Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Zehn Wünsche an meine Patienten

with 17 comments

Viel und oft ist an dieser Stelle gelästert und gemeckert worden.
Nun ist Weihnachten nicht mehr weit, und Weihnachten ist das Fest des Friedens. Was also wünsche ich mir von meinen Patienten.
Also, der ideale Patient:

  • …läuft zu einer halbwegs zivilen Zeit hier ein. Also nachdem ich mit Visite und Frühstück fertig bin und allerspätestens eine Stunde vor meinem Feierabend.
  • …hat seine Papiere dabei. Das heißt vor allem: eine Liste seiner Medikamente. In lesbarer, ausgedruckter Form. Tablettenschachtelpuzzle gehört nicht unbedingt zu meinen Lieblingsspielen. Und investigative Interviews über kleine weiße Pillchen auch nicht gerade
  • …ist entweder in der Lage, in wenigen kurzen (!) und prägnanten Worten zu sagen, was ihm fehlt oder hat einen Angehörigen / Begleiter dabei, welcher dazu in der Lage ist
  • …ist körperlich so gebaut, dass man ihn untersuchen kann (wer schon einmal versucht hat, einen immobilen 150-Kilo-Patienten auf die Seite zu rollen um ihn rektal zu untersuchen weiß, wovon ich spreche).
  • …hat gut punktierbare Venen
  • …ist mit der nach ausfürlicher und höflicher Aufklärung vorgeschlagenen Behandlung einverstanden
  • …rennt nicht am ersten postoperativen Tag gleich alle fünf Minuten zum Rauchen auf den Balkon
  • …rennt am besten gar nicht zum Rauchen auf den Balkon, sondern ist da, wenn man ihn braucht weil man Visite machen will oder irgendeine Untersuchung vorhat
  • …wird schön brav gesund und erkrankt während des Aufenthaltes nicht an irgendwelchen komplizierten Syndromen, die wo nicht im Lehrbuch (oder in Wikipedia) stehen.
  • …falls er doch irgendein kompliziertes Syndrom hat, spricht er gut auf die Behandlung an, welche ich nach nächtlicher Lehrbuch-(oder Wikipedia-)Lektüre entdeckt habe, so dass mein Chef von mir beeindruckt ist.

Ja, und dann, wenn er gesund ist, dann geht er natürlich glücklich und zufrieden nach Hause.
Das ist ein netter Patient. Ab und zu gibt’s das sogar wirklich.
…und jetzt die Frage an alle Patienten und solche, die es werden könnten: Was wünscht Ihr Euch denn von Eurem Doktor?

Written by medizynicus

15. Dezember 2009 um 08:09

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

17 Antworten

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  1. Hm, ich glaube, ich bin eine grauenhafte Patientin. Kannst Du noch eine Abstufung machen (wie bei ner Psychotest-Auswertung? So, wenn gar keine Aussage zutrifft, ist man ein schrecklicher Patient, bei sechs ist man noch akzeptabel, oder sowas?

    btw, was bist du denn eigentlich fuer ein Patient, wenn du krank bist?

    premiumpatientin

    15. Dezember 2009 at 11:52

  2. @Premiumpatientin: Wir Ärzte sind natürlich die allerschlimmsten Patienten, das ist ja allgemein bekannt, oder 😉 ? – Aber man könnte wirklich eine Umfrage draus machen!

    medizynicus

    15. Dezember 2009 at 12:38

  3. Hab ichs mir doch gedacht.
    Was ich mir von meinem Doktor wuensche? Meinen perfekten Arzt Superdoc habe ich ja schon mal vorgestellt. Ansonsten waere schoen:
    – die Patienten nicht ewig warten lassen, oder wenn, dann nicht erwarten, dass sie 24-7 auf dem Zimmer sind, wenn draussen die Sonne scheint.
    – nicht nach einer Medikamentenliste fragen (Hallo? Ich bin doch keine 70, ich hab das im Kopf!)
    – verstaendnisvoll (zum Beispiel beim Thema Rauchen, gerade kurz nach OP, schliesslich kommt man dann wenigstens schneller wieder auf die Beine. Man kann ja auch runtergehen statt auf den Balkon)
    – dem Patienten Zeit geben um sich mit dem Gedanken einer neuen Therapie zu akklimatisieren, wenn eine wichtige medizinische Entscheidung getroffen werden muss
    – vielleicht nicht so sehr zeigen, dass man sein Wissen eignetlich nur von Wikipedia hat. Oder noch schlimmer: Waehrend der Patient erzaehlt bei Wikipedia nachschlagen! Alles schon passiert.

    Medizynicus, ich glaube, wir waeren kein gutes Arzt-Patienten-Team.

    premiumpatientin

    15. Dezember 2009 at 13:31

  4. Der perfekte Arzt
    1) ist kompetent, kennt aber auch seine Grenzen und guckt/fragt lieber zweimal nach, statt einen Therapievorschlag über’s Knie zu brechen
    2) ist nicht hektisch sondern ruhig, unterbricht nicht
    3) ist respektvoll im Umgang und niemals wertend oder grenzüberschreitend
    4) ist da, wenn man ihn braucht
    5) ist völlig unabhängig von Pharmaflüsterern

    Haha, kennt jemand einen?

    ex-patient

    15. Dezember 2009 at 14:20

  5. Der ideale Arzt:

    – geht nicht davon aus, dass seine Patienten ohnehin kein Interesse an einer Erklärung der Diagnose haben
    – hält sich nicht für allwissend, sondern macht sich auch mal bei Kollegen schlau
    – hat (im Rahmen einer Hausarztpraxis) kein Bedürfnis, standardmäßig im weißen Kittel rumzulaufen
    – hat schon mal davon gehört, dass eine nicht unerhebliche Anzahl von Symptomen somatoform sind und greift nicht gleich zum Rezeptblock
    – hält die Schulmedizin für wichtig, aber nicht allein seeligmachend
    – definiert einen „mündigen Patienten“ nicht automatisch als Querulanten
    – nimmt sich Zeit, auch wenn es die Kassenleistung nicht hergibt
    – schaut den Patienten während des Gesprächs an, anstatt parallel Einträge in seinem PV vorzunehmen
    – organisiert seine Praxis so, dass Wartezeiten nicht zu Tagesausflügen mutieren

    To be continued…

    Kurzum: eine Stecknadel im Heuhaufen, nicht leicht zu finden, aber machbar. 😉

    antagonistin

    15. Dezember 2009 at 15:38

  6. Wie genial..:)

    Paul

    15. Dezember 2009 at 15:55

  7. Der ideale Arzt stellt fest, dass nach einer OP der Verdacht auf Harnleiterverletzung besteht. Er redet mit seiner Patientin ruhig über seinen Verdacht (beruhigt sie auch mit Lösungen, falls der Verdacht sich bestätigt), überlegt sich eine Diagnosemöglichkeit, lässt die Diagnose ausführen, checkt nach Diagnoseende den Erfolg und redet mit der Patientin darüber.

    Der unideale Arzt ist pissed, weil er (nach vergleichbarer OP) an einem Samstag abend aus den Tiefen des Krankenhauses geholt wird. Er erklärt der Patientin in barschem Ton, dass es völlig normal sei, dass aus der 1 Tag alten Bauchnaht literweise Flüssigkeit austritt, und geht wieder. (Der dann spätnachts herbeizitierte Oberarzt wurde extrem hektisch)

    Nihilistin

    15. Dezember 2009 at 18:04

  8. Der perfekte Arzt liest die Patientenakte.
    Als ich nämlich vor 6 Wochen eine geplante Sectio durchführen lassen musste, hat es nicht gerade mein Vertrauen bestärkt, das alle an der OP beteiligten Ärzte und Schwestern zuerst Latexhandschuhe anhatten und erst auf Nachfrage diese gegen latexfreie tauschten und wenig vertrauensfördernd war auch die Verschreibung von Ibuprofen, denn bei sämtlichen präoperativen Gesprächen, insgesamt 5 an der Zahl habe ich jedes Mal darauf hingewiesen, das ich sowohl eine Latexallergie als auch eine Ibuprofenunverträglichkeit habe.
    Stand also groß im Mutterpaß und riesengroß in der Patientenakte, die beim ersten Gespräch angelegt wurde.

    Und der perfekte Arzt hält mir nicht mit rauchgeschwängertem Atem einen Vortrag über die Risiken des Rauchens und erklärt mir schon gar nicht die Folgen von Übergewicht, während der Knopf seiner Hose gerade abspringt, weil die Plauze mehr Platz benötigt als die XXXL-Hose hergibt.

    Morphium

    15. Dezember 2009 at 19:15

  9. Die Ärztin/Der Arzt als solcher sind doch schon perfekt, was sollen die noch für Anforderungen genügen müssen. Na ja, vielleicht

    – nicht immer nach 10 Minuten auf das miese Einkommen zu sprechen kommen oder die Kosten der Praxis und die niedere Moral von Krankenkassenfachangestellten,

    – lachen gerne über sich und mit ihren Patienten,

    – nehmen ihre Patienten ernster als sich selbst,

    – bleiben morgens um sieben wo der Pfeffer wächst und reißen nicht mit einer Horde serviler Weißkittel Zimmertüren auf mit der Frage „Wie geht’s uns denn heute?“

    Frohes Fest sonst!

    Wolf

    15. Dezember 2009 at 20:59

  10. Danke für das Bild mit dem 150 Kilo-rektal-.. ach, lassen wir das besser.

    Zuhören wäre schön. Und Antworten geben. Was dabei helfen könnte: sich daran zu erinnern, dass der Patient das nicht täglich erlebt und ausserdem Angst und/oder Schmerzen haben könnte.

    Was ich bei deinen Wünschen noch passend fände:

    .. bringt nicht direkt seine eigene Diagnose von Prof. Dr. Google mit 😉

    quadratmeter

    15. Dezember 2009 at 21:00

  11. hey 🙂 also wenn ich mal krank werde, Du würdest von mir entzückt sein. Ich schwörs. Ich war erst einmal im Krankenhaus, zur Geburt vom Kunikind, und dazu habe ich 4 Hebammen verschlissen, die mich alle am nächsten Tag besucht haben, weil ich so eine tolle Patientin war (sagten sie). Am dritten Tag hieß es, heute abend käme jemand, der mir beim Duschen hilft, ich sagte „dat hab ich doch gestern morgen auch schon allein geschafft“. Ich bin ein echtes VORBILD 🙂

    Achja: von meinen Ärzten wünsche ich mir,

    – dass sie den Zugang für die PDA nicht erst nach 3 Tagen ziehen (habe ich vielleicht hinten Augen? ich dachte das ist normal, dass die Einstichstelle schmerzt).

    – dass mein Orthopäde mir zuhört, wenn ich ihm sage, dass „das Problem“ in meinem Fuß daher kommt, dass ich den Zeh gebrochen hatte und in einer Schonhaltung 50 km die Woche gelaufen bin. Stattdessen sagte er mir, ich sei kleinwüchsig und verkrüppelt und bräuchte mich nicht zu wundern. Ok, die von mir eigenmächtig aufgesuchte Physiotherapeutin konnte das mit 2×6 Sitzungen manueller Therapie nachhaltig beheben… nachdem er mich 6 Monate mit Einlagen humpeln ließ, bis ich gar nicht mehr gehen konnte.

    – dass meine Ärztin mir beim jährlichen Routinecheck jedesmal aufs Neue erklärt, dass ich mit meinem Herzfehler 100 werden und Sport machen kann (danke dafür, sie tut es). Und mich trotzdem in die Radiologie überweist, weil ihr was am EKG nicht gefällt.

    – dass mir mein Gynäkologe, mein Zahnarzt und mein Augenarzt versichern, sie seien ein Diensleistungsbetrieb und man müsse nur im Notfall WARTEN, weil sie ihre Praxis im Griff haben (deshalb gehe ich dort hin)

    – dass mir meine jetzige Augenärztin schon beim ersten Termin sagte, mein Sehfehler sei „schulbuchmäßig und zu 100% perfekt ausgeprägt“, während 3 Ärzte davor mit mir diskutiert haben, und behaupteten, ich sei als Kind niemals schieloperiert worden (ich erinnere mich nachweislich an 3 Operationen, meine Eltern auch), und so einen Fall wie mich hätten sie ja noch nie gesehen. Weil sie den Sehfehler nicht einordnen können, wenn er zu 100% ausgeprägt ist…

    – dass ich beim Ohrenarzt nur 15 Minuten warten musste und sehr freundlich behandelt wurde, als das Kunikind plötzlich aus dem Nichts vor Ohrenschmerzen heulte und wir dort um 12:30 Uhr ankamen.

    Alles Dinge, die heute irgendwie so gar nicht selbstverständlich sind.

    frau kuni

    15. Dezember 2009 at 23:53

  12. Würde mir später mal einen Arzt wünschen dem die routinemäßig gemessenen Zuckerwerte auffallen, BEVOR ich im Koma liege.

    NK

    16. Dezember 2009 at 00:18

  13. Der ideale Arzt:
    -hört zu und nimmt ernst was er gesagt bekommt. Er spielt dann nicht herunter sondern zählt 1 und 1 zusammen und ordnet ggf noch andere Untersuchungen an.
    – schleust einen nicht in 5 Minuten durch den Behandlungsraum und sagt pauschal „alles normal“ ohne zu untersuchen.
    -akzeptiert, dass es auch wirkungsvolle alternative Behandlungsmethoden gibt außerhalb der Schulmedizin.

    ansonsten stimme ich weitgehend meinen Vorschreibern zu 🙂

    (übrigens wäre ich nach der o.g. Wuschliste wohl die ideale Patientin, bis auf meine kleine Macke, dass ich Krankenhäuser hasse und möglichst schnell nach Hause will. )

    Blogolade

    16. Dezember 2009 at 09:05

  14. meist geht es einem schon besser, wenn der Doc wie George Cloney aussieht 😉

    Su-Mu

    16. Dezember 2009 at 12:09

  15. Meine Hausärztin glaubt mir.
    Sie glaubt mir auch all meine Abstrusitäten.
    Sie fragt sich eh, wie man mit soviel medizinischem Durcheinander noch so vergnügt leben kann wie ich.
    Wenn sie etwas nicht weiß, sagt sie das.
    Wenn sie nicht weiter kommt, sagt sie das.
    Sie ist eine perfekte Ärztin.

    croco

    16. Dezember 2009 at 16:57

  16. Also, meine Venen sind toll, daran haben Ärzte immer ihre helle Freude… *g*, ich bin Nichtraucherin, sag klar und deutlich was mein Problem ist (kein „mir gehts irgendwie nicht ganz so gut“) und wenn die vorgeschlagene Behandlung nicht kompletter Murks ist (kam leider auch schon vor) bin ich i.d.R. auch damit einverstanden und lege die notwendige Compliance an den Tag.

    …gab es nicht mal bei Vokalanästhesie eine Bewerbungsvorlage für Patienten? *g*

    Wie mein perfekter Arzt sein muss, muss ich mir noch überlegebn. Wahrscheinlich eine Mischung aus meinem Hausarzt und jemandem, der’s draufhat (sorry Hausarzt!)

    Hermione

    17. Dezember 2009 at 08:29

  17. Für mich bester Arzt/ beste Ärztin:

    spricht gut auf Deutsch oder jedenfalls auf Englisch.
    hat eine Lust, notwendige medizinische Artikel und Bücher zu lesen. Wenn hat keine Zeit für Lesen, sagt mir über dies. Zum Glück, ich kann selbst notwendige Artikel und Bücher finden, heruntergeladen, lesen und nacherzählen.
    wenn kann mir nicht helfen, dann sagt mir und wenn es notwendig, gibt mir eine Überweisung.
    hat ruhiger Charakter (keine Hysterie, Grobheit u s.w.).
    horchte auf meine Meinung, wenn ich etwas beweise.
    respektiert seine Kollegen und Kolleginnen.
    wenn weisst nicht, welche Diagnose ich habe, hält mich nicht für Simulantin oder psychisch Kranke.
    wenn ich stelle eine Diagnose für sich und Diagnose ist richtig, muss meine Diagnose anerkennen.

    Alina Sophia Gloria Schiller

    15. September 2014 at 22:17


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