Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Fast Food verbieten?

with 13 comments

War ich doch letztens mal wieder bei diesem berühmten Frittenbräter mit dem schottischen Namen. Nee, wirklich, ich habe nur einen Veggieburger und einen Gartensalat gegessen und eine Cola Light dazu getrunken, ganz gesund alles, abgesehen von den Pommes natürlich.  Die lagen mir den Rest des Abends genauso schwer im Magen wie der Doppelklopper mit Tomate und Salatblatt. Echt.

Ein Politiker will unsere Kids vor dergestaltiger Vergewaltigung schützen.
Die Regierung ist dagegen. Warum?
„Einen gesunden Lebensstil kann man nicht verordnen!“ wird eine Regierungsquelle zitiert.
Oder ist es einfach, weil man dem schottischen Frittenbräter nicht so einfach mir-nichts-Dir-nichts die Hälfte seines Umsatzes wegnehmen will?
War wohl alles doch nur ’ne Sommerloch-Ente!

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Written by medizynicus

27. Juli 2010 um 06:12

Veröffentlicht in Nachdenkereien

13 Antworten

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  1. Würden alle „ungesunden“ Lebens- oder Nahrungsmittel ( so jedenfalls werden diese ja bezeichnet ) verboten, gäbe es ein Versorgungsproblem.

    Ganz abgesehen davon, wer hat denn überhaupt ein großes Interesse an einer überwiegend gesunden Bevölkerung???

    Übergewichtige sollen erhöhte Beiträge in die GKV entrichten? Schauen wir doch nach Japan, dort längst usus :-)).

    Eine schöne Woche noch.

    PS. Seit wann ist Cola-Light gesund??

    Doc-Consult

    27. Juli 2010 at 07:12

  2. Ach, Doc-Consult. Erhöhte Beiträge für Übergewichtige fand ich auch mal eine gute Idee – aber wenn Sie das Faß aufmachen, wo wollen Sie dann aufhören? Starke Raucher, Raucher, Gelegenheitsraucher? Alkoholiker, Gelegenheitstrinker? Verletzungen beim Skifahren ausschließen und eine Sonderversicherung Ski anbieten? Nichtsportler? Sportler (Gelenkschädigungen beim Laufen, Verletzungsrisiko bei Ballsportarten)? Anwälte (wg. Herz und Rücken)? Lehrer (weil der Job so ganz doll schlimm ist, daß man mit 50 aufhören muß)?
    Ich lebe im Prinzip sehr gesund, von meinem Job abgesehen, aber ich glaube nicht, daß risikoadäquate Tarife möglich sind.

    Till

    27. Juli 2010 at 07:25

  3. Das Sommerloch, die Zeit der großen Worte – man weiß nur nicht, ob aus einem Sonnenstich geboren oder ein Profil-Epileptischer Anfall eines – über eine ganze Sitzungsperiode hinweg in den schattigen Rand verdammten – Hinterbänklers.

    der Landarsch

    27. Juli 2010 at 08:31

  4. Hmmmm… hab letztens aus langeweile die Kalorien-Tabelle von McDonalds durchgelesen, und wenn ich mich nicht täusche hat der Veggieburger mehr Kalorien als der Cheeseburger….
    Achja, je nach Stimmung esse ich dort übrigens mehrmals die Woche, und übergewichtig bin ich sicher nicht….
    dieses Gelaber regt mich sehr auf. Typische, fette, deutsche Hausmannskost, die von den älteren Kritikern gerne konsumiert wird ist sicher nicht ungesünder als FastFood.

    Abmahner

    27. Juli 2010 at 11:51

  5. Edit:
    …“sicher nicht GESÜNDER als FastFood“ meinte ich xD

    Abmahner

    27. Juli 2010 at 11:52

  6. Nein, welch innovative und bahnbrechende Idee von diesem Mann *gähn*

    Interessant allerdings, dass der Herr selbst Allgemeinmediziner ist (http://de.wikipedia.org/wiki/Erwin_Lotter)…denn wenn durch ein solches Verbot für Jugendliche spätere fastfood-bedingte Folgeerkrankungen verhindert werden könnten, wird er so seine Praxis nicht mehr voll kriegen 😉

    Squirrel

    27. Juli 2010 at 12:35

  7. Ich krieg immer einen „dicken Hals“, wenn da wieder wer kommt und sagt, dies und jenes sein ein „ungesundes“ Lebensmittel, dasda uns solches ein „gesundes“.
    Apfel ist ja „gesund“, oder? Und als kleine Zwischenmalzeit morgens empfohlen, wenn der „kleine Hunger“ kommt. Und was passiert, wenn ich einen Apfel auf leeren Magen esse? Ich bekomme sowas von Magenbrennen, das ich meine, mir läuft die Säure bald zu den Ohren raus…

    Darum meine eigene Theorie: Abgesehen von vom Arzt zu behandelnden Stoffwechselerkrankungen, ist der menschliche Körper ein klar abgrenzbares, physikalisches System, das in einer bestimmten Zeit ein bestimmte Menge Engergie „verbraucht“. Beispiel: Ich steige mit meinen 100kg 10m die Treppe hoch, daraus ergibt sich A=F*s=m*g*s => 100kg * 9.81m/s^2 * 10 = 9.81kJ (Kilojoules). So bröselt unser Körper pro Tag dann eben im Durchschnitt an die 2000kCal zusammen. Esse ich nun soviel Nahrung, dass mein Körper daraus im Durchschnitt mehr wie 2000kCal gewinnen kann, nehme ich mittel- bis langfristig zu. Führe ich mir weniger Energie zu, nehme ich ab. Punkt.

    Der menschliche Körper lebt nicht von Luft und Liebe. Alles eine Frage von Aufnehmen und Verbrauchen. Das Problem ist, dass dieses Gleichgewicht aus den Fugen gerät und nicht, dass bestimmte Nahrung „ungesund“ ist.

    Oder nicht?

    lorem42

    27. Juli 2010 at 12:38

  8. Das arme Sommerloch! Immer muss es sich mit solchen Knalltueten rumschlagen. Ich warte noch darauf dass ein Politiker das Leben verbieten will. Ist doch sowieso viel zu teuer und gefaehrlich.

    Turtle

    27. Juli 2010 at 16:15

  9. Merke: der Veggieburger (auch als McFrühlingsrolle bekannt :D) hat mehr Kalorien als der Fleisch-Hamburger.

    stef

    27. Juli 2010 at 20:14

  10. Bedenklich ist nur, dass in der Politik scheinbar stets Sommerloch ist, zumindest wenn man die unausgegorenen, hohlen Sprüche als Merkmal dafür nimmt.

    Auch gut immer die Sprüche gegen die Snacks in den Frühstückspausen der Schüler.

    Und dann beschließt in Sachsen die Partei, der auch eben jener Kämpfer für ein „Fast-Food-Verbot für Kinder“ angehört, zusammen mit der Christlichen Partei, aus Kostengründen NICHT am „EU-Schulobstprogramm“ teilzunehmen.

    Matthias

    27. Juli 2010 at 20:51

  11. @Medizynicus. Das lag dir also “echt” im Magen? Ich denke das war ein klares Gebuhle um Punkte in der Öko Ecke. Vom Pommesanteil des Gerichtes abgesehen ist der Kram kompositionstechnisch hochwertige Kost. Das Problem ist immer nur die Menge.
    @Till. Wenn Du meinst wir können die zunehmenden Gesundheitskosten nach Helmut Kohl Manier (und Angela-Schülerin-Methode) aussitzen und weiterbezahlen, irrst Du leider. Wir müssen aktiv entscheiden WER in Zukunft weniger bekommt. Das sollte nicht in der Geriatrie passieren sondern bei den Unbelehrbaren und den Risk Seekers.
    Der Satz mit den Lehrern gefiel mir ausgezeichnet!
    @Lorem 42. Na endlich kommt mal ein rational denkender Mensch hier an. Genau das ist das Thema, wenn wir von MCD oder andern so arg schlimmen Diäten reden wollen. Jeder entscheidet darüber was er oben reinsteckt. Keiner ist ein Perpetuum Mobile. Somit ist das Übergewicht selbstverdient. Als Kassenarzt höre ich die Ausreden in solcher Menge, ich könnte Seiten füllen.
    Des Pudels Kern ist somit nicht die Zusammensetzung der Nahrung. Fehlernährung ist nämlich nur ein Problem in der Geriatrie.
    Des Pudels Kern ist die persönliche Entscheidung! Ich entscheide was und wann ich esse. Richtige Erkrankungen dieses Vorgangs lassen sich abgrenzen. Und wenn jemand die Adipositas per magna als “Krankheit” definiert, dann heißt das eben nicht, dass man den Patienten schont und mampfen lässt. Er muss zwar ärztliche Hilfe zur Selbsthilfe bekommen aber dennoch letztlich selber lernen seine Klappe nicht für jeden Mist auf zu machen.
    Es geht wieder um Rückeroberung der Autonomie. Und es geht um Verlassen der Hängematte im Schlaraffenland. Zur Not gehört der Unbelehrbare rausgekippt. Aber das “Verbot” ist natürlich die Sommerquietscheente.

    Dr.Offenraus

    27. Juli 2010 at 23:54

  12. Fast food, Sommerloch, Duisburg – wir sollten mal die Gelegenheit nutzen über unser Staatsverständnis nachzudenken.
    Wollt ihr die totale Bürokratie – oder wollt ihr Selbstverantwortung?

    der Landarsch

    28. Juli 2010 at 11:02

  13. @Landarsch.Ich vermute, es läßt sich gar keine Aussage zu diesem Thema erhalten. Ein Teil der Menschen wünscht sich die (bürokratische) Versorgung und ein Teil wünscht sich Freiheit und Eigenverantwortung. Das ist wie mit der Seife in der Badewanne. Sobald Sie das Ding packen, saust es davon. Der gleiche Patient, der heute über die Bürokratie bei seinen Anträgen auf MdE schimpft ist morgen verärgert, für Paracetamol kein rosa Rezept zu bekommen. Erst wenn der Patient die Rationierung persönlich bemerkt, wird die Diskussion breit genug werden um etwas zu bewegen.
    Duisburg allerdings bringt die Gemüter wieder unnötig in Wallung meine ich.

    Kreativarzt

    28. Juli 2010 at 16:32


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