Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

manchmal kann man nicht gewinnen

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Eine unserer Stammkundinnen ist wieder da.
Nennen wir sie Frau Müller. Frau Müller ist fünfundachtzig Jahre alt und kommt öfters, meistens abends zwischen sechs und halb acht, mittwochs oder am Wochenende kann es auch schonmal früher sein.
Ins Krankenhaus eingewiesen wird Frau Müller immer vom hausätztlichen Notdienst. Den ruft sie an, weil ihr eigener Hausarzt ihr nicht helfen kann.
Frau Müller hat Rückenschmerzen.
Seit Jahren schon. Sie ist bestimmt schon hundertmal geröntgt worden, war auch oft genug in der „Röhre“ (also im CT oder MRT), wurde von Orthopäden, Chirurgen, Neurologen, Neurochirurgen, Physiotherapeuthen, ab und zu auch von Internisten oder Psychiatern behandelt. Und natürlich von ihrem Hausarzt. Aber der ist ja doof.
Fakt ist: Frau Müller hat immer noch Rückenschmerzen.
Sie war auf Kur und auf Reha, in Kurzzeitpflege und wieder zu Hause, in der Ambulanz, in der Notaufnahme, auf Station und einmal sogar auf der Intensivstation. Das war aber ein Versehen.
Und Frau Müller hat immer noch Rückenschmerzen.
Ihr Hausarzt ist ein richtiger Dorfdoktor vom alten Schlag, der fährt regelmäßig zu ihr hin, verschreibt Schmerzmittel oder Physiotherapie, hört ihr zu und hält auch ab und zu ihre Hand.
Aber Frau Müller hat immer noch Rückenschmerzen. Und weil ihr Hausarzt die nicht wegmachen kann ruft sie dann abends den Notdienst an weil ihr Hausarzt sie ja nicht ins Krankenhaus schickt.
Aber der Notdienst Arzt, der sieht nur dass sie sich vor Schmerzen krümmt und hört dass sie vor drei Wochen mal hingefallen ist, sie könnte sich ja einen Wirbel gebrochen haben, also weist er sie ein.
Und da ist sie nun.
Und hat immer noch Rückenschmerzen.

Written by medizynicus

16. Dezember 2009 um 19:53

6 Antworten

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  1. … und was macht da medizynicus?
    Hoffentlich nicht die Po-Spritze? Der müsste ja schon vernarbt sein?
    Hast Du den Schmerztherapeuten vergessen oder fehlt der wirklich?

    drgeldgier

    16. Dezember 2009 at 21:45

  2. Da gibts doch was von ratio… also potente Schmerzpflaster und so Zeug. Auf die Idee ist noch keiner gekommen?

    Denis

    16. Dezember 2009 at 22:27

  3. oder ne psychosomatische Klinik 🙂

    ichich

    16. Dezember 2009 at 22:44

  4. früher war’s der Pfarrer, dann der Hausarzt, inzwischen die Klinik. Und als nächstes?

    der Landarsch

    17. Dezember 2009 at 10:35

  5. der Bestatter vielleicht. Viel kommt ja nicht mehr nach Klinik, wenn man einen Haushaltsbeistand nach dem anderen vergrault.
    Wahlweise noch Heim per Zwangseinweisung (gibts sowas?)

    Blogolade

    17. Dezember 2009 at 19:31

  6. Alle Maßnahmen werden nichts bringen, wenn der Krankheitsgewinn höher ist als der Leidensdruck – und das scheint hier so zu sein.

    Vielleicht könnte man die Frau Müller ja – z.B. via die Krankenhausseelsorge – in einen Seniorenzirkel einbinden? Da hätte sie wieder Kontakte und Aktivität und müsste sich das nicht vom Krankenhaus holen…

    Benedicta

    17. Dezember 2009 at 20:17


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