Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Auftritt La Diva

with 6 comments

Gesichtsbaracke bleibt Gesichtsbaracke: Auf’m Schädel eine pornoblonde Asipalme, an den Fingern zentimeterlange Nuttenschaufeln, die Münzmallorcabräune unter dicker Kriegsbemalung zugespachtelt, aber auch noch so viel Bauernmalerei macht aus einer Arschgeige keine Stradivari.
Alles klar?
Sie stöhnt und jammert, kann weder Sitzen noch Stehen noch liegen und wird vom Begleiter im Rollstühlchen hereingefahren.
Ist ja okay, das hier ist schließlich die Notaufnahme!
„Tun Sie doch endlich was!“ sagt der Lebensabschnittsgefährte.
Okay. Wir versuchen’s.
„Warum tun Sie denn nichts?“
Weil das gar nicht so einfach ist.
Jede Berührung eine Höllenqual. Würde Madame sich vielleicht auf die Untersuchungsliege bequemen?
„Wo genau tut’s denn weh?“
„Sehen Sie das denn nicht?“ bellt der mutmaßliche Sexualpartner der Barbiepuppe, deren eigenes Sprechmodul sich offenbar gerade im Standbymodus befindet.
„Okay, darf ich mal kurz auf Ihren Bauch…?“
„Neeeeeiiiin!“
Sieh mal an! Perückenschaf ist doch zur Artikulation befähigt. Ihre Bluse ist etwas hochgerutscht und gibt den Blick auf einen Schlampenstempel frei, welcher den größten Teil des Rückens bedeckt. Hätte mich auch sehr gewundert, wenn die kein Arschgeweih hätte.
„Warum nicht?“
„Ich hab Angst!“
„Geben Sie ihr gefälligst eine Spritze!“ blafft Männe. Schwester Anna bugsiert ihn nach draußen und schließt die Tür.
„Ja, ich gebe Ihnen dann mal…“
„Neiiiiin!“
„Was?“
„Ich bin doch allergisch gegen Nadeln!“
„Okay…“
„Ich bleibe hier nicht!“
„Gute Frau, Sie haben…“
„Auf gar keinen Fall!“
„Dann unterschreiben Sie bitte…“
Aber da ist sie schon aufgesprungen und hechtet dem Ausgang entgegen, So schnell, dass ihr Stecher kaum folgen kann.
„Auch gut!“ sagt Schwester Anna.
„Haben wir eigentlich ihre Personalien?“
„Nö.“
„Macht nichts.“

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Written by medizynicus

27. April 2010 um 00:10

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

6 Antworten

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  1. Großes Kino! Kann ich mir lebhaft vorstellen. Bin ich froh, dass ich sowas nicht selbst erlebe; würde mich viel zu sehr aufregen.

    asinuscanus

    27. April 2010 at 08:05

  2. Die ersten drei Zeilen sind einfach genial und der beste und lustigste Start in den Morgen seit langem 🙂

    Chris

    27. April 2010 at 08:32

  3. Deine Worte sind wirklich treffend. Die beschriebene Art von Mensch, konnte ich mir nach den ersten Sätzen bestens vorstellen. Die Situation ist echt witzig! Dass das Mädel für ihr „natürliches“ Aussehen jede Menge Qualen auf sich nimmt und es dann an einer notwendigen medizinischen Untersuchung scheitert, ist der Brüller.

    May Green

    27. April 2010 at 09:34

  4. Na, na, heute aber mal geladen!!!

    der Landarsch

    27. April 2010 at 09:51

  5. Na *das* war aber ein kurzer Besuch. 🙂

    Pharmama

    27. April 2010 at 10:24

  6. Hihi.
    Das war aber schön direkt.
    Dann überlege ich mal, was mein Doc vielleicht heute von mir gedacht hat … (ich bin nicht blond, habe keine Nuttenschaufeln – genialer Ausdruck übrigens –
    usw.

    Mist. Ich möchte nun wirklich mal wissen, was der Doc so von mir denkt.

    Schönen Abend,
    herzlichst Frau van Hanszen.
    🙂

    paradalis

    28. April 2010 at 20:34


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