Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

gekrönte Häupter

with 6 comments

Telefon klingelt.
„Kaiser Wilhelm ist in der Leitung, darf ich ihn durchstellen?“
Sie dürfen!
Für Kaiser Wilhelm habe ich immer ein offenes Ohr. Für Papst Benedikt auch, wenn er denn anrufen würde, den hatten wir nämlich ebenfalls schonmal hier, ist aber ’ne Weile her und ich war nicht dabei, von daher kann es sich auch um ein Gerücht handeln. Auch König Ludwig und Prinz Heinrich sollen schon ihre Aufwartung gemacht haben, von Lady Diana oder Prinzessin Sissi hingegen habe ich noch nie gehört. Wer heißt denn auch schon „Lady“ oder „Prinzessin“ mit Nachnamen?
Kaiser Wilhelm jedenfalls ruft öfters an.
Es handelt sich natürlich, wie man sich vielleicht denken kann, um den Herrn Kaiser, Komma, Vorname Wilhelm.
Um den Herrn Doktor Kaiser, um genau zu sein. Darauf legt er nämlich Wert.
Herr Doktor Wilhelm Kaiser ist Hausarzt und mit seinem historischen Namensvetter hat er nicht nur den eindrucksvollen Schnurrbart gemeinsam.
Sein Wort ist Befehl, die Patienten lieben und verehren ihn und es soll sogar eine Initiative geben, eine Straße nach ihm zu benennen. Dass man dazu in der Regel zunächst tot sein sollte, wird von der Lobbygruppe diskret ignoriert, Dr. Wilhelm Kaiser ist auch zu Lebzeiten schon Legende.
Es knackt in der Leitung.
„Tag Herr Kollege, ich schicke Ihnen eine fünfundachtzigjährige Dame mit Verdacht auf Apoplex!“ sagt eine Stimme, die keinen Widerspruch duldet.
„Alles klar, dann sehen wir uns gleich!“
Doktor Kaiser begleitet nämlich jeden seiner Patienten persönlich bis ins Krankenhaus. Das Einweisungsformular drückt er dort dem Diensthabenden höchstpersönlich in die Hand und dann trifft er seine Anordnungen. Wehe wenn man etwas davon in Frage stellt!
Kalle hat das einmal getan aber selbst er hat klein beigeben müssen, und das will etwas heißen.

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Written by medizynicus

30. April 2010 um 07:10

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

6 Antworten

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  1. Dem Kaiser widerspricht man auch nicht! Hat mir meine Oma beigebracht.

    Der Maskierte

    30. April 2010 at 09:35

  2. Fehlt da ein Stück vom Text?
    Also wo, verdammt noch mal, ist denn da die Pointe, der Knackpunkt, der Sinn an deiner Story?

    Daniel

    Daniel Siller

    30. April 2010 at 11:15

  3. Ohman, sowas kann ich ja mal gar nicht ab. Die „Weisungsbefugnis“ des Hausarztes endet hinter seiner Praxistür und das haben unsere Docs auch schon öfter mit dem ein oder anderen Hausarzt ausdiskutiert, der sich in INTENSIVTHERAPIE einmischen wollte. Davon haben HA ja in der Regel auch besonders viel Ahnung…

    INTensivling

    30. April 2010 at 11:27

  4. @Daniel: wart’s ab, wart’s ab. Kaiser Wilhelm wird in dieser Geschichte noch die eine oder andere Rolle spielen…. 😉

    medizynicus

    30. April 2010 at 11:48

  5. „Wir woll’n unsren alten Kaiser Wilhelm wieder haben!“

    Nee im Ernst – solche ‚von seinem Schlag‘ hab ich auch eine Menge kennen gelernt. Die sind immer wieder für ’ne Story gut 😀

    Klinkenputzer

    2. Mai 2010 at 01:04

  6. […] 7 Kommentaren Kaiser Wilhelm streckt mir seine Hand entgegen. “Herr Kollege, ich bringe Ihnen die Frau Welfenstein!“ […]


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