Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Archive for April 2010

gekrönte Häupter

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Telefon klingelt.
„Kaiser Wilhelm ist in der Leitung, darf ich ihn durchstellen?“
Sie dürfen!
Für Kaiser Wilhelm habe ich immer ein offenes Ohr. Für Papst Benedikt auch, wenn er denn anrufen würde, den hatten wir nämlich ebenfalls schonmal hier, ist aber ’ne Weile her und ich war nicht dabei, von daher kann es sich auch um ein Gerücht handeln. Auch König Ludwig und Prinz Heinrich sollen schon ihre Aufwartung gemacht haben, von Lady Diana oder Prinzessin Sissi hingegen habe ich noch nie gehört. Wer heißt denn auch schon „Lady“ oder „Prinzessin“ mit Nachnamen?
Kaiser Wilhelm jedenfalls ruft öfters an.
Es handelt sich natürlich, wie man sich vielleicht denken kann, um den Herrn Kaiser, Komma, Vorname Wilhelm.
Um den Herrn Doktor Kaiser, um genau zu sein. Darauf legt er nämlich Wert.
Herr Doktor Wilhelm Kaiser ist Hausarzt und mit seinem historischen Namensvetter hat er nicht nur den eindrucksvollen Schnurrbart gemeinsam.
Sein Wort ist Befehl, die Patienten lieben und verehren ihn und es soll sogar eine Initiative geben, eine Straße nach ihm zu benennen. Dass man dazu in der Regel zunächst tot sein sollte, wird von der Lobbygruppe diskret ignoriert, Dr. Wilhelm Kaiser ist auch zu Lebzeiten schon Legende.
Es knackt in der Leitung.
„Tag Herr Kollege, ich schicke Ihnen eine fünfundachtzigjährige Dame mit Verdacht auf Apoplex!“ sagt eine Stimme, die keinen Widerspruch duldet.
„Alles klar, dann sehen wir uns gleich!“
Doktor Kaiser begleitet nämlich jeden seiner Patienten persönlich bis ins Krankenhaus. Das Einweisungsformular drückt er dort dem Diensthabenden höchstpersönlich in die Hand und dann trifft er seine Anordnungen. Wehe wenn man etwas davon in Frage stellt!
Kalle hat das einmal getan aber selbst er hat klein beigeben müssen, und das will etwas heißen.

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Written by medizynicus

30. April 2010 at 07:10

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Medizynicus will gewinnen!

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…im Doc-Check Blog Award.
Und Ihr, liebe Leser könnt auch gewinnen, nämlich einen Ei-Pott, wenn Ihr für mich stimmt!

ähem…. den Ei-Pott könnt Ihr natürlich auch gewinnen, wenn Ihr für die Konkurrenz stimmt, und die schläft nicht… und ist verdammt hart!!!

Written by medizynicus

29. April 2010 at 17:44

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Zahl des Tages: 150 Liter

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Egal ob schlabberdünne Bohnensuppe Marke Bodenseh oder knüppeldicker Teer-Extrakt, welcher zwar schmeckt wie die Faust in der Fresse aber dafür wenigstens seine Funktion als Flüssigwecker erfüllt: Hundertfünfzig Liter davon schlabbert ein jeder Durchschnittsdeutscher davon pro Jahr.
Medizynicus gerne auch ein bißchen mehr.
In diesem Sinne: Egalitee, Fraternitee und Morgenkaffee!
Und jetzt brauch ich gleich einen…
(***abzisch in die Küche***)

Written by medizynicus

29. April 2010 at 13:58

Ich bleibe aber nicht im Krankenhaus!

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Herr Wanzengruber starrt mich mit eisgrauen Augen an.
Die Herren in Rot, die ihn gebracht haben, sind wieder um die Ecke gebogen und gerade höre ich draußen einen startenden Diesel und das Geräusch des wegfahrenden Krankenwagens.
In meiner Hand halte ich den zerknitterten Einweisungszettel des Dienst habenden Hausarzt-Kollegen.
„häuslicher Sturz, fragliche Synkope, bitte um Abklärung!“ darauf.
Der Dienst habende Kollege kennt Herrn Wanzengruber nicht. Sonst hätte er gewusst, daß wir erst vor zwei Wochen alles abgeklärt haben.
„Ich bleibe aber nicht hier!“ schnarrt der Patient und seinen Blick könnte man durchaus als „hasserfüllt“ bezeichnen.
„Schauen wir mal!“ nuschele ich, streife mir Gummihandschuhe über und greife routiniert an die rechte Ellenbeuge des Patienten um ihm Blut abzunehmen.
„Gibt jetzt einen kurzen Pieks!“ sage ich.
Herr Wanzengruber läßt es geschehen.
Ich kann nicht behaupten, dass er mir sonderlich sympathisch ist. Herr Wanzengruber ist der Prototyp des stets schlechtgelaunten, knorrigen alten Mannes von gegenüber, welcher die Polizei ruft, wenn man die Musik zu laut aufgedreht hat.
Für seine fünfundachtzig Jahre ist er erstaunlich rüstig. Jeden Morgen um Schlag sieben geht er aus dem Haus, trippelt tief über seinen Stock gebeugt die paar Schritte zum Bäcker wo er zwei Brötchen und eine Zeitung kauft. Natürlich die mit den vier Buchstaben und den großen Schlagzeilen, was anderes als die Schlagzeilen kann er nicht mehr lesen, selbst mit Brille nicht.
So war es zumindest bis vor kurzem.
Dann ist er einmal beim Trippeln umgefallen. Oberschenkelhalsbruch. Operation plus anschließende Reha hat er halbwegs gut vertragen.
Also wieder heim und drei Wochen später macht er erneut seine Aufwartung bei uns. Schon wieder vertrippelt, aber diesmal nur multiple Prellungen, keine Fraktur, also nix für die Chirurgen.
Nach dem nächsten Sturz wurde er dann internistisch abgeklärt, von vorn bis hinten, von oben bis unten. EKG, Echo, Ergometrie, Langzeit-EKG, Carotisdoppler, alles in Ordnung. Zumindest wenn man sein biblisches Alter in Betracht zieht. Wir entließen ihn und nahmen ihn kurz darauf wieder in unserem gastlichen Hause auf. Dann entließen wir ihn erneut.
Und jetzt?
Schauen wir mal. Irgendeine Diagnose wird uns schon einfallen.
„Schicken Sie mich nach Hause, Herr Doktor!“
„Gerne Herr Wanzengruber, aber erst wenn Sie gesund sind!“ sagt Schwester Anna.
Der Patient dreht seinen Kopf zur Seite und grummelt etwas Unverständliches.

Written by medizynicus

29. April 2010 at 00:01

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Jetzt ist’s amtlich: Schoggi ist Nervennahrung!

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Heilige Pralinenschachtel, da haben wir’s!
Der wissenschaftliche Beweis ist nun erbracht. Es besteht eine positive Korrelation zwischen Konsum von Pasta Theobromae und Depression.
Egal ob in Form von jahreszeitenabhängigen Hohlkörpern oder in Verbindung mit weißem Zuckerschaum und Waffel als Gebäck mit Migrationshintergrund: Pasta Theobromae, auch bekannt als Vitamin S und erhältlich in allen möglichen Geschmacksrichtungen, von Chili bis Knoblauch-Nuss wird demnach zu medizinischen Zwecken eingenommen.
Es gilt: Je depri, desto Schoggi.
Aber jeder Schokoholiker wusste das ja schon lange…
Quelle:

Written by medizynicus

28. April 2010 at 17:25

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

retten und sterben lassen im Hurrikan

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Die Folgende Zusammenfassung ist für jene Leser gedacht, welchen diese
Blognotiz zu kurz und der Originalartikel zu lang oder zu englisch ist.

Also:
New Orleans, Ende August 2005.
Hurrikan Katrina hat Stadt und Land verwüstet, aufgrund gebrochener Deiche sind weite Teile der Stadt überflutet. Zudem ziehen bewaffnete Banden plündernd durch die Gegend und behindern die Rettungsarbeiten erheblich.
In einem Krankenhaus sind mehrere hundert Menschen eingeschlossen. Der Strom ist ausgefallen, auch die Notstromaggregate machen schlapp, die Klimaanlagen sind längst ausgefallen und es ist tropisch heiß. Trinkwasser und Vorräte werden knapp.
An eine sinnvolle Behandlung oder Versorgung der Kranken ist nicht mehr zu denken. Vorräte und sauberes Trinkwasser werden knapp.
Die Patienten sollen mit Hubschraubern und Booten evakuiert werden. Dazu müssen sie vom Personal über mehrere Stockwerke hinweg hinaus aufs Dach oder hinunter in die Eingangshalle getragen werden, teilweise durch enge Durchgänge hindurch. Manche Patienten sind über 150 Kilo schwer. In den USA ist sowas ja nicht ungewöhnlich.
Die Arbeiten gehen nur langsam voran. Ärzte, Schwestern und andere Angestellte sind erschöpft. Wie lange werden sie noch durchhalten?
Die Zeit drängt.
Wird man es schaffen, alle Leute zu evakuieren? Werden die Schwerstkranken auf der Intensivstation die Strapazen des Transportes überstehen?
Die Ressourcen sind begrenzt.
Ärzte müssen entscheiden: Wer kommt zuerst dran? Wer kann warten? Wer muss zurückbleiben, weil er sowieso nur geringe Chancen hat?
So etwas nennt man Triage: eine ethische Gratwanderung, vielleicht eine der kniffeligsten und umstrittensten ärztlichen Aufgaben, die aber in Katastrophensituationen unvermeidbar ist.
Diejenigen Patienten mit guten Überlebenschancen werden vorrangig evakuiert.
Die Schwerstkranken auf der Intensivstation, einige von ihnen vielleicht auch sowieso schon dem Tode nahe, bekommen niedrige Priorität. Wird man sie zurücklassen müssen? Darf man sie aufgeben und damit riskieren, in die Hände der Plünderer zu fallen und von diesen womöglich gequält, misshandelt, vergewaltigt oder gar ermordet zu werden? In der Nachbarschaft hört man Schüsse.
Ist es Zeit für die Retter, sich endlich selbst in Sicherheit zu bringen?
Nerven liegen blank.
Einige der Schwerstkranken bekommen Beruhigungsmittel gespritzt. Einige auch Morphium. Morphium ist bekanntlich ein starkes Schmerzmittel.
Haben diese Patienten überhaupt über Unruhe oder Schmerzen geklagt?
Später werden Zeugen berichten, in Gesprächen zwischen Ärzten und Pflegepersonal habe es geheißen, „man wolle diese Kranken von ihrem Leiden erlösen“. Oder so ähnlich. Jedenfalls sind nachher mehrere Menschen tot.
War ihr Ableben unvermeidbar? Wurde es billigend in Kauf genommen? Hat man gezielt Euthanasie betrieben? Oder die Leute gar kaltblütig um die Ecke gebracht, weil sie lästig waren?
„Das war Mord!“ lautet der Vorwurf gegen eine Ärztin.
Sie wird verhaftet.
Die Anklage wird später – auch auf öffentlichen Druck hin – fallen gelassen.
Was wirklich geschehen ist, wird wohl niemals herauszufinden sein.

Quelle:

Written by medizynicus

28. April 2010 at 00:23

Quellenangabe

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Okeh, okeh.
Immer schön die Quellen angeben, haben wir gelernt, damit’s kein geistiger Diebstahl ist:
Nach der Lektüre von Josephines Blog wollte ich wissen, was eine Assi-Palme ist und habe mal gegoogelt.
Bei Mundmische fand ich dann die Erklärung. Und noch viel mehr. Ich weiss jetzt, was Pornokrallen und Nuttenschaufeln sind. Und bei dem Spruch von der Stradivari bin ich vor Lachen vom Stuhl gefallen.
…tja, und so entstand dieser Artikel… 🙂

Written by medizynicus

27. April 2010 at 14:02

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