Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Post von der Verwaltung

with 12 comments

In meinem Postfach liegt ein grauer Umschlag.
Was ist denn das schon wieder?
„Liebesgrüße von der Geschäftsführung!“ säuselt Kalle mit einem maliziösen Unterton.
„Hast Du das etwa auch bekommen?“
„Natürlich. Jeder von uns. Auch wenn es mich wohl nicht mehr betrifft als künftiger Funktionsoberarzt.“
Ich reisse den Umschlag auf.
Er enthält ein Formular und ein Anschreiben mit der Aufforderung, das Erstere unterschrieben zurückzuschicken.
„Was wollen die denn?“
„Dass Du Deine Seele verkaufst!“
„Aha?“
„Das Formular ist eine sogenannte Opt-Out-Erklärung. Damit bestätigst Du, dass Du bereit bist, mehr und länger zu arbeiten als Du aufgrund der allgemeinen Arbeitsschutz-Bedingungen dürftest. Der eigentliche Hammer ist allerdings der zweite Teil der Erklärung: Damit unerschreibst Du nämlich, dass Du das Krankenhaus, die Verwaltung, den Chef und alle anderen grundsätzlich von jeder Verantwortung befreist und alle Schuld selbst auf Dich nimmst, falls Du im übermüdeten Zustand nach einem Dienst einmal etwas falsch machen solltest.“
„Und das sollen wir unterschreiben?“
„Bislang hat es noch niemand getan!“ sagt Kalle und grinst.

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Written by medizynicus

26. März 2010 um 09:28

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

12 Antworten

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  1. Nicht unterschreiben, anderen Job suchen.

    Nurpatientin

    26. März 2010 at 09:41

  2. Uns haben sie die Opt-Out Regelung auch aufgedrückt. 😦

    Doc-M

    26. März 2010 at 10:11

  3. Das wars dann wohl. An deiner Stelle würde ich zusehen, schnell nen anderen Job zu finden.
    (Und ich werde ganz genau hinschauen, WO ich mich operieren lasse)

    Finchen

    26. März 2010 at 11:18

  4. Als junger Arzt hast du sicherlich andere, bessere Perspektiven als die Arbeit in einem Kreiskrankenhaus, welches für die Privatisierung saniert wird.

    stef

    26. März 2010 at 13:36

  5. @Nurpatientin:
    anderer Job, gleiches Problem.

    Ich habe Optout auch unterschrieben, wobei wir nicht all zu viele Dienste machen.Wenn ich aber mehr als 6-8 machen müsste, würde ich wohl auch verweigern.

    Doc Brown

    26. März 2010 at 13:38

  6. @Doc-M, Doc Brown

    Mit was für Sanktionen musstet ihr den rechnen, falls ihr nicht unterschreibt? Insbesondere, da doch immer wieder vom „Ärztemangel“ gesprochen wird und –soweit ich gehört habe– es jede Menge unbesetzter Stellen gibt?

    Orakel

    26. März 2010 at 16:26

  7. BITTE???
    Spinnen die? Das wird ja immer perverser…!
    Was ich mich schon lange frage: Warum wird mit Leuten die so substantiell wichtig sind, wie Ärzte, Pfleger, etc, so schlecht umgegangen? Und warum haben solche Leute immer so verdammt lange Schichten?

    darimund

    26. März 2010 at 18:32

  8. @ Orakel:
    OFFIZIELL keine. Aber wenn man dann ganz plötzlich keine Funktionen/Interventionen/OPs durchführen darf und andere Kollegen bevorzugt behandelt werden, dann kann man sich den Grund denken.

    Doc-M

    26. März 2010 at 18:35

  9. DAS wäre doch mal ein Aufreisser für die BILD…
    Ich denke, Ärzte müssen sich nicht alles gefallen lassen – andere Berufsgruppen übrigens genauso wenig. Es ist ja nicht so, als hätte man es als Arzt so schwer, einen neuen Job zu finden.

    Das wäre bestimmt eine nette Zwangssanierung, wenn einfach die Ärzte aufgrund solcher Bestimmungen kündigen – dann hat das Krankenhaus gleich eine ganze Reihe weniger Gehälter zu zahlen 😉

    INTensivling

    27. März 2010 at 09:21

  10. Ich sag ja immer, es gibt bessere Jobs als Arzt, die in den Kliniken werden von der Klinikleitung geknebelt und die in den Praxen von der KV. Und die Ironie an der Geschichte? HPs handeln nur mit Schmu, denen gehts aber noch richtig gut…

    verhaltensoriginell

    27. März 2010 at 10:45

  11. was wäre denn die konsequenz eines nicht unterschreibens? o_O

    neklaf

    27. März 2010 at 11:46

  12. Na so lange die sich solche Aktionen noch leisten, kann’s ja mit dem Ärztemangel nicht so schlimm sein. /Ironie

    Stefan

    27. März 2010 at 18:19


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