbeitsplatz? Was riecht Ihr, wenn Ihr mit geschlossenen Augen tief einatmet?
Bei uns in der Notaufnahme ist das nämlich eine ganz eigenartige und irgendwie unverwechselbare Mischung:

  • Zunächst einmal ist da Sterilium. Sterilium, Sterilium und noch einmal Sterilium. Für Laien: Dabei handelt es sich um das sehr penetrant riechende Händedesinfektionsmittel auf Alkoholbasis. Aus gutem Grund hängen die entsprechenden Spender wirklich an jeder Ecke.
  • Dann ist da im Hintergrund irgendwo der Geruch nach Kaffee. Nicht der leckere, frische Kaffeeduft, wie er beim Frühstück durchs Schwesternzimmer wabert, der ist anders. Hier ist es der säuerliche Geruch von Kaffee, welcher stundenlang auf der Wärmeplatte der Kaffeemaschine vor sich hin geköchelt ist.
  • Schweiß. Das ist aber eher eine ganz leichte, untergründige Note – und kommt nicht nur von den Patientenzimmern her, sondern auch von den während eines langen Dienstes durchgeschwitzten OP-Hemden des Personals
  • Manchmal kommt noch der Geruch eines ganz bestimmten Putzmittels dazu, ist aber von der Tageszeit abhängig
  • Nachts bzw. in den frühen Morgenstunden riecht es nach Furz bzw. verbrauchter Luft
  • An bestimmten Orten zu bestimmten Zeiten riecht es auch nach Betaisadonna (der jodhaltigen Wundsalbe bzw. Wunddesinfektionslösung). Der Betaisadonageruch ist noch durchdringender als der Steriliumgeruch, aber seltener.

….und jetzt: Ihr habt das Wort!

Written by medizynicus

12. November 2009 at 05:16

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Helau! Alaaf! Oink-Oink!

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Nein.
Ich werde um elf Uhr elf nicht mit Schweinemaske, Mundschutz und Karnevalströte über die Station rennen und Karnevalslieder singen.
(Kollege Kalle würde so etwas vielleicht tun, aber der ist zum Glück in Urlaub)

Written by medizynicus

11. November 2009 at 11:11

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn