Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Schon wieder Post von der Verwaltung

with 4 comments

„Was ist denn das schon wieder?“ fragt Schwester Anna und schüttelt den Kopf.
In der Hand hält sie ein fotokopiertes Stück Papier mit dem Briefkopf der Krankenhausverwaltung.
„Rundschreiben an alle Mitarbeiter“ lautet die Überschrift, und darüber, in fetten Lettern und mit drei Ausrufezeichen: „Wichtig !!!“
Wir verehrten Mitarbeiter werden also darüber aufgeklärt, dass das Rauchen auf dem Klinikgelände bekanntlich streng verboten ist. Besonders möchte man uns darauf hinweisen, dass auch die Balkone Teil des Klinikgeländes und damit Teil der allgemeinen Rauchverbotszone sind.
Und auch der zugige Hof zwischen Hinterausgang und Parkplatz gehört dazu, wie übrigens auch der gesamte Rest des Parkplatzes. Wer also dort mit einer Fluppe, einem Glimmstängel oder einer Krebsnudel erwischt wird, dem drohen Abmahnung und im Wiederholungsfall die Kündigung.
Nun wolle man aber nicht so sein, heißt es dann im nächsten Absatz bürokratisch verbrämt, und für den erwähnten Hof wolle man Gnade vor Recht gewähren, sofern die Pause im Zeiterfassungssystem ordnungsgemäß dokumentiert worden ist.
„Und wie soll das jetzt funktionieren?“ fragt Anna und kommt aus dem Kofschütteln gar nicht mehr raus.
„Ganz einfach,“ meint Kalle, „Du gehtst erstmal zur Stechuhr und stempelst aus. Dann gehst Du in die Umkleide, holst Deine Zigaretten, gehst runter in den Hof, rauchst, bringst die Zigaretten zurück und stempelst ein!“
„Die spinnen doch!“ meint Schwester Anna.
„Alternativ könntest Du Dir ja auch das Rauchen abgewöhnen!“ entgegnet Kalle.
Und während Anna noch nach einem Gegenstand sucht, den sie ihm an den Kopf werfen könnte ist er längst in Richtung Treppenhaus verschwunden.

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Written by medizynicus

30. März 2010 um 07:00

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

4 Antworten

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  1. Nicht zu vergessen: Umziehen, und nach der Rauchpause natürlich wieder umziehen und – ganz wichtig – Händewaschen.
    Sonst schleppt man den Dreck aus dem Hinterhof (ganz zu schweigen vom Qualm) ja in den Klamotten einmal rund durch alle Krankenzimmer.

    Benedicta

    30. März 2010 at 14:51

  2. Nachtrag: die Mitarbeiter bei meinem Bäcker-um-die-Ecke tun das – Raucherpause gibt’s da nur in eigenen Klamotten, niemals im Verkaufs-Outfit.

    Benedicta

    30. März 2010 at 14:53

  3. Die suchen wohl dringend Gründe, um hochbezahlte Mitarbeiter loszuwerden.

    Stefan

    30. März 2010 at 21:04

  4. Äh, man mag mich jetzt als spießig bezeichnen, aber bei uns in der Firma ist das seit langem so geregelt, dass für Raucherpausen ausgestempelt wird. Und schlussendlich sehe ich als Nichtraucher auch nicht so wirklich ein, warum ich für das gleiche Geld mehr arbeiten sollte, weil ich diese Pausen nicht mache…

    ozyan

    1. April 2010 at 23:38


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