Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Wie Chirurgen sterben (Teil 3)

with 8 comments

Herr Dr. Großbaum starrt aus dem Fenster.
Seine Lippen sind tiefblau und seine Augen eigefallen. Der Atem geht rasselnd.
„Ja, damals, zu meiner Zeit…“
Herr Dr. Großbaum keucht.
„“…da musste man hart sein gegen sich selbst!“
Okay, das kann man sehen wie man will.
„…das ganze Wochenende lang Dienst, achtundvierzig Stunden am Stück…“
„Wie haben Sie das bloß durchgehalten?“
Dr. Großbaum macht eine wegwerfende Handbewegung.
„…und Montags ging’s selbstverständlich ganz normal weiter!“
„Und das haben Sie durchgehalten?“
„Wir waren nicht so verweichlicht wie die heutige Jugend. Wir waren hart im nehmen. Morgens eine Captagon und abends ein Wodka. Und zwischendurch haben wir uns von Kaffee und Zigaretten ernährt!“
Das Letztere, das glaube ich Dir gerne!
„Haben Sie sich denn gegenseitig unterstützt?“
„Unterstützt?“
Dr. Großbaum versucht zu lachen aber es wird nur ein heiseres Husten.
„Unterstützt? Bekämpft haben wir uns! Gehasst haben wir einander! Wir haben uns gegenseitig vom OP-Plan gestrichen. Dem Chef war das Recht. Der wollte das so! Damit der richtige Kampfgeist aufkam. Deswegen hat er mal den einen und mal den anderen bevorzugt!“
Aha?
„…nur so konnten wir die notwendigen Erfahrungen sammeln. Wissen Sie, mein alter Chef, der hat immer gesagt: Hunde, die man zum Jagen tragen muss…“
„Ja?“
„…er hat den Satz nie vollendet…“
„…taugen nichts!“ zischt Schwester Paula mir leise zu.

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    Written by medizynicus

    4. August 2010 um 07:36

    Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

    8 Antworten

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    1. Das war dann wohl der aus heutiger Sicht „suboptimale“ Zeitgeist der „alten Tage“….

      Und wie viele Patienten gingen drauf, weil vor lauter Ego-Tripp und internem Gezanke Fehler gemacht, falsche Diagnosen gestellt und das eigenen Verhalten auf das Gusto der Chefs ausgerichtet wurde, anstatt das Wohl der Patienten in den Vordergrund zu stellen…

      Aber eben, das waren noch die Zeiten der „Götter in Weiss“. Wobei das dann genauso schlecht ist, wie heute die Patienten, die dank Dr. Google mit dem Komplett ausgearbeiteten Therapieplan in der Notaufname erscheinen und den Ärzten einfach nichts mehr glauben…

      lorem42

      4. August 2010 at 08:02

    2. @lorem42
      …bitte hier nichts anmaßen – „Götter in Weiss“? Fehler – nach wie vor „Halbgötter“ ja? Halb …
      Danke :-)).

      DocConsult

      4. August 2010 at 08:29

    3. Was denn? Keiner konnte/wollte ihn aufschneiden und *retten*?
      Die Götter in Weiss sind heute schon nicht mehr das, was sie mal waren (und das ist vielleicht ganz gut so).

      Pharmama

      4. August 2010 at 16:20

    4. … gut das die neue Ärztegeneration anders ist. Schlimm nur das sie sich mit soviel Nebensächlichkeiten rumschlagen muss, daß das eigentliche Praktizieren auf der Strecke bleibt.

      Lebensumbau

      4. August 2010 at 20:20

    5. ah… a man after my own heart *g

      anna

      4. August 2010 at 21:40

    6. Mensch Medizynicus, nu hilf ihm doch mal. Der Arme Kerl leidet doch offensichtlich unter seiner Hilflosigkeit so sehr, dass er seine „besten“ Zeiten raufbeschwören musste. Anstatt Deine virtuelle Schwester wieder die Nebensätze für das ungeneigte Publikum zischen zu lassen, hättest Du ihn nach seinen größten Erfolgen fragen sollen. Oder seinen spektakulärsten Monströsitäten. Oder wolltest Du nur dem Kaiser Wilhelm Comic seinen Bruder aus der Klinik gegenüberstellen? Haste da ne Vaterübertragung? Komm, leg Dich mal ganz entspannt auf diese Couch und….

      Dr.Offenraus

      4. August 2010 at 23:17

    7. Als ob nicht viele Ärzte immer noch pharmazeutische Unterstützung in Anspruch nehmen, um ihren Dienst rumzubringen. Ich persönlich kann mir das auch gar nicht vorstellen, wie man anders diese Arbeitsbelastung längere Zeit durchhält. Captagon ist zwar Geschichte, dafür gibt’s mit Modafinil einen neu- und andersartigen Wachmacher, wobei Cathin und Amfepramon als Amphetamin-Derivate auch noch ganz gut taugen, wenn man kein Methylphenidat abzweigen kann. Nach der Schicht dann Benzos und/oder Opioide zum Abschalten und Schlafen.
      Sag bloß, du hast noch nie zu was aus der Palette gegriffen?
      Selbst Schüler und Studenten kommen ja oftmals nicht mehr ohne solche Helferlein aus.

      Knaller

      10. August 2010 at 02:33

    8. @Knaller: echt, hab sowas nie gebraucht. Hab aber auch entgegen aller Klischées nie nachts durchgelernt, mit Koffeintabletten oder sowas. Kenne auch in meinem Umfeld niemanden. Außer meiner Mitbewohnerin, aber du studiert auch Pharmazie und ist nicht sonderlich gut darin!^^

      Avialle

      15. August 2010 at 10:30


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