Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Wieder mal: falsches Bein amputiert

with 12 comments

Selsbst in der hochsommerichen Saure-Gurken Zeit bringt diese Meldung bei Spiegel Online wohl kaum jemandem mehr als ein müdes Lächeln auf die Lippen.
Ja, Ärzte machen ab und zu Fehler.
Außerdem waren’s diesmal die Österreicher… (*duck und weg*).

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Written by medizynicus

4. Juli 2010 um 10:07

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

12 Antworten

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  1. Ich glaube kaum, dass die 91-jährige, die im Pflegeheim lebt ihr Bein groß vermissen wird.
    Aber im ernst: So was darf einfach nicht passieren. Wenn ich einen Patienten im OP übernehme vergewissere ich mich lieber 3x, dass es der richtige Patient für die richtige Operation auf der richtigen Seite ist.
    Wenn da irgend etwas nicht ganz koscher ist (im OP-Programm andere Seite ausgeschrieben als in der Kurve oder ähnliches) nerve ich lieber noch ein paar Leute mit Fragen bevor was blödes passiert.

    Normalerweise kann man ja auch noch die Patienten fragen, was für ein Eingriff auf welcher Seite vorgesehen ist. Das war anscheinend bei der betroffenen Patientin nicht der Fall.
    Umso mehr muss man dann die ärztliche und pflegerische Dokumentation studieren und gegebenenfalls auch bei den behandelnden Personen nachfragen.

    Albert

    4. Juli 2010 at 11:17

  2. Wie passiert sowas? Ich erinnere mich, dass als mein Bruder eine (kleinere) Knieoperation hatte, er das betreffende Bein vorher rasiert, rot angemalt (Desinfektion?) und ein grosses schwarzes Kreuz draufgemalt bekam. Man sollte denken, dass sie bei einer Bein-abnahme noch mehr schauen würden, dass es auch das richtige ist?

    Pharmama

    4. Juli 2010 at 11:30

  3. Desinfiziert wird das Bein auf dem OP-Tisch, also wenn der Patient schon in Narkose liegt, also hilft das sicher nicht gegen Verwechslungen.
    Was hilft, ist das entsprechende Seite in der Op-Aufklärung, in der Anästhesieaufklärung, im Narkoseprotokoll und auf dem OP-Plan angegeben gehört. Leider schreibt da oft einer vom anderen ab und manchmal wird´s im OP-Plan vergessen. Dann hilft normalerweise das Kreuz auf dem Bein und die Rasur, was bei zunehmender Belastung der Pflege auf Station auch nicht immer passiert. Dann sollte allerdings der Anästhesist vor Einleitung nochmal fragen welche Seite, die Antwort des (eventuell sehr aufgeregten oder per Medis abgeschossenen) Patienten mit Akte/Aufklärung abgleichen und Rücksprache mit dem Operateur halten. So müssten sich normalerweise alle Unstimmigkeiten aus dem Weg räumen lassen. Was da alles schief gelaufen sein muss, weiß ich auch nicht. Vielleicht alle übermüdet, nichts dokumentiert, nicht auf Station vorbereitet, keine Akte mitgegeben, weder Anästhesist noch Operateur kennen den Pat/haben selber aufgeklärt und Rö-Bild hing falsch herum. Normal ist das jedenfalls nicht…

    Avialle

    4. Juli 2010 at 12:49

  4. Bei meiner Schulter OP, habe ich auch mit einem Edding ein dickes Kreuz auf den oberen Bereich des Armes gemalt bekommen.

    psychoMUELL

    4. Juli 2010 at 13:05

  5. ähm,sorry aber das Kreuz auf die zu operierende Körperstelle zu platzieren,hat nichts mit Belastung der Pflege zu
    tun….
    ist bei uns im Haus nämlich Sache des Operateurs…
    unser Belegarzt (Orthopäde) und auch die anderren Chirurgen kümmern sich selbst darum.Macht meiner Meinung nach auch Sinn….
    lg
    As

    astrid knöller-weiß

    4. Juli 2010 at 14:26

  6. „Das Krankenhaus erstattete Selbstanzeige bei den Behörden und suspendierte den verantwortlichen Arzt. Ein weiterer Mediziner darf nur noch unter Aufsicht operieren.“

    Immerhin…

    Bei meiner letzten OP konnte mir das zum Glück nicht passieren, da mein Arm eh schon in Gips lag und sich durch die Infektion eindeutig vom Rest unterscheiden ließ. An der Schleuse grinste mich der Anästhesiepfleger noch an, schielte auf den Gips und meinte „Na, welchen Arm operieren wir denn wohl?“ *g*

    Aber bei Mitpatienten hab ich auch mitbekommen, dass bei den Aufklärungsgesprächen das betreffende Körperteil nochmal extra erwähnt und eingetragen, am OP-Tag selbst rasiert und markiert wurde. Zusätzlich wurde noch ein Zettel mit Name, Zimmernummer und bevorstehener OP (z.B. „ASC re. Knie“) am Bettgalgen befestigt.

    Squirrel

    4. Juli 2010 at 14:53

  7. Klar, darf nicht passieren.
    Manchmal frag ich mich aber…wie schnell passiert sowas doch? Bei all dem Stress. Patient bestätigt im Halbschlaf – linkes Bein. Das Gegenüber notiert (ebenfalls im Halbschlaf weil überarbeitet) linkes Bein (aus seiner Sicht). Und schon nimmt das Drama seinen Lauf.
    Ist ja nicht das erste – und sicher nicht das letzte mal.
    Reputation ist natürlich dahin.
    Für den Patienten auch mistig….
    Aber, ganz ehrlich? Verstehen kann ich das.
    Obwohl ich sicher die Welle machen würde, wäre mir das als Patient passiert.
    Gott sei Dank haben sie mich neulich auch nochmal gerüttelt um sich zu vergewissern das sie die richtige Schulter malträtieren.

    Klinkenputzer

    5. Juli 2010 at 00:21

  8. Albert:
    nur weil die Dame so alt ist und im Pflegeheim ist, ist der Verlust weniger schlimm für sie? Was ist das denn bitte für eine Logik?

    Blogolade

    5. Juli 2010 at 09:03

  9. @ Blogolade

    Das ist genau die Argumentation, die die Versicherung des Arztes bzw. des Krankenhauses in der Auseinandersetzung um Schadensersatz und Schmerzensgeld ins Feld führen wird. Und bis zu einem gewissen Grad trägt sie auch, da das falsch amputierte Bein einer 91jährigen sicher weniger Einbuße von Lebensqualität mit sich bringt, als wenn dies z.B. einer 13jährigen Patientin passiert.

    Christian

    5. Juli 2010 at 09:30

  10. Ich schätze mal, Albert hat das nicht wirklich ernst gemeint…

    Squirrel

    5. Juli 2010 at 11:12

  11. Haben die schon mal was von WHO Safe Surgery Checklist gehört? Patientensicherheit ist wohl noch nicht überall ein Thema.

    @Avialle: Das was Du beschreibst, ist ein Prozess, der im Qualitätsmanagement erfasst werden muss und nicht einfach so aus Gewohnheit durchgezogen werden darf. Der Fehler ist nämlich *trotz* dieser von Dir beschriebenen Vorrichtungen passiert.

    lupo

    5. Juli 2010 at 22:45


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