Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Desmond lebt!

with 3 comments

Nur ein kleiner Nachtrag zu meinem Beitrag vom Anfang dieser Woche:
Desmond hat in seinem Blog darauf geantwortet, naja, so indirekt, ohne Namen zu nennen, aber ich glaube, wir verstehen uns.
Also, Desmond, ich glaube Dir, dass Du ein richtiger Blogger aus Fleisch und Blut bist und Dich mit Deinem Blog für eine gute und sinnvolle Sache einsetzt, nämlich die Aufklärung über HIV und Aids.
Und wenn Dir die Firma Abbott fürs Bloggen ein paar Euro fünfzig bezahlt – was ich mal hoffe – so sei Dir das Geld herzlichst gegönnt. Auch andere Blogger verdienen sich etwas dazu. Ich gehe mal davon aus, dass Dein Honorar nur einen winzigen, vernachlässigenswerten Bruchteil der Kosten ausmacht, welche der Konzern in diese Webseite und die damit verbundene Kampagne steckt.
Woher kommt also das Unbehagen?
Wenn ein Pharmakonzern Geld verteilt, dann tut er das nicht uneigennützig. Für kritische Medizinjournalisten – wie zum Beispiel die Autoren der „Stationären Aufnahme“ hat es immer ein gewisses „Geschmäckle“, wenn so eine Firma Selbsthilfegruppen unterstützt und Informationskampagnen unter Betroffenene startet.
Ganz klar: die Jungs wollen ihre Pillen verkaufen und damit eine Menge Geld verdienen.
Ob diese Pillen aber im Vergleich zu den Pillen der Konkurrenzfirmen und anderen Behandlungsformen medizinisch sinnvoll und wirtschaftlich sind, das können nur die wenigsten informierten Patienten entscheiden. Ärzte wiederum bilden sich ihre Meinung durch die Lektüre von Fachzeitschriften, den Besuch von Fortbildungsveranstaltungen… naja, und durch Gespräche mit von Pharmareferenten. Naja. Und genau das ist das Problem: es ist so verdammt schwierig, an gute, objektive Informationen heranzukommen.
Viele Ärzte haben Angst vor informierten – oder besser gesagt: vor gezielt einseitig informiert wordenden Patienten.
Warum?
Dazu müssen wir noch einmal umschalten in eine Hausarztpraxis am Rande der Stadt, in welcher Frau Wondraschek demnächst ihre Aufmachung machen wird.

Written by medizynicus

23. Juli 2010 um 19:51

3 Antworten

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  1. Wenn er nicht über Medikamente bloggen darf, sehe ich das Problem nicht. Davon, dass der Firmenname in einem Impressum oder so steht, werde ich diese Firma nicht bevorzugen. Davon abgesehen könnte ich mir vorstellen, dass HIV-Medikamente verschreibungspflichtig ist, was heißt, dass der Arzt diese Frage entscheidet. Der wiederum basiert seine Entscheidung für oder gegen ein Medikament hoffentlich nicht darauf, ob der Hersteller ein Blog finanziert oder nicht.

    NK

    24. Juli 2010 at 00:51

  2. wenn eine firma sponsert, will sie was davon haben. und zwar möglichst viel, ganz gleichgültig in welcher branche.

    die gefahr bei selbsthilfegruppen etc. besteht darin, dass eine objektive beurteilung nicht möglich ist, einfach weil die patienten viel zu verschieden sind und meist medizinisch nicht so ausführlich informiert sind wie ein arzt.

    dadurch wird einerseits halbwissen verbreitet, andererseits werden krankhafte zustände welcher art auch immer verniedlicht oder auch dramatisiert. dazu kommt der schöne effekt: der nachbarin hat das so gut getan, bitte, herr doktor, das will ich auch. oder auch: ich habe gehört, dass das mittel x die nebenwirkung y hat, da nehm ich das einfach nicht, sag es aber nicht dem doktor, weil, der ist sonst böse. gerne auch: da hab ich gehört es gibt was neues, das soll toll sein, kann ich das bitte haben.

    das verfälscht die compliance, letztlich hat dann auch der verschreibende arzt keine echten ergebnisse über wirkungen und unerwünschte wirkungen, wechselwirkungen und den ganzen rest. die sache mit dem „mündigen“ patienten ist eine ziemlich risikobehaftete.

    es ist immer einfach, in selbsthilfegruppen personen einzuschleusen, die – vorsichtig ausgedrückt – diskussionen oder gespräche in eine gewünschte richtung hinmoderieren. und das ist oft nicht ein vortragender, sondern ein „patient“.

    dieselbe gefahr besteht eben auch in blogs, und was meinen sie warum ein blog einen moderator braucht – wegen der rechtschreibung und der grammatik??? und wieso braucht ein blog einen sponsor? aber wenn irgendwo irgendwie irgendwas passiert, dann kann man getrost sagen: steht doch im impressum, ganz klein links unten.

    und deswegen sind derartige dinge mit vorsicht zu geniessen und werden kritisch betrachtet. was jetzt nichts gegen desmond sein soll, dessen blog ich nicht kenne. aber ich kenne die industrie mit sicherheit zu gut.

    kelef

    24. Juli 2010 at 01:54

  3. Da gibt’s eigentlich nur den Arzneimittelbrief.

    Matthias

    13. August 2010 at 15:54


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