Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Operiere Dich selbst: es geht wirklich

with 11 comments

Ich wollte es ja nicht glauben, aber es ist wohl tatsächlich möglich:
Da hat sich mal jemand seinen eigenen Blinddarm rausoperiert (Nee, natürlich nicht den ganzen Blinddarm sondern nur den Wurmfortsatz, wir wollen ja korrekt bleiben).
Zumindest einen Fall gibt es, der historisch bewiesen ist.
Die Geschichte klingt jedenfalls spannend und geht so:
Wir befinden uns im Jahre 1961.
Irgendwo in der Antarktis. Weit, weit weg vom Rest der Welt.
Ein russisches Expeditionsteam bereitet sich auf die Überwinterung vor. Mit an Bord: Expeditionsarzt Leonid Rogosow. Und der wird plötzlich krank. Selbst gestellte Diagnose: Appendizitis.
Was tun?
Er selbst ist der einzige Mediziner weit und breit. Also macht er sich ans Werk: mit örtlicher Betäubung und ohne Handschuhe. Ein Expeditionsmitarbeiter hält einen Spiegel, ein anderer das Licht.
Die Sache ging gut aus. Der Arzt, der sein eigener Patient war starb erst knapp vierzig Jahre später.

Written by medizynicus

20. Februar 2010 um 08:49

11 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. du könntest das ja bei Gelegenheit mal an dir selber ausprobieren und das auf Video festhalten 😉

    psychoMUELL

    20. Februar 2010 at 08:56

  2. Die Geschichte hat sich, wenn ich mich recht erinnere, auch in einer Episode von Dr. House niedergeschlagen. Er führt dort eine Wissenschaftlerin in einer Antarktisstation durch eine Eigenoperation…

    Till

    20. Februar 2010 at 09:13

  3. Man fragt sich, wieviel die örtliche Betäubung da wohl gebracht hat … oder war das eine Spritze ins Rückenmark wie bei einem Kaiserschnitt? Wobei: die hätte er sich ja auch nicht selbst setzen können.
    So ein „kleines Ding“ wie ein entzündeter Blinddarm … aber ohne medizinische Hilfe unbehandelt oft tödlich. Ich finde das gibt einem zu denken, wie schnell es gehen kann.

    Pharmama

    20. Februar 2010 at 09:46

  4. Und da sag nochmal einer, für ne Blinddarm-Op braucht’s nen Anästhesisten…

    Anna

    20. Februar 2010 at 10:46

  5. @anna – das wäre die logische Antwort. Aber er hat’s tatsächlich ohne geschafft. War halt keiner da….
    @pharmama – wobei ich glaube nach heutigem wissenschaftlichen Stand läßt sich eine Appendizitis in den meisten Fällen auch konservativ bzw. antibiotisch kontrollieren. Zwar nicht unbedingt die Methode der Wahl, aber würde ich wahrscheinlich in so einer Situation zunächst mal probieren. Wobei… Antbiotika hat’s ja anno 1961 auch schon gegeben. Und sicherlich weniger Resistenzen als heute, oder?
    Sonderlich steril war die ganze Sache ja offenbar nicht. Und spätestens beim Peritoneum muss es ohne Narkose ziemlich weh getan haben….

    medizynicus

    20. Februar 2010 at 11:20

  6. @medizynicus
    Die Antibiotika-Methode hatte er ja gemäss dem Bericht von BJM auch versucht. Er berichtet in diesem Artikel, dass der Appendix bereits schwarz gewesen sei, was bedeutet hätte, dass er am nächsten Tag vermutlich geplatzt wäre (ich nehme an, sowas kann tödlich enden).

    Trotzdem: Ich finde diesen Mann mutig, aber auch die Leute, die den Mumm hatten, ihn ohne jegliche medizinische Ausbildung zu assistieren. Was, wenn er gestorben wäre? Ich nehme an, das hätte bei vielen zu Schuldgefühlen geführt.

    eyeIT

    20. Februar 2010 at 12:43

  7. Wahnsinn! Ich habe mir selbst mal ne Infusion gelegt, aber mehr nicht … Aber wenns um Leben und Tod geht …

    chefarzt

    20. Februar 2010 at 13:14

  8. Autsch… Respekt, vor allem, dabei nicht die Kontrolle zu verlieren…

    chaoskatze

    20. Februar 2010 at 18:28

  9. Kennt denn heute niemand mehr „Das Jahrhundert der Chirurgen“? Ein absolut lesenswerter Klassiker über die Geschichte und Anfänge der modernen Medizin, inkl. diversen belegten Nacherzählungen von Leuten, die sich z.B. selbst mit einem Messer Blasensteine entfernt haben(!). Außerdem sollte jeder Arzt mal gelesen haben, wie und wer das erste wirksame Anästhetikum entwickelt (begeisternd spannend und berührend).

    So. Jetzt aber…

    Gspusi

    20. Februar 2010 at 21:07

  10. „Anästhetikum entwickelt“ + hat

    Gspusi

    20. Februar 2010 at 21:12

  11. 12.Also die Geschichte kenn’ ich noch nicht. – Vermutlich würde ich an der Appendizis (ja bei mir ist der Wurmfortsatz noch dran *klopf auf holz*) sterben, einsam – ohne Nachkommen.

    rosenyland1984

    15. Mai 2011 at 21:14


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s