Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Archive for Januar 2010

Die Wunderspritze

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Schwester Trauma hat Hexenschuss und Dr. Geldgier will ihr keine Spritze geben.
Richtig so! Endlich mal einer, der Rückrat hat.
Also, ich erzähle Euch mal, wie das üblicherweise so abläuft bei uns.
Ort der Handlung: Kreiskankenhaus Bad Dingenskirchen, Ambulanz.
Zeit der Handlung: Samstag Abend, zweiundzwanzig Uhr. Oder so ähnlich.
– Vorhang auf –
Auftritt Herr Schmuddelfink. Mitte fünfzig, mäßige Adipositas, Schnauzbart, schütteres graues Haar und rundliches Gesicht. Mit theatralischer Geste humpelt er vom Wartezimmer in den Behandlungsraum.
„Guten Abend, setzen Sie sich bitte!“
„Nee, geht schon!“
Patient bleibt mit betont schmerzverzerrtem Gesichtsausdruck stehen.
„Wie kann ich helfen?“
„Sehen Sie doch!“
„Aha?“
„Das Kreuz!“
„Aha?“
„Seit vorhin, ganz plötzlich!“
Also gut. Kurze Untersuchung, alles in Ordnung. Abgesehen von den Schmerzen natürlich.
„Okay. Ihre Rückenmuskeln sind ziemlich verspannt. Das passiert schonmal. Kein Grund zur Sorge. Ich gebe Ihnen jetzt zwei Tabletten mit und dann besorgen Sie sich in der Apotheke…“
„Krieg ich denn keine Spritze?“
„Nein, Sie kriegen keine Spritze. Die Tabletten wirken genauso gut.“
„Aber mein Hausarzt gibt mir immer eine Spritze!“
„Und die Spritze wirkt besser als Tabletten?“
„Tabletten nehme ich nicht!“
„Warum nicht?“
„Ich mag keine Chemie in meinem Körper!“
„Und Sie glauben, die Spritze enthielte weniger Chemie?“
Grummelgrummel.
„Können Sie denn wenigstens ein Röntgenbild machen?“
„Glauben Sie, dass Ihre Schmerzen vom Röntgen weggehen?“
„Aber wenn doch ein Nerv eingeklemmt ist?“
„Bei Ihnen ist kein Nerv eingeklemmt!“
„Woher wissen Sie das?“
„Weil ich Sie vorhin untersucht habe!“
„Wenn Sie mich noch nichtmal röntgen… warum bin ich denn dann überhaupt ins Krankenhaus gekommen?“
„Damit ich Sie sorgfältig untersucht und anschließend fachkundig beraten und behandelt habe…“
Fast hätte ich noch gesagt „leitliniengerecht“, aber man will es ja nicht übertreiben.
„Gar nichts haben Sie gemacht. Wenn Sie mir nicht helfen können, dann gehe ich halt morgen wieder zum Hausarzt, der gibt mir die Spritze, Sie werden schon sehen!“

Written by medizynicus

23. Januar 2010 at 21:42

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Medizynicus tut Menschen helfen in Haiti (Teil 5)

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„Ja wissen Sie, manchmal muss man sich schnell entscheiden, das Richtige zu tun!“ sage ich in das Mikrofon, welches die blondgelockte Radiojournalistin mir entgegenhält.
„Haben Sie denn keine Angst, Herr Doktor?“ fragt sie.
„Natürlich ist es eine ziemlich gefährliche Sache, aber wissen Sie, wir Ärzte sind ja schließlich dazu da, Menschen zu helfen, Leben zu retten und so. So gesehen tu ich also nur meine selbstverständliche Pflicht…“
Die Journalistin nickt und lächelt. Ich lächele zurück. Schade, dass das hier nur Radio ist und nicht Fernsehen, aber ich hoffe mal, daß Jenny und Sarah und der Chef und alle jetzt alle vor ihren Radios hocken und gebannt zuhören.
„Und eine letzte Frage noch: Haben Sie heute Abend schon etwas vor?“
Oh, ich hätte da eine Idee. Gibt’s nicht irgendwo am Strand noch ein nettes unzerstörtes Lokal?
Wahrscheinlich nicht. Und außerdem hat die Journalistin mir diese Frage ja gar nicht gestellt. Genaugenommen hat sie mir noch gar keine Frage gestellt und ich stehe immer noch in der Schlange vor dem Check-In am Flughafen, vor mir das knutschende Hochzeitsreisenpäärchen auf dem Weg in die Dom-Rep.
Und jetzt sollte ich mal langsam mein Ticket rauskriegen.
Verdammte Sch… wo ist es denn nu?
Ich finde es nicht. Dieses verfluchte Ticket, ich finde es nicht!
Ob es noch zu Hause auf dem Schreibtisch liegt? Oder im Taxi? Oder hat Mr. Schlapphut-Man es mir heimlich entwendet?
Ich setzte meinen Rucksack ab, krame immer hektischer darin herum und….
…und….
…wache schweißgebadet auf in meinem Bettchen in Bad Dingenskirchen.
Und ich gehe zum Kühlschrank, hole mir ein Bier und denke an die letzte Email von Florian.
Der ist nämlich letztens mit DTD zu einem Einsatz nach Spelunkistan geflogen, aber das ist eine andere Geschichte, die ein anderes Mal erzäht werden soll.

Written by medizynicus

23. Januar 2010 at 01:01

Veröffentlicht in Soap

Liebe Mitblogger…

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Klippenhänger sind ja schön und gut… aber könnt ihr vielleicht bitte mal aufhören, auf Euren Startseiten nur halbe Beiträge zu schreiben und den Rest hinter einem „weiterlesen“ oder „mehr hier…“ zu verstecken?
Tu ich ja schließlich auch nicht, Okeh?
Ich weiss, so kriegt man mehr pageviews, aber mal Hand aufs Herz: Wer Eure Artikel lesen will, tut’s auch so.
Und die anderen klicken eh genervt weiter.
Ich jedenfalls bin von sowas eher genervt, vor allem wenn ich mir meine feeds runterlade und dieselben gemütlich in einem Cafe oder im Zug oder aufm Klo oder auf einer Skihütte in 3000 Meter höhe oder sonstwo off line lesen will…
Danke.

Written by medizynicus

22. Januar 2010 at 10:05

Veröffentlicht in Ein Herz für Blogs

Medizynicus tut Menschen helfen in Haiti (Teil 4)

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Noch vorm Morgengrauen gehts los.
Mit Winterjacke, Sonnenbrille und Stethoskop in der Tasche steigt Medizynicus ins Taxi.
Als er am Flughafen aussteigt, tritt ihm ein geheimnisvoller Mann mit dunklem Mantel, Schal und tief ins Gesicht gezogenem Hut in den Weg.
„Herr Dr. Zynicus?“
Ich nicke.
Der Geheimnisvolle drückt mir die Hand.
„Ich bin der Schatzmeister von DTD!“ sagt er und reicht mir einen Briefumschlag.
„Was ist das?“
„Zwanzigtausend Dollar in kleinen Scheinen!“
„Wozu das?“
„Das werden Sie brauchen!“
„Ähem…“
„Es geht um die Finanzierung unserer Arbeit: Auch in einem Krisengebiet gibt’s nichts umsonst. Und funktionierende Geldautomaten gibt’s da schon gar nicht. Und noch etwas: Wie Sie sich vorstellen können, liegt uns natürlich unsere Öffentlichkeitsarbeit sehr am Herzen. Gleich nach Ihrer Ankunft werden Sie daher von einer Radiojournalistin interviewt. Und später wird ein Fernsehteam Sie bei Ihrer Arbeit begleiten… Sie haben doch hoffentlich nichts dagegen?“
Selbstverständlich nicht.
Der Geheimnisvolle drückt mir noch einmal fest die Hand, wünscht mir viel Glück und dann nehme ich meinen Rucksack und mein Handgepäck und begebe mich zu der langen Schlange vor dem Check-In.
Vor mir steht ein Päärchen auf Hochzeitsreise, sie wollen in die Dom-Rep. Diese Weicheier! Touristen halt. Ich habe ein Visum auf dem als Grund für die Einreise „Humanitäre Hilfe“ angegeben ist. Das werde ich noch meinen Enkeln zeigen!
Und ich denke mir schonmal aus, was ich der Radioreporterin alles erzählen will. Ob ich mich dann abends mit ihr verabreden kann?
Aber jetzt habe ich erstmal einen langen Flug vor mir, und freue mich darauf, von hübschen Stewardessen umsorgt zu werden. Ob man denen wohl auch irgendwie dezent klarmachen kann, dass man nicht son blöder Tourist ist sondern ein Humanitärer Helfer?

Written by medizynicus

22. Januar 2010 at 00:01

Veröffentlicht in Soap

Suchbegriff: „wie kann ich in Haiti helfen“?

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Viele fragen sich das. Und einige Leute landen bei der Suche nach der Antwort auf dieser Seite.
Also: Wie kann ich in Haiti helfen?

  • Ein Kommentator hat die Antwort schon gegeben: spenden für „Ärzte ohne Grenzen“. die Jungs und Mädels sind seit Jahrzehnten immer dort, sind politisch und weltanschaulich unabhängig und machen kein großes Geschiss um das, was sie tun. Oder zumindest nicht mehr Geschiss als notwendig.
  • Wer selber hinfahren will um anzupacken sollte das nur tun, wenn er
    • 1.) eine abgeschlossene Ausbildung ausreichend Berufserfahrung in seinem Gebiet hat
    • 2.) über Erfahrung im Arbeiten in ärmeren Ländern verfügt
    • 3.) eine hohe Frustrationstoleranz hat und über Improvisationstoleranz verfügt
    • 4.) Seine eigenen Grenzen kennt, in der Lage ist, sich selbst zurückzustellen und nicht aus Abenteuerlust oder Geltungsdrang hinfahren will
  • Alle Anderen sollten um Haiti tunlichst einen großen Bogen machen. Zumindest so lange bis das Land halbwegs auf die Füße gekommen ist. Katastrophentourismus können die nämlich gar nicht gebrauchen.
  • Wer lieber selbst anpacken will anstatt Geld zu spenden, der hat auch in seinem Heimatland genug Möglichkeiten:
    • sich in sozialen Projekten engagieren, z.B. mit Obdachlosen
    • Für große Hilfsorganisationen Geld- und Sachspenden sammeln, Öffentlichkeitsarbeit machen, und so weiter und so fort…
    • sich hierzulande um Flüchtlinge kümmern, ob sie nun aus Haiti oder von anderswoher kommen.

Das wären nur ein paar Ideen. Es gibt sicher noch mehr.

Written by medizynicus

21. Januar 2010 at 12:12

Veröffentlicht in Nachdenkereien

Medizynicus tut Menschen helfen in Haiti (Teil 3)

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Also gut, dann muss ich also nochmal ne Runde telefonieren.
Zunächst rufe ich bei der Entwicklungshilfe an, aber die sagen, die brauchen mich nicht. Das find ich echt doof. Vor allem, weil ich ja jetzt für morgen schon den Flug gebucht habe.
Und all die anderen Organisationen, die wo da alle im Fernsehen vorkommen, die wollen mich auch nicht. Son Mist aber auch.
Aber es gibt ja zum Glück auch noch mehrere kleine, unbekanntere Organisationen. So wie zum Beispiel „Die Tollen Doktors“.
Von denen hab ich gleich den Chef an der Strippe und der freut sich richtig über meinen Anruf, obwohl es schon zehn Uhr Abends ist.
„Super!“ sagt der Chef von DTD, „Wir brauchen immer ganz dringend Ärzte für unser Projekt. Und Sie können gleich morgen schon losfliegen? Das ist aber toll!“
Ich finde das auch toll. Endlich mal einer, der wo mich versteht.
„Allerdings sind wir eine kleine Organisation, die sich ausschließlich über Spenden finanziert. Wir können Ihnen leider nichts bezahlen für Ihren Einsatz und Ihre Reisekosten müssen Sie auch selber tragen!“
Tu ich doch gerne. Dafür brauche ich ja nicht zu spenden. Habe ich eh mehr von.
Also los geht’s! Schnell noch ein paar T-Shirts in den Rucksack gepackt und dann für morgen früh den Wecker gestellt.

Written by medizynicus

20. Januar 2010 at 19:19

Veröffentlicht in Soap

Medizynicus tut Menschen helfen in Haiti (Teil 2)

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Chef war einverstanden.
Zwar nicht unbedingt begeistert, aber einverstanden.
Lieber wäre ihm natürlich gewesen, dass ich meinen Resturlaub nicht nehme, wie die anderen auch, aber da es ja für einen guten Zweck ist konnte er eigentlich nicht viel sagen.
„Ja, dann fahren Sie mal!“ sagte er, und hat mir viel Glück gewünscht.
Ich bin dann gleich heim und hab beim Billigflieger angerufen.
Hätte nicht gedacht, dass ich auf die Schnelle noch nen günstigen Flug kriege.
„Ja wissen Sie, wir hatten in den letzten Tagen ziemlich viele Stornierungen!“ sagte die nette Dame an der Warmleine Hotline.
Jetzt geht es also gleich morgen früh los.
Ich bin ja so gespannt!
Habe schon ein paar Sachen eingepackt: Der Chef hat mir nämlich noch eine Kiste mit Medikamenten mitgegeben. Nehmense mal, hat er gesagt, isja fürn guten Zweck, und bevor wir das Zeug wegschmeißen. Jetzt weiß ich gar nicht, wie ich die Sachen alle in meinen Rucksack reinkriege. Mein schönes neues Stethoskop kann ich mir am besten um den Hals hängen, dann wissen die am Flughafen gleich Bescheid und lassen mich durch.
Ach ja, eine Unterkunft muss ich ja auch noch buchen. So’n Mist aber auch, fast alle Hotels sind ja kaputt gegangen. Was mache ich denn da nur?
Also rufe ich mal meinen guten Kumpel Florian an, der war schon öfters in solchen Ländern.
„Mit wem fährste denn?“ fragt der.
„Wie mit wem? Ich fliege allein!“
„Ich meine, mit welcher Organisation?“
„Organisation? Ich fliege morgen einfach hin und schaue mal, wo ich anpacken kann. Ich bin doch Arzt. In den Nachrichten haben sie gesagt, dass da unten dringend Ärzte gesucht werden!“
„Also, wenn Du helfen willst, musst Du Dich einer Hilfsorganisation anschließen. Anders geht das nicht. Sonst lassen die Dich womöglich gar nicht ins Land.“
Ach soo. Na, das hätte man mir aber auch früher sagen können.
Zum Glück hat Florian da gleich ein paar Tipps auf Lager.

Written by medizynicus

19. Januar 2010 at 18:37

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Medizynicus will ganz toll Menschen helfen tun in Haiti

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Es ist ist spät am Abend und nach einem anstrengenden Arbeitstag sitzt Medizynicus auf dem heimischen Sofa und glotzt in die Glotze. Er hat sich ein Bier aus dem Kühlschrank geholt und noch eins und zappt lustlos von Sender zu Sender.
Überall nur Katastrophen.
Katastrophen über Katastrophen. Gibt’s eigentlich auch noch was Anderes als Katastrophen?
„…im Erdbebengebiet spielen sich tagtäglich erschütternde Szenen ab,“ sagt die Kommentatorenstimme mit dramatischem Unterton, „Es fehlt an Allem: Wasser und Nahrungsmittel, und natürlich an medizinischer Hilfe…“
Medizynicus nimmt sich noch ein Bier.
Medininische Hilfe?
Und dann überlegt er.
Was sinnvolles tun, Menschen helfen, Leben retten und so, das wollte er doch eigentlich immer schon mal tun. Also so richtig Leben retten und nicht nur an den Hypochondern herumdoktorn. Wäre das nicht eine Chance?
Außerdem hat er ja noch massig Resturlaub übrig vom letzten Jahr. Und in die Karibik, da wollte er immer schon mal hin.
Also, denkt sich Medizynicus, wenn sein Kumpel Hajo es schafft, auf den Mount Everest zu klettern, dann kann Medizynicus auch nach Haiti fahren.
Morgen früh sag ich’s dem Chef, denkt er, schaltet die Glotze aus und räumt die leeren Bierflaschen weg.

Written by medizynicus

18. Januar 2010 at 17:18

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Der Montagsvampir

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Es ist wieder mal Montag.
Und ich habe verpennt. Raketengleich senkrecht aus dem Bett geschossen, Turbo-Dusche, rein in die Klamotten, Frühstück muß ausfallen und – nur wenige Minuten verspätet bin ich auf Station.
Blut abnehmen.
Beim Anblick der zahlreichen Blutröhrchen wird mir schlecht. Habe ich das alles selbst angesetzt? Oder hat der Chef am Wochenende heimlich Visite gemacht?
Noch eine Viertelstunde bis zur Frühbesprechung. Los gehts. Zimmer drei. Wie heißt der Patient?
Ich schaue aufs Röhrchen-Etikett.
„Schönen guten Morgen, Herr Meier?“
Keine Antwort.
Ich schaue auf das Namensschild am Fußende des ersten Patientenbetts. Da steht nicht Meier. Da steht gar kein Name.
Neben dem zweiten und dritten Bett sitzen Gestalten auf dem Kackstuhl.
„Herr Meier?“
Keine Reaktion.
Her Meier muss der Mann im Bett am Fenster sein!
„Darf ich Ihnen Blut abnehmen?“
Keine Reaktion.
Ich greife den Arm.
„ich muss Ihnen mal Blut abnehmen, okay?“
Keine Reaktion. Ich lege den Stauschlauch an. Er zuckt den Arm nicht zurück. Aber drankommen an den Arm tu ich nicht so richtig. Immerhin entdecke ich eine Vene. Steche zu, kriege mein Blut, ziehe die Nadel wieder raus. Und noch einen Tupfer draufdrücken.
„So, und jetzt bitte selber noch eine Minute lang draufdrücken, Herr Meier!“
Macht er natürlich nicht. Ist ja dement.
Ich nehme die andere Hand des Patienten und drücke sie auf den Tupfer mit der Stichwunde drunter. Der Tupfer ist schon mit Blut vollgesabbert. Ich nehme einen neuen Tupfer.
Scheiße, ich habe mal wieder kein Pflaster dabei.
„Bitte weiter feste draufdrücken!“
Der Patient läßt die Hand los, das Blut tropft auf den Boden.
Scheiße, Scheiße, schnell weg hier.
Noch fünf Minuten bis zur Frühbesprechung und ich habe noch mindestens fünf weitere Blutentnahmen….

Written by medizynicus

18. Januar 2010 at 06:53

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Warum der Kalle nicht auf Malle war (Teil 2)

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Als ich das Lokal betrete, ist Kalle schon da, steht an der Bar und flirtet mit der Bedienung.
Er hebt seine Hand und schiebt mich auf den Hocker neben sich.
„Was kann ich Dir anbieten? Essen, Trinken, geht heute alles auf meine Rechnung!“
„Darf ich dann vielleicht endlich den Grund erfahren?“
„Warten wir noch!“
Ein paar Minuten später taucht Sarah auf, obwohl die heute eigentlich frei gehabt hatte. Wie hat Kalle mit ihr kommuniziert? Haben die etwa privat telefoniert? Ich merke, dass mein Puls ein wenig schneller wird.
Sarah lächelt mir zu. Nur mir. Aber Kalle merkt das nicht.
„Nu setzt Euch schon, Leute!“
Er nötigt uns an einen Tisch und eine Sekunde später taucht Gepetto mit einer Flasche Sekt und drei Gläsern auf.
„Aha, es gibt etwas zu feiern? Hast Du Geburtstag?“
Kalle macht ein feierliches Gesicht.
„Kinners. Geburtstag hat man jedes Jahr. Die Facharztprüfung besteht man nur einmal!“
„Du bist Facharzt? Na gratuliere!“
„Jawoll. Und die Prüfung war nicht einfach. Die haben mich ganz schön gegrillt!“
Er hebt das Glas.
„Also, auf mich, Leute!“
Wir stoßen an.
„Und wie gehts jetzt weiter?“ fragt Sarah dann.
Kalle grinst.
„Ja, das ist eine sehr, sehr gute Frage…“
Sarah zieht ihre Stirn in Falten.
„Du gehst doch hoffentlich nicht weg?“
Kalle seufzt.
„Ich werde Euch doch nicht im Stich lassen!“
Sehr überzeugt klingt das allerdings nicht.
„Du könntest Oberarzt werden!“ sage ich.
Kalle sagt nichts. Er wirkt nachdenklich.
Dann kommt Gepetto und nimmt die Bestellungen auf, und später beim Essen reden wir über andere Themen.
Kurz vor Mitternacht verabschieden wir uns.
Und ich weiß nicht recht: Irgendwie ist da ein komisches Gefühl geblieben.

Written by medizynicus

17. Januar 2010 at 20:52

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn