Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Klinik, Kinder, Küche?

with 8 comments

„Und?“ fragt Kalle.
„Was und?“ fragt Sarah zurück.
„Wirste demnächst unsere neue Oberärztin?“
Sarah wird ein wenig rot. Sieht süß aus.
„Äh…“
„Chef hat Dich ja vorhin ganz toll gelobt! Ich glaube, der ist ganz begeistert von Dir!“
Wer ist das nicht? Ähem, ich meine natürlich…. selbstverständlich hat Sarah das Zeug zur Oberärztin, wenn sie noch ein paar Jahre im Geschäft bleibt!
„Vergiss es!“ sagt Martin.
Sarah zuckt zusammen.
„Was?“
„Vergiss es einfach! Du hast die Rechnung ohne unsere Verwaltung gemacht. Siehst Du hier bei uns eine einzige weibliche Kollegin in leitender Position? Natürlich werden die in der Verwaltung sich hüten, etwas böses zu sagen, womit man sie vor Gericht zerren kann, aber….“
Ich mag Martin nicht.
Trotzdem hat er Recht.

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Written by medizynicus

31. Juli 2010 um 06:55

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

8 Antworten

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  1. Und selbst wenn sie Oberärztin werde würde, würde sie eh nur als FA bezahlt werden, wie eben so üblich 😉

    Doc Brown

    31. Juli 2010 at 10:36

  2. Hach ja, wie bei uns. Kompetente Ärztinnen die seit Jahren im Haus sind. Und wer wird zum Oberarzt befördert, männliche Kollegen die seit 1-2 Jahren da sind. Ein Schelm wer böses dabei denkt…

    krankeschwester

    31. Juli 2010 at 11:12

  3. Medizynicus beschreibt die Reaktionen („wird rot“, „zuckt zusammen“) immer so wie in den Jugendromanen, die ich früher gelesen hab xD

    …naja okay, das übliche Frauen-Diskreminierungs-Gesülz eben. Ja, es stimmt. In den Top-Führungspositionen sind vor allem Männer. Das heisst in den „oberen Regionen“ der Gesellschaft.
    Wenn man sich aber die breite Mitte ansieht, sind Frauen überproportional gut aufgestellt.

    Wenn ich in eine beliebige Amtsstube reingehe, mit sicheren Posten (also unkündbare Bürotanten) dann sind fast nur Frauen dort. Im öffentlichen Dienst hat man als Frau die besten Chancen. Ebenso wie in vielen anderen, gut bezahlten, leichten Arbeitstätigkeiten.

    Es gibt nachweislich mehr arbeitslose Männer, der Anteil der Männer bei den Superreichen ist besonders hoch, ebenso wie bei den Super-Armen.

    Frauen haben – auf breiter Linie – bereits gewonnen. Natürlich wollen sie mehr. Sollen sie halt. Bin von Natur aus ja sowieso eher devot.

    Abmahner

    31. Juli 2010 at 14:17

  4. Also ich kenne viele Oberärztinnen – eine davon hat es jetzt sogar zur Chefin gebracht 😉 Dann kann Sarah das doch wohl auch

    ichbinines

    31. Juli 2010 at 14:55

  5. Der Prozentsatz der Damen in unserer Profession liegt inzwischen über dem der Männer. Es ist nicht zu erwarten, dass die Verwaltung bei der immer dünner werdenden Ärztedecke eine im eigenen Haus eingelernte Kollegin mit ordentlichem Level nicht zur OÄ absegnen. Wenn die sich mit den Herrschaften mal auf Augenhöhe unterhält, dann kommt nämlich raus, dass DEREN Jobs leichter neu zu beletzen sind als ihrer. Und wenn sie mit der Kündigung droht, dann fängt einer von gegenüber an zu rechnen, dass ein Honorararzt im Stationsdienst teurer ist als eine Oberärztin. Wie sagen die Briten so schön cool? The tables have turned!

    Kreativarzt

    31. Juli 2010 at 18:22

  6. @Abmahner: „Es gibt nachweislich mehr arbeitslose Männer“ – das dürfte daran liegen, dass verheiratete Frauen dann eben nicht arbeitslos gemeldet sind, sondern als „Hausfrau und Mutter“ firmieren.
    Die „unkündbaren Bürotanten“ sind oft Jobs, die auf ziemlich niedrigem Niveau bezahlt werden – sicher sind sie, das mag sein, aber lukrativ sind sie nicht. Typische Frauenjobs halt, wenn „sie“ noch was hinzuverdient.

    Ansonsten sagt die Statistik, dass Frauen immer noch für die gleichen Positionen weniger Gehalt bekommen – und dass Frauen überproportional häufig in schlechtbezahlten Jobs arbeiten, als Reinigungspersonal, in der Pflege, und als „unkündbare Bürotante“.

    Benedicta

    31. Juli 2010 at 21:28

  7. … auch wenn ich Martin nicht kenne, ich mag ihn auch nicht und das er recht haben könnte gefällt mir noch weniger. :-(.

    Lebensumbau

    1. August 2010 at 13:59

  8. Nagut, weil hier so wenig los ist antworte ich doch nochmal. Also, an Benedicta:

    >> Die „unkündbaren Bürotanten“ sind oft Jobs, die auf ziemlich niedrigem Niveau bezahlt werden

    Nein. Ich rede von den tausenden Amtstuben in Deutschland. Geh mal in ein Rathaus. Nicht nur von großen Städten, sondern auch von kleinen Orten. Das sind alles Angestellte in der Kommunalverwaltung. Und da ist der Frauenanteil übermäßig. Die verdienen im ersten Ausbildungsjahr soviel, wie viele andere nach der Ausbildung nicht verdienen. Und später dann halt quasi unkündbar (auf dem Papier unkündbar wie früher sind sie es ja nicht mehr, aber um da rausgeschmissen zu werden müssen sie schon alle Computer klauen).
    Ich hab lange genug in der Personalabteilung einer Kommunalverwaltung gesessen, um es zu sehen. Die verdienen mehr, als jeder andere in der freien Wirtschaft.

    >>> „Es gibt nachweislich mehr arbeitslose Männer“ – das dürfte daran liegen, dass verheiratete Frauen dann eben nicht arbeitslos gemeldet sind

    Ja und damit sind sie nicht arbeitslos, sondern kriegen Geld geschenkt ohne Gegenleistungen. Ist ja echt unfair, muss ich auch sagen. Wenn ich mich für den Job bewerben könnte, würde ich es machen.

    >> Ansonsten sagt die Statistik, dass Frauen immer noch für die gleichen Positionen weniger Gehalt bekommen

    Wie bereits von mir gesagt – Das stimmt, aber eben nur auf den höchten Ebenen. Alles was unter den Höchstverdienern liegt, haben Frauen bereits zu ihrem Vorteil gewonnen.
    Und das ist die Mehrheit der Gesellschaft.

    Abmahner

    6. August 2010 at 20:30


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