Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Von Mann zu Mann

with 20 comments

Gerötete Konjunktiven, schwer lallende Sprache, typischer Foetor ex Ore und zum schwankenden Gang ist er nicht mehr in der Lage. Zeh-Zwei-Intox, klare Diagnose. Immerhin, diskutieren kann er noch.
„Is doch alles Scheiße, ey, totale Scheiße, ey…“
„Hmmm.“
„Weissu, ich bin heute einfach Scheiße drauf. Scheiße gelaufen alles. Mit Frauen un so. Dann noch n Anschiss gekriegt. Un mit Kollegen auch Scheiße….“
„Ja?“
„…Ey, un no future, echt, no future, gar nix…“
„Ja?“
„Nee, echt ey, geht alles ’n Bach runter hier in Schlaaand, un annerswo auch, sach ich…“
„Äh…“
„…glaub mir, ich hab schon alles gesehn, ich kenn mich aus…“
Okay. So ist das also. Mit knapp zwei Promille. Und dreizehn Jahren Lebenserfahrung.

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Written by medizynicus

26. Juni 2010 um 22:14

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

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20 Antworten

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  1. Ehrlich gesagt, passt mir vorallem der letzte Satz nicht… mit 13 schon 2 Promille?????

    DelfinStern

    26. Juni 2010 at 22:21

  2. @delfinstern:
    willkommen in der realität!

    tofu

    26. Juni 2010 at 23:12

  3. Wer als 13jähriger mit 2 Promille ins Krankenhaus kommt, dem glaube ich, das sein Leben scheiße läuft.

    NK

    26. Juni 2010 at 23:48

  4. das ist heftig…

    ichbinines

    27. Juni 2010 at 02:06

  5. @Delfinstern: Genau das ist ja der entscheidende Punkt an der Sache. Gerademal dreizehn, voll wie eine Haubitze und daherreden wie ein dreißigjähriger der schon alles gesehen hat im Leben. Und desillusioniert wie ein sechzigjähriger.

    medizynicus

    27. Juni 2010 at 07:41

  6. Ist doch traurig, dass jemand mit 13 schon zu solchen „Bewältigungsstrategien“ greift. Und zeigt wiedermal wie leicht Kinder an Alkohol kommen, wahrscheinlich ohne dass seine Eltern davon wussten. Sind die noch in die Klinik gekommen oder hat die Polizei ihn daheim abgeliefert?

    Avialle

    27. Juni 2010 at 09:49

  7. Das ist leider mittlerweile normal.
    Wo ich noch mit 14 das erste Bier trank und es bei einem blieb. Weder meine Freunde noch ich hatten jemals das Bedürfnis zu saufen bis wir erbrechen.

    Ok, bei uns galt auch der Grundsatz „wer saufen kann, kann auch arbeiten/in die Schule gehen“ und im eigenen Interesse tat man das besser halbwegs zurechnungsfähig. Sonst gabs Ärger mit den Eltern.

    Blogolade

    27. Juni 2010 at 10:09

  8. Vor allem, dass er damit überhaupt noch sprechen kann… ^^

    Aber ist ja nicht unbedingt ein Einzelfall, schließlich kommt es durchaus öfter vor, dass Kinder an Alk oder diverse andere Drogen kommen (oder es ihnen gegeben wird).

    Chaoskatze

    27. Juni 2010 at 12:08

  9. Hallo Leute, heute mal eine kurze Frage in eigener Sache. Uns ist gestern was passiert, das glaubt einem kein Mensch:
    Patient mit ZVK, stationsmobil. Das Antibiotikum sollte am Dreiwegehahn noch abgedockt werden. Plötzlich bricht der Dreiwegehahn auseinander, Luftembolie.
    Also, Patient geht´s gut und so, trotzdem:
    Ist euch sowas schonmal unter oder zu Ohren gekommen???

    mausel

    27. Juni 2010 at 13:30

  10. Medizynicus: in einer Reportage über jugendliches Komasaufen aus Krankenhaussicht sah ich vor einer Zeit, dass die betrunkenen Kinder und Jugendlichen nebst Flüssigkeit etc zum Wiedernüchtern werden auch Schmerzmittel i.V. bekommen.
    Nun meine Frage als Mutter: muss das sein?

    Wenn meine Kinder irgendwann Komasaufen veranstalten und auf diese Art ins Krankenhaus kommen, möchte ich nicht, dass der Kater auf diese Art abgemildert wird. Ich empfand den Kater in meinen Jugendtagen immer als sehr heilsam (rückblickend) und finde, wenn die Kinder schon meinen, saufen zu müssen sollen sie auch genauso am nächsten Tag leiden müssen.
    Ist jetzt so meine Ansicht, vielleicht stehe ich damit auch alleine?! (Ich Rabenmutter *g* )

    Blogolade

    27. Juni 2010 at 19:47

  11. @Blogolade: ich finde man sollte den Kater nicht durch medikamente mildern. Denn es sollte eine Lehre sein. Als ich einmal wegen C2-Intox im Krankenhaus lag habe ich glaube ich auch Schmerzmittel bekommen – hatte keinen Kater und hatte nichts dazu gelernt.

    ichbinines

    27. Juni 2010 at 20:46

  12. Ich mutmaße mal, dass Ärzten da die Hände gebunden sind? Das Ziel lautet, Leid zu mindern, egal wer dort warum liegt.

    NK

    27. Juni 2010 at 22:09

  13. Ich fand meine(n) Kater auch sehr heilsam, seitdem weiss ich wann ich Schluss mache weil es nix wiederlicheres als einen ausgewachsenen kater gibt.

    Ansonsten schon gruselig. Ist das eher die Ausnahme oder eher die Regel, so mal aus deiner Sicht als Mediziner?

    Silberaugen

    27. Juni 2010 at 22:13

  14. Wenn meine Kinder irgendwann Komasaufen veranstalten und auf diese Art ins Krankenhaus kommen, möchte ich nicht, dass der Kater auf diese Art abgemildert wird. Ich empfand den Kater in meinen Jugendtagen immer als sehr heilsam (rückblickend) und finde, wenn die Kinder schon meinen, saufen zu müssen sollen sie auch genauso am nächsten Tag leiden müssen.Ist jetzt so meine Ansicht, vielleicht stehe ich damit auch alleine?! (Ich Rabenmutter *g* )
    +1

    Jennee

    28. Juni 2010 at 18:11

  15. Menschen unterscheiden sich in der Fähigkeit den Alkohol zu „verarbeiten“. Jene, die wenig oder keine Katerbeschwerden bekommen, sind zu höherem Prozentsatz später alkoholkrank als jene die den Kater durchleiden müssen. Das ist zumindest einer von mehreren Gründen weswegen einer abstürzt und ein anderer nicht.

  16. „Ansonsten schon gruselig. Ist das eher die Ausnahme oder eher die Regel, so mal aus deiner Sicht als Mediziner?“

    Also ich bin kein Mediziner in dem Sinne(kleiner ehrenamtlicher Sanhelfer)aber, ich kann aus meiner Erfahrung sagen, LEIDER schon fast die Regel.Nur mal als kleines Beispiel…Fasching 17 Alkohol bedingte Einlieferungen ins Kh davon 11 die gerade mal die 16 erreicht haben und 2 die,die 14 angekratzt haben.

    MakMak

    28. Juni 2010 at 19:42

  17. Ich bin entsetzt, wie bitter….:(

    Jürgen

    28. Juni 2010 at 23:34

  18. Hm erster Asbach mit 15, es blieb bei einem (2) am Abend.
    Erstes Bier mit 21 (wegen dem Geschmack).
    Meine Eltern hatten ein Restaurant, ich kamm also leicht an Alkohol, aber irgendwie nie die Lust verspürt.
    Und heute bist du uncool wenn du mit 15 nicht mindestens einmal mit C2-Intox im KH warst.
    Mein Sohn wird 14 und alles was er mal getrunken hat ist ein (1) Ouzo 🙂
    Bin ich froh das er und seine Freunde zudröhnen als uncool empfinden (hoffentlich noch lange, ich erkläre ihm gerne wie uncool es ist am Morgen nicht zu wissen was man gestern getan hat)

    Gerard

    29. Juni 2010 at 09:25

  19. Müssten vor der Schmerzmittelgabe nicht die Eltern nach ihrer Einwilligung gefragt werden? Katerbekämpfung ist ja nicht lebensnotwendig.

    Die meisten Eltern würden zwar einwilligen (um ihren lieben Kleinen, die ja nur verführt wurden, möglichst jedes Leid zu erparen), aber einige würden, wie z.B. Blogolade, auch ihrer Erziehungsaufgabe nachkommen.

    Die Natur/der liebe Gott werden sich schließlich was dabei gedacht haben, wenn sie übermäßiges Saufen mit einem Kater bestrafen.

    Matthias

    29. Juni 2010 at 10:40

  20. Oh, ihc bin doch nicht allein mit dieser Meinung. Schön zu hören.

    Ich weiß halt aus eigener Erfahrung, dass der Kater irgendwann von alleine weggeht aber solange er da ist, ist er heilsam und eine gute Lehre, daher soll er nicht vorzeitig verschwinden, finde ich! *fg*

    Ich verbiete gelegentlichen Alkohol (zB ein Glas Sekt an Silvester oder im Urlaub auch mal ein Glas Wein) sicherlich nicht völlig ab einem bestimmten Alter aber dieses Komasaufen muss echt nicht sein.

    Blogolade

    29. Juni 2010 at 13:01


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