Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Diamorphin

with 5 comments

Wieso bin ich jetzt eigentlich Fortbildungsbauftragter?
Ich kann mich nicht erinnern, diesen Job jemals in mündlicher oder schriftlicher Form aktiv willentlich übernommen zu haben. Ist aber auch egal. Jedenfalls hat’s der Chef mitgekriegt und jetzt darf ich demnächst bei der Mittagsbesprechung einen Vortrag über Schmerzmittel halten.
So verbringt unsereins also den Freitagabend.
Also Schmerzmittel.
Beim Blättern im Pharmakologiebuch findet man ja durchaus interessante Sachen.
Über Diamorphin zum Beispiel. Das ist ein sehr starkes, gut wirksames und gut verträgliches Schmerzmittel, welches billig hergestellt werden kann und in vielen Ländern eingesetzt wird.
Auch in Deutschland wird es von vielen Menschen eingenommen. Die aber zahlen viel Geld dafür und kriegen schlechte, meist auf fragwürdige Weise hergestellte Ware dafür.
Wie kommts?
Auf dem Markt ist Diamorphin seit dem späten neunzehnten Jahrhundert, und zwar zunächst als Hustenmittel. Die meisten der heutigen Konsumenten dürften allerdings weniger an der hustenstillenden Wirkung interessiert sein. Auch gegen Bluthochdruck und bei Herzerkrankungen soll es gut sein, behauptete die Herstellerfirma seinerzeit. Und als Schmerzmittel habe es den großen Vorteil, dass es nicht abhängig mache.
Behauptete man.
Damals.
Heute ist Diamorphin in Deutschland den meisten Menschen ein Begriff. Fast jeder kennt es. Allerdings nicht unter seinem chemischen Namen, sondern unter dem Markennamen, welcher ihm anno 1898 von der Herstellerfirma verliehen wurde. Und der lautet….
Heroin.
Seit 2009 ist Heroin übrigens auch in Deutschland wieder ein verschreibbares Medikament. Allerdings nicht als Schmerzmittel, sondern ausschließlich zur Behandlung von Drogenabhängigkeit.

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Written by medizynicus

12. März 2010 um 22:49

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

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5 Antworten

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  1. o.0 Wie geht das? Drogen mit Drogen bekämpfen?

    Alica

    13. März 2010 at 11:09

  2. Dadurch, dass dem Süchtigen reines Heroin anstatt der üblichen Straßenpampe verabreicht wird, hat er lange nicht so mit gesundheitlichen Folgen des Konsums zu kämpfen. Darüber hinaus besteht die Chance, aus dem Konsumenten-Sumpf auszusteigen, da er/sie nicht mehr auf die „Szene“ angewiesen ist, um an Heroin zu kommen.

    sc4rfac3

    13. März 2010 at 15:30

  3. wieder was dazu gelernt.

    Blogolade

    13. März 2010 at 17:34

  4. Haha, nimm den Text als Einleitung zum Vortrag! 🙂

    Avon Barksdale

    13. März 2010 at 18:23

  5. Darüber hinaus kann die Beschaffungskriminalität und -prostitution abgeschafft werden, da bestes Heroin ohne den Verfolgungsdruck des Staates enorm preisgünstig hergestellt werden und den süchtigen kostenlos verabreicht werden kann.

    Onkel Tobi

    15. März 2010 at 08:46


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