Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Ist das Deutsche Gesundheitssystem noch zu retten?

with 16 comments

Das ist oft genug versucht worden.
Seit Jahrzehnten folgt eine Gesundheitsreform nach der Anderen. Politiker aller Parteien beißen sich regelmäßig die Zähne daran aus und noch kein Gesundheitminister hat es geschaft, sich dauerhaft die Sympathien von Ärzten, (potentiellen) Patienten und Krankenkassenbeitragszahlern zu sichern.
Dabei sind die Probleme seit langem bekannt:
Das deutsche System ist kompliziert, bürokratisch und getrieben von zahllosen Partikularinteressen.
Und die Lösung wäre: Bürokratie abbauen, die ganze Sache irgendwie einfacher machen und versuchen, die Partikularinteressenten an einen Tisch zu bringen.
Aber das ist eben nicht so einfach.
So wundert es auch nicht, wenn die Antwort auf die obige Frage ein klares „Nein“ ist, zumindest wenn man einer Ärzte-Umfrage der CompuGroup Medical (das ist die Firma, welche die Computersysteme für Arztpraxen herstellt) glauben mag.
Und die Antwort:
Am besten alles so lassen wie bisher.
Besser wird’s dann zwar nicht, aber man kann halt weiter jammern.

Written by medizynicus

1. August 2010 um 07:53

16 Antworten

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  1. Hat sich wirklich schonmal jemand doe Zähne daran ausgebissen? Ich glaube vielmehr, dass es bisher nie richtig versucht wurde. Meist wurde vollmundig was versprochen und dann wurden Kleinigkeiten zu Gunsten der Lobby verändert die gerade dran war… richtig versucht hat es doch eigentlich nie jemand.

    Patrick

    1. August 2010 at 10:21

  2. Ich sach ja, wir bräuchten mal für ein paar Monate ne ordentliche Monarchie. ^^ Ersatzweise eine regierende Koalition die sich einig ist und den Mumm hat das Ganze anzugehen. Es gibt genug Beispiele in der EU die aufzeigen wie man es richtig machen kann.

    Denis

    1. August 2010 at 13:47

  3. Was nicht in meinen Kopf will: Das einzige Problem ist doch, dass die Politik seit Jahren in einer für die Sozialversicherung negativen Art und Weise handelt.

    Hier http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/091202_hinweis_gesundheitskosten.pdf ist das schön dargestellt (Abb. 2):
    Die Ausgaben pro Mitglied steigen mit dem BIP, während die Schere zu der Beitragspflichtigen Einnahmen seit 20 Jahren immer weiter auseinandergeht.
    [Der Rest des Papers ist auch nicht uninteressant!]

    Hätten Politiker also darauf verzichtet den Niedrliglohnsektor so aufzublähen (und vieles andere), würden wir kaum mehr zahlen als vor 20 Jahren – mit dem Unterschied, dass ich mich nicht für ein superneues, supertolles (und superteures :() Medikament schämen muss.

    Joachim

    1. August 2010 at 21:24

  4. Gesundheitskosten? Es muss ja wohl eher Krankheitskosten heißen. Anscheinend hat hier in diesem Land ohnehin kaum jemand Interesse an einer überwiegend gesunden Bevölkerung. Das einzige was helfen würde diese völlig unnötigen Kosten in einem erträglichen Rahmen zu halten, wäre an die Ursachen der Krankheitsbilder zu gehen. Aber es ist ja viel einfacher schnell mal die üblichen Pillen zu verordnen damit der zu hohe Blutdruck beim Fettleibigen wieder einigermaßen geregelt ist. Oder die immer wieder neuen und innovativen „Supermedikamente“ an Patient und Patientin zu bringen damit auch der Pharmaindustrie weiterhin bedingungsloser Gehorsam gezollt wird. Die medizinische Versorgung hierzulande ist ja so fantastisch, da können sich die anderen Staaten eine dicke Scheibe abschneiden. Hallo? Der Deutsche rennt im Schnitt 3 x zum Arzt, 2 x mehr im europäischen Vergleich. Werden die Deutschen deshalb älter als europäische Zeitgenossen? Nöö, eher das Gegenteil ist der Fall. Geht an die Ursachen der Krankheitsbilder, dann klappt es auch mit den Kosten im Gesundheitswesen.

    DocConsult

    2. August 2010 at 08:42

  5. Die eigentlich Schuldigen an unserer heutigen Misere sind
    – die Arbeitgeber, die ihre Gewinnerwartungen international mit denen aus Billiglohnländern vergleichen und dies entsprechend politisch durchdrücken (siehe @Joachim)
    -die Arbeitgeber, die sich – via Automatisierung – aus der sozialen Mitverantwortung herausstehlen
    – die Politiker, die sich dagegen sperren, dass die Gesundheitsausgaben von Allen getragen werden (aber natürlich nur in dem Bereich, den der Einzelne nicht steuern kann = Versicherungsfähigkeit)
    – Die Politiker, die den Beitragszahlern weiterhin das Blaue vom Himmel versprechen, damit die schön still halten (wenn sie dann plötzlich zu Zwangsnutzern = Patienten werden, sind sie halt gekniffen, aber das ist ja dann nur die Minderheit)

    Die Ärzte, die Patienten, die Physiotherapeuten, die Pharmaindustrie, die Apotheker etc. sind es nicht! Denn die erfüllen nur die Kundenwünsche! Der alte Vorwurf an das Gesundheitswesen, hier würden die Bedürfnisse selbst generiert, stimmt genauso viel und so wenig, wie in jeder anderen Sparte. Und wer hält denn die Politiker davon ab, die Bevölkerung (=Kunden) entsprechend zu instruieren/motivieren, keine sinnlosen medizinischen Leistungen zu fordern? In § 12 SGB V (Wirtschaftlichkeitsgebot) steht alles drin, nur eingefordert wird es nur von den Ärzten!

    Aber wenn die Politk weiterhin am Bismarck’schen Krankheitsbild und am Wirtschaftsmodell der Kaiserzeit festhält, wird sich auch nichts ändern können. Sicher ist es für die heutigen Politiker schwer, die Suppe auszulöffeln die ihnen Adenauer, Erhard, Kiesinger, Brandt, Schmidt, Kohl und Schröder eingebrockt haben. Aber weiter auf Aussitzen (in Erwartung einer fette Altersrente) zu spielen verstößt gegen ihren Amtseid!

    der Landarsch

    2. August 2010 at 12:00

  6. Mannomann Medizynicus. Wie kannst Du nur so im Blödzeitungsstil die Themen durchprügeln.

    Das hier ist doch die wichtigste Thematik schlechthin.
    Da könnte man wirklich was Interessantes hören. Auch was nicht zu hören ist finde ich witzig. Sowas sollte breiter angelegt werden.

    Was soll die maschinenstürmerische Sozialromantik von Landarsch?? Ohne die Exportgewinne der Wirtschaft wäre hier nix geboten. Und die Kackjobs sollen endlich zur Gänze durch Roboter übernommen werden. Dieses Gejammere über das Wegrationalisieren von Jobs ist völlig daneben. Die katastrophalen Resultate unserer Bildungspolitik sind das Problem. Jeder Doofbackenjob gehört in einen qualifizierten Arbeitsplatz verwandelt.
    Die ungebildeten Bölkstoffvernichter sind nicht unabänderlich. Sie sind Folge einer ignoranten beknackten Aussieberei in den Schulen.
    Das Problem sind unsere Schulen, nicht die fehlenden “Jobs”. Klar kannst Du eine U-Bahn mit Schaufel und Eimer Bauen. Dann sind alle am Arbeiten. Höllische Phantasie Landarsch.
    Sozialisieren der Gewinne aus Maschinenarbeit kann man doch nicht den Arbeitgebern auftragen. Das ist Käse. Hier ist der Fiskus gefragt. An der bescheurerten Steuerpolitik liegt sicher ein Teil des Problems.
    Apotheker sind sehr wohl an dem Problem mitschuld. Deren bloße Existenz ist eine Geldverbrennungsanlage.Die Leute können problemlos von nichtakademischen PTAs ersetzt werden. Es könnte die Medikamentenabgabe deutlich verbilligen, wenn man nicht das verticken von Fertigarzneimitteln durch Leute betreibt, die sie herstellen können sollten

    Was Du ganz zentral nicht erwähnt hast ist die fehlende öffentliche Diskussion über die unvermeidbare Priorisierung und Rationierung in der Medizin. Das muss von der Politik vor die Leute geworfen werden. Endlich ist man bereit Raucher, die das Rauchverbot in Kneipen missachten zu bestrafen. Irgend wann mal trifft das auch die AVK2b-Raucher die einfach weitere Gefäßchirurgiekosten erzeugen.
    Die Kosten in derMedizin MÜSSEN steigen weil Innovation und Qualität auch zunehmen müssen. Die Grenze darf nicht das Bruttosozialprodukt sein. Die Grenze muss endlich BENANNT werden. Die Leute sollensagen wie viel sie bereit sind zu bezahlen. Wer hier lügt ist mitschuld am Systemkollaps.

    Dr.Offenraus

    2. August 2010 at 21:55

  7. Man sollte noch mehr Klinikas privatisieren…wie das UKGM (oder schändlich ausgedrückt: Das Rhön Klinikum)

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite#/beitrag/video/1053556/Der-Patient-als-Ware

    Nee, also Scherz beiseite…Dürfte ich frei visionieren:

    1) Kein Parallelsystem zwischen gesetzlicher und privater Krankenkasse und 100 verschiedene Kassen braucht man ohnehin nicht.

    2) Die Pharmaindustrie entmachten. Patente haben in der Medizin nichts zu suchen…

    3) Keine weiteren Privatisierungen von Uniklinika und kommunalen Krankenhäusern. Auch dieses System kostet nur Geld. (In Amerika ist das Klinikswesen teurer als hier, da sie mehr in marketing etc. investieren..)
    Private Kliniksketten und Aktionäre werden wohl leider eine Realität bleiben, aber zumindestens sollte man hier bessere MINDESTSTANDARDS auf Bundesebene festlegen: auf wieviele Patienten eine Pflegekraft/ein Arzt kommen muss, sodass hier nicht nach Belieben wegrationalisiert werden kann…

    4) Was auch Zeit, Ressourcen, Geld frisst, sind die vielen für Außenstehende völlig unklaren Gesetzeslagen und Zuständigkeiten verschiedener Gremien..Universitätsklinika sind im Wesentlichen unter der Ägide der Landesgesetzgebung…Kreise als Träger der überörtlichen Sozialhilfe sind auch in die psychiatrische Grundversorgung involviert und müssen daher auch die stationäre und teilstationäre Versorgung garantieren. In Hessen treten sie dieses aber wieder an den Landeswohlfahrtsverband ab, in dessen Politik sie wiederum nur indirekt Einfluß haben…(Man bräuchte quasi einen Rechtsexperten, der die einzelnen Gesetzestexte aller 16 Bundesländer studiert und dort Mängel/Mißstände aufdeckt) Hier vor Ort wartet man zum Beispiel bei der Kinder und Jugendpsychatrie bis zu einem Jahr auf einen Therapieplatz (Außer bei akuter Suizidalität, Anorexie etc.)

    4) Bessere Vernetzung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung (wie auch immer das gehen soll)

    5) Die Budgetierung sollte aufgehoben werden

    6) Gespräche mit dem Patienten sollten sich wieder lohnen…(für Erst-Anamnese sollte man mal eine Mindestzeit von 20min festlegen und diese besser entlohnen..Derzeit liegt die wohl eher bei 3min. Würde evtl. den Drehtüreffekt etwas vermindern…So brauchst du als Patient 3 Termine bis dir der Arzt mal zuhört…)

    7) Die Einkommensdisparitäten zwischen verschiedenen Facharztgruppen sind zu groß und eine Reform, die eine gerechtere Verteilung anstreben würde, müsste auf den Weg gebracht werden. Das Fachärzte etwas höhere Löhne brauchen, aufgrund der teuren Geräteanschaffung ist klar, aber muss ein Radiologe das doppelte bis dreifache eines Hausarztes verdienen? Muss ein Neurologe der viele Konsiliaruntersuchungen für neurochirurgische Praxen erledigt, mehr verdienen als ein überwiegend psychatrisch arbeitender Neurologe, der aufgrund seiner Tätigkeit ständig sein Medikamentenbudget überzieht (oder gezielt unterversorgt) (?) Muss ein Hausarzt auf dem Land (Meck Pomm: 60000 Euro Durchschnitt) so viel weniger als in einer Großstadt verdienen(Zahlen variieren zwischen 83000-130000)–was zur strukturellen Unterversorgung im ländlichen Raum führt? (Das würde auch einige Ärzte verdammt ärgern, daher kann man auch nicht erwarten, dass Ärzte die bessere Politik machen würden…)

    8) Eine vernünftige Steuerreform sollte auf den Weg gebracht werden, die im Sinne der FDP vereinfacht..ABER NICHT im Sinne der FDP entsolidarisiert…Wer viel verdient soll viel zahlen..Der Spitzensteuersatz muss angehoben werden..Luxusgüter stärker besteuert sein. Konzerne sollten sich hier nicht rausziehen dürfen (Deutschland ist zwar auf dem Papier ein Hochsteuerland, aber es gibt so viele Schlupflöcher, dass viele größere Unternehmen fast gar nix zahlen.Im Gegensatz dazu ist für Kleinunternehmen das Steuerwesen ein Alptraum)

    9) Arbeitgeber sollten weiterhin 50% der Versicherungskosten tragen und auch Leiharbeiter, geringfügige Beschäftigte (400 Euro Jobber) müssten vom Arbeitgeber versichert werden…

    10) Es sollte aufgehört werden auch noch von Seiten der Ärzteschaft über eine Kostenexplosion und den nicht bezahlbaren Fortschritt zu reden..Defacto wäre es bei einer GERECHTEN Umverteilung auch bezahlbar…Bismarck hat großes geleistet, um den sozialen Frieden zu bewahren…Den Weg, den wir jetzt gehen, ist gute Versorgung für wenige, schlechte Versorgung für viele…Gesundheit muss generell frei sein: Auch Sportunfälle durch Risikosportarten/ Krankentransporte von Alkoholleichen sollten weiterhin frei sein. Das macht auch nur einen Bruchteil der Kosten des Gesundheitssystems aus: ..Ich finde es hier mehr als schändlich auch noch von ärztlicher Seite vorzuschlagen einen ‚Bestrafungskatalog‘ einzuführen bei dem die Patienten dann selbst zahlen…Zahnersatz ist eh schon nicht mehr frei…Alle möglichen sinnvollen Voruntersuchungen auch nicht..Bei Rehamaßnahmen u. Physiotherapie bezahlt man beträchtliche Kostenanteile als Patient und ewige Wartelisten bei Fachärzten für Kassenpatienten sind Gang und Gebe…Man wartet sich quasi tot…
    Also wir sollten nicht dieselben Fehler machen, wie in den USA…Dort wurde in den Krankenversicherungen ein System gepflegt, dass FOLGEERKRANKUNGEN bestehender Vorerkrankungen nicht bezahlt wurden und bei einem Raucher kann man sehr viel als Folgeerkrankung definieren. Bei Anorexie fast alles..Sollten also psychische Krankheiten bestraft werden? ist Alkoholsucht keine psychische Krankheit?

    Ist das alles Illusion???? Wer hätte noch vor einigen Jahren gedacht, dass die USA ihr gesundheitswesen reformiert?
    Obama hat in den USA immerhin gerade eine (für die derzeitigen amerikanischen Zustände) große Reform auf den Weg gebracht, die sowohl UNTERNEHMEN (ab 2016) in die Pflicht nimmt ihre Mitarbeiter zu versichern (Strafen für Nichtversicherung für Vollzeitmitarbeiter) + alle Amerikaner werden GEZWUNGEN sich zu versichern. Gleichzeitig wurden auch die Krankenkassen in die Mangel genommen und sie müssen in den neuen Versicherungsverträgen Mindeststandards entsprechen, die von der Bundesregierung festgesetzt werden. (Leute mit Vorerkrankungen müssen in die Versicherungen aufgenommen werden)

    blogwesen

    3. August 2010 at 03:56

  8. Lieber @ Dr.Offenraus, Du hast mich gründlich mißverstanden. Ich will nicht – sozialromantisch – die Automatisierung abschaffen, sondern die Arbeitgeberanteile zur Lohn-/Einkommenssteuer (dafür soll die Umsatzsteuer angehoben werden). Dadurch würden die Firmen nicht – steuerpolitisch – gezwungen, Arbeiter zu entlassen. Oder siehst du darin irgendeine Logik, wenn ich die Wirtschaft ankurble mehr Automaten zu produzieren, was dazu führt, dass hinterher weniger menschliche Arbeiter nötig sind? Es werden dabei ja nicht nur Alki-Jobs durch Maschinen vernichtet, sondern durchaus auch hochqualifizierte!

    Entweder wir leben von unserer Hände (und Geisteswindungen) Arbeit – dann muss menschliche Arbeit auch vorhanden sein. Oder wir lassen die Arbeit von Maschinen verrichten – dann brauchen wir alle einen Anteil an den Früchten dieser Arbeit, nicht nur die, denen die Maschinen gehören (für Musiker und Autoren gibts ja schließlich auch Tantiemen, nicht nur Zeilen-Honorar!)

    Was die Schule anbelangt, gebe ich Dir allerdings absolut recht!!! Ohne Wenn und Aber!

    Die einzige nachhaltige Lösung sehe ich allerdings in einem „Bürgergeld“ (in Höhe etwa von Sozialhilfe oder Hartz IV(, etwas, wovon ein Mensch leben kann und was von allen Bürgern und Unternehmen des Staates solidarisch = über Steuern aufgebracht wird, für jeden Menschen (nicht „Familie“) und „von der Wiege bis zur Bahre“! Dann hätte der Staat seine Sozialverpflichtung gerecht erfüllt und jeder Bürger könnte – nicht wie im Sozialismus: „alle Menschen sind gleich“ – „nach seiner eigenen Façon“ selig werden!

    Überdies könnten wir alle (staatlichen) Bewilligungsbehörden (Sozialamt, Arbeitsamt, Rentenversicherung, Wohngeldstelle, und, und, und) abschaffen! Mir ist es nämlich von Grund auf zuwider, dass irgendwelche unkündbaren Schreibtischtäter (mit Anspruch auf „Alimentation“) ständig – nach Aktenlage, Stimmung, ständig wechselnden (und damit oftmals unbekannten) Vorschriften von anderen Theoretikern und Hypothetikern und Tagesstimmung – über das Schicksal von Menschen entscheiden. Gerade als Arzt im Osten erlebe ich tag-täglich von dieser Seite Sadismus pur!

    Was die Sache mit den Rauchern etc.anbelangt. Hier fordere ich schon seit Jahren (in der innerärztlichen berufspolitischen Diskussion), dass die gesetzliche Krankenversicherung nur das zu versichern hat, was für den Einzelnen unkalkulierbar ist. Dazu sollte für alle Krankheiten (der ICD-10 bietet hier eine hervorragende Basis) eine Quote festgelegt werden, wieviel Prozent zufällig und wieviel selbst zu verantworten ist, z.B. (nur als Hausnummer) Erkältung: 10% zufällig, 90% selbst; Pneumonie: 30/70; chronische Raucherbronchitis: 30/70, Emphysembronchitis 70/30, Lungenkrebs bei Rauchern 60/40 u.s.w.

    Davon sollte das „zufällige“ dann von einer Staatlichen Solidarischen Versicherung (SolV) getragen werden, das „selbst zu verantwortende“ (ggf.) über eine Pflichtversicherung (SVV)! Beides in Kostenerastattungsform (dann weiß auch der Patient, was er kostet)! Die SolV sollte steuerlich getragen sein, die SVV risiko-orientiert kalkuliert (wie jede andere Versicherung auch).

    der Landarsch

    3. August 2010 at 11:24

  9. @Landarsch. Umstellung auf Umsatzsteuer ist prächtig. Voll dafür. Menschliche Arbeit als Konkurrenz zur Robotik: Unsinn. einerseits willst Du ja nicht die Alkjobs erhalten aber genau die sind es, die in Konkurrenz zum Robo stehn. Es stimmt wohl, auch qualifizierte Jobs können bei entsprechendem Steuerdruck verschwinden aber wenn die nur qualifiziert genug sind bleiben sie. Das ist Evolution. Kackjobs gehören in die Spülung. Wer nur für solche Jobs gelernt hat der soll nicht als unbelehrbar auf die Halde oder in den Strafvollzug, sondern geschult werden. Ausbildung für Jobs die auch gebraucht werden! Da gehört gesponsort+++ Aber doch nicht in diese Hirnhängematte Bürgergeld.
    Alles was Du damit schaffst ist Reduktion aller aversiven Reize die in einem normalen Leben die Komposition ausmachen aus der der Rythm &Blues eines produktiven Lebens werden kann. Klar übertreibens die Sozialamtsdeppen mit ihrem unreifen Machtausleben. Aber wehe alle bekommen die Rückmeldung sie könnten ohne Arbeit bestens durchkommen. Das ist kein Zeichen von Kultur oder Kreativität, den Lebens- und Frustdruck durch Kohle abschaffen oder mindern zu wollen. Das ist Abkehr von der basalen Lebenserfahrung, dass der Mensch erst mal finden muss was er ist um der zu werden der er sein kann. Das ist der absolute Irrweg dieses “Bürgergeld”.
    Da leben Eltern ihren Kids die Schnarcherei vor. Der Neid auf die Besserverdienenden bleibt und weil der Anreiz sich zu entwickeln schon von den verpennten Eltern nicht vorgelebt wird, gehts direkt weiter in die Phantasielosikgeit des Saufens Rauchens und Frustlaberns. Sieh Dir an was aus der Extremvariante Dubai u.Ä. geworden ist. Selbst wenn Du die Leute mit Kohle aller Nöte entledigst, Du wirst keine Nobelpreise, Kunstwerke oder technische Meisterleistungen von ihnen sehen. Völlig desinteressierte adipöse Nabelbegucker kommen da raus. Dreh ihnen die Kohle ab und sie versinken in Bedeutungslosigkeit. Dieser Geist steckt auch im Bürgergeld. Der Name verbrämt den darin verborgenen Versorgungswunsch. Wer “Bürgergeld” in Anspruch nehmen möchte, der ist der gleiche Typ der jetzt (zu 70%) Frührente beantragt (30% kann ich nachvollziehen) . Dieses Schlaraffenlandgeträume steckt dahinter. Und glaub nicht, dass nach Gewähren dieser Dauerüberweisung für Null Gegenleistung die anderen Begehrlichkeiten aufhören. Härtefälle hier, Ausnahmereglung da und dann die immer gleiche Frage weshalb nicht mehr?? Ein Weg der nur noch von der gerade zu Recht beerdigten DDR übertroffen wurde.
    Ich seh die Aufgabe nur in der völlig vermurksten Bildungspolitik. Massen (nicht alle) von stinkfaulen Lehrern, deren Leistungsverweigerung diese Misere nicht zu ändern hilft (hast Du mal Deine Arbeitszeit , Verantwortung und Urlaubszeit mit der von Lehrern verglichen?) . Wenn dieser Leistungsschatz gehoben würde, dann könnten wir die jungen Leute vernünftig fit machen für die kommende High Tech Welt in Schland, wenn wir sie mit Bürgergeld träge machen, kommen balde balde die Inder —–an die Arbeitsoptionen unserer Kinder!

    Dr.Offenraus

    3. August 2010 at 14:50

  10. @Offenraus.Bist Du Dichter? Der letzte Satz lässt hoffen.bin grad zeitknapp daher bald mehr (hausbesuch, Grüße!)

    Kreativarzt

    3. August 2010 at 20:18

  11. @Blogwesen. Ein paar Argumenten kann ich beipflichten aber einen GigantoIrrtum plus ein Lebensmissverständnis hast Du eingebaut.
    1. ist richtig, Gesundheit ist ein Zuschussbetrieb und erlaubt keine Gewinnerzeugung für Kassen jedweder Art. Weil aber BWLer und Versicherungszocker drin sind bekommst Du diese Zecken elend schwer wieder raus. Eine einzige Versicherung für alle GKVpatienten wäre völlig ausreichend und dann liebend gerne ergänzende Luxusversicherungen für Günther Jauch und Klaus Kleber, damit die dann ihren Katheterwechsel im Privattrakt der Klinik haben dürfen. Für schnellere Behandlung kann man sich gern privat versichern(die keinesweges immer medizinisch nötig ist), hübschere Krankenschwestern und berühmtere Ärzte gibts da auch zu kaufen (auch solche Medizin-Nulpen wie Hademar Bankhofer können da ein Pseudoarztauskommen finden).

    2. Das ist doch Kinderkommunismus, aufwachen Junge! Kassandra zu ermorden ändert nix am Untergang! Ich fürchte Du hast keinen Peiler, was die Leute in der Forschung leisten. Da sind wir alle kleine düstere Taschenlampen dagegen. Deine Vorfahren wären an Pocken gestorben und Deine Oma am Kindbettfieber usw gäb`s die Forschung nicht . Ohne Patentabsicherung für die finanzielle Nutzung der kompliziert erkämpften Wissenschaftserfolge geht es nicht. Sonst bekommen wir das Wissenschaftsniveau von Nord Korea.

    3. Kliniken am Privatisieren zu hindern geht so wenig, wie ihnen die Pleite zu verbieten. Aber den Gedanken mit Mindeststandards für Privatkliniken finde ich gut.

    4. Ein funktionierender “Krankenhausbedarfsplan” der nicht von biederen engstirnigen Lokalinteressen bestimmt ist, sondern Berlin folgen müßte wäre eine Alternative. Die Kirchen gehören aus dem System rausgeworfen, deren Moraldespotismus gegen ihre Angestellten ist indiskutabel, das sollte alles säkularisiert werden. Dafür muss mit neuen Gesetzen der Augiasstall umgebaut werden.

    5. Das hast richtig und knapp gesagt.

    6. Ich halte nichts von Einzelvergütungen für spezielle Leistungen. Selbst so ein smartes Bürschchen wie der Kaiser Wilhelm kritisierende Medizynikus arbeitet für einen Festbetrag. Er arbeitet so gut wie er eben kann. Er wird nicht die persönlichen Gespräche kürzen, nur weil er keine Euros extra bekommt. Das Umgekehrte passiert aber immer bei der “Belohnung” der Gesprächsziffern. Alle Ärzte rechnen sie ab und weil das der KV zu hoch erscheint, wird dann die Gesamtentlohnung einfach reduziert. Am Ende wird nur bestraft, wer nicht genügend aufschreibt.
    Es muss allen Klar sein, dass Ärzte ihren Beruf inPraxen so fleißig betreiben wie in Krankenhäusern. Das Unternehmerrisiko gehört in diesem gedeckelten System natürlich letztlich auch weg. Der Gedanke, man könnte Ärzte zum gefühlvollen Gespräch mit Patienten über Geld motivieren ist so was von bescheuert! Wer glaubt, die pauschaliert bezahlten Klinikärzte wären so arbeitsscheu wie die meisten Lehrer, der hat nullibulli Ahnung. Und Hausärzte malochen sich nicht den Hintern ab, weil sie dem Geld nach lechzen, sondern weil das verdammte Wartezimmer so voll ist!!!

    7. Die Einkommensunterschiede könnte man sehr schnell anpassen, wenn alle ein Patientenzahlentsprechendes Einkommen hätten und dabei eine Patientenzahlobergrenze. Fachärzte mit dem von Dir erwähnten Apparatebedarf würde ich an Kliniken angliedern um die Gerätenutzung kollektivieren. Die Kosten für das MRT hat damit nicht mehr der Radiologe zu tragen, der ist Pauschalgehaltbezieher. Das MRT schultert die Klinik, genauso die Endoskope für die Rohrgucker und die komplexe Raumvorhaltung und Instrumentierung/ Anästhesie von Chirurgen. Das gibt einen Aufschreien unter den Kollegen. Ambulant sei billiger (wird halt falsch verglichen) und schneller Zugang zum niedergelassenen Facharzt sei besser. Alles Pappendeckelargumente wenn`s um das Abwenden der Systempleite geht.
    Also da ist ein Fass das aufgemacht werden muss (fast so groß wie das der Lehrer-Leistungsverweigerung).

    8. Stimmt.

    9. Der Arbeitgeberbeitrag muss festgezurrt bleiben und nicht mit jeder Begehrlichkeit des Gesundheitssystems steigen. Das Röslermodell war gut. Was mit den 400.- Leuten passieren soll weiß ich noch nicht. Alles blick ich auch nicht.

    10. Aber das, das blick ich. Und Du hast gnadenlos unrecht. Bismark war evolutionär mit der Grundidee aber sie ist vom deutschen Anspruchsdenken ausgehebelt worden. Das Wichtigste aber, Blogwesen, das ist der unbremsbare Kostenzuwachs in der Medizin!
    Die Medizin zu Bismarks Zeiten könnte mit 2% des heutigen Budgets abgehakt werden. Was aber heute geforscht und entwickelt wird, ist Lichtjahre weiter als der damalige Pflegelevel von satt und sauber. Positronenstrahler, Kerntechnische Riesenanlagen wie Zyklotrons für Neutronenstrahltherapie, dosisgenaue Radiojodtherapie für Schilddrüsenablationen, Antikörperbehandlungen für Tumoren. Alles das und Ungesagtes und in der Laienwelt Unbekanntes kostet SÄCKEWEISE Geld. Jeder aber will es haben. Und dann wird es auch noch stur juristisch eingeklagt. Genau auf diese Tour gehen die Kosten ungebremst nach oben!
    DAS ist das Problem im System. Keinerlei Steuermöglichkeit die wirklich greift. Wenn die Pharmakosten endlich mal gedrückt werden, wie jetzt versucht, dann ist das ein Sockelbetrag, der abgezogen wird, die Zuwächse sind innovationsbedingt!!! die sind also dynamisch und folgen einer nichtlinearen Funktion. Euch allen wird vorgelogen es könnte gebremst werden unter Beibehaltung der Ideologie “Jeder kriegt alles”. Wir Ärzute sind die Deppen, weil bei jedem Wegschneiden von solchen Sockelbeträgen bluten wir mit, als wären wir die Verursacher.
    Das US-System will ich nicht kommentieren, das ist keine Alternative.
    Wir hier müssen endlich über Rationierung! und Priorisierung! reden. Politiker sind Feiglinge.

    Ich habe übrigends den Eindruck, Blogwesen, Du fröhnst auch einer Ideologie: Medizin sei kostenlos weil menschenfreundlich.
    Pack mal Deinen Koffer und geh nach Südafrika. Oder nach Namibia. Wenn Du dort mit großem Herz aber ohne Medikamente ankommst, bist Du so wertvoll wie ein um Regen betender Pfarrer in der Wüste. Medizin kostet Geld. VIEL Geld.

    Dr.Offenraus

    4. August 2010 at 19:38

  12. @ Dr.Offenraus: Du widersprichtst Dir selbst, was das Bürgergeld (von dir als „Hirnhängematte“ tituliert), anbelangt: Diejenigen, die heute schon lieber von Hartz IV leben als von eigener Arbeit, die werden es auch unter „Bürgergeld“ tun, die anderen nicht!

    Sicher werden sich viele Menschen weigern (können) sich weiterhin für Löhne von 4-6.-€/h ausbeuten zu lassen, wenn sie die Hartz IV-Vorschrifen nicht mehr dazu zwingen: das bietet dann aber den entsprechenden Innovationsschub (z.B RFID-Chips statt Kassiererinnen mit Kreuzschmerzen oder automatische Lagersysteme statt Lagerarbeiter =Lastenkulis).

    Andere Arbeiten, die nicht von Maschinen übernommen werden können, werden sicher deutlich teurer (z.B. Zimmermädchen, Brief-& Paketzusteller). Auch das wird aber zu entsprechenden Innovationen führen (z.B. weniger Post, mehr eMails).

    Auch Fehlentwicklungen wie z.B. den übertriebenen Internethandel durch Großinvestor-initiierte Händler wird es etwas dämpfen und die Existenz kleiner Geschäfte vor Ort wieder unterstützen.

    Grundsätzlich lebt jedes Lebewesen vom Erfolg und der Anerkennung, nicht von Reichtum und Besitz (siehe viele „brotlose“ Künstler und sozial, gesellschaftlich, politisch oder nachbarschaftliche engagierte Menschen). Wenn sich Anerkennung heute nur noch in Geld bemißt ist das tragisch. Wenn der Zugang zu diesem Geld (Hartz IV, ebenso wie die Ausbeutung in der Dritten Welt) künstlich und vorsätzlich von den Reichen (in Wirklichkeit: „Geldbesitzenden“) verknappt wird, dann ist das – (gesellschafts- und sozial-)politisch – nicht hinnehmbar.

    Ich persönlich finde selbst-steuernde Systeme immer besser als tausend noch so elegante Vorschriften! Wo klar ist „Das gibt’s, und mehr nicht“, brauche ich kein Heer von Beamten und Sachbearbeitern, die unterm Strich nichts anderes tun sollen, als – wie ein Automat – Gesetze umsetzen, und in Wirklichkeit nichts anderes tun, als sich Hintertürchen und Argumente einfallen lassen, diese Vorschriften zu umgehen! Die können wir uns alle sparen. Dafür dürfen die gerne was Produktiveres und gesellschaftlich Nützlicheres tun.

    Ich könnte noch Dutzend Vorteile aufzählen, die so ein Bürgergeld hat. Das Wichtigste aber ist: es koppelt die menschliche Existenz von der Unterdrückbarkeit ab und ermöglicht dennoch – anders als im Kommunismus – jedem Menschen die freie Entfaltung entsprechnd seiner geistigen, körperlichen Möglichkeiten und seinem Fleiß und Engagement. Genau das, was im Grundgesetz „Sozial“ bedeutet!

    Natürlich hat das Bürgergeld auch einen wesentlichen Nachteil: Machtstrukturen werden weitgehend zerstört, Repressalien verpuffen und die meisten gerade damit verbundener Arbeitsplätze fallen weg.

    der Landarsch

    5. August 2010 at 10:17

  13. @Landarsch , weshalb widerspreche ich mir? Hab ich nicht kappiert.

    Das Berenten der halben Bevölkerung (Bürgergeld) entzieht die schlecht bezahlten Jobs der Wirtschaft. Das ist richtig aber es ist ein Menschenexperiment. Damit erzeugst Du soziale Spannungen vom Feinsten. Hier die “Entlasteten” Niedrigstverdiener die wie “Parasiten” von den “Produktiven” empfunden werden. Das gibt Zündstoff. Es wäre ein Graben der durch die Gesellschaft liefe. Wer einmal in der Bürgergeldrente wäre, den würde der reale Wirtschaftslauf nicht mehr aufnehmen.
    Und all das, weil Du Deine Vermutung zur Gewissheit stilisierst, Menschen, die eine Basisrente bekommen, würden sich völlig neu organisieren. Sie würden dann entlastet vom finanziellen Druck, ein System von Arbeit für Anerkennung entwickeln, das den Verlockungen des Geldes plötzlich nicht mehr erläge.
    Das ist Sozialromanitk pur.
    Meine Erfahrung ist, dass Menschen in REALEN Arbeitsverhältnissen besser integriert sind, als in Berentungen, selbst wenn die Arbeit schlecht entlohnt ist. Hier kommt es zum Gefühl des “Drin”- oder “Draußen”- sein. Die Hoffnung auf finanziellen Aufstieg motiviert unvergleichlich.
    Die Idee das Geld durch Anerkennung ( also ohne den finanziellen Vergleichsmaßstab) erfolgreich zu ersetzen ist eine wilde Hoffnung.
    Würde Deine Vermutung stimmen, müßten wir in diesem Land schon eine Subgruppe beobachten können, die diese edlen Eigenschaften besitzt. Gückliche unerpressbare Menschen, die ihre Fähigkeiten frei entfalten und der Masse der Unterdrückten die Früchte der finanziellen Freiheit attraktiv vorleben. Das wären zB alle die fitten Frührentner, welche wir über die Jahre erzeugt haben um den Arbeitsmarkt zu entlasten.
    Zeigen die Dir einen gesellschaftlichen Gegenentwurf? Da kannst Du nur noch sagen, die bräuchten die rechte Anleitung zum Glücklichsein und da höre ich dann schon wieder den Politkommissar auf die desineressierten Genossen einschwafeln. Den will keiner mehr.
    Und die mangelnde Tagesstruktur, die den Kindern dieser Bürgergeldrentner vorgelebt wird??

    Dr.Offenraus

    5. August 2010 at 18:32

  14. Um mal zum Thema zurück zu kommen.
    Das Gesundheitssystem ist selbstverständlich zu retten! Man muss mit Ruhe an die Sache rangehen, Laut wird es immer von alleine.

    Die Kosten werden weiter steigen, weil die Ingenieure bessere Medizintechnik anbieten und die Medikamente immer wieder mal Meilensteine darstellen. Und diese Forschung ist begründet teuer. Sehr teuer.
    Eine Weile kann der Kostenanstieg durch Beitragserhöhngen abgefangen werden. Zwangsläufig muss aber ein Systemwechsel erfolgen, weil die Steigung beider Kurven nicht gleich ist.

    Die bisherigen Leistungen für jeden Beitragszahler können nicht aufrechterhalten werden. Es kann nicht mehr jeder alles bekommen. Das ist die unangenehme Wahrheit. Rationierung und Auswahl der Patienten die in Genuss der teuren Leistungen kommen ist unausweichlich. Es müssen offen die Grenzen der Versorgung in der Gesellschaft diskutiert werden. Dann kann eine Lösung gefunden werden, die nicht zu Bürgerkrieg führen muss. Die Wahrheit klar auszusprechen ist zwar der einzige Weg zu realistischen Lösungen, nur wer wählt eine Partei welche die Wahrheit sagt? Gerhard Schröder hat mit so etwas die SPD zerschlagen.
    Dennoch, richtig wäre die Wahrheit aber: Politischen Interessen entgegenstehend!

    Die Abschaffung der vielen Krankenkassen zu Gunsten von höchstens 3-5, die dann ein deutlich unterscheidbares Angebot für die Patienten nachweisen müssen. Der ökonomische Wettbewerb unter Einrichtungen mit (theoretisch) caritativem Leitbild ist eigentlich ein Witz. Man muss nur kurz überlegen welcher Patient im Wettbewerb der Kassen der beste Patient wäre??

    Ein System wie der NHS in England ist ungleich billiger aber : wirtschaftlichen Kasseninteressen entgegenstehend!

    Privatkassen darf es nur noch als Ergänzung zur Regelversorgung geben. Die Einbeziehung aller Bürger (auch der privatversicherten) zur Solidarversicherung ist vollkommen einleuchtend aber: Wirtschaftlichen Kasseninteressen entgegenstehend!

    Der Medikamenteneinkauf muss verstaatlicht werden.
    Das unnötige Angebot von zB 50 wirkstoffgleichen Generika, die sich nur durch die Namen auf den Schachteln unterscheiden erzeugt einen “Luftmarkt”. Es konkurrieren ja nicht unterschiedliche Produkte, sondern es versuchen nur möglichst viele Firmen vom Markt etwas abzubekommen. Das wäre sofort beendet, wenn ein zentraler Einkauf die Preise und die Auswahl bestimmen würde. Das wäre ein wirtschaftlicher Nutzen für die Patienten aber: Wirtschaftlich-industriellen Interessen entgegenstehend!

    Kreativarzt

    5. August 2010 at 19:55

  15. @Dr.Offenraus, offensichtlich kennen wir unterschiedliche Menschen oder sehen sie zumindest anders – sei’s drum. Aber grundsätzlich geht’s mir ja nicht darum Recht zu haben. Ich habe einen (meinen) Vorschlag gemacht. Sicher gibt’s auch andere.

    Grundsätzlich ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass nicht nur das Gesundheitssystem (siehe vorangegangene Diskussion), sondern das gesamte Sozialsystem unseres Landes immer schneller den Bach runter geht, weil es auf Prämissen und Vorstellungen basiert, die zu Bismarck’s Zeiten richtig waren, heute aber nicht mehr gelten. Wohlgemerkt, ich sagte Prämissen, nicht Ziele! Um die – keinesfalls in Frage gestellten – Ziele zu erreichen, muss man neue Wege gehen! Wir bauen die Autos auch nicht nach den alten Feldwegen des 19.Jahrhunderts (wie weiland Carl Benz), sondern haben die Straßen verbesser, damit darauf noch bessere Autos fahren können! Und vor allem haben wir neue Straßen gebaut mit neuen Materialien, geringeren Steigungen, größeren Kurvenradien etc.!

    der Landarsch

    6. August 2010 at 09:10

  16. Landarsch, da haste Recht

    Dr.Offenraus

    6. August 2010 at 14:22


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