Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

vorhin in der Ambulanz

with 7 comments

Junge Frau sitzt mit regennassen Haaren auf einem der festgeschraubten Plastikschalensitze und fummelt an ihrem Handy herum. Auf ihrem Schoß ein vierjähriges Kind, den Kopf tief in Mamas Jacke vergraben, nebenan eine halbvolle Kotzschale.
Mama hält’s Handy ans Ohr.
„Du…?“
„…“
„Ja, natürlich weiß ich dass ich Dich störe….“
„…“
„Eins zu null? Aha…“
„…“
„…ja, kann ich mir denken, dass es gerade spannend ist…“
„…“
„Wie lange dauert es denn noch?“
„…“
„Ich bin hier mit Justin-Kevin im Krankenhaus…“
„…“
„Ja, tut mir leid, kann ich doch nichts für…“
„…“
„Du erwartest doch nicht ernsthaft, dass ich mit dem kranken Kind auf dem Schoß so lange warte?“
„…“
„Ja, ich weiß, aber wenn Du uns jetzt sofort abholen würdest, wären wir rechtzeitig…“
„…“
Es geht noch eine Weile weiter, bis sie schließlich mit nicht unbedingt zitierfähigen Äußerungen unser gastliches Haus verläßt, und in den strömenden Regen hinausstapft, ein bleiches Kind an der einen und eine frische Kotzschale in der anderen Hand.

Advertisements

Written by medizynicus

18. Juni 2010 um 18:29

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Tagged with , ,

7 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Unglaublich. Ich glaube wenn meine bessere Hälfte sich sowas leisten würde, müsste ich ernsthaft zweifeln den richtigen Vater für meine Kinder gewählt zu haben. Fussball vor Kind, das sagt viel über die Prioritäten des werten Herrn Papas.

    Auf dem Weg nach Hause würde ich auf jeden Fall überlegen wie ich mich für die tolle Unterstützung bedanken könnte.

    Vielleicht freut sich ja sein Chef wenn er hört, dass der gute Gatte beim nächsten Spiel freiwillig Überstunden macht, oder die Schwiegermutter über einen Besuch ihres Sohnes zur Hilfe im Garten, oder der TV muss dringend vor dem nächsten Spiel zur Wartung abgeholt werden …..

    Wenn unser Kind im Krankenhaus ist, dann ist der Papa dabei, es sei denn er steht selber im OP und selbst dann würde er alles versuchen um so schnell wie möglich zu kommen.

    aupairfamilienrw

    18. Juni 2010 at 19:01

  2. Na, dem hätte ich was erzählt…

    Chaoskatze

    19. Juni 2010 at 10:19

  3. Sowas wird dann eher der Lebensabschnittsgefährte sein als der leibliche Vater.

    DerSchuki

    19. Juni 2010 at 16:19

  4. Hätte ein Taxi genommen, ihn zahlen lassen und dann rausgeschmissen – hätte er ja gleich ein Taxi ins Hotel gehabt!

    Avialle

    19. Juni 2010 at 21:52

  5. Sorry, mir fehlen echt die Worte!

    Emily

    21. Juni 2010 at 11:24

  6. Ich hab zwar keine eigenen Kinder, wenn ick aber bald Onkel bin, würd ick mir selbst für meine NeffNichte nen Arm ausreissen.

    ickedette

    21. Juni 2010 at 15:48

  7. Mal wieder ein super Beispiel, daß Fußball bei einigen die schlimmsten Seiten ans Licht bringt…

    peti82

    21. Juni 2010 at 21:26


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: