Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Fortbildungsfreuden (Teil 2)

with 6 comments

Der Raum ist abgedunkelt, der Referent spricht mit sonorer Stimme und mein Magen knurrt immer lauter.
Endlich.
Letztes Dia.
Blick in die Runde.
„Gibt es noch Fragen?“
Gibt es natürlich. Irgendsoein Schlaumeier will dem verehrten Publikum zeigen, dass er es viel besser weiß. Der Referent rechtfertigt sich und dann gibt es noch zwei oder drei Dösbaddel, die vom Vortrag noch weniger kapiert haben als ich und furchtbar dämliche Verständnisfragen stellen. Läßt sich zum Glück alles schnell richtigstellen.
Und dann tritt die schicke Businesslady nach vorn, bedankt sich bei dem Referenten und… läd uns im Namen der Firma zu einem kleinen Imbiss ein.
Der kleine Imbiss besteht aus vier Gängen und dazu gibt es leckere Weinchen, weiß zur Vorspeise und rot zum Hauptgang.
Links neben mir sitzt Kalle und gegenüber irgendwelche Hausärzte, einer von denen will dem Kalle recht penetrant seine Praxis aufschwatzen.
„Sie sind doch Facharzt. Sie wollen doch sicher nicht Ihr Leben lang im Krankenhaus bleiben, oder?“
Kalle lächelt und zieht sich mit ein paar nichtssagenden Floskeln aus der Affäre.
Nach dem Hauptgang legt er mir verschwörerisch die Hand auf die Schulter.
„Es gibt Neuigkeiten!“ sagt er, „erzähle ich Dir demnächst mal unter vier Augen!“
Dann steht er auf und verabschiedet sich. Überhaupt wird es ziemlich leer im Saal. Die Bedienung füllt mein Weinglas wieder auf und der Nachtisch ist lecker und ich kann mir sogar noch Kalles Portion unter den Nagel reißen.
„Möchten Sie noch etwas? Einen Kaffee? Oder einen Cognac?“
„Oh ja, gerne! Ähem… Beides bitte!“
Als ich von meinem Eisbecher aufschaue, schaue ich in die Augen der Businesslady.
Sie lächelt.
Wenn man sich das strenge Businesskostüm wegdenkt, muss sie weit jünger sein als anfangs geschätzt.
„Hallo!“ sage ich. Mehr fällt mir nicht ein.
„Hat Ihnen der Vortrag gefallen?“ fragt sie.
Ich nippe an meinem Cognac. Versuche, irgend etwas zu sagen und merke, dass ich dabei rot werde.
„Sie arbeiten doch im Krankenhaus,“ fährt die Pharmareferentin fort, „haben Sie da eigentlich einen Fortbildungsbeauftragten?“
Mein Kopfschütteln irritiert sie gar nicht.
„Wissen sie, es wäre schön, wenn es unter den Krankenhausärzten einen Ansprechpartner gäbe… für Fortbildungsveranstaltungen und so. Darf ich Sie vielleicht demnächst einmal besuchen?“
Sie schenkt mir noch ein bezauberndes Lächeln und ihre Visitenkarte.

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Written by medizynicus

9. März 2010 um 07:00

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

6 Antworten

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  1. Nachtigall ick hör dir Trapsen… Ich mein jetzt nicht den Fortbildungsbeauftragten… Das wäre selbst als Mittel zum Zweck zuviel Arbeit 😉

    ickedette

    9. März 2010 at 08:52

  2. Na, vielleicht war das Lächeln ja nicht professioneller Natur 😉

    lupo

    9. März 2010 at 09:19

  3. Ach, der hat bestimmt nur auf das Alter geguckt… ;-)*duckundweg*

    Special Agent Gibbs

    9. März 2010 at 10:04

  4. Au Backe. Warum nur musste ich mir einen Beruf in der IT-Welt aussuchen? Da gibts solche Gelegenheiten nie.

    Ich muss wirklich den Beruf wechseln… aber dann fällt mir wieder ein, wie sehr der mir doch gefällt. Grr.

    eyeIT

    9. März 2010 at 18:07

  5. Ah, der Schlaumeier nach dem Vortrag, den gibt’s bei euch auch? Zumindest einer (denn die sind meist männlich) muss auch bei unseren Weiterbildungen immer dabei sein.

    … und, darf dich die nette Pharmareferentin besuchen kommen?

    Pharmama

    9. März 2010 at 22:28

  6. In der IT gibts solche Gelegenheiten nie? Ich als Weibchen bekomme in unserer IT Bude immer wieder Sonderbehandlungen und bezaubernde Lächeln.

    Gut, als Mann vielleicht eher dümmer.

    Denise

    10. März 2010 at 04:14


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